Im stillen Kämmerlein geht es heiß her. Weil dem federführenden Duo Marcus Testory und Matthias Ambré das nackte Singer/Songwriter-Konzept zu langweilig ist, reichern sie ihre Songs durch Folk-Anleihen, Streicher und sogar eine Tuba an. Das Ganze lässt sich dann augenzwinkernd als moderne Kammermusik bezeichnen, ohne damit den traditionellen Begriff aufzugreifen.
„Season I: The Seeming And The Real“ wird durch den rauen Gesang getragen, untermalt von den genannten Instrumenten, einem reduzierten Schlagzeug und natürlich der Akustikgitarre. „The Orphanage“, der Titelsong und das wehklagende „The Grand Graveyard Of Hopes“ binden die einzelnen Elemente gekonnt ein und lassen daraus ein harmonisches und dementsprechend stimmiges Werk entstehen. Aller leisen Töne zum Trotz bleibt der Stil von DIE KAMMER frisch. Das liegt wohl auch daran, dass die beteiligten Musiker die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zumeist nach allen Regeln der Kunst ausschöpfen. „Fate / Illusion“ ist eine federleichte Mitsinghymne, „Riding The Crest“ groovt fast schon rockig nach vorne, das konsternierte „Labyrinths Of Despair“ drückt aufs Gemüt.
DIE KAMMER geben dem Singer/Songwriter-Konzeot einen angenehmen Twist
Zur Folterkammer mutiert „Season I: The Seeming And The Real“ glücklicherweise nur selten. Der Gesang nimmt in „Black As Coal“ aufgesetzte Züge an – Overacting ist für diese reduzierte und eigentlich authentisch gemeinte Musik tödlich. Darüber hinaus schwächelt die Implementation der Tuba durch eintönige wie simple Aufgabenzuteilung. Die einzelnen Stöße im Hintergrund entwickeln daher über den Lauf der Platte einen gewissen Nervfaktor – betroffen sind immerhin nur ein paar Nummern.
Im Gesamten bleibt aber ein positiver Eindruck. DIE KAMMER geben dem Singer/Songwriter-Konzept einen angenehmen Twist, überzeugen meist mit kompositorischem Geschick und reduzieren die Ausfälle auf ein erträgliches Maß. Akustikgitarre, Streicher und rauer Gesang – eine Kammer des Schreckens klingt definitiv anders.
Veröffentlichungstermin: 15.10.2012
Spielzeit: 55:23 Min.
Line-Up:
Marcus Testory – Vocals, Guitar
Matthias Ambré – Guitar, Irish Bouzouki, Glockenspiel, Backing Vocals
Dirk Klinkhammer – Tuba
Tabea Müller – Cello
Matthias Raue – Violin, Viola
Oliver Himmighoiffen – Drums, Percussion
Produziert von Matthias Ambré, Heinz Hess, Vincent Sorg (Mix und Mastering)
Label: Delicious Releases
Homepage: http://www.die-kammer.com/de/
Mehr im Netz: http://www.facebook.com/diekammer
DIE KAMMER „Season I: The Seeming And The Real“ Tracklist
01. The Orphanage
02. Fate / Illusion
03. Labyrinths Of Despair
04. The Seeming And The Real
05. Black As Coal
06. Riding The Crest
07. A Backward Glance
08. Home In Your Eyes
09. Singing: Surrender
10. The Grand Graveyard Of Hopes
11. Final Days (Of Mankind)
12. The Painter Man´s Spell