Nicht mal ein Jahr nach dem Überalbum „Worst Enemy“ melden sich die begabtesten Extrem-Metal-Künstler aus deutschen Landen zurück. Das bisher intensivste Album der Bandgeschichte wird DISBELIEF sicherlich helfen, ihren Status im Underground auszubauen und einen festen Platz in der Riege außergewöhnlicher Bands zu sichern.
War „Worst Enemy“ noch ein durchgängig brutales Album, wird auf dem vierten Album auch mal einen Gang zurückgeschaltet. Trotzdem beginnt das neue Album einer der brachialsten Bands Deutschlands wie vom Vorgänger her gewohnt: Ultrafette Grooves und noisige Riffs, die Ohrwurmcharakter besitzen, obwohl sie nicht allzu melodiös sind, werden aus den Boxen gepresst. Dann setzt die unglaubliche Stimme von Frontröhre Karsten „Jagger“ Jäger ein und der Song „No Control“ findet seinen Höhepunkt in einem göttergleichen Refrain. Mit dem flott groovenden „Walk“ geht es in alter DISBELIEF-Tradition weiter, doch schon im nächsten Song gibt es eine Überraschung: „The Decline“, das mit hypnotisch-dezenten Spielereien auf den Drums beginnt und durch den tiefgehenden Gitarrenlauf eine etwas beunruhigende Atmosphäre entstehen lässt. Diese wird jedoch vom Refrain her aufgelockert und erlaubt dem Hörer, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.
Die Grundstimmung auf „Shine“ ist positiver als zuletzt
Dies ist auch eine wesentliche Veränderung des in nur zehn Tagen augenommenen und gemischten Meisterwerkes der Hessen: Die Grundstimmung ist um einiges positiver als noch auf „Worst Enemy„. „Shine“ will Kraft geben. Dies wird auch speziell im Titeltrack deutlich, der mit einem für DISBELIEF typischen Riff beginnt und durch den geschickten Aufbau sowie die verwendete Harmonik ein wärmendes Gefühl gibt. Ebenso ungewöhnlich ist das etwas introvertierte, aber wunderschöne „Me and My World“, das einfach Kraft in schweren Stunden gibt. Als außergewöhnlich ist ebenfalls „Mad Sick Mankind“ mit seinen KATATONIA-ähnlichen Gitarrenläufen zu betrachten.
Der ureigene Stil der Band wird weitergeführt, aber es ist DISBELIEF hörbar wichtig, sich nicht selbst zu limitieren, sondern auch mal über den Tellerrand zu blicken. Trotz der vielen unterschiedlichen Einflüsse ist „Shine“ eine absolut in sich geschlossene Platte, eine akustische Reise durch alle möglichen Gefühlswelten, ohne aber verweichlicht zu klingen. Bei dieser Produktion geht das eh nicht. Fetter geht’s nur mit Andy Classen, der leider seine Finger diesmal nicht mit im Spiel hatte. Heinz Hess vom in Metallerkreisen eher unbekannten Art of June (u.a. XAVIER NAIDOO) hat der Band auch eine gnadenlose Wand gezaubert, die lediglich ein wenig transparenter sein könnte.
Ansonsten gibt es nichts an dieser Scheibe bemängeln, höchstens ein riesengroßes Dankeschön an DISBELIEF für eines der besten Alben, dass in letzter Zeit den Weg in mein Gehör fand. Sagenhaft.
Spielzeit: 47:29 Min.
Line-Up:
Karsten Jäger – Vocals
Jochen Trunk – Bass
Jan Dirk Löffler – Guitars
Oliver Lenz – Guitars
Kai Bergerin – Drums und Percussion
Produziert von Heinz Hess & Tommy Schmitt im Art of June / Frankfur am Main
Label: Massacre Records
Homepage: http://www.disbelief.de
DISBELIEF „Shine“ Tracklist
1. No Control
2. Walk
3. The Decline
4. Shine
5. Me and My World
6. Alive
7. Honour Killings
8. Falling Without Reason
9. Mad Sick Mankind
10. Free