Ist das schon ein Comeback oder hat es einfach nur länger gedauert? Knapp 13 Jahre liegt „Asymmetry“ (2013) nun zurück, aktiv arbeitete die Band aber bereits seit einigen Jahren am Nachfolger. Dann jedoch spielte wohl die alte Leier mit rein: Pandemie, Lockdown, Pläne mussten neu gefasst werden. In der Zwischenzeit feilten KARNIVOOL weiter an ihren Songs, akribisch und mit Engelsgeduld. Attribute, die nun „In Verses“ in entscheidender Weise prägen.
Nicht unbedingt zaghaft, aber doch zurückgenommen, behutsam gehen die Australier ans Werk. Auch wenn die Gitarren im Opener „Ghost“ zum Ende hin aufbrausend werden, setzt das vierte Album insgesamt doch auf überlegte Arrangements. Es sind atmosphärische Klangwelten, die sich langsam entwickeln, die weniger auf Effekthascherei setzen denn auf einen klaren roten Faden. Das mag man als Risikominimierung auslegen, ließe dann jedoch die Detailverliebtheit außer Acht, die „In Verses“ in entscheidender Weise prägt.
„In Verses“ ist ein Album, das schrittweise entdeckt werden will
Was ein locker vor sich hin trottendes Stück wie „Drone“ schließlich auszeichnet, sind die zahlreichen Feinheiten, die wir auf Anhieb gar nicht bewusst wahrnehmen. Oder anders gesagt: „In Verses“ ist ein Album, das wir schrittweise entdecken und das mit jedem Durchlauf wächst.
KARNIVOOL bewahren sich zwar weiterhin ihren Charakter, ganz spurlos ging die letzte Dekade jedoch nicht am Quintett vorüber. Frontmann Ian Kennys Gesangslinien scheinen noch wichtiger, wie seine ausdrucksstarke Darbietung in „Aozora“ unterstreicht, während ansonsten gerade die Instrumentalspuren im Gesamtkontext des Albums homogener konzipiert scheinen als etwa auf dem dynamischen „Sound Awake“ (2009).
Zwischendurch fehlt es „In Verses“ an Schwung, doch schlussendlich bekommen KARNIVOOL die Kurve
Das hat zur Folge, dass „In Verses“ im Laufe seiner üppigen 63 Minuten auch mal ins Mäandern kommen kann und auch die drückenden, verschachtelten Prog-Riffs eher Mangelware sind. Dass gerade zur Hälfte die Spannungskurve etwas abflaut, liegt indes weniger an der Qualität der ausladenden Stücke „Conversations“ sowie „Reanimation“, sondern am behäbigen Tempo beider Kompositionen zu einem Zeitpunkt, wo wir uns etwas mehr Schwung gewünscht hätten.
Selbiger kommt schließlich mit dem gitarrenfokussierten „All It Takes“ und dem fordernden, polyrhythmischen „Remote Self Control“, dessen rastlos-chaotischer Unterton frischen Wind mit sich bringt. Andererseits ist es nur konsequent und passend, dass KARNIVOOL für den Schlusstrack „Salva“ wieder in emotionaleres Terrain zurückkehren, wo in einem kongenialen Kniff der unerwartete Einsatz von Dudelsäcken dem Finale eine feierliche Größe zuteilwerden lässt. Ob nun Comeback oder nicht: Würdiger kann man ein Werk nach so langer Abstinenz kaum beschließen.
Veröffentlichungstermin: 06.02.2026
Spielzeit: 63:17
Line-Up
Ian Kenny – Vocals
Drew Goddard – Gitarre
Mark Hosking – Gitarre
Jon Stockman – Bass
Steve Judd – Schlagzeug
Produziert von Forrester Savell
Label: Cymatic
Homepage: https://www.karnivool.com/
Facebook: https://www.facebook.com/karnivool/
Instagram: https://www.instagram.com/karnivool_official/
KARNIVOOL “In Verses” Tracklist
1. Ghost
2. Drone (Video bei YouTube)
3. Aozora (Video bei YouTube)
4. Animation (Lyric-Video bei YouTube)
5. Conversations
6. Reanimation
7. All It Takes
8. Remote Self Control
9. Opal (Video bei YouTube)
10. Salva