ROCK HARD FESTIVAL 2009: Der Bericht

ROCK HARD FESTIVAL 2009: Der Bericht

Pfingsten verbinden Festivalgänger mittlerweile nicht mehr nur mit dem für Metal-Fans nur bedingt interessanten WAVE-GOTIK-TREFFEN in Leipzig. Seit einigen Jahren hat sich das ROCK HARD FESTIVAL im Gelsenkirchener Amphitheater in der Festivallandschaft etabliert. Für viele Besucher stellt es nicht nur den Start in die Festival-Saison dar, sondern auch gleich den Höhepunkt.

Klar, es ist bedeutend kleiner als die ganz großen Festivals, und folglich muss der geneigte Festivalbesucher hier auf die ganz großen Namen verzichten. Dennoch schaffen die Veranstalter es aber immer wieder, ihr Billing mit dermaßen vielen Perlen aus allen Bereichen metallischer Musik zu garnieren, dass hier Fans beinahe aller Genres Jahr für Jahr glücklich gemacht werden.

Das war auch 2009 nicht anders, wobei das Bandauswahl diesmal besonders die Freunde des traditionellen Metals ansprach. Zudem hatte man mit PRONG und D-A-D zwei Bands augegraben, die schon beinahe in Vergessenheit geraten waren, und das völlig zu unrecht, wie sie eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Doch nicht nur musikalisch war mal wieder alles in Butter. Die Organisation war professionell wie eh und je, die Veranstalter und Security durchweg sympathisch, und auch das Wetter hätte kaum besser sein können.

 

Freitag, 29. Mai 2009

WITCHBURNER

WITCHBURNER enterten bei strahlendem Sonnenschein die Bretter die die Welt bedeuten und eröffneten das diesjährige Rock Hard Festival mit einem Paukenschlag. Besonders viele Nasen tummelten sich zu dieser Zeit noch nicht vor der Bühne, aber die Fäuste reckten sich mehr als ein Mal euphorisch gen Bühne.
Den Anfang machte der Brecher „Sign of Evil 666“, gefolgt von „Bloody Countess“, und auch wenn WITCHBURNER mitunter recht wenig Stageacting boten, zündeten die Songs sofort und zeigten einmal mehr, dass die Band eine Macht im Thrash Metal Sektor ist.

Songs wie „Hexenhammer“ und „Blood of Witches“ rüttelten die Fans ordentlich durch, was nicht zuletzt am Mann hinter der Schießbude lag, der sein Drumkit ordentlich vermöbelte. Bei der Songsauswahl gab es auch nichts zu meckern, und Thrasher wie „Demonic War Machine“, „Possessed by Hellfire“ und das abschließende „Witchburner“ hinterließen nicht wenige glückliche Hartwurstfanatiker im Amphitheater. Ein gelungener Start für ein gelungenes Festival! (Gastautor Rene Niederstein)

 

ANGEL WITCH

ANGEL WITCH auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Etwas lahme Performance: ANGEL WITCH

Nachdem das Festival mit einer Thrash-Keule eröffnet wurde, ging es direkt im Anschluss weitaus zahmer zur Sache. Die NWOBHM-Legende ANGEL WITCH musste bereits als zweite Band auf die Bühne. Von den eingeschworenen Fans in den ersten Reihen wurden die Musiker dann  zwar mit Sprechchören abgefeiert. Die große Zahl der Festivalbesucher, die sich auf den Rängen des Amphitheaters tummelte, schien hingegen weitgehend ignorant gegenüber den Briten zu sein.

Zugegeben, die Bühnen-Performance der Band war etwas lahm, und auch stimmlich konnte man keine Wunder erleben. Dass dann etwa die hohen Tönen der Bandhymne „Angel Witch“, die vom Publikum lautstark mitgesungen wurde, regelrecht ins Mikro gekrächzt wurden, war zwar nicht wirklich schön, war jedoch zu erwarten. Geil war es trotzdem, die Klassiker der Band live zu erleben, zumal die tollen Twin-Guitar-Leads dank des transparenten Sounds voll zur Geltung kamen. (danielw)

DESTRÖYER 666

DESTRÖYER 666 auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Keine zweiten SLAYER: DESTRÖYER 666

Gleich darauf gab es dann mit DESTRÖYER 666 wieder Futter für die Thrash-Fraktion – allerdings kein besonders schmackhaftes. Da half es auch nichts, dass Götz Kühnemund in seiner Ansage die Hochklassigkeit der Australier betonte, eher im Gegenteil. Denn die dadurch erweckten Erwartungen konnten DESTRÖYER 666 definitiv nicht erfüllen.

Bei strahlendem Sonnenschein gaben die Jungs ihr rohes, kaltes und primitives Geschrammel von sich, während die Nebelmaschine so sehr beansprucht wurde, dass man fast befürchten musste, dass die folgenden Bands ohne Bühnennebel würden auskommen müssen.

Genauso vernebelt wie die Sicht auf die Bühne war indes die Akustik in den ersten Reihen. Nicht dass es etwas ausgemacht hätte, denn, wie man mit etwas mehr Abstand zur Bühne feststellen konnte, war das Songmaterial überaus monoton. Auch die spartanischen Ansagen halfen nicht gerade, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Nein, eine Band vom Kaliber SLAYERs sind DESTRÖYER 666 nicht, sondern eine solide Thrash Metal-Kapelle von vielen. (danielw)

PRONG

PRONG auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Perfektionierter Groove: PRONG

Verdammt, war das geil! PRONG zeigten den Thrash-Metal-Kapellen, die heute aufgespielt hatten, was eine Harke ist. Was diesen nämlich völlig abgeht, haben PRONG perfektioniert: Groove!

Das Trio schüttelte ein Groove-Monster nach dem anderen aus dem Ärmel, darunter Klassiker wie „Beg To Differ“ und „Whose Fist Is This Anyway“. Aber auch das aktuelle Album kam nicht zu kurz und stand dem alten Material in dieser Hinsicht in nichts nach. PRONG groovten so zwingend, dass man einfach nicht still stehen konnte, geschweige denn auf den Rängen sitzen bleiben. Dabei waren die Riffs und Arrangements zwar eingängig, aber gleichzeitig von einer Komplexität, die es erlaubt, sich immer wieder überraschen zu lassen. Wen wundert es da noch, dass sich vor der Bühne ein Moshpit entwickelte?

Wirklich beeindruckend war dabei auch der verdammt wuchtige Sound, den Frontmann Tommy Victor, der im Übrigen auch mit einer lässig-coolen und sehr beweglichen Performance beeindrucken konnte, seiner Gitarre entlocken konnte. Eine zweite Gitarre hat man hier, im Gegensatz zu so manch anderer Band, die mit nur einem Gitarristen antritt, zu keiner Sekunde vermisst. Eine der Sternstunden des diesjährigen ROCK HARD FESTIVALs. (danielw)

JAG PANZER

JAG PANZER auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Beängstigende Gesangsleistung: JAG PANZERs Harry Conklin

JAG PANZER bekam man in den letzten Jahren eher auf kleineren, auf wahren Stahl spezialisierten Festivals wie dem KEEP IT TRUE zu sehen. Dass sie in diesem Jahr als Co-Headliner auf dem ROCK HARD FESTIVAL aufspielen sollten, war somit eine wahrhaft positive Überraschung.

Dass die Jungs dieser Rolle gerecht werden würden, machten sie dann auch auf beeindruckende Weise deutlich. Zwar war der Sound zunächst noch etwas undifferenziert, dies änderte sich jedoch zum Glück nach einigen Songs zum Besseren. JAG PANZER gaben die musikalischen Höhepunkte so ziemlich aller ihrer Schaffensperioden zum besten. Zwischen dem Einstieg mit „Chain Of Command“  und dem grandiosen End-Feuerwerk, bestehend aus „The Viper“, „License To Kill“ und „Generally Hostile“, gab es auch den einen oder anderen Klassiker von „Thane To The Throne“ und natürlich „Take To Sky“ vom „Mechanized Warfare„-Album zu hören.

Besonders zu beeindrucken wusste dabei – mal wieder – Harry Conklin, dessen konstant göttliche Gesangsleistung schon fast beängstigend ist. Das Publikum war ähnlich begeistert wie der Verfasser dieser Zeilen, so dass JAG PANZER noch lange nach den letzten Tönen von „Generally Hostile“ mit lauten und absolut verdienten Zugaberufen bedacht wurden. (danielw)

OPETH

OPETH auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Höhepunkt des OPETH-Auftritts: die Ansagen von Mikael Åkerfeldt

Es tut mir Leid, aber der Zauber von OPETH ist für mich persönlich schon seit längerer Zeit verflogen. Vielleicht lag es daran, dass ich nach JAG PANZER einfach nicht in der richtigen Stimmung für diese verkopfte Musik war, vielleicht funktionieren OPETH für mich persönlich auch einfach generell nicht auf Festivals, sondern nur bei Club-Shows. Der Funke wollte jedenfalls nicht überspringen. Und das, obwohl die Schweden mit „Leper Affinity“, „Ghost Of Perdition“ und „Lotus Eater“ Songs im Gepäck hatten, die mir schon die eine oder andere Gänsehaut beschert haben. Große Teile des Publikums hatten diese Probleme nicht, ließen sich von der Musik verzaubern und feierten die Schweden entsprechend ab.

Gleichwohl hatte ich auch den Eindruck, dass die Musiker ihre Show etwas zu routiniert runter spielten. Am Besten waren haben mir an diesem Auftritt noch die gewohnt amüsanten Ansagen von Mikael Åkerfeldt gefallen. (danielw)

Samstag, 30. Mai 2009

EVOCATION

EVOCATION auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
Live nicht so überzeugend wie auf CD – EVOCATION 

Da ich dieses Jahr leider erst am Samstag Zeit hatte, waren EVOCATION für mich die erste Band des Festivals. Dieses Jahr wurde der Zuschauer im Vergleich zum letzten Jahr allgemein eher wach geprügelt als wach gerockt. Nach dem starken Debüt „Tales From The Tomb“ und dem ebenfalls guten Nachfolger „Dead Calm Chaos“ war ich darauf gespannt wie sich die Schweden live schlagen würden.

Los ging es mit „Silence Sleep“ und „Angel Of Torment“ vom letzten Album. Frontmann Janne Boden konnte zwar mit einem Chuck Billy mäßigen Mikro aufwarten, dafür mangelte es ihm und auch dem Rest der Truppe gehörig an Ausstrahlung. Dazu dann noch Ansagen nach dem Motto englisch für Reingefallene – aber da haben wir in Deutschland ja auch so einige Spezialisten.

Musikalisch boten EVOCATION natürlich einen starken Auftritt, wobei die Songs des Debüts mich live deutlich mehr überzeugten als jene von „Dead Calm Chaos„. Aber aufgrund der absolut nicht vorhandenen Bühnenausstrahlung sprang der Funke zumindest bei mir nicht so recht über. Schade, denn eigentlich hatte ich mir deutlich mehr von EVOCATION erhofft. (agony&ecstasy)

GRAND MAGUS

GRAND MAGUS live auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
Grandiose Heavy Metal-Hymnen bei schönstem Sonnenwetter – GRAND MAGUS 

Nach dem etwas enttäuschenden Auftritt von EVOCATION war mit GRAND MAGUS die nächste Schweden-Truppe am Start. Musikalisch ging es freilich jetzt in gänzlich andere Sphären. Mit „Iron Will“ haben GRAND MAGUS mal eben eines der besten Alben des Jahres 2008 veröffentlicht, so dass ich mehr als gespannt darauf war, die Band das erste Mal seit der 2006er Tour mit CATHEDRAL und ELECTRIC WIZARD wieder live zu sehen. Und im Vergleich zu damals haben GRAND MAGUS sich in Sachen Bühnenpräsenz durchaus gesteigert, klar, ein Meisterwerk wie „Iron Will“ im Rücken schafft Selbstvertrauen.

Los ging es mit dem fantastischen „Like The Oar Strikes The Water“ bei dem sich die Nackenmuskulatur sofort in Bewegung setzte und der Refrain inbrünstig mit gegrölt wurde. „Iron Will“, oder wie Frontmann JB es heute ankündigte, „Eisen Wille“, ließ die Fäuste in die Höhe schnellen, während „The Shadow Knows“ wieder den Kopf in Bewegung setzte. Aber auch ihre früheren, noch deutlich doomigeren Alben vergaßen GRAND MAGUS nicht, und so kamen wir unter anderem noch in den Genuss von „Kingslayer“, „Wolfs Return“ und „Blood Oath“. Mag sein, dass so mancher Fan der ursprünglichen, doomigen Ausrichtung der Band von „Iron Will“ etwas irritiert war, doch die Kritiken zum dritten Album der Schweden sprechen eine deutliche Sprache, und auch live funktionieren die Heavy Metal-Hymnen von „Iron Will“ perfekt. Dieser Auftritt machte um so mehr Lust auf eine Tour der Schweden, hoffentlich werden die Ende 2008 ausgefallenen Termine demnächst endlich mal nachgeholt. (agony&ecstasy)

AUDREY HORNE

AUDREY HORNE auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
Verbreiteten mit ihrer Musik und Show einfach gute Laune – AUDREY HORNE 

Aus irgendeinem Grund waren AUDREY HORNE an mir bislang völlig vorbei gegangen. Mit dem Vorwissen, dass die Norweger grungigen, leicht progressiven Hardrock spielen und hier Musiker auf der Bühne stehen würden, die sich bisher vor allem mit ENSLAVED oder GORGOROTH einen Namen gemacht haben, erwartete ich den Auftritt skeptisch bis neugierig – um dann äußerst positiv überrascht zu werden.

Zunächst einmal von der saucoolen Rockstar-Attitüde, die allen voran von Sänger Toschie ausgestrahlt wurde, der sich wie seine Bandkollegen mächtig ins Zeug legte und später auch im Fotograben vorzufinden war. Dazu meist ordentlich nach vorne rockende Musik mit starken Riffs, dezenten Keyboards, tollen Hooklines und einer Reibeisen-Stimme, die dazu wie die Faust aufs Auge passte. AUDREY HORNE verbreiteten mit ihrer Musik und ihrer Show einfach gute Laune und waren genau das Richtige für einen sonnigen Festival-Tag. (danielw)

HAIL OF BULLETS

HAIL OF BULLETS auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
Ein verficktes Vergnügen – HAIL OF BULLETS 

Nachdem EVOCATION mich live eher enttäuschten, lag es also an HAIL OF BULLETS den Tag in todesmetallischer Hinsicht zu retten. Doch vorher galt es den Grill anzuschmeißen. Diese Entscheidung erwies sich als fatal, denn als die letzte Fleischpeitsche verdaut war und wir uns gut zehn Minuten vor dem offiziellen Beginn auf den Weg machten, schallten uns vom Festivalgelände schon das Intro gefolgt von „General Winter“ entgegen. Dann war auch noch der Einlass völlig überlaufen. Prima, prima. Beim mächtigen „Nachthexen“ war ich dann endlich vor Ort und wurde Zeuge eines weiteren Triumphzuges der holländischen Todeswalze. „Stalingrad“, „The Crucial Offensive“ oder „Advancing Once More“, hier wurden keine Gefangenen gemacht. Und Martin van Drunen ist weiterhin der coolste Fronter in the house, so viel steht fest. Während „Ordered Eastward“, welches auch den Abschluss des Auftritts bildete, überließ er mal eben Gitarrist Paul Bayens den Gesang um in den Graben zu den Fans zu gehen. So, liebe EVOCATION, kann Death Metal live auch aussehen. Anschauen und nachmachen bitte. Oder um es mit den Worten von Martin van Drunen zu sagen: Es war ein verficktes Vergnügen! (agony&ecstasy)

DRAGONFORCE

DRAGONFORCE auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Verrenkungen und Hochgeschwindigkeitsgedudel: DRAGONFORCE

Wer sich DRAGONFORCE anschauen und den Bericht dazu schreiben muss, wurde zwar nicht per Schnick-Schnack-Schnuck ausgelost, dennoch hat es eine Weile gedauert sich auf ein Opfer zu einigen. Rein technisch gab es am Auftritt der sogenannten Power-Metaller natürlich rein gar nichts auszusetzen. Die rasanten Solo-Duelle der Gitarren und des Keyboards wurden absolut perfekt vorgetragen, was besonders beeindruckend ist, wenn man bedenkt, dass sämtliche Musiker permanent hyperaktiv auf der Bühne herum rannten, herum sprangen und ihr Instrument unter den kuriosesten Verrenkungen bedienten.

Was die Jungs an Show zu bieten hatten, war natürlich gefundenes Fressen für die Fotografen im Pressegraben. Mir persönlich war es dennoch etwas zu viel des Guten, zumal mir das Ganze viel zu affektiert und albern rüber. Da geriet die Musik  zur Nebensache. Und eben diese war verdammt anstrengend. Das Hochgeschwindigkeits-Gedudel war dann auf Dauer doch etwas monoton, und ich war froh, als der Spuk vorbei war. (danielw)

FORBIDDEN

FORBIDDEN auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Feuerten ein Thrash-Monster nach dem anderen ab: FORBIDDEN

Mit FORBIDDEN und SACRED REICH hatte das diesjährige ROCK HARD FESTIVAL gleich zwei wiedervereinigte US-Thrash-Metal-Combos auf dem Billing. Erstere konnten mich zwar schon auf der Tour im Vorjahr begeistern. Im direkten Vergleich zeigte der Auftritt auf dem ROCK HARD FESTIVAL, bei dem man ausschließlich Klassiker der ersten Alben zum Besten gab, aber nochmal eine deutliche Steigerung.

Die schon etwas betagten Herren jagten mit einem Mörder-Sound ein Thrash-Monster nach dem anderen ins Amphitheater, und auch Sänger Russ Anderson gab sich keine Blöße. Mit ihrem energievollen Auftritt legten die Bay-Area-Thrasher beim Publikum augenscheinlich irgendeinen Schalter um, denn aus dem Nichts verwandelte sich der Bereich vor der Bühne in einen großen Moshpit, zu dem sich auch ein gewisser Vampster-Schreiberling magisch hingezogen fühlte. Doch auf den Rängen flogen die Haare, als gäbe es kein Morgen mehr. Daumen hoch für einen der ganz starken Momente dieses Festivals. (danielw)

JON OLIVA PAIN

JON OLIVA´S PAIN auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
Erneut völlig überragend, diesmal aber nüchtern – JON OLIVA´S PAIN 

Vier Jahre nach seinem legendären Auftritt auf dem ROCK HARD FESTIVAL kehrte Jon Oliva, SAVATAGE-Mastermind und Sangesgott, zurück um das Amphitheater erneut zu rocken. Unverständlich ist mir die Kritik einiger Leute am damaligen Auftritt, weil Jon wohl ein wenig angeheitert auf die Bühne kam. Die damalige Show war für mich eines der absoluten Highlights der Festivalgeschichte. Doch heute versprach Mister Oliva eine noch legendärere Show als 2005. Wie sollte dies möglich sein? Erst mal gab es ein neues Klavier, einen richtigen Flügel diesmal. Zwar zickte dieser bei einem Song mal kurz rum, machte ansonsten aber einiges her auf der Bühne.

Und dann ging es auch schon los. Und zwar mit dem Nackenbrecher „City Beneath The Surface“. Genau hier verlor der Verfasser dieser Zeilen sämtliche Beherrschung und verwandelte sich in einen bangenden und brüllenden Irren, der sich stampfend seinen Weg von den Rängen nach unten bahnte. Killer! Endlich war auch wieder ein zweiter Gitarrist mit an Bord, so dass die Rhythmus-Parts nicht mehr von Keyboarder Chris Kinder übernommen werden mussten. Und mit „Sirens“ ging es auch gleich brachial weiter. Meine Stimme hatte sich schon längst verabschiedet. Verdammt, wenn das so weiter geht, dann kommen JON OLIVA´S PAIN tatsächlich an 2005 heran.

Zwar war Bassist Kevin Rothney irgendwie der einzige auf der Bühne, der optisch zum Rockstar taugte, dafür war der Mountain King fantastisch bei Stimme und Matt La Porte solierte einmal mehr auf Criss Oliva-Niveau, auch wenn er das Solo vor dem mehrstimmigen Gesangspart bei „Chance“ völlig in den Sand setzte. Aber auch Giganten rutschen mal aus. Die Band zeigte sich solidarisch und somit saßen die Gesangsparts auch lange nicht so perfekt wie noch einst auf dem PROG POWER FESTIVAL.

Weitere Kritik an diesem Auftritt wird es von meiner Seite nicht geben, denn die folgenden „Edge Of Thorns“, „Tonight He Grins Again“, „Hounds“, die Jahrhundertballade „Believe“ sowie der Rausschmeißer „Hall Of The Mountain King“ waren einfach zu perfekt um Meckerei in irgendeiner Form zu rechtfertigen. Vielleicht war die Stimmung bei der 2005er Show noch ein wenig besser, schließlich waren JON OLIVA´S PAIN damals auch noch Headliner vor CHILDREN OF BODOM, während es dieses Jahr genau anders herum war. Aber dieser Auftritt war ganz nah dran und ähnlich gut waren dieses Jahr höchstens noch ARMORED SAINT auf dem KEEP IT TRUE. (agony&ecstasy)

CHILDREN OF BODOM

CHILDREN OF BODOM auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
Viel „fuck“, viel rumgerotze, trotzdem ein würdiger Headliner – CHILDREN OF BODOM 

Letztes Mal war es noch anders herum, da spielten CHILDREN OF BODOM noch vor dem Mountain King. Vier Jahre später sah die Sache anders aus und die Finnen vom See waren Headliner. Meiner persönlichen Meinung nach zu Unrecht, aber was weiß ich schon. Dass CHILDREN OF BODOM den überragenden Auftritt von JON OLIVA´S PAIN nicht mehr toppen würden können war klar, doch ganz objektiv gesehen sind die Finnen ihrem Headliner-Status durchaus gerecht geworden. Ebenfalls zumindest semi-objektiv muss ich sagen, dass Alexi Laihos „Fuck, fuck, fuck“-Tiraden genauso wie das permanente Rumgerotze eher nerven und – Achtung, jetzt wird es subjektiv – die Songs neueren Datums mich irgendwie nicht wirklich flashen. Nach „Hate Crew Deathroll“ hab ich mich albumtechnisch bei den Jungs ausgeklinkt, nicht zu Unrecht wie mir scheint. Nun ja, souverän agierten CHILDREN OF BODOM trotzdem und das Publikum hatten sie auch im Griff. Und spätestens die Tatsache, dass man sich vom früheren Hit und Setlist-Garanten „Deadnight Warrior“ verabschiedet hat, zeigt, dass die Band sich von ihren Anfängen emanzipiert hat.

Für den Großteil der aktuellen Fanbase ist der Song wahrscheinlich nicht mehr von Belang, da sie erst später auf die Band gestoßen sind und somit natürlich andere Songs zu ihren Favoriten zählt. Mir wäre eine andere, nicht ganz so standardmäßige Band als Headliner lieber gewesen, doch der Zweck heiligt die Mittel und den Reaktionen entsprechend haben die Veranstalter wohl alles richtig gemacht. (agony&ecstasy)

Sonntag, 31. Mai 2009

TRACEDAWN

Wer den Sonntag eröffnen darf, hat auf dem ROCK HARD FESTIVAL in der Regel die Arschkarte gezogen. Und so begannen auch TRACEDAWN ihren Gig vor einer Handvoll müder Metalkrieger, die es irgendwie geschafft hatten, pünktlich aus ihren Zelten zu kriechen.

Die Finnen bemühten sich dennoch, eine ordentliche Show abzuliefern, und besonders Sänger Antti Lappalainen entpuppte sich als echtes Energiebündel, doch auch seine fast ebenso enthusiastisch wirkenden Kollegen sorgten für ordentlich Action auf der Bühne.

TRACEDAWN auf dem Rock Hard Festival 2009
 Von Teenies für Teenies: TRACEDAWN

 

Mit ihrem Teenie-Metal – von Teenies für Teenies – konnten sie jedoch rein musikalisch noch nicht hundertprozentig überzeugen. Zwar konnten sie verdeutlichen, dass sie an ihren Instrumenten ganz und gar keine Anfänger mehr sind, doch dem hochmelodischen und von rasantem Keyboard-Gedudel dominierten Melodic Death Metal im Fahrwasser von CHILDREN OF BODOM fehlten die wirklich herausragenden Riffs und Songideen, um echte Begeisterung aufkommen zu lassen. Zudem konnte Antti nur mit seinem Death/Thrash-Schreigesang überzeugen. Der häufig eingestreute Klargesang blieb kraft- und ausdruckslos.  (danielw)

 

FIREWIND

FIREWIND auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Der iBob in Action: FIREWIND

Auf den Auftritt von FIREWIND hatte ich mich im Vorfeld besonders gefreut. Damit war ich wohl nicht der einzige, denn zwar war zur Mittagsstunde das Amphitheater immer noch relativ leer. Vor der Bühne hatte sich aber dennoch eine beachtliche Zahl an Besuchern versammelt, die den Griechen aus der Hand fraßen.

Kein Wunder, denn der etwa vierzigminütige Auftritt der Jungs im Gitarrist Gus G. bot für Freunde melodischen Power Metals und zeitlosen Heavy Rocks eine Perle nach der anderen. Das Hitpotenzial von Nummern wie „Mercenary Man“, „I Am The Anger“ oder „Head Up High“ kam zusammen mit einer tadellosen Performance gepaart mit jeder Menge Spielfreude, die sich dann auch umgehend aufs Publikum übertrug. Mit „Losing Faith“ hatte man zudem noch einen brandneuen Song am Start, als kleinen Appetizer für das für 2010 geplante nächste Studioalbum. Selbst die „Maniac“-Coverversion, die von manch einem kritisch aufgenommen wurde, empfand ich persönlich als durchaus gelungen und stimmig.

Besonders betont werden muss schließlich noch der tolle Sound, der den gesamten FIREWIND-Auftritt zu einem wahren Hörgenuss machte. Davon konnte sich so manche andere Band eine gehörige Scheibe abschneiden. Das frühe Aufstehen hatte sich also doch noch gelohnt! (danielw)

BULLET

Vor zwei Jahren eröffneten BULLET noch am Freitag das ROCK HARD FESTIVAL und konnten nicht wenige, die noch nie von der Band gehört hatten, begeistern. Nun waren sie, immerhin um zwei Positionen auf dem Billing nach oben geklettert, erneut am Start. Diesmal ohne den Überraschungseffekt, dafür aber mit einer sichtlich gewachsenen Fanbase.

 BULLET auf dem RH-Festival 2009
 Metal-Party ohne Überraschungseffekt: BULLET


BULLET spulten mit der Energie und Spielfreude, die man von ihnen mittlerweile kennt, ihr gewohntes Programm herunter. Das Gitarrenduo poste um die Wette, und Front-Kugel Hell Hofer kreischte seine klischeebeladenen Lyrics ins Publikum, als wäre er Udo Dirkschneider höchst persönlich. Dass bei BULLET auch die Riffs bei ACCEPT, AC/DC und JUDAS PRIEST dreist zusammen geklaut sind, war ja mittlerweile bekannt. Mir persönlich gibt das zwar nichts, da das Songmaterial der Schweden einfach bei weitem nicht an die Qualität der Vorbilder heranreicht. Dennoch wurde im Amphitheater eine große Metal-Party gefeiert und die Band nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. BULLET verstehen es eben, dem typischen Festivalbesucher genau das zu geben, was er auf solch einer Veranstaltung erwartet. (danielw)

D-A-D

D-A-D live auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
Boten die aufwendigsten Showeinlagen des Festivals – D-A-D 

Das ROCK HARD FESTIVAL 2009 war das Festival der beinahe schon vergessen geglaubten ehemals sehr angesagten Bands. Nach PRONG am Freitag durften denn auch D-A-D am Sonntag unter Beweis stellen, dass sie längst nicht zum alten Eisen gehören, sondern immer noch in der Lage sind, ein Publikum, das mit ihrer Musik zum Teil überhaupt nicht vertraut ist, zu begeistern.

Wie man von den Dänen eigentlich schon erwarten konnte, fuhren sie dabei eine sehr aufwändige und gleichzeitig extravagante Bühnenshow auf, wie man sie zu dieser Tageszeit noch nicht im Amphitheater gesehen hat. Besonders ins Auge fielen dabei die vielen verschiedenen, alle für sich absolut exotischen Bass-Kreationen von Stig Pedersen. Aber auch an Pyro-Effekten wurde ganz und gar nicht gegeizt. Schade, dass dies aufgrund es prallen Sonnenscheins seine Wirkung ein wenig verfehlte. In Sachen Transportkosten dürften D-A-D in jedem Fall selbst die Headliner des Festivals getoppt haben.

Aber natürlich konnten die etwas gealterten, aber immer noch sehr agil und frisch auftretenden Herren auch musikalisch voll überzeugen. Ihr partykompatibler Hard Rock kam beim Publikum jedenfalls gut an. Um auch den letzten aus der Reserve zu locken, mussten dann aber mit dem Hit „Sleeping My Day Away“ schon ein schwereres Geschütz aufgefahren werden.

Insgesamt sehr überzeugend, bei einem Auftritt am Abend wäre aber sicher noch mehr drin gewesen. (danielw)

HEATHEN

HEATHEN auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Legten das Amphitheater in Schutt und Asche: HEATHEN

Thrash-Fans konnten sich über dieses Rock Hard Festival nun wahrlich nicht beschweren. Neben FORBIDDEN und SACRED REICH statteten auch HEATHEN dem Gelsenkirchener Amphitheater einen Besuch ab, deren Gitarrist Lee Altus ja auch schon im letzten jahr mit EXODUS auf der Bühne stand.

Die hohen Erwartungen, die man an die Amis stellen konnte, wurden dann auch vollends erfüllt. Es folgte ein Thrash-Gewitter sondergleichen. Kompromisslos prügelte man sich durch Songs wie „Hypnotized“, „Death By Grave“ oder „Mercy Is No Virtue“ und sorgte dabei vor der Bühne für einen Moshpit, der sich sehen lassen kann. Daumen hoch! (danielw)

UFO

 
Soloeinlagen statt Klassiker: UFO 

Mit einmal kräftig durchgeblasenen Ohren ging es dann auf eine entspannte Reise in die Vergangenheit. Dass UFO auf dem Billing eingekeilt von zwei Thrash-Kapellen waren, kann man wohl als nicht gerade optimale Bedingungen bezeichnen. Dem einen oder anderen war das, was er zwischen diesen Thrash-Granaten zu hören bekam, dann doch etwas zu seicht.

UFO, allen voran der erschreckend alt aussehende Phil Mogg, sprühten aber auch nicht gerade vor Spielfreude über, so dass die Band es auch nicht schaffte, beim Publikum einen Funken zu entzünden. So rockten sie mit Songs wie „Daylight Goes To Town“ oder „Mother Mary“ zwar relaxt vor sich hin und man erwischte sich ab und zu mal beim Mitwippen, für wirklichere Begeisterung konnten die alten Herren aber nicht sorgen – vor allem deshalb, weil man die Spielzeit mit viel zu langen Soloeinlagen verschwendete. Dem fielen dafür Klassiker wie „Doctor, Doctor“ zum Opfer. Vielen Dank auch! (danielw)

 

SACRED REICH

Neben FORBIDDEN waren SACRED REICH ebenfalls eine Reunion, über die ich mich sehr gefreut habe. FORBIDDEN hatte ich letztes Jahr bereits gesehen, so dass die Vorfreude auf SACRED REICH noch ein bisschen größer war. Und da war ich wohl nicht alleine, denn bis auf die Ränder links und rechts war es gerammelt voll im Amphitheater. Abgesehen vom Knaller „Independent“, welcher direkt als zweites verbraten wurde, konzentrierten sich SACRED REICH auf die Songs der Alben bis einschließlich „The American Way“. Von besagter Scheibe gab es neben dem Titeltrack auch „Crimes Against Humanity“, „Love… Hate“ und „Who´s To Blame“ zu hören.  Bassist und Frontmann Phil Rind, der inzwischen zu einem echten Wonneproppen geworden ist, ist entpuppte sich als äußerst sympathischer Zeitgenosse, der mangelnde Agilität durch seine coolen Ansagen wett machte.

Neben Songs wie „The American Way“ waren es vor allem die Debüt-Kracher wie „Ignorance“, „Death Squad“, das Götz Kühnemund gewidmete „Victim Of Demise“ oder „Sacred Reich“. Den Wunsch der Fans nach diesem Song kommentierte Phil Rind nur mit „when i heard this I thought we better start practising“. Das hat offensichtlich Früchte getragen, denn im Pit war ordentlich was los. Schade nur, dass die Band nach der Zugabe in Form des heiß ersehnten „Surf Nicaragua“ bereits um kurz nach acht und somit fast eine Viertelstunde vor Schluss von der Bühne ging. Aber irgendwie hatten es ja dieses Jahr so einige Bands nicht so mit den Start und Schlusszeiten. Davon abgesehen war der Auftritt aber verdammt stark, vielleicht keiner der ganz großen, denkwürdigen Momente der ROCK HARD FESTIVAL-Historie, aber auf jeden Fall eine würdige Co Headliner-Show. (agony&ecstasy)

SAXON

SAXON auf dem ROCK HARD FESTIVAL 2010
 Überzeugten wie erwartet mit ihrem Klassiker-Set: SAXON

Nach einer kurzen Einlage der diesjährigen Karaoke-Jam-Gewinner war es an SAXON, diesem ROCK HARD FESTIVAL einen würdigen Abschluss zu verpassen. Die Veranstalter haben es dieses Mal also eindeutig auf Risikominimierung angelegt, denn, hey, was soll bei SAXON schon schief gehen? Das einzige, was an dieser Entscheidung stört ist, dass man SAXON als regelmäßiger Festivalgänger in den letzten Jahren vielleicht schon etwas zu oft gesehen hat.

Die Briten fuhren für ihren Classic Set jedenfalls das volle Programm auf mit ihrem legendären Adler und aufwändiger Lichtshow. Zwar startete man mit aktuellem Material, insgesamt dominierten aber eindeutig die Klassiker aus den 80ern. Und obwohl man sich fast ausschließlich dieser Ära widmete, konnte man es natürlich nicht allen recht machen. Überraschend etwa, dass man auf „Crusader“ verzichtete.

Wenn jemand einen bestimmten Song vermisste, wurde er dafür aber in der Regel mit jeder Menge anderer Songs bedacht, die ihm ebenso am Herzen lagen. Mit „Heavy Metal Thunder“, „Dallas 1 PM“, „The Eagle Has Landed“ und „Wheels Of Steel“ wurde ein Hit nach dem anderen abgefeuert, so keine Verschnaufpause blieb. Die Jungs um Frontmann Biff Byford hatten dabei augenscheinlich genauso viel Spaß wie eh und je, und besonders Bassist Nibbs Carter entpuppte sich mal wieder als unglaubliches Energiebündel.

Ihre Zugabe und das Festival beendeten SAXON dann schließlich mit „Princess Of The Night“ und hinterließen damit jede Menge glückliche, aber erschöpfte Gesichter. (danielw)

Fotos: Daniel Westheide / vampster.com