Schon das Artwork sieht aus, als wäre die Menschheit auf dem Weg in den tiefsten Abgrund. Ein Weltgericht, das niemanden verschont, welche Musik würde dazu wohl gespielt werden? Ein Epos freilich, aber eins das sich verbietet, Erlösung zu versprechen. „The Womb Of The World“ heißt das Album, das, gäbe es eine filmische Entsprechung, wohl Pasolinis „Die 120 Tage von Sodom“ gleich käme. Und dieser Film war ja schließlich auch eine Art Weltgericht, nicht wahr? QRIXKUOR trauen sich nun zu, eine Pforte aufzustoßen, aus der ein Sog hervorgeht, mit dem Potenzial selbst den furchtlosen Death Metal-Hörer*innen Albträume zu bescheren.
Das Londoner Duo QRIXKUOR, war bislang nicht gerade für Fast Food-Death Metal bekannt, „The Womb Of The World“ geht aber deutlich weiter. Neben dem abstrakten, dissonanten Death Metal sehr morbider Prägung zeigen QRIXKUOR auf diesem Album eine symphonische Seite, aber eine, die abseits von Keyboardteppichen liegt. Bläser, Streicher, ein Chor – alles Elemente, die im Death Metal zwischen GRAVE MIASMA und TEITANBLOOD wie Fremdkörper wirken müssten, die Musik bei QRIXKUOR aber erst vollständig machen. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Riffing auf „The Weight Of The World“ weniger prägnant ist, sondern etwas in den Hintergrund rückt, um überbordenden Wahnsinn des „Orchestra Of The Silent Stars“ Raum zu geben. Oder anders ausgedrückt: QRIXKUOR hätten ohne das Ensemble ihr Songwriting prägnanter gestalten müssen.
Die symphonischen Elemente verwässern QRIXKUORs komplex-morbiden Death Metal nicht, sie lassen „The Weight Of The World“ erst richtig verstörend klingen.
Die Zeiten, in denen symphonische Elemente als Element im Metal als innovativ angesehen werden können, sind längst vorbei, und nur in Ausnahmefällen bringt sie mehr, als die Musik künstlich aufzublasen. QRIXKUOR wagen sich nun an etwas, das eigentlich nicht funktionieren kann: „The Womb Of The World“ ist ein chaotischer Mahlstrom, in dem unglaublich viel passiert. Passgenau fügt Songwriter S. zur Death Metal-Basis Elemente ein, die das finstere Gebräu nicht symphonisch aufladen, sondern erweitern und in Richtung Surrealismus treiben. Statt Pomp fügen QRIXKUOR ihrer Musik Ligeti und Penderecki zu. Daraus resultiert Chaos in seiner schönsten Form: Hinter jedem Ton lauern Wunder und Schrecken, als hätten sich DEAD CONGREGATION mit ELEND gepaart.
Beeindruckend ist dabei auch, wie sehr QRIXKUOR mit ihrer neuen, symphonischen Seite interagieren: Über das chaotische Solo von „So Spoke The Silent Stars“ spielen Streicher und Bläser mit hysterischer Erhabenheit. Dieses Beispiel zeigt, wie sicher QRIXKUOR auf dem schmalen Grat balancieren, bestialisch einerseits und episch andererseits ihre Musik zu gestalten. Das ist natürlich eine äußerst erschöpfende Mischung, und die Band ist auf „The Weight Of The World“ bemüht, Momente einzustreuen, in denen die aufgebaute Spannung abfallen darf, bevor sie sich wieder langsam aufbaut. So haben QRIXKUOR in dieser 50-minütigen, aufs äußerste verstörenden Symphonie mit „You Shall Know Perdition As Your Shrine“ einen relativ kurzen Song mit weniger als 10 Minuten, der aber zwischen dem Chaos wirklich mitreißende, bleibende Momente bietet, wie die treibende Sektion zu Beginn. Dem gegenüber steht der 17-minütige Titelsong, der zu Beginn etwas ziellos wirkt, es im finalen Drittel aber doch schafft eine Klimax aufzubauen, und dadurch dann absolut Sinn macht. Hier zeigt sich: QRIXKUOR haben das große Bild im Auge, ihnen ist das Album wichtiger als der einzelne Moment oder die einzelne Komposition.
QRIXKUOR auf dem schmalen Grat zwischen Hysterie und Erhabenheit: „The Weight Of The World“ ist unberechenbar, aber in sich stimmig.
Der Verfasser lamentiert häufig darüber, wie limitiert das Genre Death Metal doch sei. Entweder es ist der immergleiche Einheitsbrei, es ist verwässert, oder, wenn was Neues ausprobiert wird – Stichwort: progressiv oder technisch – vollkommen steril und emotionslos. QRIXKUOR, deren Debütalbum „Poison Palinopsia“ und die folgende EP „Zoetrope“ zeigten, welch großes Panorama aufgefahren werden kann, und doch sind sie verglichen mit „The Womb Of The World“ nicht ansatzweise so beeindruckend. Das Album ist ein Geniestreich, selbst wenn die ihnen die Komposition wie im Titelsong hin und wieder entgleitet. Die Kollaboration mit dem „Orchestra Of The Silent Stars“ wuchtet QRIXKUOR in die Riege der Bands, die das Genre beleben, ihm neue Impulse geben und nebenbei zeigen, wie symphonische Elemente integriert werden können, ohne in die Kitschfalle zu tappen. Wer im morbiden Bereich zwischen Death und Black Metal die nächste Ausbaustufe erleben will: Ein Blick in diesen lichtlosen Abgrund, und man verliert sich darin nur zu gerne.
Wertung: 8,5 von 10 Himmel voller Geigen
VÖ: 7. November 2025
Spielzeit: 50:19
Line-Up:
S – Guitars, Bass and Vocals
D – Drums
The Orchestra Of The Silent Stars – Symophonic accompanies, all additional Instruments
Jaded Lungs – Vocals („And You Shall Know Perdition As Your Shrine“)
Label: Invictus Productions
QRIXKUOR „The Womb Of The World“ Tracklist:
1. So Spoke The Silent Stars
2. Slithering Serendipity (Official Audio bei Youtube)
3. And You Shall Know Perdition As Your Shrine
4. The Womb Of The World (Official Video bei Youtube)
QRIXKUOR „The Womb Of The World“ Full Album Stream bei Youtube
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