ICARUS WITCH: Capture the Magic

Sehr guter US-Power-Metal, der die durch die Debüt-EP geweckten Erwartungen nicht ganz erfüllen kann.

Als ICARUS WITCH vor einiger Zeit mit ihrer Debüt-EP Roses on White Lace um die Ecke kamen, hatte die Band all meine Sympathien sofort auf ihrer Seite. Schon allein die Tatsache, dass die Truppe als waschechte US-Power-Metal-Band ihr erstes offizielles Lebenszeichen mit einer ALICE COOPER-Coverversion einläuten, dabei aber einen Song auswählen, der in der Diskografie des Horrorrockers eher als Außenseiter zu bezeichnen ist, hatte etwas sehr Eigenwilliges an sich. Zudem schürte man gekonnt die Erwartungen in den alten US-Metal-Anhängern, hier vielleicht die Geburt eines hochkarätigen Newcomers mitzuerleben.

Die richtig großen Erwartungen können die Pittsburgher nun mit ihrem ersten Full-Length-Album allerdings nicht erfüllen. Wer ein energiegeladenes US-Metal-Feuerwerk erwartet hat muss feststellen, dass es ICARUS WITCH ein ganzes Stück entspannter angehen, als man sich das vielleicht gewünscht hätte. Manchmal fehlt Capture the Magic schlichtweg der Pfeffer im Arsch und man wünscht sich an einigen Stellen, die Band würde ihr absolut vorhandenes Potenzial besser ausschöpfen. Der Sound, die Songs und das Feeling passen ohne Frage, und Sänger Matthew Bizilia hat mit seiner Stimme, die irgendwo in der Ecke Midnight und James Randel (OLIVER MAGNUM) anzusiedeln ist, auch das perfekte Organ für die Musik der Truppe. Um es an seinem Beispiel aber mal festzumachen: man hat nicht immer das Gefühl, dass der Mann seine Texte durchlebt. Und das gilt eben auch für die hervorragend agierenden Instrumentalisten – da wäre noch viel mehr Energie drin.

Es ist wirklich schade, denn würden ICARUS WITCH mehr nach vorne gehen und vielleicht noch die ein oder andere Steigerung im Songwriting mitbringen – diese Band hätte ihren Kultstatus und eine treue Fanbase sicher! Nichtsdestotrotz bleibt aber ein sehr gutes US-Metal-Album, das reichlich versiert und ehrlich umgesetzt wurde. Die Songs sind stimmig, besitzen Catchyness und Abwechslung. Ungewöhnliche Chorarrangements wie etwa in Soothsayer geben dem ganzen eine eigenständige Note, ebenso versteht es die Band sehr gut mit Stimmungen zu spielen. Oh Mann, ich kann mich wirklich nur wiederholen: Wenn die ihr Potenzial voll ausschöpfen würde, die Fans würden ihr zu Füßen liegen.

Man muss also definitiv einige Einschränkungen bei ICARUS WITCH in Kauf nehmen. Da die Band ihr Debütalbum aber auch limitiert im Doppelpack mit der Roses on White Lace-EP, drei Coversongs (Killers von IRON MAIDEN, Pictured Life von den SCORPIONS, Evilution von RUNNING WILD) und einem Videoclip anbietet, sollten US-Metal-Fans auf jeden Fall zugreifen. Den Namen an sich sollte sich aber auf jeden Fall jeder mal merken. Und falls es für den ein oder anderen einen Kaufanreiz darstellt: Bei The Gost of Xavior gibt FATES WARNINGS Frank Aresti einen Gastauftritt, für das OZZY OSBOURNE-Cover S.A.T.O. konnte George Lynch (DOKKEN) gewonnen werden.

Veröffentlichungstermin: 19.05.06

Spielzeit: 40:15 Min.

Line-Up:
Matthew Bizilia – Vocals
Steve Pollick – Guitar, Keyboards
Jason Myers – Bass, Keyboards
Jere Jameson – Drums

Produziert von Eric Klinger
Label: Remedy Records / Soulfood Music

Homepage: http://www.icaruswitch.com

Tracklist:
1. Storming the Castle
2. Capture the Magic
3. Soothsayer
4. Forevermore
5. The Ghost of Xavior Holmes
6. Darklands
7. Nemeton Forest
8. Awakening the Mountain Giants
9. S.A.T.O

Bonus (Limitierte Doppel-CD):
1. Roses On White Lace
2. Curse Of The Ice Maiden
3. Halcyon
4. Winds Of Atlantis
5. Dragon Ryder
6. Killers
7. Pictured Life
8. Evilution
9. Capture the Magic (Video)