IN EXTREMO: Kompass Zur Sonne

IN EXTREMO: Kompass Zur Sonne

Konstanz ist wohl die wichtigste Größe in der nunmehr 25-jährigen Bandhistorie IN EXTREMOs. Wann haben uns die Mitbegründer des modernen Mittelalter Rocks zuletzt enttäuscht? Ihren eigenen rotzigen Sound, den die Berliner seit „Sängerkrieg“ (2008) zusehends pointiert verfeinern, rütteln nur vorsichtige Experimente durcheinander. Das Erfolgsrezept bleibt seit einer guten Dekade unverändert, dabei jedoch in all seiner Routine abgebrüht genug, um selbst mit wiederholtem Aufguss noch Interesse zu wecken.

Bratende Gitarren, ein aufpeitschendes Schlagzeug und laute wie eingängige Sackpfeifenmelodien bilden abermals das Fundament, das sich auf „Kompass zur Sonne“ so routiniert wie unverwüstlich gibt. Schon der geradlinige Titeltrack und das eröffnende „Troja“ sind so unverhohlen nah an der Selbstkopie, dass wir eigentlich den Kopf schütteln möchten und das ob der gewohnt ansteckenden Spielfreude letztlich auch tun – nur eben aus anderem Grund.

„Kompass zur Sonne“ bietet das, was wir ohnehin erwartet haben

Osteuropäische Klangfarben schmücken die RUSSKAJA-Kollaboration „Gogiya“, dessen rockig-folkloristischer Ansatz live sicherlich ebenso gut funktionieren wird wie in den heimischen Wänden. Neue Ufer erkunden IN EXTREMO überdies im zweisprachigen „Wer kann segeln ohne Wind“: Für den schwedischen Part holten sich die Spielleute AMON AMARTH-Frontmann Johann Hegg ins Boot – auf dem Papier eine interessante Mixtur, die jedoch hinter unseren Erwartungen zurückbleibt. Heggs sonst mächtiges Organ in allen Ehren, hätte ein Sänger wie Einar Selvik (WARDRUNA) aus dem balladesk angehauchten Stück wohl deutlich mehr herausholen können als der limitierte Death Metal-Frontmann.

Dafür erfreuen IN EXTREMO alteingesessene Fans mit „Salva Nos“, einem lateinischen Traditional, dem zwischen Nyckelharpa und Schalmeien ein rockiger Anstrich verpasst wird. Darüber hinaus bietet „Kompass zur Sonne“ das, was wir ohnehin erwartet haben. Von der zweckmäßigen Ballade „Schenk nochmal ein“, die textlich eine tragische Wendung erfährt, über den mahnenden Antikriegs-Rocker „Saigon und Bagdad“ bis zum obligatorischen Trinklied „Reiht euch ein ihr Lumpen“ will sich vielleicht thematisch kein roter Faden finden, doch hat ein lyrisches Korsett den sieben Musikern ohnehin noch nie gepasst. Obwohl wir die furchtbar einfältige Deutschrock-Phrasendrescherei von „Lügenpack“ dennoch am liebsten vergessen würden, zeigt sie uns, wie wandelbar IN EXTREMO sein können, wenn sie denn wollen.

IN EXTREMO haben eine bewährte Mixtur über 25 Jahre stetig verfeinert

Das kann prinzipiell enden, wie es will, erklärt uns „Narrenschiff“ bald darauf mit Harfe und Augenzwinkern. Meist ist das Ergebnis dann aber doch rockig und eingängig mit einer Prise räudiger Unbekümmertheit: eine bewährte Mixtur, die IN EXTREMO stetig verfeinert und über ein Vierteljahrhundert fast schon perfektioniert haben. Damit hat uns das Septett schließlich noch nie enttäuscht – aber auch schon lange nicht mehr richtig begeistert.

Veröffentlichungstermin: 8.5.2020

Spielzeit: 47:43 / 55:31 (inkl. Bonus-Tracks)

Line-Up:

Michael Robert Rhein – Gesang, Cister
Kay Lutter – Bass
Sebastian Lange –Gitarren, Gesang
Marco Zorzytzky – Dudelsack, Uillean Pipe, Drehleier
André Strugala – Harfe, Pommer
Boris Pfeiffer – Dudelsack, Blasinstrumente, Nyckelharpa
Florian Speckardt – Drums

Produziert von Vincent Sorg

Label: Vertigo / Universal Music

Homepage: https://www.inextremo.de
Facebook: https://www.facebook.com/officialinextremo

IN EXTREMO “Kompass Zur Sonne” Tracklist

  1. Troja (Video bei YouTube)
  2. Kompass zur Sonne (Video bei YouTube)
  3. Lügenpack
  4. Gogiya (feat. RUSSKAJA)
  5. Salva Nos
  6. Schenk Nochmal ein
  7. Saigon und Bagdad
  8. Narrenschiff
  9. Wer kann segeln ohne Wind (feat. Johan Hegg – AMON AMARTH) (Lyric-Video bei YouTube)
  10. Reiht euch ein ihr Lumpen
  11. Biersegen
  12. Wintermärchen (Lyric-Video bei YouTube)
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  13. 7 Brüder (Bonus – nur Deluxe Edition)
  14. Saigon und Bagdad (Club Mix; Bonus – nur Delxue Edition)
Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.