GRANDMAL: Horror Vacui [Eigenproduktion]

Für Noise Rock-Fans mit starkem Magen: Hier ist eure neue Lieblingsband.

Verzerrt. So verzerrt, dass man fast gar nichts mehr raushört. Das reizt ungemein. Das will man erfassen, verstehen. Verarbeiten, Fehlanzeige, ihr kriegt Albträume, wenn ihr dieses Etwas mehr als einmal hintereinander anhört. Aber geil, saugeil, wie GRANDMAL vorgehen. An sämtlichen Verstärkern das Gain reingedreht, bis die Grütze zu den Ohren rauskommt und den Stimmverzerrer krasser als bei UNSANE eingesetzt. Wenn ich mir eine Liste machen müsste, wer mit Horror Vacui klar kommt, mir würden höchstens 5 Leute einfallen. Die anderen würden nach dem zweiten Song Appendix B kapitulieren. Die wenigen Ausnahmen würden nach dem Abschlusstrack Viele Mörser zusammenbrechen. Aber dazu später mehr.

Denn erstmal zum ersten Viertel dieses surrealen Hörerlebnisses: Vier Songs voller Killerriffs, Aggression, mächtigem Groove und dem richtigen Feeling stehen am Anfang und bieten für die Pumpe von Herzkranken eine schwere Belastungsprobe, vor allem wenn der Gesang einsetzt. Kompakt, geradezu simpel, aber enorm effektiv und vor allem kurz und knapp wird gefetzt. UNSANE weitergedacht, modernisiert, vergewaltigt. Die New Yorker sollten um so eine Hommage dankbar sein. Passend zur rabiaten Musik ist auch das Soundgewand: Dreckig, hässlich, gemein, ätzend. So muss Noise Rock klingen, so und nicht anders.

Nur mit dem abschließenden Viele Mörser geht das Trio fast schon zu weit. Passend zum Titel 30 Minuten Lärmorgie. Tinitusgefahr selbst bei leisem Konsum. Widerlich. Und doch faszinierend. Nach kurzer Anlaufzeit, nach einem kurz gespielten Riff verwandelt sich Viele Mörser in ein Ungetüm und kommt wohl am ehesten dem Geräusch der einstürzenden Twin Towers gleich. Schon beeindruckend, aber wenn man merkt, wie sich die Luftröhre nach nur zehn Minuten zuzieht und nach 20 Minuten der Mageninhalt umstülpt, das ist schon wüst. Ich glaube auch, dass dies wie starke Psychopharmaka wirkt und manche Menschen danach in eine Art traumwandlerischen Zustand versetzt. Gut so.

Tief durchatmen. Wir haben es ja überstanden. Für dieses Mal. In der Liste der anstrengenden Scheiben der letzten Monate ist Horror Vacui der Kölner GRANDMAL an der Spitze, höchstens TODD können dem mit Comes to Your House standhalten. Alles in allem, wer von euch auf Noise Rock steht und einen starken Magen hat: Hier ist die neueste Referenz, besessener geht es nicht. Bitte testen, wenn ihr was aushaltet. Sonst lieber weiter TOKIO HOTEL gut finden.

Spielzeit: 39:48 Min.

Line-Up:
Tobias – Gitarre, Gesang

Jens – Bass, Gesang

Yoa – Drums

Label: Eigenproduktion

Homepage: http://www.grandmal.de

Email: jens@grandmal.de

Tracklist:
1. 11 ohne

2. Appendix B

3. Veitstanz

4. Vom Glück begleitet

5. Viele Mörser