KARL SANDERS: Saurian Meditation

Wer NILE bisher nicht wegen des Death Metals, sondern aufgrund der ägyptischen Einflüsse mochte, der kommt an diesem Album nicht vorbei.

Als NILE ohne Death Metal hat unsere vampi diese Scheibe kurz und bündig beschrieben – und das trifft die Sache auch richtig gut. NILE-Mastermind Karl Sanders widmet sich auf seinem Soloalbum ganz den exotischen Klängen des Nahen Ostens, setzt thematisch wie gewohnt auf die ägyptische Mythologie, befreit die Musik aber nahezu völlig von allem, was mit Metal oder auch nur Rockmusik zu tun hat. Der Albumtitel ist insofern sehr passend, als dass die sehr ruhige Musik einen so richtig einzulullen vermag und perfekt dazu geeignet scheint, Meditationssitzungen akustisch zu untermalen.

Die Musik auf Saurian Meditation zeichnet sich aus durch eine sehr feine, detailreiche Percussion, die aber auch ab und an von tiefen, mächtigen Trommelschlägen ergänzt wird. Dazu gesellen sich zumeist akustische Gitarren und allerlei andere, exotischere Saiteninstrumente. Nur selten mal wird dann doch auf E-Gitarren zurückgegriffen, die kurz einige Powerchords oder Leads einschieben, ehe sie sich auch schon wieder verabschieden. Die einzigartige Atmosphäre entsteht aber erst durch den an eine Beschwörung erinnernden Gesang, mal in Form dezenter, mystischer Chöre, mal als Leadgesang, wobei letzterer eher sporadisch eingesetzt wird.

Wirkliche Songs gibt es auf Saurian Meditation eigentlich nicht, dazu fehlt es an Hooklines und gewohnten Strukturen. Wer allerdings glaubt, das Album plätschere nur so vor sich hin, dem sei gesagt, dass es durchaus auch seine virtuosen Spannungmomente hat, bei denen sich etwa, wie in Luring the Doom Serpent, zwei Konzertgitarren mit Soloeinlagen duellieren. Dadurch, dass die eine Gitarre ganz nach links, die andere ganz nach rechts gemischt wurde, entsteht hier zudem ein netter Stereoeffekt. Hier zeigt sich, dass das Album technisch anspruchsvoll und durchaus auch für Gitarristen interessant ist.

The Elder God Shrine ist einer der etwas schnelleren und lebendigeren Songs, setzt sich zudem durch den rauen Stammesgesang ab und enthält zudem ein cooles E-Gitarrensolo, bei dem Sanders stark von einigen typischen Metal-Licks Gebrauch macht.

Auf Dauer ist die Verwendung des exotischen, nahöstlichen Skalenmaterials natürlich auch ein wenig eintönig und limitierend. Dennoch vermag Sanders es, faszinierende Klangwelten zu erschaffen und den Hörer zu verzaubern. Wer NILE bisher nicht wegen des Death Metals, sondern aufgrund der ägyptischen Einflüsse mochte, der kommt an diesem Album nicht vorbei.

Veröffentlichungstermin: 08.11.2004

Spielzeit: 56:23 Min.

Line-Up:
Karl Sanders

Gäste:

David Vincent, Dallas Toler-Wade u.a.
Label: Relapse Records

Hompage: http://www.nile-catacombs.net

Tracklist:
1. Awaiting the Vultures

2. Of the Sleep of Ishtar

3. Luring the Doom Serpent

4. Contemplations of the Endless Abyss

5. The Elder God Shrine

6. Temple of Lunar Ascension

7. Dreaming through the Eyes of Serpents

8. Whence No Traveler Returns

9. The Forbidden Path Across the Chasm of Self-Realization

10. Beckon the Sick Winds of Pestilence