GHOST ATLAS: Dust Of The Human Shape

Gitarrist und Sänger Jesse Cash (ERRA) erforscht mit seinem Soloprojekt GHOST ATLAS seine introspektive Seite: “Dust Of The Human Shape” ist ein Album zum Reflektieren, Träumen, Dahinschwelgen.

Selten trifft das Artwork den Kern der Musik so sehr wie es „Dust Of The Human Shape“ gelingt: der Blick aus dem Fenster, die Welt gehüllt ins abendliche Rot, während der Zeiger auf der für ein paar Momente zumindest zur Ruhe zu kommen scheint. Introspektion heißt das Zauberwort: Den Blick ins Innere wagt GHOST ATLAS mit träumerischer Selbstsicherheit. Modern produziert, doch dabei transparent und breit angelegt, verbindet Mastermind Jesse Cash (ERRA) filigrane Gitarren mit sich aufbäumenden Riffwänden.

Wobei Letztere in einem Song wie „Void Voyeur“ trotz ihrer spürbaren Präsenz nie die Hauptrolle einnehmen. Es sind die feinen Details, die den Ton angeben. Leichtfüßiges Picking und tänzelnde Leadgitarren weisen neben dem melancholischen Gesang Cashs die Richtung, welche uns nicht selten zur Tagträumerei verleitet. Diese feine Balance aus ganz dezenten Prog-Spitzen, groß angelegten Refrains („Lesser Gods“) und erstaunlich reflektiert dargebotenen Gesangslinien reicht bis ins Mark von „Dust Of The Human Shape“.

Introspektion heißt das Zauberwort: “Dust Of The Human Shape” ist ein Album, um die Gedanken schweifen zu lassen

Die emotionale Schwere von „Gaps In The Armoire“ lindert der Musiker derweil mittels der begleitenden Akustikgitarre, bevor „Seeker (Stretch The Night)“ das Alternative-Rock-Korsett lange Zeit gegen Synthesizer und erwartungsfrohe Piano-Akkorde eintauscht. Obwohl GHOST ATLAS im Allgemeinen von seiner nachdenklichen sowie überlegten Atmosphäre zehrt, verzichtet „Dust Of The Human Shape“ nicht gänzlich auf laute Momente: „Riding The Blindside“ spielt diese Kontraste geschickt gegeneinander aus, was der Platte rechtzeitig frisches Leben einhaucht, bevor sich die akustische Umgebung zu vertraut anfühlen kann.

Dass es zum Ende der 50-minütigen Laufzeit trotz des rockigen „In The House Of Leaves“ schließlich doch etwas homogen werden kann, bringt das Werk als Ganzes nicht ernsthaft ins Straucheln. Schließlich findet Solokünstler Jesse Cash im minimalistischen Titeltrack auch dann noch neue Ansätze, das in sich gekehrte Grundgerüst in neues Gewand zu kleiden. Daher erscheint es uns letzten Endes nur halb so wild, wenn wir zwischendurch für ein paar Minuten davondriften. Es passt schließlich genauso zur Musik wie das Artwork, die uns beide geradezu einladen, beim abendlichen Blick aus dem Fenster die Gedanken für ein paar Momente schweifen zu lassen.

Veröffentlichungstermin: 26.01.2024

Spielzeit: 49:42

Line-Up

Jesse Cash

Label: UNFD

Facebook: https://www.facebook.com/ghostatlasofficial

GHOST ATLAS “Dust Of The Human Shape” Tracklist

  1. Void Voyeur
  2. Panorama Daydream (Video bei YouTube)
  3. Lesser Gods (Visualizer bei YouTube)
  4. Gaps In The Armoire
  5. Seeker (Stretch The Night) (Video bei YouTube)
  6. Riding The Blindside
  7. Tomato Red
  8. Polyphonic Mind
  9. Bedsheet Tourniquet
  10. Dust Of The Human Shape
  11. In The House Of Leaves (Visualizer bei YouTube)
  12. Death Confetti
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