Nehmt ihr reißaus, lest bitte woanders weiter. Seid ihr begeistert und zufällig auch gerade halbnackt, steht euch jetzt was richtig Feines bevor, nämlich das Debütabum der Band BESCHWOERUNG aus Jena: Raw Black Metal mit lustigen Rhythmen und urigem, aber keinesfalls schiefem Klargesang, und das ist zwar auf Bandcamp im Dezember 2025 erschienen (Preis: 0€), aber mir erst nach Redaktionsschluss meines Jahresrückblicks bekannt geworden, und da das Vinyl erst im März 2026 erscheint (auf Sonic Raid, einem kleinen, sympathischen Metalpunk-Label), wird es eben beim nächsten Mal gewürdigt.
Warum? Na, weil derlei Musik in meiner Welt so viel interessanter ist als High-End-Produktionen für tausend Mark; Musik, die von vorne bis hinten zwar nachvollziehbar und melodisch, aber auch total kaputt und richtig wahnsinnig ist, von Musikern, die sich Mühe geben, originell zu sein. Man höre nur die beiden Intros zu den „Hexentanz“-Stücken, die plötzlich einsetzende Trollwichtelpolka in „Morast I“ oder die epischen Gesangslinien von „Nachtalb“ oder dem zweiten „Drudenfuß“ – das ist echte Black-Metal-Kunst, die sich um Konventionen einen Dreck schert und sicherlich zwar die norwegische Avantgarde der 90er kennt, diese aber mit einer gehörigen Spur Folklore und Punk vermischt und dadurch eben zugänglicher bleibt.
Verhext und zugenäht, ist das gut
Ja, BESCHWOERUNG haben hier direkt richtig einen rausgehauen, und es passt, dass sie aus einer Klangschmiede namens „Muschelkalk“ kommen, die ansonsten des Black Metals offenbar recht unverdächtig ist, denn wie gesagt, Szene-Credibility wird den Herren hier egal sein, da zählen nur Leidenschaft und Ausdruck, und in beidem kriegen sie 10 von 10 Drudenfüße von mir. Schön auch, dass die Band trotz des künstlerisch wertvollen Umfelds immer wieder Bier- und Kellerdunst verströmt, z.B. in „Eternal Opferkult“ beim Spoken-Word-Part in ausgesprochen deutsch ausgesprochenem Englisch.
Wo sie noch Luft nach oben haben? Na, die „Produktion“ knarzt und knackt mir dann doch einen Tacken zu doll in den Ohren, und der Mix ist etwas unausgewogen, was die Verteilung der Instrumente angeht. Die Songs selbst sind schon richtig gut, insbesondere die Passagen, in denen klar gesungen oder einfach mal durchgedreht wird. Die ähnlich entfesselt und roh agierenden VIGLJOS – auch musikalisch ein durchaus treffender Vergleich – jedenfalls haben auf zwei Alben weniger starke Songs als BESCHWOERUNG auf dem einen, und dank der ganzen Präsentation mit dem hellen, irgendwie mysteriösen, aber auch total bekloppten Artwork und den bescheuerten, aber coolen Promotexten, stimmt das Gesamtpaket aber sowas von. Also, ich mach mit!
Spielzeit: 39:20 Min.
Veröffentlichungsdatum: 13.12.2025 (digital), Januar 2026 (Kassette), März 2026 (Vinyl)
Label: Muschelkalk (Kassette), Sonic Raid (Vinyl)
https://beschwoerung.bandcamp.com/album/beschwoerung
https://sonicraid.bandcamp.com/album/beschwoerung
Tracklist – BESCHWOERUNG – „Beschwoerung“
1. Drudenfuß I
2. Morast I
3. Eternal Opferkult
4. Nachtalb
5. Hexentanz I
6. Morast II
7. Drudenfuß II
8. Hexentanz II