blank

AXIS OF ADVANCE: Obey

Komplex und abgefahren, aber soundbedingt etwas umständlich zu hören. Kommt mir vor, wie Mikado spielen mit Winterhandschuhen.

Ein sehr abgefahrenes Konzept haben die Kanadier hinter dem neuen Album versteckt. Schlicht Obey betitelt kommt der Silberling daher. Das Info-Blatt sagt außer einer knappen Biographie nichts aus, sondern ist vollgestopft mit futuristischen Prognosen oder Fantasien, die man die Obey Doctrine nennt. Das ganze ist so kompliziert ausformuliert, dass ich gar nicht erst versuchen will, das zu verstehen. LCQ: A (X > 100): Liquidation… Ich hoffe ihr wisst, was ich meine.

Musikalisch machen AXIS OF ADVANCE etwas scheinbar bodenständigeres: schnellen Death Metal mit Black Metal-Einschlag (oder ist es eher umgekehrt?). Das Gemisch kommt überwiegend sehr rasant und drumbetont daher – sprich die Drums sind sehr dominant, einzelne Riffs können sich selten durchsetzen, sondern sorgen scheinbar lediglich für die richtige Schwere der Musik. Darunter leidet aber leider schon mal die ganze Hörbarkeit der Platte, da die Gitarren etwas undefinierbares im Hintergrund daherbrummen. Das passt ja soweit noch zum räudigen Black Metal-Sound (nichts für ungut), aber die komplexen Songsstrukturen sind so einfach kaum nachzuvollziehen. Und die sind teilweise gar nicht so schlecht (soweit man sie eben nachvollziehen kann). Zwischen die Speed-Parts wird auch mal dezent eine schleppende Passage eingebaut, was sich auch ganz gut macht. Der dreckige Gesang ist zwar nicht besonders eigenständig, aber trotz allem recht ansprechend.

Allerdings verfahren sich AXIS OF ADVANCE etwas zu sehr in technische Gefilde, die mit diesem Sound einfach nicht vertretbar sind. Neben dem erwähnten – schlechten – Gitarrensound ist auch der restliche Klang etwas durchtrieben. Sicher, man kann hier nicht von einem wirklich schlechten Sound reden. Für eine rockigere Atmosphäre ginge der schwammige Sound wahrscheinlich ganz okay. Das zeigen die brachialen Grooves in In Wait Lie, eines der besseren Lieder der Platte. Aber auch der rasende Opener Of One To Conflict It oder das zähe Cube Of Odium sind Lieder, die ein gutes Maß an Hörspaß aufweisen können.

Im Gesamtbild können AXIS OF ADVANCE das aber nicht, weshalb Obey nur halb so gut ist, wie es potenziell sein könnte. Die Scheibe ist komplex und abgefahren, aber soundbedingt einfach etwas umständlich zu hören. Das ganze kommt mir ein bisschen vor, wie Mikado spielen mit Winterhandschuhen.

Veröffentlichungstermin: 13.09.2004

Spielzeit: 37:37 Min.

Produziert von ?
Label: Osmose Productions

Homepage: http://aoa.ark11.net/

Tracklist:
01. Of One to Conflict It

02. Revolution Decimation

03. Veiled Cast of Judgement

04. Wrath Pounding

05. God-Eye Command

06. In Wait Lie

07. Cube of Odium

08. Masterrorder