PUTREFACTION IN HELL, 29.03.2003, Hirschaid, Jahnhalle

PUTREFACTION IN HELL, 29.03.2003, Hirschaid, Jahnhalle

THE CROWNMANOSSKINLESSMONOLITH DEATHCULTVENERAL DISEASEDELIRIUM TREMENS SADISTIC BLOOD MASSACRE

Konzerthalle, einmal anders. Das Schulsportambiente der Jahnhalle in Hirschaid hatte ungewöhnliche Auswirkungen auf das Publikum: Am Biertresen wurde nicht gedrückt und gedrängelt, sondern artig eine Schlage gebildet, in der man geduldig auf seine Bestellung wartete. Der Geist eines stets schlechtgelaunten, arbeitsbekittelten Hausmeister-Typen schien durch das Bauwerk zu schweben und für Ordnung zu sorgen. Wer sich nicht für die Bands interessierte, konnte Tischtennis-Ranglisten studieren oder sich über Judo-Kurse für den Nachwuchs informieren. Wie auch immer, nachdem man die grausigen Erinnerungen an Sportstunden in der Grundschule mit einem Bierchen runtergespült hatte, stellte sich die Jahnhalle als perfekte Konzertavenue raus. Eine Riesenbühne, genug Platz, ordentlicher Sound und endlich mal eine gepflegte Anlage ohne den üblichen Jugendzentrum/Kleinhallen-Siff.

Zur Show von SADISTIC BLOOD MASSACRE kann ich nicht viel sagen, da ich nur sehr wenig gesehen habe – das was ich gesehen habe, war nicht gerade umwerfend. „Newschool Schmutzcore ultra perverse and hyper dirty“ – so stands auf der Eintrittkarte, für klang es einfach nur nach Grind-Gerumpel, das kompromisslos aber halt auch wenig abwechslungsreich durch die Turnhalle polterte.

Auch DELIRIUM TREMENS konnten mich nicht überzeugen, was einfach daran liegen mag, dass ich mit Thrash Metal der Marke DESTRUCTION nicht das geringste anfangen kann. Sauber gespielte Thrashsongs und eine kauzige Bühnenshow mit Nieten, übergroßen Gitarren, Schweinköpfen, Henkersknechten und unendlich viel Gepose verfehlten ihre Wirkung jedoch nicht, zum ersten Mal kam Stimmung in den vorderen Reihen auf.

Von VENERAL DISEASE blieb mir ein MASSACRE Cover in Erinnerung, der pfeilschnelle Death Metal der Band mag zwar konsequent sein, letztendlich schleicht sich bei so viel Geballere (mag es noch so präzise sein) bei mir einfach Langeweile ein. MONOLITH DEATHCULT habe ich schlicht und ergreifend verpasst, was mich im Nachhinein dann doch ärgert, vor allem, da sich MANOS als genauso grausam wie erwartet herausstellten. Diese Band ist Geschmackssache, und ich kann einfach nichts witziges daran finden, wenn Biene Maja verwurstet wird in Songs wie „Bad Chicken Attack“ „Zickezacke Hühnerkacke“ Textpassagen eingebaut werden. Zudem verschließt sich mir völlig, welchen komischen Effekt ein Wäscheständer auf der Bühne haben soll, oder warum ich mich freuen soll, wenn ein Basser einen Besen an sein Instrument bindet. Ich habe diese Band auf dem With Full Force vor Jahren gesehen und irgendwie hat sich seitdem nicht viel getan. Mein Humorzentrum ignorierte das Trio jedenfalls völlig – im Gegensatz zum Publikum, das eine Riesenparty feierte. Gut, der ein oder andere war schon dabei, der nicht wirklich Spaß hatte. Allen voran ein paar Jungs von SKINLESS und MONOLITH DEATHCULT, denen die Qualen ins Gesicht geschrieben waren. Ein paar verlorene Seeelen schlichen durch den Saal, auf der Suche nach Menschen, denen der Irrsinn auf der Bühne ebenfalls nicht zusagte. Viele waren es aber nicht…

SKINLESS konnten dafür vor einer ordentlich aufgeheizten Meute, zeigen, was sie draufhaben und das ist einiges – eine straighte, energiegeladene Show mit alten und neuen Songs von aktuellen Album „From Sacrifice To Survival“. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe einfach mehr Spaß an einer Band, die sich ehrlich über die tollen Reaktionen der Fans freut als an einem krampfigen Metal-Animationsprogramm, das mich an den kalendarisch verordneten Frohsinn von Karneval erinnert. SKINLESS waren jedenfalls sichtlich beeindruckt von der Stimmung luden bei den letzten Songs die Fans ein, mit auf die Bühne zu kommen. Dieser Aufforderung kamen auch gleich einige nach, so dass es unübersichtlich und voll wurde auf den Brettern, was die Band allerdings nicht daran hinderte, noch ein paar Zugaben nachzulegen. Drummer John Longstreth (ORIGIN), der als Aushilfsschlagzeuger mit SKINLESS auf Tour war, tat sein übriges, um diesen Auftritt im Langzeitgedächtnis zu verankern, so präzise und eindruckvoll trommelte sich der Ami durch die abwechslungsreichen Songs.

Als THE CROWN die Bühne enterten, war es schon recht spät – und obwohl die Zuschauerzahl langsam aber stetig abnahm, gab das schwedisch-finnische Terror-Kommando alles. Schwerpunkt der Setlist lag auf „Crowned In Terror“, THE CROWN spielten aber auch etliche ältere Songs wie „The Poison“, „1999 – Revolution 666“ oder „Back From The Grave“. Sänger Johan Lindstrand fühlt sich mittlerweile wohl auch wieder auf der Bühne zuhause, im Vergleich zum Auftritt beim Party.San 2002, wo er seinen Wiedereinstand in die Band feierte, wirkte er wieder genauso souverän und überzeugend wie früher. Stimmlich scheint ihm die Auszeit ohnehin gut getan zu haben, aggressiver und roher kann man kaum ins Mikro röhren. Tight, sympathisch und mit viel Spielfreude agierte auch der Rest der Band und endlich konnte man THE CROWN auch mit vernünftigem Sound erleben. Nach dem furiosen Auftritt schwanden dann auch die letzten Lebensgeister aus den Fans – doch gelohnt hatte sich der Abend allemal. Die perfekte Organisation tat ihr übriges, und so kann man nur empfehlen, die Jungs von Braincrusher, die diesen Konzerttag zu einem rundum gelungenen Erlebnis machten, in Zukunft im Auge zu behalten – Infos über weitere Konzerte gibt es unter www.braincrusher-promotion.de.

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...