Dying Wish - Flesh Stays Together Cover

DYING WISH: Flesh Stays Together

DYING WISH ändern die Herangehensweise auf Kosten der Vielfalt: „Flesh Stays Together“ punktet mit roher Verbissenheit, bleibt aber zu gleichförmig, um sein Potenzial entfalten zu können.

Fühlt sich so Erwachsenwerden an? Den unbändigen Elan, die jugendliche Spritzigkeit jedenfalls haben DYING WISH verloren. Als eine der Speerspitzen der Revivalcore-Ära waren die US-Amerikaner:innen jedenfalls eine treibende Kraft, dem Metalcore seine einstigen Melodeath-Einflüsse und sein treibendes Riffing zurückzubringen. Statt dem Geist der 2000er Jahre weiter zu huldigen, vollzieht das Quintett nun jedoch die Kehrtwende.

„Flesh Stays Together“ ist behäbig im Tempo, vollgepackt mit Downtuned-Chugging und schwermütigem Klargesang. Bisweilen scheint es so, als orientierten sich DYING WISH zu gleichen Teilen and KNOCKED LOOSE und SPIRITBOX: erstere für die Brachialgewalt, letztere für die hypnotisch-träumerischen Vibes, die den gesanglichen Aspekt prägen.

DYING WISH ändern die Herangehensweise auf Kosten der Vielfalt

Diese Schnittmenge der Extreme erfüllt durchaus ihren Zweck, ohne die Höhen der Archetypen selbst zu erreichen. Das liegt nur in Teilen an Frontfrau Emma Boster, deren Screams weiterhin herrlich garstig erklingen, deren Klargesang auf Albumlänge zwar fleißig Register wechselt, atmosphärisch aber zu gleichförmig bleibt. Ein Makel, der „Flesh Stays Together“ auch als Gesamtwerk anhaftet: Konzipiert ist die Platte durchweg homogen; was im Augenblick massiv über uns hereinbricht, ist im nächsten Moment in Ermangelung einprägsamer Hooks und Riffs schon wieder vergessen.

Nur selten bleibt das Material in Erinnerung, wenn der Refrain von „I’ll Know Your Not Around“ etwa tatsächlich eine schöne Gesangslinie hervorzaubert oder der Opener „I Don’t Belong Anywhere“ durch einen unerwartet resignierenden Breakdown-Callout aufhorchen lässt. Auf Albumlänge jedoch haftet „Flesh Stays Together“ eine gewisse Zähigkeit an – selbst ein bis zwei Uptempo-Stücke im althergebrachten Stil hätten hier wohl Wunder gewirkt, um den Schwung bis zum Finale mitzunehmen.

„Flesh Stays Together“ ist roh und verbissen, kann sein Potenzial jedoch nicht entfalten

Ärgerlich ist das, da DYING WISH keineswegs in eine Sackgasse steuern: Die Neujustierung zeigt durchaus Potenzial, dürfte schon jetzt auf Live-Konzerten den Pit aufmischen. Was fehlt, ist gegenwärtig die Ausdifferenzierung des Sounds. Die Balance gerät in Schieflage, weil sich die Band zu sehr auf den immergleichen Ansatz verlässt. Tiefgestimmtes Chugging à la „Revenge In Carnage“ wirkt auf Dauer eben doch ermüdend, zumal selbst die Ballade „Nothing Like You“ in ähnlich bedrückenden Gefilden bleibt.

Was „Flesh Stays Together“ also fehlt, ist die Vielfalt, um dem rohen und verbissenen Ansatz ein paar zusätzliche Schattierungen zu schenken. Ansätze wie die Thrash-/Hardcore-Spitzen in „Empty The Chamber“ sind vorhanden, verlieren sich gegenwärtig jedoch im erdrückenden Gesamtsound. Das ist bedauerlich, denn Erwachsenwerden muss keineswegs so trist und beklemmend sein, wie es DYING WISH hier darstellen. Zumindest, solange man den eigenen Werdegang als Teil der Identitätsbildung anerkennt und sich damit auch mit dem hungrigen Drang nach vorne etwas von seinem jugendlichen Charme bewahrt.

Veröffentlichungstermin: 26.09.2025

Spielzeit: 35:55

Line-Up

Emma Boster – Vocals
Pedro Carrillo – Gitarre
Sam Reynolds – Gitarre
Jon Mackey – Bass
Jeff Yambra – Drums

Produziert von Will Putney

Label: SharpTone Records

Homepage: https://dyingwishhc.com/
Facebook: https://www.facebook.com/DyingWish503/
Instagram: https://www.instagram.com/dyingwishhc/

DYING WISH “Flesh Stays Together” Tracklist

1. I Don’t Belong Anywhere (Video bei YouTube)
2. A Curse Upon Iron
3. I’ll Know You’re Not Around (Video bei YouTube)
4. Revenge In Carnage (Video bei YouTube)
5. Nothing Like You (Video bei YouTube)
6. Surrender Everything
7. Moments I Regret
8. Empty The Chamber
9. Heaven Departs
10. Flesh Stays Together