RICHARD MARX: Songwriter

Beim Namen RICHARD MARX denkt man natürlich sofort an Balladen wie „Right Here Waiting“, die ersten “Kuschelrock”-CDs der frühen 90er hatten auch Hard`n´Heavy-Fans heimlich im Regal oder diese Single heimlich immernoch im Keller. Seit 1987 bringt der Mann aus Chicago immer mal ein Album raus, ist aber auch immer schon als Songschreiber für andere Musiker tätig. Nun hat er für sein zehntes Album entschieden, sich auf „Songwriter“ wieder selbst zu präsentieren. Und das sehr gezielt, in vier Blöcken mit fünf Songs zeigt er die Genres, in denen er unterwegs ist. Teils mit Unterstützung von Kollegen, aber auch mit seinen Söhnen Lucas und Jesse.

Kuschelrocker RICHARD MARX präsentiert sich als „Songwriter“

So geht es seicht los mit dem Pop-Quintett. „Same Heartbreak Different Day“ tut keinem weh, plätschert vor sich hin. Gut gelaunt, fast rockig „Only A Memory“, „Believe In Me“ klingt wie poppiger BRIAN ADAMS, jeder Song könnte nachts im Radio laufen für müde Autofahrer. Rocken kann MARX natürlich auch noch, „Shame On You“ klingt recht modern und macht Spaß. Auch „My Love, My Enemy“ passt mit seinem Drive ins Autoradio, „One More Yesterday“ ins Stadionkonzert für die Wochenend-Rocker. „We Are Not Alone“ drückt dann erfreulich kraftvoll, da hat wohl Junior Jesse Marx angeschoben.

Country mag MARX also auch. Läuft gut rein, „Everything I’ve Got“ kommt dezent rockig wie auch „One Day Longer“. Moderner New Country zum Mitschunkeln bei „Misery Loves Company“. Wer gern mal in modernen Country reinhört, der kommt hier gut zurecht. Ich greif dann doch lieber zu JASON ALDEAN. Der kann auch tolle Balladen, aber die gehören hier wieder RICHARD MARX. Eine melancholische Piano-Ballade wie „Always“ muss da sein, „Maybe“ lädt zum Träumen ein. Es wird auf die Tränendrüse gedrückt, Schmalzalarm, das mit dem Kuschelrock so geballt am Ende des Albums ist durchaus gewagt und man driftet weg vom Album. Hier ist es eher die schöne Stimme des Sängers, die einen noch in den letzten Songs hält.

RICHARD MARX macht AOR/Kuschelrock, Pop oder Country eher für den US-Markt

RICHARD MARX zeigt, dass er diese Ecken kann, egal ob AOR/Kuschelrock, Pop oder Country. So recht hängen bleibt dabei jedoch nichts. „Only A Memory“, „Shame On You“, „Misery Loves Company“, das schöne „Always“, jeder Block hat sein kleines Highlight, an das man sich erinnert, wenn das Album zu ende ist. Alles nett anzuhören, einen echten Hit gibt es aber nicht. Rockfans ist das alles zu seicht, Pop-Songs gibt es im Radio genug, die besser im Ohr bleiben. Country-Fans haben andere Helden, die Balladen gebündelt sind zu viel des Ruhigen.

Im US-Mainstream mag das anders sein, sicher gibt es dort genug Freunde gemäßigter Klänge, die das Album genau so mögen wie es ist. Wer RICHARD MARX und seine absolut angenehme Plüschstimme mag ebenso. Dass „Songwriter“ bei uns ein Erfolg wird kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Live hingegen hat MARX bei uns gerade anscheinend tolle Konzerte gespielt. Lassen wir uns überraschen, wohin die Reise mit „Songwriter“ geht.

Veröffentlicht am 30.09.2022

Spielzeit: 66:27 Min.

Label: Shelter Records

Homepage: https://richardmarx.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/richardmarxmusic

Die Tracklist von “Songwriter”:

POP
1. Same Heartbreak Different Day (Audio bei YouTube)
2. Only A Memory
3. Anything
4. Moscow Calling
5. Believe In Me

ROCK
6. Shame On You (Audio bei YouTube)
7. My Love, My Enemy
8. Just Go
9. One More Yesterday
10. We Are Not Alone

COUNTRY
11. Everything I’ve Got
12. Misery Loves Company
13. One Day Longer (Audio bei YouTube)
14. Breaking My Heart
15. We Had It All

BALLADS
16. Always
17. Still In My Heart
18. Maybe
19. As If We’ll Never Love Again
20. Never After