Gute Frage eigentlich, wer braucht dich denn? Ich meine dich, lieber Leser, bist du für irgendwen auf dieser Welt wichtig, für das System, das am Laufen gehalten wird? Immer gemäß der allseits beliebten Regel: Hätten wir dich nicht, hätten wir jemand anders. Na, immer noch positiv gestimmt? Wenn ja, ich finde schon noch was um dich runter zu ziehen. Wenn nein, fragen wir mal GREY: Whoneedsyou? Braucht euch die Mathcore-Szene? Gibt es nicht eh schon viele Bands, die sich in ihren krummen Rhythmen winden und zu ihren dissonanten Gitarrenriffs so lange schreien, bis die glitschigen, gelben Bröckchen auf dem Teppich landen? Seien wir ehrlich, die Pfade des Mathcore sind schon genauso ausgelatscht, wie die von anderen Stilrichtungen, auch wenn es in diesem Metier weit weniger Bands tummeln. Vielleicht ist Whoneedsyou auch deshalb ein erfrischendes, wenngleich schmerzendes Album geworden. GREY, die hiermit ihr Debütalbum vorlegen, scheinen viel in sich angestaut zu haben und daher pressen sie alles geballt aus sich heraus. Eine bitterböse Antwort auf die Einstiegsfrage. Und wen wundert es, die Band ist genauso farbenfroh, wie ihr Name.
Highspeed-Attacken gibt es keine, viel mehr halten sich GREY an die tugenden der früheren Mathcore-Bands und haben einen bizarren Groove parat, der zwar auch mal schneller ist, aber dank der unglaublich massiven Gitarren wirkt dieser eigentlich immer recht gebremst. Das macht Whoneedsyou noch viel auslaugender, aber auch intensiver, so dass sich die Musik richtig ins Fleisch frisst. GREY geben sich hier und da, auch mit melodischen Elementen und sogar klarem Gesang ein Stelldichein, siehe Through The Roof, Underground. Schade nur, dass solche Kontraste nicht öfter in dieser guten halben Stunde eingesetzt werden. Davon abgesehen hat das Hamburger Quartett mit Earthquake Beliefs Pt 1, Hangoverweekendmelancholia und My Job Here Is Done wirklich gutes Material parat, dem man etwas Zeit zur Entfaltung geben sollte und das danach auch ordentlich reinhaut.
Dank der unglaublich massiven Produktion, die alles erschlägt wird klar, wie GREY live wirken müssen. Die versierten Musiker, allen voran Schlagzeuger und Hobbyepileptiker Rene Pablotzki, überzeugen mit ihrem komplexen Spiel und auch wenn die Songs alles andere als Eingängig sind, sie hinterlassen einen bleibenden Eindruck – entweder sie flößen Respekt ein, oder man hasst sie sofort. Klar, in einer Liga mit DEADGUY, COALESCE oder STARKWEATHER spielen GREY noch nicht, aber wenn sie konsequent an ihrer Vision weiter arbeiten, haben sie das Potenzial zum deutschen Aushängeschild für Mathcore der altmodischen Sorte zu werden.
Veröffentlichungstermin: 16. August 2010
Spielzeit: 31:55 Min.
Line-Up:
Jakub Murawski – Vocals
Jorg Wöckener – Guitar
Marco Czakowski – Bass
Rene Pablotzki – Drums, Backing Vocals
Label: Bastardized Recordings
MySpace: http://www.myspace.com/whoneedsyou
Tracklist:
1. I Am God
2. Is It Getting Colder, Or Are We Already Dead
3. Through The Roof, Underground
4. Girl With The Pornstar Name
5. Earthquake Beliefs Pt. 1
6. Earthquake Beliefs Pt. 2
7. Hangoverweekendmelancholia
8. My Job Here Is Done