NOVELISTS FR: Déjà Vu

NOVELISTS FR orientieren sich neu: Zwar hat die Metalcore-Band ihr Handwerk nicht verlernt, passt sich aber auf “Déjà Vu” aktuellen Trends an und füllt die Lücken mit zahlreichen Interludes.

Wir haben es schon oft in ähnlicher Weise erlebt: eine Band, die nach Besetzungswechsel eine neue Richtung einschlägt. Ob die Stilkorrektur nun der ausschlaggebende Faktor für den Ausstieg Matteo Gelsominos war oder ob NOVELISTS FR sich erst im Nachhinein neu orientieren wollten, ist dabei letztlich nebensächlich. Das Resultat „Déjà Vu“ kommt jedenfalls zunächst einem kleinen Schock gleich, obwohl die Franzosen mit dem deutschstämmigen Sänger Tobias Rische (ex-ALAZKA) einen durchaus fähigen Mann ins Boot geholt haben.

Den progressiven Aspekt ihrer Musik fahren NOVELISTS FR dennoch deutlich zurück – höchstens die virtuosen Gitarrensoli erinnern ab und an noch an den klassischen Sound des Quintetts –, um die elektronischen Spielereien stärker in den Vordergrund zu rücken. Die Synthesizer sind teils tragendes Element statt schmückendem Beiwerk, während Risches Singstimme standardmäßig in der Postproduktion aufgehübscht wird. Dass sich „Smoke Signals“ zwischen seinen drei Gitarrensoli auch an BRING ME THE HORIZON anlehnt, scheint daher kein Zufall.

Bei fünf der zwölf Tracks auf “Déjà Vu” handelt es sich um Interludes

Diese Neuausrichtung hin zu einem moderneren Sound gelingt einerseits ohne größere Probleme, raubt NOVELISTS FR im Gegenzug jedoch das markante Profil, das die Band ursprünglich ausgemacht hatte. Durch Risches eher klassische Metalcore-Stimmfarbe und einem höheren Anteil an harschen Vocals offenbart sich „Déjà Vu“ über weite Strecken als grundsolider, doch letztlich wenig aufregender Genre-Beitrag. Die Ausrufezeichen wie der starke Gastauftritts Flo Salfatis (LANDMVRKS) in „Heretic“ oder die unbeschwert-lockere Lead-Gitarre in „The Answer“ bleiben seltene Ausnahmen.

Anders die Interludes: Nur bei sieben der zwölf Tracks handelt es sich um reguläre Songs, den Rest füllen atmosphärische Zwischenstücke, die aber wie „Colas“ oder „Mae“ zumindest in Teilen gut in den Fluss der Platte integriert sind. Zu viele Einschübe sind es dennoch: Mehr als ein Fünftel der Spielzeit entfällt auf diese Instrumentalstücke, welche nicht immer glücklich platziert scheinen. Das Akustikgitarrenstück „Erre“ scheint an seiner Position etwas verloren, wohingegen in der zweiten Albumhälfte die permanenten Unterbrechungen dann doch etwas den Drive rausnehmen.

NOVELISTS FR haben ihr Handwerk nicht verlernt, passen sich aber an aktuelle Trends an

Das ist schade, da der synth-geschwängerte Metalcore von „Terrorist“ oder „Lost Cause“ durchaus einen gewissen Charme entwickeln kann. Da die packenden Momente auf „Déjà Vu“ allerdings zu weit gestreut sind, um tatsächlich bleibenden Eindruck zu hinterlassen, schielen wir während der 35 Minuten doch immer wieder in Richtung Backkatalog der Franzosen. NOVELISTS FR haben ihr Handwerk nicht verlernt, schreiben aber nun Songs, die uns mit all ihren Effekten den Eindruck vermitteln, das alles irgendwo schonmal gehört zu haben. Gäbe es doch nur einen Ausdruck für dieses Phänomen…

Veröffentlichungstermin: 23.09.2022

Spielzeit: 48:51

Line-Up

Tobias Rische – Vocals
Florestan Durand – Gitarre
Pierre Danel – Gitarre
Nicolas Delestrade – Bass
Amael Durand – Drums

Produziert von NOVELISTS FR, Christoph Wiechzorek (Mix) und Nicolas Delestrade (Mastering)

Label: Out Of Line Music

Facebook: https://www.facebook.com/NovelistsFR/

NOVELISTS FR “Déjà Vu” Tracklist

  1. Smoke Signals (Video bei YouTube)
  2. Mae
  3. Heretic (Video bei YouTube)
  4. Colas
  5. Made By Design (Video bei YouTube)
  6. Erre
  7. The Answer
  8. Terrorist (Video bei YouTube)
  9. Rest
  10. Do You really Wanna Know? (Video bei YouTube)
  11. Bias
  12. Lost Cause (Video bei YouTube)
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