AMBERIAN DAWN: Re-Evolution

Melodischer Metal im Schatten von NIGHTWISH – durchschnittlich, mittelmäßig, gewöhnlich.

Melodischer Heavy Metal tritt in vielen Farben und Formen auf. AMBERIAN DAWN schippern recht deutlich im Fahrwasser von skandinavischen Bands wie STRATOVARIUS und NIGHTWISH. Wenn es nicht nur um die nüchterne Beschreibung des Stils geht, sondern ein Werturteil gefragt ist, passen hier Adjektive wie durchschnittlich, mittelmäßig und gewöhnlich so gut wie sonst selten. Nach nunmehr vier Studioalben hat die finnische Band eine neue Sängerin names Capri an Bord, die erst einmal ein kompaktes Best-of-Programm eingesungen hat, das nun in Form von Re-Evolution in den Läden steht. So bekommt man einerseits einen ordentlichen Überblick über das bisherige Bandschaffen. Andererseits offenbart sich eine fast schon beängstigende Konstanz. Stilistisch bewegen sich sämtliche Lieder auf einem recht engen Raum, der durch den Schatten der großen Female-Fronted-Symphonic-Metal-Bands noch kleiner wirkt. Das Material ist mal mehr (Kokko – Eagle Of Fire), mal weniger catchy und kann insgesamt nicht aus dem besagten Schatten heraustreten. Vielleicht ist das auch gar nicht das Ziel der Band. Vielleicht braucht es ja in der Szene nicht nur Pioniere, die neue Grenzen ausloten, zusammen mit alten Helden im x-ten Frühling. Wenn das so ist, machen AMBERIAN DAWN ihre Sache gut. Da die stimmlichen Unterschiede überschaubar sind, macht die Veröffentlichung für Besitzer der alten Alben nur bedingt Sinn. Freilich gibt es genügend Fans, die sich nach einem Wechsel am Mikrofon genau so ein Album wünschen. Wer nichts von Neuaufnahmen hält, kann die CD getrost ignorieren. Da die Musik so oder so Mittelmaß bietet, gibt es keinen klaren Sieger im Duell alt gegen neu. Vielmehr erhöht die einheitliche, glatte, Standardproduktion die Gleichförmigkeit sowohl der Lieder untereinander, als auch zwischen den alten und den neuen Aufnahmen.

Gewöhnlicher Metal ist stellenweise langweilig, aber eben auch immer mal wieder hörenswert. Mal sind es einzelne Melodien, mal ein Spannungsaufbau mit dramatischen Harmonien. Gelegentlich schimmert auch beim glatt gebügelten Gesang etwas Charisma durch. Deshalb hat man nach einem Hördurchgang zwar oft genug, kehrt aber von Zeit zu Zeit gerne zurück zu Bands wie AMBERIAN DAWN. Man kann ja schließlich nicht rund um die Uhr Century Child anhören. Somit ist Re-Evolution eines der Alben, die so ihre Daseinsberechtigung an und für sich haben, von denen es allerdings in der Masse viel zu viel gibt, was wiederum dazu führt, dass bessere Alben in der Veröffentlichungsschwemme untergehen. Geneigte Hörer werden den Kauf nicht bereuen; den Kaufverzicht wird jedoch auch niemand ernsthaft bereuen.

Veröffentlichungstermin: 17.06.2013

Spielzeit: 42:47 Min.

Line-Up:
Capri: Gesang
Tuomas Seppälä: Gitarre, Keyboard
Kimmo Korhonen: Gitarre
Emil Pohjalainen: Gitarre
Jukka Koskinen: Bass
Joonas Pykälä-aho: Schlagzeug
Label: Encore Music / Plastic Head

Homepage: http://www.amberiandawn.com

Tracklist:
1. Valkyries
2. Incubus
3. Kokko – Eagle Of Fire
4. Lily Of The Moon
5. Come Now Follow
6. Crimson Flower
7. Circus Black
8. Lost Soul
9. Cold Kiss
10. River Of Tuoni
11. Charnel`s Ball