Die Band bezeichnet ihre Musik zwar als Neue Deutsche Härte, aber Death Metal mit deutschen Texten täte es eigentlich auch. Ob das gut geht? Musikalisch geht Dem Wahnsinn nah eigentlich in Ordnung. Zwar haben sich gerade in der zweiten Hälfte des Albums auch ein paar Lückenfüller eingeschlichen, aber Songs wie der treibende Opener Das Biest, das nicht minder schnelle Detonation oder schleppende, beinahe schon doomige Stücke wie Chaos der Sinne und Sklaven der Hölle sind bestes Kraftfutter für jeden Freund deathmetallischer Klänge und eignen sich bestens zum gepflegten Mattenschütteln. Nicht nur der Sound, auch das Riffing erinnert dabei sehr stark an SIX FEET UNDER. Besonders anspruchsvoll gehen ES IM ICH also nicht zu Werke, vielmehr regiert die Stumpfheit und Primitivität. Frontmann Stefan allerdings grunzt nicht so niederhöllisch tief wie Chris Barnes, sein Gegrowle in mittlerer Tonlage, welches deutlich mehr Abwechslung vertragen könnte und reichlich monoton rüberkommt, weckt vielmehr Erinnerungen an die guten alten RANDALICA, gerade auch aufgrund der deutschsprachigen Texte, und damit kommen wir zum größten Manko von Dem Wahnsinn nah. Wo RANDALICA eindeutig eine Parodie darstellen, scheinen ES IM ICH es doch ernst zu meinen, diese stumpfen Texte haben dann aber tatsächlich was von der Neuen Deutschen Härte und wirken unfreiwillig komisch. Als Beispiel sei hier mal aus dem Opener Das Biest zitiert, dessen Text zugegebenermaßen sehr gut zum Bandnamen passt, regiert hier doch eindeutig der Trieb und lässt dem Über-Ich keine Chance: Endlich sehen wir uns sie fällt mir in den Arm/Sie hat gar nichts an mein Schoss wird langsam warm/Wenn sie mich berührt ergieß ich mich auf ihr/Denn so ist die Liebe zwischen Mensch und Tier. Wer nicht viel Wert auf anspruchsvolle Lyrics legt, mit der mangelnden Abwechlsung leben kann und mal wieder eine geballte Ladung SIX FEET UNDER-Death Metal braucht, sollte Dem Wahnsinn nah dennoch mal anchecken. Alle anderen warten lieber auf die nächste Scheibe des Originals.
VÖ: Juni 2003
Spielzeit: 49:52 Min.
Line-Up:
Thomas – Gitarre/Bass
Harald – Schlagzeug
Stefan – Gesang
Peter – Bass/Gitarre
Homepage: http://www.esimich.de
Email: info@esimich.de
Tracklist:
1. Das Biest
2. In Mir
3. Chaos der Sinne
4. Detonation
5. Sklaven der Hölle
6. Schizophrenie
7. Die böse Saat
8. Auge in Auge
9. Lethargie
10. Zombieland
11. Kreuzzug gegen das Leben
12. Die Ankunft