ROCK HARD FESTIVAL 2007: Der Bericht

ROCK HARD FESTIVAL 2007: Der Bericht

Das Festival

Freitag, 25. Mai 2007

Bullet | Crucified Barbara | Cataract | Heaven Shall Burn | Grave Digger | Hammerfall

Samstag, 26. Mai 2007

Metal Inquisitor | Maroon | Turisas | Korpiklaani |
Ross The Boss | Vader | Armored Saint | Death Angel | Amon Amarth

Sonntag, 27. Mai 2007

Sabaton | Hardcore Superstar | Dew-Scented | Dark Funeral | Tankard | Paul Di Anno | Spock´s Beard | Axel Rudi Pell | Thin Lizzy

Das Festival

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Die Security auf dem Rock Hard Festival 2007
Mehr weibliche Crowdsurfer wünschte sich die einmal mehr überaus sympathische Security.

Was 2003 als einmalige Veranstaltung zum zwanzigjährigen Jubiläum des ROCK HARD aufgezogen wurde hat sich in den letzten Jahren als Konstante in der deutschen Festival-Landschaft etabliert und feiert nun auch schon ein kleines Jubiläum. Zum fünften Mal fand dieses Jahr das ROCK HARD FESTIVAL im Amphitheater im wunderschönen Nordsternpark statt. Dieser zählt sicherlich zu den schönsten Festival-Locations überhaupt, aber über die Vor- und nachteile dieser haben wir uns ja in den Berichten der Vorjahre schon zur Genüge ausgelassen. Positiv stach, neben der Musik, insbesondere die freundliche Security hervor, die das ganze Wochenende über sehr relaxt bei der Sache war und sich auch mal, wenn man einer Ansage von Götz Kühnemund Glauben schenken darf, mehr weibliche Crowdsurfer wünschte. Es sei ihnen gegönnt!

Das Billing war sicherlich nicht das stärkste der bisherigen Festival-Geschichte. Zwar hatte man mit ARMORED SAINT und DEATH ANGEL zwei echte Highlights am Start, ansonsten gab es aber viel „Festival-Standard“ ala GRAVE DIGGER, TANKARD, AMON AMARTH oder HAMMERFALL. An sich war das Billing in diesem Jahr äußerst traditionell ausgerichtet, um nicht sogar zu sagen etwas rückwärtsgewandt. Mit PAUL DI ANNO und ROSS THE BOSS waren gleich zwei Ex-Mitglieder bekannter Metal-Bands am Start, deren Setlists sich zum größten Teil aus Songs ihrer Ex-Arbeitgeber zusammen setzten, und THIN LIZZY haben ohne Phil Lynnot ja durchaus auch ein wenig den Charakter einer Tribute-Band. Dazu noch äußerst retro ausgerichtete Bands wie BULLET und METAL INQUISITOR, da wirkten die drei (mehr oder weniger) Metalcore-Bands fast schon wie Fremdkörper. Dementsprechend waren dieses Jahr auch etwas weniger Besucher anwesend als in den vorangegangenen Jahren.

Nichtsdestotrotz war auch das fünfte ROCK HARD FESTIVAL eine gelungene Veranstaltung mit jeder Menge hervorragender Auftritte. Nächstes Jahr, zum 25-jährigen Heft-Jubiläum, sollten die ROCK HARD-Macher sich allerdings wieder etwas mehr reinhängen bei der Zusammenstellung des Billings.

Freitag, 02. Juni 2006

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BULLET

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Bullet auf dem Rock Hard Festival 2006
BULLET machten bereits optisch deutlich, dass sie mit zeitgemäßen Klängen nichts am Hut haben.

Sah es zunächst noch so aus, als würden sich die durch die Wettervorhersage entstandenen Befürchtungen bestätigen, so klarte der Himmel pünktlich zum Beginn des Festivals auf und die Sonne zeigte sich – von einem anstehenden Gewitter war keine Spur mehr zu sehen. Eröffnet wurde das in diesem Jahr sehr schwedenlastige ROCK HARD FESTIVAL von den Newcomern BULLET, die zu Beginn von der Bühne aus noch in ein weitgehend leeres Amphitheater blickten, welches sich dann aber doch recht schnell beachtlich füllen sollte.

Die bunt gemischte Truppe – zwei dynamische, junge Gitarristen treffen auf einen Altrocker am Bass und einen Fleischklops am Mikro – machte bereits optisch deutlich, dass sie mit zeitgemäßen Klängen nichts am Hut haben. Ihre Achtiger-Klamotten waren, je nach Betrachter, kultig oder peinlich. Musikalisch bedienten sich BULLET vor allem bei ACCEPT (besonders, was den Gesang betrifft) und AC/DC, angereichert durch einige THIN LIZZY-Twin-Guitars. Das daraus entstehende simple Hardrock/Heavy-Metal-Gebräu hätte klischeebehafteter kaum sein können. Originell geht definitiv anders. Im Grunde war das, was die Schweden musikalisch zu bieten hatten, ziemlich platt, denn die mangelnde Originalität konnte man auch nicht durch herausragende Songs wettmachen. Durch ihre enorme Spielfreude, verbunden mit der Party-Kompatibilität ihrer Musik, gelang es der Band jedoch, einen gar nicht mal so kleinen Teil des Publikums mitzureißen und sich von diesem ordentlich abfeiern zu lassen. Und weil es so rund lief für die Schweden, beendeten sie ihren regulären Set bereits fünfzehn Minuten zu früh, um noch eine Zugabe geben zu können. Trotz aller musikalischen Defizite: Als Auftakt eines Festivals war diese Band genau das Richtige – Auftrag erfüllt. (danielw)

CRUCIFIED BARBARA

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Schwedisch ging es dann auch gleich weiter mit CRUCIFIED BARBARA, so dass im Publikum die auch gegen Ende des Tages nochmal zu sehenden blaugelben Fahnen herausgeholt wurden. Das Quartett spielte zwar bereits im letzten Jahr auf dem ROCK HARD FESTIVAL. Aufgrund von Problemen mit dem Einlass konnte damals jedoch kaum jemand ihren Auftritt in voller Länge verfolgen, so dass sie auf Wunsch der Festivalbesucher für dieses Jahr erneut gebucht wurden.

Crucified Barbara auf dem Rock Hard Festival 2007
Schwächelten etwas im Vergleich zum Vorjahr: CRUCIFIED BARBARA.

Wer solche Sympathien genießt, dann aber schlechtere Publikumsreaktionen einfährt als die Newcomer von BULLET und auch als man selbst im letzten Jahr, muss irgendetwas falsch gemacht haben. Im Falle von CRUCIFIED BARBARA war es die Tatsache, dass man leider spürbar weniger tight spielte als noch vor einem Jahr. Immer wieder schlichen sich leichte Unsauberheiten ein, sowohl was den an sich sehr ordentlichen Gesang, als auch die Gitarren angeht. Auch war das Auftreten der vier hübschen Damen im Vergleich zu BULLET trotz fast ständigen Headbangens etwas reservierter, so dass das Publikum ebenfalls etwas weniger enthusiastisch reagierte. Schade, denn eigentlich machten CRUCIFIED BARBARA trotz dieser Mängel immer noch richtig Spaß. Party-Hymnen wie „Losing The Game“, „Play Me Hard“ oder der Titelsong des noch aktuellen Albums sind einfach gute Songs, die durch die leicht heisere, charismatische Stimme von Frontfrau Mia zusätzlichen Reiz gewinnen. Hätten sie zu einem späteren Zeitpunkt gespielt, wären CRUCIFIED BARBARA wahrscheinlich sehr viel besser angekommen – der typische alkoholisierte Festivalbesucher ist immun gegen Spielfehler, und wenn er männlich ist, oft auch nicht mehr in der Lage, angesichts der optischen Reize eine differenzierte Beurteilung abzugeben. Bezeichnend, dass das Quartett die besten Reaktionen erntete, als sie für die MOTÖRHEAD-Coverversion „Killed By Death“ die Kollegen von BULLET zurück auf die Bühne holten. (danielw)

CATARACT

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Cataract auf dem Rock Hard Festival 2007
Verbesserungsbedarf in Sachen Stageacting: die Schweizer CATARACT.

Nach der doppelten Schweden-Portion ging es nun in den deutschsprachigen Raum, um genau zu sein in die Schweiz. Die Schweizer Metalcoreler wurden von Frank Albrecht angesagt, der nebenbei noch gleich die Hiobsbotschaft verbreitete, dass NAGLFAR aufgrund von Streiks der Fluglinie nicht kommen könnten und als Ersatz DEW-SCENTED auftreten würden. Ärgerlich und vor allem unverständlich, da genug andere Bands aus Schweden und Umgebung an diesem Wochenende auf dem ROCK HARD FESTIVAL anwesend waren. Schade für alle, die sich, wie ich, auf NAGLFAR gefreut hatten und für alle Blackies im Allgemeinen, da somit DARK FUNERAL die einzigen waren, die die Fahne des Schwarzmetalls hochhalten würden.

Aber zurück zu CATARACT. Diese mussten sich erst mal mit weniger Leuten als die vorangegangenen Bands zufrieden geben. Gegen die geballte Attraktivität von CRUCIFIED BARBARA kommt man halt nur schwer an. Trotz allem mühten sich CATARACT redlich und lieferten fette Mosh-Parts im Minutentakt ab. Dankenswerterweise waren im Publikum deutlich mehr Headbanger als Kickboxer anwesend, so dass sich auch unsereins relativ ungefährdet in die vorderen Reihen wagen konnte. Auch erste Crowdsurfer wagten sich nach oben, scheiterten allerdings, bedingt durch die recht ausgedünnten Reihen, teilweise kläglich. Abgesehen davon, dass ich das Gemurmel von Frontmann Federico Carminitana mal wieder kaum verstanden habe, lieferten CATARACT einen ordentlichen Gig, der allerdings nicht darüber hinweg täuschen konnte, dass sich nach einigen Songs doch eine gewisse Ähnlichkeit einschleicht. Auch was das Stageacting angeht bestand hier definitiv noch Verbesserungsbedarf. Bei dieser Art von Musik sollte sich die Band ruhig etwas mehr bewegen als die Schweizer, die dieses hauptsächlich ihrem Frontmann überließen. (agony&ecstasy)

Setlist CATARACT


Intro
War Of Cultures
Sacrificed
On This graveyard
Denial Of Life
As We Speak
Skies Grow Black
Killing Tool
Tongues Spitting Hate
Vanished In The Dark
Nothings Left

HEAVEN SHALL BURN

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Heaven Shall Burn auf dem Rock Hard Festival 2007
HEAVEN SHALL BURN: die beste Metalcore-Band Deutschlands?

Einige Klassen höher spielten da schon die deutschen HEAVEN SHALL BURN, die mit ihrem letzten Album „Deaf To Our Prayers“ den Brecher des letzten Jahres ablieferten. Dementsprechend waren nun auch deutlich mehr Leute anwesend und es ging vom ersten Song an im Moshpit so richtig was ab. Bereits nach dem ersten Lied taumelte der erste mit angeknacksten Rippen aus dem Pit. Ja, Metal tut manchmal ziemlich weh. Beim folgenden „Counterweight“ begab sich der wie gewohnt in ein schickes JUDAS PRIEST-Leibchen gewandete Frontmann Markus Bischoff crowdsurfenderweise ins Publikum. Die gesamte Band war äußerst bewegungsfreudig und bangte was das Zeug hält. Bei „Profane Believers“ gab es dann den ersten Circle Pit des Festivals. Die Setlist setzte sich zu einem Großteil aus Songs der letzten Scheibe zusammen und wurde durch ausgewählte Highlights wie „The Weapon They Fear“oder „Unleash Enlightment“ von der Split mit KAJALIBAN ergänzt. Leider verließen HEAVEN SHALL BURN bereits zwanzig Minuten vor dem offiziellen Ende zum ersten mal die Bühne, kehrten allerdings prompt zurück, um dem Publikum mit „Behind The Wall Of Silence“ und „To Harvest The Storm“ den Rest zu geben. Was HEAVEN SHALL BURN hier ablieferten war definitiv großes Kino, und man ist fast geneigt Sprüchen wie „Die beste Metalcore-Band Deutschlands“ vorbehaltlos zuzustimmen. Oder um es mit den Worten des Kollegen danielw zu sagen: „Gegen die waren CATARACT höchstens Kreisklasse“. Nuff said! (agony&ecstasy)

GRAVE DIGGER

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Grave Digger auf dem Rock Hard Festival 2007
Spielten mit einem „nur“ guten Auftritt den Headliner an die Wand: GRAVE DIGGER.

GRAVE DIGGER, die Power Metal Institution aus dem Ruhrpott. Wer kennt die sympathischen Veteranen nicht? Am heutigen Tag wurde ihnen die Ehre zuteil das Publikum vor HAMMERFALL als Co-Headliner einzuheizen. Und das machte den alten Herren sichtlich Spaß. Weiterhin konnte man Keyboarder Hans Peter Katzenburg auch endlich mal ungeschminkt bewundern. Mit den kostümierten Auftritten soll es ja nun vorbei sein. Trotz einer tollen Setlist, einem textsicheren Publikum und einer aufgedrehten Band wollte der Funke bei mir nicht überspringen. Ich hatte das Gefühl alle Songs schon mal ein Quäntchen intensiver erlebt zu haben. Dem Auftritt fehlte leider das letzte bisschen Energie, um wirklich mitzureißen. Und mir ging es dabei anscheinend nicht alleine so. Wie gesagt, an der Songauswahl kann es nicht gelegen haben. Die enthielt neben den Pflichtnummern „Headbanging man“, „Rebellion“ und „Heavy metal breakdown“ (wie immer zum Abschluss) Perlen wie „Excalibur“, „The last supper“ oder „Valhalla“. Möglicherweise störte mich das anfangs nur mäßig abgemischte Soundgewand, vielleicht sind GRAVE DIGGER aber einfach eine Band, die nur in der intimen Enge eines abgedunkelten Clubs ihre wahre Klasse entfalten kann. Nichtsdestotrotz schafften sie es mit diesem „nur“ guten Auftritt die eigentlichen Headliner des heutigen Tages mit Leichtigkeit an die Wand zu spielen. (Gastautor Philipp Rauf)

Setlist GRAVE DIGGER


Scotland united
In the dark of the sun
Grave in a nomans land
Excalibur
The last supper
Headbanging man
The grave digger
Silent revolution
Valhalla
Knights of the cross
Rebellion

Liberty or death
Heavy metal breakdown

HAMMERFALL

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Ich gebe es zu: Ich halte nichts von all den Verwünschungen, die Richtung HAMMERFALL abgefeuert wurden und werden. Ihre erste Schaffensperiode ist umwerfend und ich fühlte mich bis heute bei ihren Liveshows stets bestens unterhalten. Man kann über HAMMERFALLs Musik, ihre ebenso pompösen wie kitschigen Bühnenaufbauten oder Oscar Dronjak denken was man will, die Band ist noch immer ein Publikumsmagnet und hat mit ihren ersten beiden Veröffentlichungen einige herausragende Songs in petto. Des Weiteren ist die heutige Bühnendekoration geradezu human. Waren es zu Zeiten von „Chapter V: Unbent, Unbowed, Unbroken“ noch Pappgletscher, gab es heute nur handelsübliche Riser und ganze zehn Bassdrums auf eben diese verteilt.

Ja, ich kann mit Fug und Recht behaupten mich auf den heutigen Auftritt besonders gefreut zu haben. Das Konzert sollte ganz im Zeichen des Debüts „Glory to the brave“ stehen. Immerhin hauchte diese herausragende Power Metal-Platte vor zehn Jahren dem damals stagnierenden Genre neues Leben ein. Passenderweise gab der neue alte Bassist Fredrik Larsson an diesem Abend seinen Festival-Einstand. Er ersetzt Magnus Rosén und spielte anno ´97 das Debüt mit ein. Man konnte sich also auf einen Abend voller Klassiker freuen. Songs, die bei HAMMERFALL sonst zugunsten der schwächeren aktuellen Alben unter den Teppich gekehrt werden… Pustekuchen! Joacim Cans wurde zwar nicht müde zu erwähnen, dass „Glory to the brave“ nun eine ganze Dekade alt wird, aber trotz mehrfacher Ansagen verirrten sich gerade mal zwei Songs des Debüts in die Setlist! Ganz, ganz schwach. Auch ansonsten präsentierten sich HAMMERFALL an diesem Abend eher wie eine betrunkene Schülerband bei ihrem zweiten Konzert in der Schulaula Dinkelsbühl. Seien es die dämlichen Ansagen von Herrn Cans oder die peinlichen Sprungkicks in die Pyrosäulen von Latexnudel Oscar. Mehr als einmal möchte man sich die Haare raufen! Gegen Ende des Sets flog Dronjak nach einem gewagten Sprung von den erhöhten Bühnenaufbauten gar mal fast in den Bühnengraben, während Joachim Cans während einer Gesangspause vollkommen uninspiriert auf die Bühnendeko eindrosch.

Was das unprofessionelle Auftreten kaputtmachte, konnte auch die Setlist über weite Strecken nicht retten. Spätestens nach dem „Renegade“ Album ging es mit HAMMERFALL in meinen Augen bergab. Demnach zündeten nur wenige Songs neueren Datums und auch bei der Auswahl aus der „Legacy of kings“- und „Glory to the brave“-Phase bewies das Quintett kein glückliches Händchen. Infolgedessen flauten die anfangs euphorischen Publikumsreaktionen im Laufe des Abends mehr und mehr ab. Nach dem Ende der regulären Show warteten viele die Zugaben gar nicht mehr ab. Ich habe HAMMERFALL nun schon mehrfach live erlebt, aber ein derartiges Debakel gab es noch nie. Sorry, aber mit so einer Leistung würde man selbst auf einer Clubtour als Headliner grandios durchfallen, von der großen Bühne mal ganz abgesehen. Aber das Jahr ist ja noch jung und eventuell schaffen es die Schweden sich im Laufe des Jahres noch zu steigern. (Gastautor Philipp Rauf)

Setlist HAMMERFALL


Templars of steel
Riders of the storm
Fury of the wild
Rebel inside
Renegade
Glory to the brave
The fire burns forever
Let the hammer fall
Crimson thunder
Hammerfall

Heeding the call
Hearts on fire

Samstag, 03. Juni 2006

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METAL INQUISITOR

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Metal Inquisitor auf dem Rock Hard Festival 2007
Eine höhere Kutten-Quote gab es bei keiner anderen Band: METAL INQUISITOR.

Viel zu früh am morgen rief die Pflicht schon wieder vor die Bühne, denn Deutschlands Underground-Aushängeschild METAL INQUISITOR bot zum Tanz. Dementsprechend war die Kutten-Quote im Publikum auch so hoch wie bei kaum einer anderen Band an diesem Wochenende. Los ging es mit einem Doppelschlag der letzten Scheibe in Form des Titeltracks und „Restricted Agony“. Frontmann El Rojo kam sympathisch wie immer rüber und zeigte sich reichlich begeistert von der Anzahl der anwesenden Zuschauer. Er bildete zusammen mit Axtschwinger T.P. den beweglichen Teil der Band, während man Herrn Blumenthal doch anmerkte, dass es wohl letzte Nacht nicht nur Apfelschorle zu trinken gab. Mit „Persuader“ gab es sogar einen neuen, viel versprechend klingenden Songs zu hören. Schade, dass die Inquisitoren so früh ran mussten, aber andererseits waren METAL INQUISITOR auch genau die richtige Band um zur frühen Vormittags-Zeit in Stimmung zu kommen. Als die Band ihren Auftritt mit der Abrissbirne „M4-A1“ und „Resistance Is Futile“ beendete, hinterließen die Koblenzer jedenfalls nur glückliche Mienen im Publikum. (agony&ecstasy)

Setlist METAL INQUISITOR


Doomsday For The Heretic
Restricted Agony
Take Revenge
Logans Run
Persuader
Daze Of Avalon
Zombie Driver
M4-A1
Resistance Is Futile

MAROON

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Metalcore ist ja nicht so meins. Weder SHADOWS FALL, noch HEAVEN SHALL BURN schafften es, mich in ihrer Metalcore-Phase (die ja inzwischen bei beiden bekanntermaßen vorbei ist) zu überzeugen. HEAVEN SHALL BURN´s kleiner, nicht ganz so erfolgreicher Bruder MAROON konnte mich aber zumindest live für sich gewinnen.

Maroon auf dem Rock Hard Festival 2007
MAROON-Frontmann Andre Morawack und seine homoerotischen Spielchen.

Für Frontlama Andre Moraweck war es ja der zweite Besuch auf dem Festival und er schien sich auch gleich heimisch zu fühlen. Zumindest rotzte er rum wie ein Rasensprenger und machte dabei auch nicht vor den Instrumenten seiner Bandkollegen halt, wenn er nicht gerade mit einem Gitarristen oder Bassisten homoerotische Spielchen auf der Bühne trieb. Nein, das ist kein Witz. Ich hatte mich gerade erst von dem HAMMERFALL-Debakel erholt und sah nun, wie eine noch junge Band sich auf der Bühne zum Affen machte. Dabei hat sie diesen Blödsinn gar nicht nötig! Der Sound drückte ordentlich, die Songs peitschten einem die Matte aus dem Gesicht, das vorhandene Publikum ging ordentlich mit. Wieso also diese idiotischen Kindereien? Egal, vergessen wir das und hoffen auf Besserung. Kennen tat ich bis zu dem Auftritt übrigens nichts von MAROON, aber „Shadow of the vengeance“ und „Wake up in hell“ blieben mir gleichwohl positiv im Gedächtnis. Zum Abschluss wurde als besonderes Schmankerl SODOMs „Ausgebombt“ zum Besten gegeben.(Gastautor Philipp Rauf)

TURISAS

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Turisas auf dem Rock Hard Festival 2007
Zogen mit Akkordeon und Geige in den Krieg: TURISAS.

Nachdem MAROON die Fans der härteren und modernen Gangart bedienten, gab es im Anschluss finnischen, folkbeeinflussten Metal im Doppelpack. Den Anfang machten TURISAS, die wie üblich in Felle gekleidet, mit Kriegsbemalung versehen und mit Kunstblut beschmiert, einen äußerst wilden und barbarischen Eindruck machten – so wie es sich für eine Band, die die Genrebezeichnung „Battle Metal“ für sich gepachtet hat, eben gehört. Ein Glück für die in natura mehr als harmlos aussehenden Finnen, dass es während ihres Auftritts noch kühl und bedeckt war, so dass keine Gefahr bestand, dass die Musiker in ihren Outfits kollabieren würden.

Sieht man einmal von vereinzelten Rückkopplungen ab, so gehörte der Auftritt der Finnen soundtechnisch zu den besten, die das diesjährige ROCK HARD FESTIVAL bis zu diesem Zeitpunkt zu bieten hatte: Die einzelnen Instrumente waren gut ausgesteuert und der Lautstärkepegel war angenehm, also weder zu laut noch zu leise. Dadurch kam die Musik noch um einiges besser rüber als etwa auf dem DONG OPEN AIR 2006. Dies galt zumindest, wenn man sich auf den unteren Rängen des Amphitheaters aufhielt, denn, wie berichtet wurde, war der Sound weiter oben keineswegs zufriedenstellend und ziemlich unausgeglichen.

Neben den bekannten Songs ihres Debütalbums warteten TURISAS im übrigen auch mit einigen Stücken vom neuen Album auf. Einer dieser Songs überraschte mit einem gesteigerten Anteil von klarem Gesang, was der Band ausgesprochen gut zu Gesicht stand, ein anderer Zeigte die Finnen von einer recht wirren Seite – anscheinend ein Versuch, die Musik durch Pseudo-Progressivität anspruchsvoller zu gestalten. Wirklich live-tauglich war diese Komposition aber nicht, ganz im Gegenteil zum Debüt-Titelsong „Battle Metal“, bei dem es TURISAS tatsächlich schafften, beinahe alle auf den Rängen sitzenden Festivalbesucher dazu zu bringen, aufzustehen und auch während des gesamten Songs stehen zu bleiben. Angesichts der besonders hohen Schwerkraft, die im Amphitheater vorherrscht, eine durchaus respektable Leistung, die in diesem Jahr nur von wenigen Bands vollbracht wurde. Die Zugaberufe, unter denen die Band die Bühne verließ, haben sie sich definitiv verdient. Dass sie ihren Auftritt nicht, wie so manch andere Kapelle, bereits fünfzehn Minuten zu früh beendeten, um eine solche auch noch spielen zu können, machte sie aber erst so richtig sympathisch. (danielw)

KORPIKLAANI

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Im Gegensatz zu ihren Kollegen von TURISAS, die durch ein martialisches und barbarisches Auftreten auf sich aufmerksam machten, bedienten KORPIKLAANI dann eher die tanz- und trinkfreudige Folk-Metal-Fraktion. Man sah den Jungs schon zu Beginn an, wieviel Spaß es ihnen machte, auf dem ROCK HARD FESTIVAL zu spielen – insbesondere Frontmann Jonne, der die Bühne mal wieder mit einem breiten Grinsen betrat. Im Vergleich zu früheren Auftritten machten die Finnen einen noch selbstbewussteren Eindruck, hier machte sich die mittlerweile größere Live-Erfahrung deutlich bemerkbar.

Musikalisch gab es bei KORPIKLAANI keine allzu großen Überraschen zu verzeichnen. Zwar gab es mit „Let’s Drink“, das thematisch nahtlos an Songs wie „Beer Beer“ und „Happy Little Boozer“ anschließt, sowie „Karhunkaatolaulu (Bear Hunt Song)“ zwei Songs des brandneuen, zum Zeitpunkt des Auftritts noch nicht veröffentlichten Albums „Tervaskanto“ zu hören. Der Rest der Setlist war aber ziemlich vorhersehbar – was nichts an der hohen Qualität der dargebotenen Stücke änderte. So kam es bei Songs wie der Hymne „Korpiklaani“, „Cotagges & Saunas“ oder „Wooden Pints“ zu einem erhöhten Aufkommen von Crowdsurfern, während Stücke wie „Pellonpekko“, der Klassiker vom Debütalbum, nicht wenige Besucher das Tanzbein schwingen ließen.

Eine Überraschung gab es dann aber doch: Nach dem „Wooden Pints“ verklungen war: Das Intro zum „Hunting Song“ hatte frappierende Ähnlichkeiten mit „Black Sabbath“.

Korpiklaani auf dem Rock Hard Festival 2007
KORPIKLAANI überzeugten durch selbstbewusstes Auftreten und Spielfreude.

Zwar wurde auch dieser Auftritt mit zunehmender Spielzeit etwas eintönig – ein grundsätzliches Problem von KORPIKLAANI -, aufgrund der einzeln betrachtet starken Songs, der Spielfreude und der Souveränität der Musiker handelte es aber denoch um eine gelungene Performance, an der die Fans sichtlich Spaß hatten. So gab es dann mit „Happy Little Boozer“ auch noch die verdiente Zugabe. (danielw)

ROSS THE BOSS

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Nachdem ROSS THE BOSS bereits auf dem KIT eine gute Figur gemacht hat, bekam er nun die Gelegenheit sich auch vor größerem und etwas heterogenerem Publikum zu beweisen. Die Rechnung ging auf, denn es war ordentlich was los, als Götz den Ex-MANOWAR-Gitarristen ankündigte und das anwesende Publikum dann auch gleich mal fragte, ob man bereit sei für den Metal zu sterben. Und wenn man sich die dargebotenen MANOWAR-Klassiker so anhörte, wurden zwei Dinge recht schnell klar: Zum einen ist Patrick Fuchs sicher kein schlechter Sänger, kommt aber bei den wirklich harten Stellen durchaus mal ins Schleudern. Der Gute hat natürlich auch ein schweres Erbe anzutreten, und man muss ihm zu Gute halten, dass es sich insgesamt durchaus passabel schlägt. Zum anderen wäre da der Star selbst, der seinen Nachfolger Karl Eisenherz mal ganz locker an die Wand soliert. Los ging es mit ordentlich rock´n´rolliger Schlagseite in Form von „Manowar“, „Shellshock“ und „Deathtone“. Nach dem mächtigen „Gloves Of Metal“ kündigte Ross einen neuen Song an, den man mit der Band geschrieben hatte. Du meine Güte, ich dachte ja, die ziehen als MANOWAR-Revival-Tross durch die Lande, was schreiben die denn jetzt eigene Songs? Das mit „We Will Kill“ in bester MANOWAR-Tradition betitelte Stück war indes durchaus stark, konnte aber mit der Übermacht der es umgebenden MANOWAR-Klassiker nicht mithalten. Das wurde sehr deutlich, als der höfliche Applaus in brandenden Jubel über das folgende „Thor (The Powerhead)“ überging.

Ross The Boss auf dem Rock Hard Festival 2007
Überraschte mit einem neu geschriebenen Song: ROSS THE BOSS.

Eine kleine Überraschung hatte man bei „Kill With Power“, bei dem mit Rhino ein weiteres Ex-MANOWAR-Mitglied die Bühne enterte und hinter seinem Drumkit mal so richtig abging. Dies war das erste Mal, dass die beiden, die sich seit immerhin zwanzig Jahren kennen, gemeinsam auf der Bühne standen, wie Frontmann Patrick Fuchs zu berichten wusste. Immerhin ein kleines bisschen Metal-Historie, hier auf dem ROCK HARD FESTIVAL. Beendet wurde dieser starke Auftritt durch ein fantastisches Medley aus „Gates Of Valhalla“ und dem mächtigen „Defender“. Hier lief mir doch tatsächlich mal ein Schauer über den Rücken, und man wurde sich mal wieder der Tatsache bewusst, was für eine unglaubliche Band MANOWAR mal waren und noch sein könnten wenn die Egos nicht über die Musik triumphiert hätten. Schade, aber in dieser Form sehe ich mir ROSS THE BOSS gerne ein weiteres Mal an. (agony&ecstasy)

Setlist ROSS THE BOSS


Manowar
Shell Shock
Death Tone
Gloves Of Metal
We Will Kill
Thor (The Powerhead)
Fighting The World
Hail And Kill
Kill With Power
Hail To England
Gates Of Valhalla/Defender

VADER

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Vader auf dem Rock Hard Festival 2007
Fliegende Matten auf der Bühne und im Pit: VADER.

Polens Death Metal-Walze VADER, für mich das erste richtige Highlight des Festivals, gehört wohl zu den tourfreudigsten Szene-Bands überhaupt. Deshalb ist es mir auch völlig unverständlich, wie ich seit ihrem 2002er WACKEN-Auftritt nicht eine ihrer Shows gesehen habe. Zusammen mit AMON AMARTH, die am heutigen Abend spielen sollten, machten VADER den kleinen aber hochwertigen Death Metal-Anteil auf dem diesjährigen ROCK HARD FESTIVAL aus. Nächstes Jahr dürften es allerdings gerne ein paar mehr Bands aus dem Genre sein. Mit der aktuellen Monster-Scheibe „Impressions in blood“ und einem enormen Songfundus voller Nackenbrecher in der Hinterhand überrascht es wohl niemanden, dass VADER die moshende Meute vom ersten Akkord an in die Glückseligkeit prügelte. Was soll ich noch groß Worte darüber verlieren. Im Pit flogen die Matten nur so, während Peter und Konsorten mit Übersongs der Marke „Silent empire“, „Black To The Blind“ und „Wings“ ins Publikum pfefferten. Dabei wurde jedes noch so kleine Soundloch vom aktuellen Schlagzeug-Monster Daray (ersetzt Krzystof „Docent“ Raczkowski, † 2005) zugekleistert. Peter sammelte mit seinen im gebrochenen deutsch vorgetragenen Ansagen weitere Pluspunkte bei den Besuchern und sang passagenweise sogar „Helleluyah (God is dead!)“ in unserer Landessprache. Als Zugabe gab es mit SLAYERs „Raining blood“ selbstredend einen Gassenfeger, welcher selbst die unwilligsten Banger vor die Bühne lockte, um noch einmal akkurat die Matte kreisen zu lassen. (Gastautor Philipp Rauf)

ARMORED SAINT

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Armored Saint auf dem Rock Hard Festival 2007
Tobte wie von der Tarantel gestochen über die Bühne: John Bush, dessen Vollbart zum Gesprächsthema Nummer eins für alle modebewussten Metaller im Amphitheater wurde.

Was jetzt folgte, waren die beiden Bands, auf die ich mich auf diesem Festival am meisten gefreut hatte. ARMORED SAINT waren wirklich eine perfekte Wahl für das ROCK HARD FESTIVAL, schließlich bekommt man die Mannen um Ex-ANTHRAX Röhre John Bush nun wirklich nicht all zu oft zu sehen. Und somit standen auch Blumi und El Rojo von METAL INQUISITOR brav im Publikum und harrten der Dinge, die da kommen mochten. Als Götz Kühnemund die Band ansagte, ließ er es sich nicht nehmen den Wunsch der Security nach mehr weiblichen Stagedivern an das Publikum weiter zu geben. Tatsächlich sollten sich im Verlauf des Gigs ein paar willige Mädels finden die den Securitys in die Arme segelten.

ARMORED SAINT indes legten mit „Long Before I Die“ los und schoben direkt mal „Can U Deliver“ hinterher. Wow, das nennt man einen Start nach Maß. John Bush hat sich inzwischen einen stattlichen Vollbart wachsen lassen und tobte wie von der Tarantel gestochen über die Bühne. Da konnte nur noch Joey Vera, die coolste Bass-Sau im Lande, mithalten der ebenfalls wie irre über die Bühne sprang. Phil Sandoval hielt sich da eher zurück, poste dafür aber wie ein Weltmeister. Und diese Setlist! AAAAAARGH! ARMORED SAINT konzentrierten sich hier ganz klar auf die frühen Werke. Das Comeback „Revelations“ wurde lediglich mit „The Pillar“ bedacht, während dem Hit-Album „Symbol Of Salavation“ immerhin drei Songs gewidmet wurden. Bei „Upon My Departure“ fiel dann leider Mr. Sandovals Gitarre aus und es sollte bis zur Mitte von „Symbol Of Salvation“ dauern bis die Axt wieder zu hören war. Das änderte aber nicht an der Tatsache, dass ARMORED SAINT, die hier wie entfesselt aufspielten, einen absolut überragenden Gig ablieferten, und als John Bush sich beim abschließenden „Lesson Well Learned“ seines Hemdes entledigte, fragte ich mich ernsthaft, wer dass an diesem Wochenende noch überbieten sollte. (agony&ecstasy)

Setlist ARMORED SAINT


Long Before I Die
Can U Deliver
The Pillar
Glory Hunter
Last Train Home
For The Sake Of Heaviness
Upon My Departure
Symbol Of Salvation
Raising Fear
March Of The Saint
Reign Of Fire

Lesson Well Learned

DEATH ANGEL

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Tjaaaaaaa… die Antwort folgte auf dem Fuße. Wenn ich zu Beginn auch nur geringste Zweifel daran hatte, ob DEATH ANGEL mit dem vorangegangenen ARMORED SAINT Auftritt mithalten könnten, so wurden diese mit den ersten Takten von „Seemingly Endless Time“ hinweg gefegt. Als direkt darauf das göttliche „Voracious Souls“ vom Debüt erklang, wähnte ich mich schon tot und im Thrasher-Himmel. Und weiter ging es mit „Mistress Of Pain“. Im Moshpit war unterdessen die Hölle los. Das war definitiv der härteste Pit, den ich je selbst erleben durfte, da können die Metalcore-Kampftänzer einpacken. Vom letzten Album gab es mit „Thrown To The Wolves“, „5 Steps Of Freedom“ und „Thicker Than Blood“ gleich die drei besten Songs am Stück zu hören. Als es bei letzterem, während der Textzeile „Try as you will but you´ll never forget this dark night“ anfing zu blitzen war der magische Moment perfekt. Diese drei Nummern brauchen sich keineswegs hinter den alten Klassikern zu verstecken, was die Meute im Pit recht ähnlich sah.

Death Angel  auf dem Rock Hard Festival 2007
Bei DEATH ANGEL gab es nur zwei Alternativen: Nass werden oder sich im Pit die Knochen brechen lassen.

Frontmann Mark Osegueda war mit seiner Flasche Gin in der Hand agil wie immer und auch der Rest der Band war wie aufgedreht. Nach „Devil Incarnate“, dem vierten und letzten Song von „The Art Of Dying„, stellte Mark die Band vor und outete sich selbst als langjährigen ROCK HARD-Leser und dankte dem Magazin für die Möglichkeit hier zu spielen. Gleichzeitig öffnete der Himmel seine Schleusen und kippte das Wasser eimerweise auf das Amphitheater, was die Ränge, bis auf einige Unermüdliche, recht zügig leer fegte. Es gab auch nur zwei Varianten: Nass werden oder sich die Knochen im Pit brechen lassen. Ich entschied mich für die lustigere der beiden Varianten. Schon mal versucht Notizen zu machen während um euch herum alles durchdreht? Mit „Veil Of Deception“ gab es immerhin einen kurzen Moment zum durchatmen, bevor mit „Stagnant“ wieder Feuer unterm Dach war. Das funkige „Bored“ und der obligatorische Old School-Brecher „Kill As One“ beendeten diesen perfekten Auftritt einer der besten Bands, die die Bay Area je hervor gebracht hat. Ja, ich gebe es zu, ich kann hier nicht mehr objektiv bleiben. Dieser Auftritt war, zusammen mit Jon Oliva vor zwei Jahren, das Beste, was ich je auf diesem Festival gesehen habe, und DEATH ANGEL sind hiermit heilig gesprochen! (agony&ecstasy)

AMON AMARTH

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Vor Jahren einmal bezeichneten wir DORO und HYPOCRISY scherzhaft als Festivalflittchen, da sie an wirklich jeder Steckdose auftraten. Es war ein Ding der Unmöglichkeit auf ein Festival zu gehen, ohne dass eine der beiden Bands, sei es regulär oder als Überraschungsgast, auf die Bühne platzten. Dieser unrühmliche Titel kann inzwischen reinen Gewissens an AMON AMARTH weitergegeben werden. Mal ehrlich, wo tritt das Quintett dieses Jahr denn nicht auf? Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass nach den sintflutartigen Regenfällen, die auch nach DEATH ANGEL anhielten, viele ihr Heil in der Flucht suchten. Im späteren Verlauf des Konzertes kamen dann aber doch noch ein paar unverbesserliche aus ihren Zelten gekrochen, um sich die Wikinger um Fronthüne Johann Hegg anzutun. Da stellt sich einem doch die Frage, ob die klügeren unter uns, die sich in den Schutz ihrer Zelte zurückgezogen haben, etwas verpasst haben.

Hand aufs Herz: Nein, eigentlich nicht. Diejenigen, die AMON AMARTH noch nie gesehen haben, haben noch auf ungefähr jedem anderen Festival dieses Jahr die Gelegenheit dazu (inklusive Jomswikinger), und für alte Hasen wie mich bot die Show keinerlei Überraschungen. Das soll nicht heißen, dass AMON AMARTH mich gelangweilt hätten. Ganz im Gegenteil! Wie beim Pawlow’schen Hund lösen Schlachtenhymnen wie der Opener „Gods of war arise“ bei mir den Moshreflex aus. Hochkarätig ging es weiter mit „Runes to my Memory“ und dem Evergreen „Death in fire“. In einem fort folgten weitere Highlights aus dem reichen Hitrepertoire. Wer nach DEATH ANGEL noch nicht genug hatte, prügelte sich vor der Bühne im Moshpit. Ich hingegen zog den nasskalten, aber dafür sicheren Rang vor. Nach dem Doppelschlag „Bleed for ancient gods“ (Kult!) und „An ancient sign of coming storm“ war es vorerst vorbei. Aber selbstverständlich fehlte noch der vielfach geforderte „Victorious march“, ehe mit dem mächtigen „The pursuit of vikings“ auch die letzten Kraftreserven pulverisiert wurden und die Zuhörerschaft mit einem breiten Grinsen im Gesicht gen Zelt wankte.

Neben dem sehr routinierten und selbstsicher Bandauftreten, wen wundert’s bei der Bühnenerfahrung, fügte sich auch die neue Bühnenshow (die wärmenden Flammensäulen waren bei diesem Wetter ein Segen) stimmig ins Bild ein. Frontberg Johann Hegg hat sich mittlerweile zu einem sehr sympathischen und kommunikativen Frontmann gemausert, der es versteht sein Publikum anzufeuern und bei Laune zu halten. Nebenbei vergaß er natürlich auch nicht das deutsche Bier zu loben. Spätestens da, hatte er zumindest den Bier trinkenden Teil des Publikums in der Tasche. (Gastautor Philipp Rauf)

Setlist AMON AMARTH


Gods of war arise
Runes to my memory
Death in fire
With Oden on our side
Cry of the blackbirds
Fate of norns
Asatur
Masters of war
Where silent gods stand guard
Bleed for ancient gods
An ancient sign of coming storm

Victorious march
The pursuit of vikings

Sonntag, 04. Juni 2006

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SABATON

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Sabaton auf dem Rock Hard Festival 2007
Sangen über den zweiten Weltkrieg und machten ordentlich Party: SABATON.

Und schon wieder ist es beängstigend früh und wieder gibt’s traditionellen Metal zum aufwachen. Vorher vertrieben sich die wartenden Fans die Zeit aber mit zwei Wasserbällen, mit denen dann mal Volleyball unterm Vordach gespielt wurde. Die Security war begeistert mit von der Partie, wenn der Ball mal wieder den Weg in den Graben fand. Einer der Sicherheitsleute nutzte die Wartezeit gar zu einem kleinen Crowdsurf-Ausflug. Alleine diese Minuten vor dem Auftritt von SABATON waren stellvertretend für die gute, entspannte Stimmung, wie sie bisher auf jedem ROCK HARD FESTIVAL vorherrschte.

SABATON, die mir als Opener auf der EDGUY-Tour noch in guter Erinnerung geblieben sind, eröffneten ihren Auftritt mit „Panzer Battalion“ vom „Primo Victoria“-Album. Wo gibt es sonst noch Party-Stimmung bei Songs über das dritte Reich und den zweiten Weltkrieg? Wo feiert man ausgelassen, während einem der Sänger „Berlin is burning“ entgegen singt? Richtig, bei den schwedischen Spaß-Garanten von SABATON. Auch der Wasserball machte während des Konzertes weiter munter seine Runde durch Publikum und sogar SABATON-Frontmann Joakim Broden konnte nicht widerstehen den Ball wieder ins Spiel zu bringen, als dieser auf der Bühne landete. So gelang es SABATON mit ihrem melodischen Power Metal beste Laune im Publikum zu verbreiten, während sich das Rund zaghaft füllte. Auch der später einsetzende Regen konnte die Leute nicht von den Rängen vertreiben. Sehr spaßig waren auch die „Noch ein Bier“-Gesänge der Fans, die nach jedem Song ein weiteres Bier dazu packten. „Rise Of Evil“, so ließ uns Joakim Broden wissen, handele dann doch nicht vom Aufstieg Hitlers sondern von seinem Schwanz. Na dann, Prost Mahlzeit! Beim Smasher „Primo Victoria“ waren wir dann gesangstechnsich bei „6 Bier“ angelangt und nach „Back In Control“ gab es bereits lautstarke SABATON-Rufe, bevor mit „Metal Machine“ der letzte Song zum Besten gegeben wurde. (agony&ecstasy)

Setlist SABATON


Panzer Battalion
In The Name Of God
Light In The Black
Into The Fire
Attero Dominatus
Rise Of Evil
Primo Victoria
Back In Control
Metal Machine

HARDCORE SUPERSTAR

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Hardcore Superstar auf dem Rock Hard Festival 2007
Starker Auftritt bei unpassendem Wetter: die Schweden HARDCORE SUPERSTAR.

Als nächstes war es an HARDCORE SUPERSTAR, die Meute bei Laune zu halten. Wem die Schweden ein Begriff sind, der weiß, dass die Jungs weder Hardcore spielen, noch Superstars sind. Zumindest mit letzterem hätte es aber klappen können – vor zwanzig Jahren. Nach BULLET und CRUCIFIED BARBARA waren HARDCORE SUPERSTAR die dritte Achtiger-Revival-Band aus Schweden auf dem diesjährigen ROCK HARD FESTIVAL. Anders als erstere ließen sie aber nicht den traditionellen Heavy Metal aufleben, sondern frönten mit voller Hingabe dem Sleaze- und Poser-Rock. Im Gegensatz zu ihren Kollegen von BULLET entpuppten sich HARDCORE SUPERSTAR zudem nicht nur als frischer und humorvoller, sondern vor allem als talentiertere Musiker und Songwriter. Anstatt stumpfer, vorhersehbarer 08/15-Songs gab es Unmengen toller Hooklines zum Mitsingen sowie genau das richtige Maß an musikalischem Anspruch, um niemanden zu überfordern, aber auch niemanden zu langweilen. Das i-Tüpfelchen war der sehr hohe und schrille Gesang von Frontmann Jocke, der im Publikum zwar sicherlich nicht nur Freunde fand, technisch aber über alle Zweifel erhaben war und zudem sehr charismatisch rüberkam.

Passend zur erstklassigen musikalischen Darbietung war auch die Bühnenshow der Band sehr dynamisch. Das Posen haben die Jungs wirklich im Blut, und Sänger Jocke, dessen Körperhaltung teilweise an Axl Rose erinnerte, hüpfte wie ein Gummiball auf der Bühne herum. Einzig das Wetter wollte nicht so recht zu der fröhlichen und unbeschwerlichen Musik der Schweden passen. Der graue, bewölkte Himmel war definitiv nicht der richtige Kontext für diese Art von Musik, die geradezu nach Sonnenschein schreit. Welche Ironie, dass dieser dann später ausgerechnet bei DARK FUNERAL hervorkam. Trotz dieser Umstände ein starker Auftritt, der seinen Höhepunkt in der als Zugabe gespielten Hymne „Kick On The Upperclass“ fand. (danielw)

DEW-SCENTED

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Dew-Scented auf dem Rock Hard Festival 2007
Konnten als NAGLFAR-Ersatz absolut überzeugen: DEW-SCENTED.

DEW-SCENTED hatten natürlich keine guten Karten bei mir. Nicht nur, dass ich mit der Band eh bisher nicht so viel anfangen konnte, nein, als Ersatz für die von mir hoch geschätzten NAGLFAR hatte man es wahrlich nicht leicht. Umso überraschender war es für mich, dass DEW-SCENTED mich tatsächlich, wohl zum ersten Mal, live nicht nur überzeugen, sondern tatsächlich auch mitreißen konnten. Dass die Jungs eine bestens geölte Live-Maschine sind und ihre Songs hoch motiviert und präzise wie eine Schweizer Taschenuhr ins – allerdings nicht allzu große – Publikum abfeuern würden, war ja von vorne herein klar. Aber dieses Mal zündete das mir sonst meist zu monotone High-Speed-Geballer auch so richtig beim Verfasser dieser Zeilen. Und immerhin passten DEW-SCENTED auch deutlich besser zur Tageszeit als NAGLFAR. Wer will die schon im Hellen sehen? Für die Leute auf den Rängen hatte Leffe auch noch ein paar warme Worte übrig: „Die Hälfte der Leute da oben ist blau oder grün gekleidet… Ihr solltet euch mal sehen!“. Jap, das waren die Regenmäntel, denn vom vor SABATON versprochenen schönen Wetter war bisher nicht viel auszumachen. Im weiteren Verlauf des Auftritts wurde es dann doch deutlich voller im Amphitheater, was bei der engagierten Performance von DEW-SCENTED nicht verwunderte. Ja, auch von mir dieses mal uneingeschränktes Lob für einen hervorragenden Auftritt. (agony&ecstasy)

Setlist DEW-SCENTED


Never To Return
Cities Of The Dead
Turn To Ash
That’s Why I Despise You
Bitter Conflict
New Found Pain
Into The Arms Of Misery
Soul Poison
Acts Of Rage

DARK FUNERAL

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Dark Funeral auf dem Rock Hard Festival 2007
Black Metal bei Sonnenschein: DARK FUNERAL.

Perfektes Timing. Der Himmel bewölkt, immer wieder kleinere Schauer, und dann, pünktlich zu DARK FUNERAL riss die Wolkendecke auf. Da hat sich der Schleusenwart oben am Himmelstor wohl einen ganz fiesen Scherz mit uns wettergeplagten Metallern erlaubt. Und so bewahrheitete sich heute wieder einmal eine alte Schwarzheimer Binsenweisheit. So lehrte mich schon meine selige Großmutter:

Black Metal und fein Sonnenlicht
Sind gut für die Atmosphäre nicht.

Für den Sound schien außerdem der Praktikant oder der Putzwart zuständig gewesen zu sein. So hatten DARK FUNERAL mit einer mehr als suboptimalen Abmischung zu kämpfen, der ein oder andere Song ging demnach im Soundmatsch baden.

Folglich ließen sich nur wenige motivieren DARK FUNERAL gebührlich abzufeiern. Dabei gaben sich der tapsige Emperor Caligula und seine Waldschrate alle Mühe und versuchten mit der Songauswahl ihre Schaffensperiode größtenteils abzudecken. Uralt-Schoten wie „My dark desires“ (vom Debüt „The secret of the black arts“) wurden ebenso bedacht wie neuere Ergüsse a la „The arrival of satan’s empire“ oder „666 voices inside“. Trotzdem ernteten die rüstungsbewehrten Pandas nicht mehr als Höflichkeitsapplaus. DARK FUNERAL wären wahrscheinlich die einzige Band gewesen, die aufgrund von Platzregen und bewölktem Himmel verstärkten Zuschauerzuspruch erhalten hätten. Sehr schade. So bleibt zum Schluss nur die Erkenntnis, dass ernsthafter Black Metal auf großen Festivalbühnen in der Regel nichts verloren hat. (Gastautor Philipp Rauf)

TANKARD

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Tankard auf dem Rock Hard Festival 2007
TANKARD feierten ihre fünfundzwanzigjähriges Bestehen.

Nachdem DARK FUNERAL im schönsten Sonnenschein verzweifelt versucht hatten etwas düstere Stimmung zu verbreiten, war jetzt erst mal Spaß angesagt. Die Bier-Thrasher von TANKARD wurden von Gerres neuem Partner In Crime, Bobby Schottkowski, angesagt. Los ging´s mit „We Still Drink The Old Ways“. Gerre rannte wie wild über die Bühne und im Moshpit gab neben jeder Menge Metaller auch eine einsame Gummipuppe ordentlich Gas. Spätestens bei „Slipping From Reality“ ging der Mob vor der Bühne richtig steil und im Pit war zum ersten mal an diesem Tag richtig Action. Die Ränge waren, wohl auch aufgrund des endlich sonnigen Wetters, auch sehr gut gefüllt, so dass der Party nichts im Wege stand. Denn immerhin gab es ja 25 Jahre TANKARD zu feiern oder wie Gerre es so schön ausdrückte: „25 Jahre TANKARD – 25 Jahre kein Erfolg“. Dass Gerre und Bobby sich beim moderieren der ROCK HARD DVD´s näher gekommen sind wurde klar, als Gerre seine Verlobung mit dem SODOM-Schlagzeuger bekannt gab. Als Hochzeitssong wurde dann auch gleich das folgende „Rectifier“ auserkoren. Na dann wünschen wir der jungen Liebe mal viel Glück und so… Als Abschluss des Gigs gab es – wie sollte es auch anders sein – noch die beiden Uralt-Granaten „Freibier“ und „Empty Tankard“ zu hören. Wie immer ein äußerst unterhaltsamer Auftritt der Hessen-Thrasher. (agony&ecstasy)

Setlist TANKARD


We Still Drink The Old Way
Zombie Attack
Slipping From Reality
Beermuda
The Beauty And The Beer
Need Money For Beer
Chemical Invasion
Die With A Beer
Rectifier
Freibier
Empty Tankard

PAUL DI ANNO

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ROSS THE BOSS war nicht der Einzige, der auf diesem Festival alte Songs seiner ehemaligen Band zum Besten geben sollte. Auch Ex-IRON MAIDEN-Frontmann PAUL DI ANNO wurde verpflichtet, um nostalgische Alt-Metaller glücklich zu machen und Spätgeborenen zu zeigen, was sie verpasst haben. Götz Kühnemund erwähnte in seiner Ankündigung zwar, dass Paul eigentlich gar keinen Bock mehr auf die alten MAIDEN-Songs habe, für das ROCK HARD FESTIVAL aber nochmal eine Ausnahme mache. Wenn man bedenkt, wie extensiv Di Anno in der jüngsten Vergangenheit mit eben einem solchen Programm durch Europa und vor allem Südamerika getourt ist, scheinen hinter dieser Entscheidung wohl eher finanzielle Gründe zu stecken.

Paul Di Anno  auf dem Rock Hard Festival 2007
Trotz astreiner Leistung seiner Begleitband keine Glanzleistung: der Auftritt von PAUL DI ANNO.

Leider schaffte PAUL DI’ANNO es nur ganz selten, die Magie alter MAIDEN-Zeiten hinaufzubeschwören. An seiner Begleitband, den PHANTOMS OF THE OPERA, lag das definitiv nicht. die Jungs um Bassist Chris Lücker, die sonst mit der hier nicht zum Line-up gehörenden Sängerin Anke die Band RE-VISION bilden, spielten tight, hatten Spaß und legten eine engagierte Bühnenshow hin. Es war allein die Performance von Paul, die mitunter zu wünschen übrig ließ. Hatte man zu Beginn noch den Eindruck, er sei heute gut bei Stimme, zeigte sich recht bald, dass die Momente, in denen er stimmlich überzeugen konnte, Ausnahmen blieben. Dass das Publikum bestimmte Passagen eines Songs übernimmt, ist ja gerade bei solchen Klassikern, wie sie hier gespielt wurden, absolut legitim und üblich. Dass in diesem Fall diese Passagen systematisch diejenigen waren, die besonders schwer zu singen waren (etwa bei „Remember Tomorrow“), zeigte dann aber die wahren Gründe für diese Mitsingspielchen: Herr Di’Anno traute es sich einfach nicht zu, die ganz hohen Töne sauber zu singen. Immer dann, wenn er sich nicht anders zu helfen wusste und das Mitsingspielchen nicht überstrapazieren wollte, brüllte er hingegen einfach nach PANTERA-Art brutal ins Mikro.

Nein, das war ganz und gar keine Glanzleistung, sondern ein Trauerspiel. Dass PAUL DI’ANNO trotzdem abgefeiert und zur Zugabe aufgefordert wurde, hatte er keinesfalls seiner eigenen Darbietung zu verdanken, sondern zur Hälfte seinem Status, zur Hälfte der astreinen Leistung seiner Musiker. (danielw)

SPOCK´S BEARD

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Spocks Beard auf dem Rock Hard Festival 2007
SPOCK´S BEARD-Keyboarder Ryo Okumoto trieb seine Späße mit den Fotografen.

Progressive oder einfach nur experimentelle Bands hatten es auf dem ROCK HARD FESTIVAL schon immer schwer und wurden meist nur von einer kleinen Schar fanatischer Anhänger abgefeiert, während das Gros des Festivalbesucher mit den komplexen, wenig partytauglichen Klängen nicht viel anzufangen wusste. Trotzdem verzichteten die Veranstalter auch dieses Jahr nicht darauf, das Prog-Genre zu bedienen und hatten mit SPOCK´S BEARD dann auch eine hochkarätige Band am Start. Dass sich vor der Bühne nur sehr wenige Besucher versammelten, war abzusehen, gerade, weil das sonstige Billing diesem Jahr besonders traditionell ausgerichtet und war und dadurch natürlich auch ein entsprechendes Publikum anzog. Dass einige Besucher die aus diesem Grund vorhandene freie Fläche aber zum Fußball spielen sollten, anstatt sich die Band wenigstens von den Rängen aus anzuhören oder die Zeit für eine Essenspause zu nutzen, war dann aber schon überraschend und unschön – dreister kann man seinem Desinteresse gegenüber den Musikern wohl kaum Ausdruck verleihen.

Die Band und die anwesenden Prog-Fans sowie der aufgeschlossenere Teil des Publikums hatten trotzdem ihren Spaß. Besonders Keyboarder Ryo Okumoto entpuppte sich als Bühnenkaspar, der seine Späßchen mit den anwesenden Fotografen machte, während er gerade eine Spielpause hatte. Aber auch musikalisch ließen SPOCK´S BEARD natürlich nichts anbrennen. Der mehrstimmige Satzgesang war perfekt, was man dank des sehr guten Sounds auch wunderbar heraushören konnte. Und dann waren da natürlich Gast-Drummer Jimmy Keegan und Ex-Schlagzeuger-und-jetzt-auch-Gitarrist Nick Virgilio, die sich auf den zu diesem Zweck aufgebauten zwei Drumkits ein fulminantes Schlagzeug-Duell lieferten. Grandios! Spätestens jetzt wachte auch der Teil des Publikums auf, der sich auf den Rängen tummelte. Auch den letzten mitreißen konnten die Progger dann aber erst mit dem letzten Song, dem LED ZEPPELIN-Cover „Whole Lotta Love“. Gesungen wurde das Stück von Jimmy Keegan, der dafür seine Position hinter dem Drumkit verließ und als Frontmann fungierte. Die tolle Gesangsleistung und die straight nach vorne rockende Musik waren genau das Richtige, um auch diejenigen zu überzeugen, die mit Prog gar nichts am Hut haben. (danielw)

AXEL RUDI PELL

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Axel Rudi Pell auf dem Rock Hard Festival 2007
Die wohl beste Stimme des Festivals: Muskelpaket Johnny Gioeli, Frontmann von AXEL RUDI PELL.

Nachdem ich vor SPOCK´S BEARD in Richtung Campingplatz geflüchtet war, war ich pünktlich zum Auftritt des blondierten Wattenscheiders wieder an Ort und Stelle um Zeugnis über den Auftritt des Ruhrpott-Blackmores ablegen zu können. Nach dem Dudelsack-Intro stürmte Sänger Johnny Gioeli beim Opener „Fly To The Moon“ auf die Bühne und sprang dort außer Rand und Band umher. Beim folgenden „Strong As A Rock“ gab es dann leider schon technische Probleme mit dem Bass, die auch noch eine Weile andauerten. Derweil war Johnny Gioeli absolut top bei Stimme und lieferte sicherlich eine der besten, wenn nicht die beste Gesangsleistung des Festivals ab. Den undankbarsten Job bei diesem Auftritt hatte aber wohl der Roadie, der jedes mal den Mikroständer von Mr. Gioeli aufstellen musste, nur damit dieser ihn kurz darauf wieder zu Boden beförderte… Na ja, besser als Hartz IV.

Nach „Casbah“ kam dann auch Kanonen-Mike-Terrana zum Zuge und lieferte ein mit sechs Minuten für seine Verhältnisse fast noch kurzes und wie immer atemberaubendes Schlagzeugsolo ab. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Tommy Aldridge diese Leistung kurz darauf noch toppen würde… Man muss einfach mal erwähnen, dass sich bei AXEL RUDI PELL einige echte Ausnahmetalente versammelt haben. Neben dem Meister höchst selbst wäre da vor allem der eben erwähnte Drum-Dynamo Mike Terrana und Goldkehlchen Johnny. Dieses Trio degradierte den Rest der Band beinahe zu Statisten.

Bei „Mystica“ kam dann Herr Pell zu seinem Solo-Spot. Abgesehen davon wurde natürlich auch sonst bei fast jedem Song ausgiebig gejammt und gedudelt, aber warum sollten sich solche Musiker auch an profane Dinge wie Studio-Versionen halten? Wer will so was denn schon hören? Abgeschlossen wurde der Auftritt mit „Call Her Princess“, während dessen Jam-Part die Herren Musiker noch mal so richtig von der Leine gelassen wurden. Keyboarder Ferdy Dornberg schulterte sein Instrument mal eben und bewegte sich damit in Richtung Bühnenmitte. Ich hatte einen soliden Auftritt erwartet, aber was AXEL RUDI PELL an diesem Abend geboten haben, war deutlich mehr als das. Hier bewies der Bochumer, dass seine Nominierung zum Co-Headliner auf jeden Fall gerechtfertigt war und lieferte bestes Hard-Rock-Entertainment ab. (agony&ecstasy)

Setlist AXEL RUDI PELL


Fly To The Moon
Strong As A Rock
Masquerade Ball
Casbah
Kanonen Mike
Tear Down The Wall
Mystica
Rock The Nation
Temple Of The King
Fool Fool
Call Her Princess

THIN LIZZY

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Thin Lizzy auf dem Rock Hard Festival 2007
THIN LIZZY-Frontmann und -Gitarrist John Sykes wirkte etwas gelangweilt.

Neunzig Minuten THIN LIZZY! Nicht wenige hatten sich auf diese Show gefreut, und manch einer war sogar fast ausschließlich für diesen Auftritt nach Gelsenkirchen angereist. Leider wurden aus diesen neunzig Minuten allerdings nur derer sechzig, da man es schaffte, ganze vierzig Minuten zu spät die Bühne zu betreten und der größte Teil davon von der Spielzeit abgezogen wurde. Nun können technische Pannen vorkommen. In diesem Fall jedoch hatte man eher den Eindruck, dass die Verzögerung auf eine Mischung aus Rockstarallüren und Unprofessionalität zurückzuführen war. So hatte man scheinbar nur einen einzigen Roadie dabei, der sich aber trotz der schon vorhandenen Verspätung alle Zeit der Welt nahm, um Verstärker und Mikrofone einzustellen, dabei aber auch den Eindruck machte, als sei er ein wenig überfordert. Hätte man die von Götz angekündigte Verspätung von etwa fünf Minuten noch hinnehmen können, so zogen sich THIN LIZZY gerade durch das Verhalten des Roadies den Unmut des Publikums auf sich, so dass nach einiger Zeit aus Enttäuschung Wut wurde und „Ihr seid scheiße – wie der BVB!“-Gesänge das Amphitheater beschallten.

Als die Band dann endlich ihren Auftritt begann, schien die Verärgerung dann aber wie verflogen – vorerst. Schließlich hatten die Mannen um Gitarrist John Sykes ausnahmslos Klassiker in ihrer Setlist. Los ging es mit „Jailbreak“, welches vom Publikum begeistert aufgenommen wurde und das, ebenso wie das kurze Zeit später folgende „Cold Sweat“, auch solchen Leuten ein Begriff war, die mit THIN LIZZY eigentlich gar nicht vertraut waren. Mit Ausnahme des etwas gelangweilt wirkenden John Sykes legten sich zudem sämtliche Bandmitglieder sehr ins Zeug und lieferten eine energiegeladene Show. Dass die Band dann aber trotz der Verspätung und der schon zu erwartenden Kürzung des Sets nicht auf das übliche Drumsolo von Tommy Aldridge verzichtete, war ärgerlich, denn auch wenn das Solo durchaus überzeugen konnte ( welcher andere Drummer schmeißt schon seine Sticks fort, um mit den Händen weiter zu spielen?), schmerzt es doch, wenn man im Fotograben die ursprünglich geplante Setlist gesehen hat und weiß, dass THIN LIZZY dem Drumsolo den Klassiker schlechthin, das von allen erwartete und geliebte „Emerald“, opferten.

So endete das diesjährige ROCK HARD FESTIVAL mit einem musikalisch erstklassigen Auftritt, der aber aufgrund der Verspätung und der Art und Weise, wie die Band damit umging, dennoch dafür sorgte, dass nicht wenige das Festivalgelände mit einem Gefühl der Enttäuschung verließen. (danielw)


Bericht: agony&ecstasy, danielw, Philipp Rauf
Fotos und Layout: danielw

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.