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LUNAR AMULET: Lunar Amulet [EP]

Die Debüt-EP von LUNAR AMULET, des zweiten Solo-Projekts von Aaron Charles (FALLS OF RAUROS, RHÛN), ist nun schon seit Mitte Dezember draußen, und ich lese entschieden zu wenig Lobpreis über sie. Dabei ist sie phänomenal, und obwohl ich seitdem schon wieder massenhaft Musik versucht habe mir schön zu hören, komme ich immer wieder darauf zurück. Wie kommt’s?

Nun, Charles hat hier etwas geschafft in ästhetische Form zu gießen, was den Kern einer bestimmten Form von Black Metal schlechthin ausmacht: die Verschmelzung von Schönheit und Hässlichkeit zu einer Synthese, die in mir Weltschmerz, Sehnsucht und die rohe (und natürlich vergebliche) Rebellion gegen die Existenz, zu der wir verdammt sind, hervorruft. Ihm gelingt das, indem er die ästhetischen Mittel klassischen melodischen Black Metals aus Europa mit denen des avantgardistischen, vom Punk inspirierten Black Metals US-amerikanischer Prägung verbindet, und zwar in drei packenden Kapiteln, die jeweils durch kleine zauberhafte Instrumental-Stücke miteinander verbunden sind.

„Bones Beneath The Snow“

„the wolves no longer waited for night
they fed in the nakedness of daylight
and the living slept beside the dead
and the stars drowned in a glass
of smoke“

Nicht nur musikalisch, auch lyrisch hat Charles dabei richtig was zu bieten: So schön jedenfalls kann man den aufkommenden Faschismus und die Apathie der Massen diesbezüglich also ausdrücken, jedenfalls, wenn es nach meiner Auffassung dieser auch sprachlich durchaus gelungenen Strophe geht. Der Song dazu lebt von eindringlichem Punk und Black Metal á la YELLOW EYES, verknüpft diesen aber eben mühelos mit epischer Melodik – und legt dabei gegenüber den Black-Metal-Künstlern aus Brooklyn noch eine Schippe Eingängigkeit drauf.

„Yoke Of Oblivion“

Hat man sich von davon einigermaßen erholt, umschmeichelt das erste „Myth“-Instrumental die Seele mit einer süßen Melodie, die – man muss es so sagen – zum Träumen einlädt, vielleicht von einer besseren Welt, vielleicht vom AZ nebenan, denn „Yoke Of Oblivion“ holzt plötzlich drauf los wie nichts Gutes, und es ist einfach fantastisch, denn diese Kontraste sind es, mit denen man mich kriegt. Wie sie ausgeführt werden, ist dabei ganz große Klasse: Zwar legt Charles wert darauf, dass das Schlagzeug „mit einem einzigen Mikrofon“ eingekloppt wurde, aber es ballert trotzdem klar und druckvoll aus den Boxen, die Gitarre ist simpel, aber eben effektiv und stimmig, und insgesamt spielen Sound und Arrangements trotz des „Raw Black Metal“-Anspruchs in einer ziemlich hohen Liga, ohne dabei poliert oder kommerziell zu klingen.

„there is no peace
only the stillness
where the bearer is gone
and the yoke remains“

Die totale Ehrfurcht im Angesicht des Todes – auch das ein Gefühl, das diese Musik auszudrücken vermag.

„Lament For A Starving Moon“

Zum Beispiel mit dem dritten Stück der EP, erneut eingeleitet mit einem vielsagenden Instrumental, und hier lässt Charles sich nun völlig gehen, haut eine Wahnsinnshymne raus, die Bilder von Menschen, Wesen, Entitäten evoziert, die irre in den Sternenhimmel schreien. Die Verbindung von Punk, Black Metal und Dungeon Synth ist dabei nicht neu, wird aber viel zu selten dargeboten, und noch seltener sind die Melodien dabei so zwingend wie hier.

„i fed her once with wonder
my gift sank beneath her gaze
untouched by dawn or dream
and now i have no offering“

Der Mond ist da, aber er antwortet nicht. Dieses Stück mit seinen zwei großen hymnischen Melodien ist alles, was ich an Musik liebe in sieben Minuten verpackt und lädt zum Weinen oder Mondanbeten ein oder zu beidem. Ein Wahnsinn, dass Charles‘ andere Bands mir bisher nicht so taugen, denn das hier ist so faszinierend und voller Wehmut und Leidenschaft, dass es mich auch nach den dreißig Jahren, die ich jetzt nach Musik in diesem Stil lechze, noch tief berühren kann.

Ach, übrigens: Das Ganze gibt’s (digital) für umme auf Bandcamp. Heftig, oder?

Spielzeit: 29:07 Min.

Veröffentlichungsdatum: 05.12.2025, Januar 2026 (Kassette)

https://lunar-amulet.bandcamp.com/album/lunar-amulet

LUNAR AMULET „Lunar Amulet“ Tracklist

1. Invocation
2. Bones Beneath The Snow
3. Myth I
4. Yoke Of Oblivion
5. Myth II
6. Lament For A Starving Moon
7. Coda