FURZE: UTD – Beneath the Odd-Edge Sounds to the Twilight Contract of the Black Fascist / The Wealth of the Penetration in the Abstract Paradigmas of Satan

Eine Black Metal-Platte mit dem Charme eines im Schwefelloch gegarten Satansbratens…

Lange habe ich nach Trident Autocrat und Necromanzee Cogent auf das dritte Werk der norwegischen Einmann-Black Metal Band FURZE gewartet. Natürlich kommen bei der Ankunft von UTD: Beneath the Odd-Edge Sounds to the Twilight Contract of the Black Fascist / The Wealth of the Penetration in the Abstract Paradigmas of Satan sofort die sprichwörtlich gewordenenen Bedenken auf. Die Bedenken bezüglich des Ausdrucks Black Fascist lassen sich damit zerstreuen, dass das Album laut Promo-Info zwar ein Furzing Pressure beinhaltet, die Lyrics jedoch nicht politisch motiviert sind und Mastermind Woe J. Reaper diesen Ausdruck auf seine musikalische Identität bezieht. Doch da sind ja auch noch die anderen Bedenken, von wegen dem berühmten dritten Album, das sozusagen zum Synonym für die Schwelle Make it or break it geworden ist. Würde der Reaper an die Meisterhaftigkeit von Necromanzee Cogent anknüpfen können? Wenn Weiterentwicklung oder Andersartigkeit, wie würde diese sich anhören?

Eine Änderung lässt viele Befürchtungen bereits verschwinden – denn Woe J. Reaper hat für seinen neuesten Output Drumderwisch Frost (SATYRICON, 1349) als Gastmusiker engangieren können, die Rhythm-Fraktion ist somit schon mal kein Grund zur Sorge. Und bereits die ersten Sekunden von A Life About My Sabbath machen klar: mit UTD werden FURZE nicht enttäuschen. Der Sound ist roh und räudig wie frisch aus der Hölle rausgekotzt und dürfte sämtlichen Schönwetter-Black Metallern die Haare zu Berge stehen lassen. Ungeschönt zeigen sich FURZE von ihrer dunkelsten, dreckigsten Seite, dabei vergessen sie jedoch nicht, dass auch bei einem solchen rauen Soundgewand der Bass ordentlich Boden liefern muss, um den old-schooligen Groove aufrecht zu erhalten. So wird groovender Schwarzmetall der alten Schule geboten, nicht selten flackern Erinnerungen an die uralten VENOM-Zeiten auf. Außerdem gilt hier: Dissonanzen à la CRAFT sind auch nicht krasser und ein gewisser BEHERIT-Charme quillt hier aus allen giftigen Poren.

Trotz dieser Reminiszenzen an die alten Zeiten, verfallen FURZE nicht dem kläglichen Versuch, ein Old School-Süppchen nach Rezept 08/15 zu brauen. Denn irgendwie scheint hier kein Rezept vorhanden zu sein, viel lieber entführen die Norweger auf eine aberwitzige, chaotische Reise. Manchmal kommt das Gefühl auf, die Instrumente machen sich selbständig, schweben dissonant-bizarr umher, nur um sich kurz darauf wieder zu vereinen und gemeinsam weiter zu holpern durch diese durch und durch hässliche, kranke Black Metal-Landschaft. Wenn in The Deeds that grasp to the Candle`s Shade dann noch ein geiler, schleppender Part sich seinen Weg bahnt durch dieses irre, verzerrte Sammelsurium, kommt dies einer kurzen Verschnaufspause gleich. Diese wird jedoch kurz darauf wieder in überdrehter Art und Weise zunichte gemacht…

Und so ist UTD wiederum ein typisches FURZE-Werk geworden, obschon es im direkten Vergleich zu Necromanzee Cogent hektischer und chaotischer wirkt. Muss man hier mit zwei verschiedenen Maßstäben messen, liegt Necromanzee Cogent zwar trotz allem noch einen Saitenbreite vor UTD. Trotzdem gilt: Wer sich anno 2007 eine Black Metal-Scheibe aneignen will, aus der der alte Spirit nur so herausströmt, dürfte am aktuellen FURZE-Werk kaum vorbeikommen. Für besonders Krasse erscheint UTD zudem als Doppel-LP auf pinkem und goldenem Vinyl – aber die Musik darauf bleibt auch bei diesen Farben so charmant wie ein im Schwefelloch gegarter Satansbraten.

Veröffentlichungstermin: 09.02.2007

Spielzeit: 44:08 Min.

Line-Up:
Woe J. Reaper: Vocals, alle Saiteninstrumente
Frost (SATYRICON, 1349): Drums

Label: Candlelight Records

Homepage: http://www.furze.net

Tracklist:
1. A Life About My Sabbath
2. Demonic Order in the Eternal Fascist`s Hall
3. Beneath the Wings of the Black Vomit Above
4. The Deeds that grasp to the Candle`s Shade
5. Mandragora Officinarum
6. Goatbreath
7. Deep in the Pot of Fresh Antipodal Weave
8. Djerve Djevel