JOHNBOY: Angelfire

JOHNBOY: Angelfire

Gibt es an der Saar etwa eine New Wave of Rock `n` Roll? Ok, zugegeben, zwei Combos reichen dafür natürlich nicht aus, aber es ist schon bemerkenswert, wenn man binnen kürzester Zeit auf zwei Formationen aufmerksam wird, die aus einem Bundesland stammen, das in der Vergangenheit nicht unbedingt zum Kerngebiet dieser Stilrichtung zu zählen war. Nach den Elvis-Rockern THE JETPACKS sind es JOHNBOY, die den Weg in meinen heimischen CD-Player finden. Mit der Legende Elvis hat das 2005 formierte Trio aber weniger zu tun, vielmehr sind DANKO JONES der omnipräsente Geist, der sich beim Lauschen von Angelfire durch die Gehirnwindungen schleicht.

Was erwartet der Leser folglich von diesem Album? Wohl eine Melange aus Garagenrock und Rock `n` Roll, weniger Rotz dafür aber mehr Groove… …und Überraschung – genau das bietet Angelfire auch. JOHNBOY rocken mal gemächlicher (Second time, The last ride), ohne in Zeitlupentempo abzudriften, und mal flotter (Turn the wheel, Down, Angelfire), ohne in Höchstgeschwindigkeitsbereiche vorzudringen. JOHNBOY rocken im Gegensatz zu EAT THE GUN weniger aggressiv, stattdessen chilliger (Backyard city, das hinsichtlich des Strophenriffs an AC/DCs You ain`t got a hold on me erinnernde Level 7) und JOHNBOY scheuen auch die Einbindung weiterer Instrumente nicht. So kommt im lässigen, mit einer zusätzlichen Frauenstimme veredelten The theme sowohl ein Piano, als auch eine Slide-Gitarre sowie eine Flöte zum Einsatz und in The last ride sind das Piano und zusätzlich eine Trompete zu Gast.

Stellt sich dem Leser nach all den informativen Zeilen schlussendlich nur noch die Frage, wie es qualitativ aussieht: Ebenso wie THE JETPACKS muss man auch JOHNBOY ein sehr gelungenes Debüt attestieren, denn auch Angelfire klingt für einen Erstling sehr routiniert und die Produktion ist ebenfalls vom Feinsten. JOHNBOY wissen, worauf es ankommt, von der Idee bis zur Umsetzung, und die Kompositionen kommen folgerichtig auch zielgerichtet auf den Punkt. Ich persönlich hätte mir lediglich noch ein, zwei Hochgeschwindigkeitsnummern gewünscht, bleibe aber dennoch bei meiner Meinung: In dieser Form ist das Trio aus dem Saarland auf alle Fälle eine ganz feine deutsche Alternative zu DANKO JONES, das freche Mundwerk mal beiseite gelassen. Daraus resultiert zunächst eine absolute Kaufempfehlung für Anhänger der kecken Kanadier, aber auch Rotzrock-Liebhaber dürfen Angelfire ohne Berührungsängste antesten!

Veröffentlichungstermin: 21.08.2009

Spielzeit: 45:02 Min.

Line-Up:
Gesang, Gitarre: Dominik Sontag
Bass: Jochen Weidler
Schlagzeug: Tobias Hoffmann

Gastmusiker:
Gesang: Silke Bock
Piano: Tobias Krämer
Trompete: Walter Wagner
Flöte: Melanie Bill

Produziert von JOHNBOY
Label: Antstreet records
MySpace: http://www.myspace.com/johnboyrock

Tracklist:
1.Angelfire
2.Level 7
3.Picture
4.Second time
5.Wrong side out
6.Blindfolded
7.The theme
8.Backyard city
9.Turn the wheel
10.Burn
11.Rock `n` roll
12.Down
13.The last ride
14.Go* (Bonus Track)