CARLOS CIPA: The Monarch And The Viceroy

Ein junger Komponist, der von mehr Erik Satie hält, als von IN LEGEND. Glücklicherweise.

Ein Klavier ist ein unglaublich vielseitiges Instrument, das weiß man nicht erst seit dem HAUSCHKA an diesem Instrument mit Witz und Kreativität herum tüftelt. Je virtuoser das Spiel, desto vielschichtiger, abwechslungsreicher und stimmungsvoller kann die Musik werden. Und natürlich, wenn dieses Instrument die Musik dominiert, dann hat das selten mit Pop und noch viel seltener mit Metal zu tun. Muss ja auch nicht. Das denkt sich auch ein junger Pianist aus München. CARLOS CIPA ist ein Musiker, der hier sein Debütalbum vorlegt. Er hält mehr von Erik Satie und Camille Saint-Saëns als von NIGHTWISH und IN LEGEND, glücklicherweise. CIPA spielt Klaviermusik, und zwar nichts anderes. Das klingt meistens recht zeitgenössisch, ist oft sehr stimmungsvoll, dann wieder etwas schneller und virtuoser, immer jedoch sehr stil- und liebevoll.

The Monarch And The Viceroy wird dabei bis zum Ende ausgereizt. Mehr als fünfzig Minuten dauert dieses Album, ist mal geheimnisvoll schön und dann wieder temperamentvoll. Die Stücke sind gut geschrieben, pendeln verspielt zwischen einer Leichtigkeit und Dramatik, sind aber immer so melodiös, dass man ihnen leicht folgen kann, dass es nie in Richtung Avantgarde ausbricht. Stilvoll und dunkel ist das, was CARLOS CIPA hier bietet, ideal für ruhige Stunden, mit einem Glas guten Wein. The Monarch And The Viceroy fehlt aber auch etwas, aufregender hätte es stellenweise sein dürfen, mitreißender. Derartige Ansätze gibt es zwar durchaus: The Whole Truth, das Titelstück und Lie With Me beherrschen dramatische Steigerungen, das schon fast vergnügt wirkende Morning Love hat eine Menge Dynamik parat. Gerade am Ende des Albums finden wir aber vor allem eins: Klaviermusik. Passend für Soundtracks von Dramen, vielleicht auch Tragödien. Aber genau da will The Monarch And The Viceroy nicht mehr so recht zupacken.

Und genau dann muss ich an LES FRAGMENTS DE LA NUIT denken, die hier mit ihren Streichern vielleicht ein wenig kitschiger wirken, aber doch eine weitere Dimension parat haben. Das fehlt CARLOS CIPA ein wenig, der sich spielerisch und kompositorisch ganz allein und sehr tapfer durch dieses Album kämpft. Somit fehlt The Monarch And The Viceroy ein bisschen die Intensität, die Gänsehautmomente. CARLOS CIPA komponiert sehr sicher, sehr schön, sehr gekonnt, aber es ist noch Luft nach oben enthalten. Live, mit einer Portion Humor und jede Menge Leidenschaft gewürzt, wird das sicherlich für Gänsehaut sorgen. Zu Hause dient The Monarch And The Viceroy hauptsächlich dazu, Stimmungen zu untermalen. Musik für den Moment eben. Wer aufregende, effekthaschende Musik braucht, könnte sich allerdings ein wenig langweilen. Wer neoklassische und zeitgenössische, aber doch irgendwie poppig geschriebene Klaviermusik liebt, der darf dem leidenschaftlichen, jungen, sehr virtuosen Pianisten und seinem wunderbar klingenden Instrument gerne zuhören.

Veröffentlichungstermin: 29.06.2012

Spielzeit: 51:34 Min.

Line-Up:
Carlos Cipa – Steinway & Sons Grand Piano

Label: Denovali Records

Homepage: http://www.facebook.com/carloscipa

Mehr im Netz: http://www.carloscipa.bandcamp.com

Tracklist:
1. Perfect Circles
2. The Whole Truth
3. The Monarch And The Viceroy
4. Human Stain
5. Morning Love
6. In Place Of Anger
7. Nocturne
8. Cold Night
9. Lost And Delirious
10. Lie With Me
11. Wide And Moving
12. The Dream