MARYLAND DEATH FEST 2011: Sonar, Baltimore, USA: 26.05.-29.05.2011

Das MARYLAND DEATH FEST hat in den USA die Festivalvormachtstellung – und wie die diesjährige Ausgabe erneut zeigt, völlig zurecht.
 

Baltimore im US-Staat Maryland weist seit Jahren ein FBI-Kriminalitätsratenplatz just unter demjenigen von Detroit in Michigan auf und ist somit stets in den Top Ten der gefährlichsten US-Städte. Dies und der Fakt, dass das MARYLAND DEATH FEST mitten in einer Großstadt stattfindet statt irgendwo auf einer abgeschossenen Wiese, machen das Festival an sich speziell. Baltimore ist indes kein Ort ohne lokale Berühmtheiten – Edgar Allen Poe lebte hier und sein Grab ist nur einen 20 Minuten-Spaziergang vom Sonar Club entfernt. Außerdem wohnten hier mal Greg Puciato (THE DILLINGER ESCAPE PLAN), George Fischer (CANNIBAL CORPSE) und Tom Clancy. Raymond A. Spruance und FRANK ZAPPA wurden in Baltimore geboren, und die weltbekannte John Hopkins University School of Medicine inklusive Krankenhaus stehen ebenfalls hier – ein veritables Potpourri findet sich also hier ein.

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Seit sechs Jahren hat Baltimore aber noch ein weiteres Aushängeschild: das MARYLAND DEATH FEST. Während das Festival in seinen ersten drei Jahren noch in verschiedenen Vororten stattfand, versammelt sich der amerikanische Metal-Underground nun mitten in der Stadt. Mehr und mehr gesellen sich auch internationale Gäste dazu, was angesichts der einfachen Erreichbarkeit Baltimores kein Wunder ist. Die Gründer des MARYLAND DEATH FESTs – Ryan Taylor und Evan Harting, die beide aus der Tri-State-Region stammen – haben sich ihre Eigenständigkeit bewahrt und buchen nur Bands, die ihnen selbst gefallen und die zum Fest passen. Ist das nicht der Fall, spielt die Band nicht am MARYLAND DEATH FEST – egal ob sie am coolsten aussehen, am meisten verkaufen oder am meisten von ihrem Label gepusht werden.

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Obwohl die USA nicht gerade für qualitativ hochstehende, gut organisierte Festivals bekannt sind (als klägliche Beispiele seien hier MILWAUKEE METALFEST, NEW ENGLAND METAL & HARDCORE FESTIVAL und das OZZFEST genannt), hat sich das MARYLAND DEATH FEST halten können, weil die Organisatoren nicht nur Durchhaltewillen und Integrität haben, sondern sich eben auch nicht von oben genannten Negativeinflüssen haben beeindrucken lassen. Dies hat nicht nur ihnen selbst einen guten Ruf eingebracht, sondern es auch vielen internationalen Bands ermöglicht, überhaupt einmal in den USA zu spielen – was ihnen sonst nicht möglich gewesen wäre.

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So bedeutete das MARYLAND DEATH FEST 2003 die Rückkehr SUFFOCATIONs (nach fünf Jahren Pause) sowie die Ersterscheinung NECROPHAGISTs, die daraufhin gleich von RELAPSE unter Vertrag genommen wurden. Von da an galt es jedes Jahr, ein Line Up zu bieten, das entweder Band-Erstauftritte in den USA bot oder aber just wiedervereinte, vom Underground geliebte Bands zurückbrachte. Über die Jahre bedeutete dies Auftritte von REPULSION (2004), PUNGENT STENCH (2006), DEMILICH (2006), BOLT THROWER (2009), ASPHYX (2009), ATHEIST (2009), AUTOPSYGORGUTS und NIRVANA 2002 in 2010 sowie weitere veritable Namen aus der Death, Thrash, Doom und Black Metal-Szene, sowie aus der Welt des Grindcores. Das MARYLAND DEATH FEST ist sowohl ein Festival der neuen, jungen Bands, die Potential besitzen, wie auch derjenigen Bands, die sich bereits einen Namen im Underground verdient haben.

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Billingtechnisch bleibt sich das MARYLAND DEATH FEST denn auch 2011 treu. GHOST, IN SOLITUDECORROSION OF CONFORMITY (in der Trio-Besetzung von Animosity) spielen zum ersten Mal in den USA, IMPALED NAZARENE kehren nach fünf Jahren Absenz zurück, EXHORDER haben gefühlte zehn Jahre nicht mehr an der Ostküste gespielt und CORONER kehren nach 20 Jahren auf eine amerikanische Bühne zurück. Außerdem geben SKINLESS ihr Abschiedskonzert und CATHEDRAL spielen ihre letzte USA-Show.

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Dieses Jahr komme ich zum ersten Mal in sieben Jahren nicht aus dem eine Stunde entfernten Washington, DC ans Festival, sondern reise von Zürich aus an. Trotz der Übersetzungsarbeit und der um einiges längeren Reise lohnt sich der Besuch des MARYLAND DEATH FESTs jedoch auch dieses Jahr…

 

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Donnerstag, 26. Mai 2011

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Selber bin ich kein Fan des 4-Tage-Festivalformats. Für Amerikaner ist es zwar einfacher, das MARYLAND DEATH FEST zu besuchen, weil der Montag danach immer Memorial Day-Feiertag ist. Nicht-Amerikaner haben hingegen das Problem, dass sie mindestens einen Extratag freinehmen müssen bei der Arbeit, und natürlich Extrakosten damit verbunden sind: Hotel, Essen, Trinken und vielleicht noch ein Mietauto. Außerdem sind nach drei Tagen Festival auch bei den härtesten Metalheads die Energiereserven alle.

Bei mir klappte es mit dem Donnerstag aus transportlichen Gründen nicht – somit verpasste ich unter anderem BUZZOVEN und CATHEDRAL. Früh-Festivalgänger hatten keine homogene Meinung zu den Auftritten – einige fanden die beiden Auftritte grausig, andere befanden sie als fantastisch. So oder so – für mich begann das Festival erst am Freitag. C`est la vie.

 

 

 

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Freitag, 27. Mai 2011

Spätnachmittags schnappe ich mir mein Festivalbändchen und mache mich erst einmal auf zum Merchandise-Sektor des Festivals – schließlich gehen die wirklich coolen Sachen weg wie warme Semmeln. Das Publikum ist bereits zur Genüge vorhanden und es bietet sich die Gelegenheit, alte Bekannte zu wiederzutreffen. Bezüglich Merchandise fällt das Fehlen von Label-Ständen auf – außer RELAPSE hat kein anderes größeres Metallabel einen Stand (anders als letztes Jahr, als man zum Beispiel EARACHE antreffen konnte).

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Keine Ahnung, weswegen es sich so verhält – vielleicht haben diese Labels realisiert, dass sich ein Stand nicht lohnt, wenn ihre Bands nicht performen. Wie auch immer, die Lücke wird froh gefüllt von kleineren Brutal Death und Raw Black Metal Labels und Vertrieben aus den USA oder aus Südamerika. Letztere verkaufen vor allem gut gemachte Bootleg Shirts, Patches, Pins und anderen Merchandise. Selber kaufe ich mir meist keine Bootlegware, aber die DIY-Einstellung der Verkäufer beeindruckt und wirkt sympathisch. Außerdem verkaufen sie vor allem Merchandise von Bands, von denen man praktisch nie etwas findet.

AURA NOIR

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Bald ist es Zeit, sich auf den Weg zur Außenbühne Nr. 1 zu machen. Zu meiner Freude behält das Festival die zwei Außenbühnen bei, doch dieses Mal ist es leichter, sich zwischen den beiden Bühnen zu bewegen. Zudem spielen nicht zwei Bands gleich nacheinander auf den verschiedenen Bühnen, das macht das Fortkommen ebenfalls simpler. Die Außenbühne Nr. 2 war letztes Jahr auf einer Anhöhe um die Ecke des Sonargebäudes, was den Sound negativ beeinflusste und die visuelle Kommunikation zwischen Publikum und Bands erschwerte.

Nachdem AURA NOIR bereits vor zwei Jahren eine der besten Bands des Billings gewesen waren, erwartete ich eine ähnlich superbe Performance der norwegischen Black Thrash Attacke. Und ich werde nicht enttäuscht. Die Setliste ist ähnlich wie diejenige am MARYLAND DEATH FEST 2009 und enthält Material von jedem Album. Oder wie es Apollyon treffend formuliert: Songs, die sich primär mit der Hölle beschäftigen. Ehrlich, würden AURA NOIR nächstes Jahr wieder spielen und genau die gleiche Setliste befolgen – ich würde sie wieder sehen wollen. Die Band ist live eine Wucht und ich kann nur jedem empfehlen, sich eine AURA NOIR-Performance reinzuziehen. Sie haben eine großartige Bühnenpräsenz, sind tight und soundmäßig mehr als überzeugend. Daumen nach oben!

MACHETAZO

Nach dem AURA NOIR-Gig schaffe ich es nach drinnen, um die letzten Takte von MACHETAZO zu erleben. Die Band ist mir zwar nicht bekannt, aber ich bin beeindruckt von ihrem Sound und ihrer Energie – ein Trend, den ich bei anderen, mir unbekannten Bands an diesem Wochenende wiedererlebe.

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CORROSION OF CONFORMITY

Danach ist es Zeit, sich wieder nach draußen zu begeben – es ist Zeit für einen der Freitagsheadliner, CORROSION OF CONFORMITY. Ich war nie ein großer Fan dieser Band und ihre Aufnahme aufs Billing war eine Überraschung für mich – bis CORROSION OF CONFORMITY auf der Bühne loslegen. Ihre Live-Energie und die Bereitschaft für eine Jam-mäßige Performance passen nämlich zum Festivalbilling. Ich würde zwar nicht meilenweit reisen, um CORROSION OF CONFORMITY live zu sehen, aber ihre Performance ist durchaus genießbar.

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CRIPPLE BASTARDS

Auf der Innenbühne spielen nun CRIPPLE BASTARDSCRIPPLE BASTARDS würde ich als eine typische in der Mitte des Billings-MARYLAND DEATH FEST-Band bezeichnen, denn sie machen Grindcore gemischt mit anderen Elementen, die ihnen in den Kram passen. Die Band hat die lange Reise aus Italien auf sich genommen, um hier zu spielen und hat zudem einen Haufen 7“-EPs veröffentlicht. Zwar ist die Mucke nicht nach meinem Geschmack, aber der Band gebührt Respekt für den Einsatz und die Leidenschaft, die sie für ihre Musik aufbringen.

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NEUROSIS

Gleich darauf ist es Zeit für NEUROSIS. Eigentlich. Denn die schwül-heißen Temperaturen des Tages, die sich während dem CORROSION OF CONFORMITY-Set in dunkle Wolken verwandelt haben, enden nun in Regen – der von der schweißüberströmten Menge mit Jubelrufen empfangen wird. Zwar handelt es sich nur um einen kleinen Platzregen – durchaus gewöhnlich für diese Region – doch es reicht, um den Beginn des NEUROSIS-Gigs zu verzögern und damit den Zeitplan des restlichen Freitags über den Haufen zu werfen – zum Ärger der später auftretenden Bands. Ergo: 30 Minuen Regen, 15 Minuten, um die Bühne und das NEUROSIS-Equipment zu trocknen – und dann fangen NEUROSIS an.

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Trotz der ungewollten Pause beginnen NEUROSIS ihr Set mit einem ungewohnt lethargischen Intro und Song. Natürlich sind NEUROSIS vor allem für ihr Schaffen von Atmosphäre bekannt, wofür ich sie auch sehr schätze, aber ich denke, Bands würden davon profitieren, flexiblere Setlisten zu haben, damit sie sich der Venue, dem Publikum und dem Szenario anpassen können. Doch das hier sind NEUROSIS und sie sind einer der absoluten Headliner, also denke ich nicht, dass irgendjemand anderes meine Ansicht teilt. Denn sobald NEUROSIS weiter sind in ihrem Set, spürt man die Energie und das Material zeigt einen größeren Live-Vibe. NEUROSIS haben auch einen Screen hinter sich mit visuellen Reizen, doch die Größe des Screens, die Kleinheit der Bühne und die Anzahl Bandmitglieder auf der Bühne berauben den Screen seines Effekts. Trotzdem lieferen NEUROSIS eine starke Performance ab – allerdings hätte ich sie lieber in einem kleinen intimen Club inklusive Genuss eines bekannten Halluzinogens gesehen…

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KYLESA

NEUROSIS sind die letzten, die auf einer Außenbühne spielen an diesem Abend. Wegen der Regenverspätung bei NEUROSIS beginnen drinnen bereits KYLESA aus Savannah, Georgia. Die Amis liefern vermutlich die geringste akustische Stimulation des Wochenendes und dies wohl primär wegen dem schlechten Soundmix, der die beiden Drummer, den Bassisten, der auch noch Keyboards spielt, und die Vocals nicht gut zur Geltung bringt in diesem Setting. Der Einsatz der Band ist zwar zu respektieren und es ist nicht einfach, nach NEUROSIS aufzutreten. Trotzdem – die Performance von KYLESA ist eher matt und vermag nicht mitzureissen.

 

 

 

EXHUMED

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Bei EXHUMED sieht das schon anders aus und es ist klar, dass die Kalifornier die Sympathien der MARYLAND DEATH FEST-Besucher auf ihrer Seite haben. Das Publikum reagiert sogleich äußerst positiv auf den CARCASS-inspirierten Grind- / Death Metal von EXHUMED, der leidenschaftlich dargeboten wird. Ihre Setliste haben EXHUMED offenbar trotz Regenverspätung nicht gekürzt und bieten einen guten Querschnitt durch ihre Diskographie. Dazu gehören auch zwei Songs vom kommenden All Guts, No Glory-Album, sowie eine Kettensäge und einiges an Kunstblut. Klar, dass das Publikum von solchen Effekten nicht unbeeindruckt wird und frenetisch reagiert. EXHUMED liefern an diesem Abend denn auch eine um einiges stärkere Performance als einige Wochen zuvor im schweizerischen Zürich.

 

 

 

MARDUK

Nach EXHUMED und einer gewissen Pause marschieren Those of the Unlight auf die Bühne und wirken hierbei reichlich militant. Klar, es ist Zeit für MARDUK, die mit dem MARYLAND DEATH FEST und vor allem den USA in der Vergangenheit nicht gerade viel Glück hatten – man denke etwa an die USA-Tour mit MAYHEM vor zwei Jahren, welche MARDUK aufgrund von Visaproblemen canceln mussten. Dieses Jahr haben die Schweden nicht gerade so viel Pech, aber ganz mit Glück gesegnet sind sie trotzdem nicht.

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Von allen MARDUK-Gigs, die ich bis jetzt gesehen habe, ist dieser bei weitem am besten – was es umso bedauerlicher macht, dass die Performance wegen der Regenverspätung und Sperrstundenauflagen der Stadt gekürzt werden muss. Um etwa sieben Songs! Immerhin sind die Songs, die MARDUK an diesem Abend performen können, die Mühen wert – Into Utter Madness, Hangman of Prague und The Black (letzterer ist mein persönlicher Favorit) überzeugen auf der ganzen Linie. Doch um 2 Uhr morgens – mitten in einem Song – gehen plötzlich die Lichter an und die PA wird abgeschaltet.

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Die Fans rebellieren und fluchen, MARDUK spielen ohne mit der Wimper zu zucken weiter. Was soll ein Club voller wütender Metalheads in dieser Situation tun? Richtig, die PA wieder anschalten und die Band ihren Song fertig spielen lassen. Dies ist dann natürlich der letzte Song des Abends und MARDUK verlassen sogleich – verständlicherweise reichlich angepisst – die Bühne. Der Unmut der Band ist zu verstehen, denn das vorzeitige Ende ist ganz klar nicht ihr Fehler und nicht beeinflussbar. Auch wenn es ihnen vermutlich nicht zum ersten Mal passiert ist – ärgerlich ist es dennoch.

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Samstag, 28. Mai 2011

CIANIDE / BLOOD FREAK

Gegen 17 Uhr zieht es mich am Samstag wieder aufs Festivalgelände – und bereue es sogleich, erst so spät aufzukreuzen, denn der letzte Song von CIANIDE aus Chicago, die auf der Außenbühne Nr. 1 performen, macht Lust auf mehr. Immerhin, der eine Song hinterlässt einen guten Eindruck und gibt mir die Energie, mich zur Innenbühne zu kämpfen, um dort noch einige Takte BLOOD FREAK zu genießen. Zwar ist der Grindcore / Death Metal der Band aus Oregon nicht nach meinem Geschmack, aber kompetent ist das Trio alleweil.

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NUNSLAUGHTER

Schlendernd mache ich mich daraufhin wieder auf in die Merchandise-Welt, um MARYLAND DEATH FEST-Exklusivitäten von IMPALED NAZARENE und GHOST zu ergattern. GHOST hatten schon am ersten Abend alles verkauft – stocken dann aber zum Glück am zweiten Tag wieder auf. Trotz der Gebäude und des Highways hört man dank gutem Sound-Mixing und der Nähe der Bühnen am MARYLAND DEATH FEST immer, was gerade läuft. Somit kann man auch beim Merchandise-Begutachten die spielenden Bands zumindest aus der Ferne akustisch genießen.

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Natürlich sieht die Sache anders aus, wenn man sich als Fotograf an die Fotos nur während den ersten drei Songs-Regel halten muss – somit ist Beeilung angesagt, sobald ich die ersten Töne von NUNSLAUGHTER vernehme und es rechtzeitig zur Bühne schaffen muss, denn diese Old School Death Metal-Truppe will ich nicht verpassen. Die Eile lohnt sich – NUNSLAUGHTER spielen ein variantenreiches Set und das BATHORY Gula Göten-Backpatch des Sängers begeistert mich zusätzlich.

IN SOLITUDE

Kurz nach NUNSLAUGHTER ist es auf der anderen Außenbühne Zeit für IN SOLITUDE. Ich bin bereits in Fotoposition und werde vom Gig der Schweden positiv überrascht. Die Performance hat Schmackes und bietet einen düsteren Old School Metal Mix aus MERCYFUL FATEJUDAS PRIEST und einer viel schnelleren Power Metal-Version aus COVEN, dargebracht mit angemessener Einstellung.

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Natürlich machen Gerüchte über Verbandelungen mit den mysteriösen GHOST die Runde, auf welche man an diesem Tag schon angespannt wartet. Ich konzentriere mich jedoch lieber auf die erste US Show von IN SOLITUTDE, denn die Band zu sehen, ist definitiv lohnenswert.

DROPDEAD

Gegen das Ende des IN SOLITUDE-Sets schaffe ich es ins Innere des Sonar Clubs, um einige Takte von DROPDEAD mitzukriegen. Diese bieten eine weniger mathematische, rauere Version von DILLINGER ESCAPE PLAN-mäßigem Grind-Hardcore. Solide Vorstellung.

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HAIL OF BULLETS

Wieder raus aus dem Club ereilt mich der holländische Kugelhagel – HAIL OF BULLETS. Ich sehe sie nun zum zweiten Mal. Schon ihre Performance am MARYLAND DEATH FEST 2009 hatte mich überzeugt, damals war es vor allem Material ihres ersten Albums …of Frost and War, das es zu genießen gab. Dieses Mal gibt es mehr Musikmaterial für die Setliste, da inzwischen das zweite Werk On Divine Winds erschienen ist – also Zeit zu rätseln, welche Songs es 2011 auf die Setliste schaffen.

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Da sich das zweite Album mit dem Pazifikkrieg auseinandersetzt und HAIL OF BULLETS in den USA auftreten, macht es nur Sinn, dass sechs der neun gespielten Tracks vom On Divine Winds-Album sind. Ich muss gestehen, dass ich mich nicht eingehend mit On Divine Winds beschäftigt habe bis jetzt – aber HAIL OF BULLETS zeigen auf jeden Fall eine energiegeladene, starke Live-Show und scheinen sichtlich ihren Spaß am Auftritt zu haben.

DOOM

Von HAIL OF BULLETS kann ich mich nicht losreißen, also genieße ich ihr gesamtes Set. So schaffe ich es lediglich auf die allerletzten Endnoten von DOOM wieder hinein ins Sonar. Nomen est omen – DOOM sind selbstverständlich sehr doomig. Somit keine Überraschungen – und ich mache mich wieder auf nach draußen, um die finnischen Überpatrioten IMPALED NAZARENE nicht zu verpassen.

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IMPALED NAZARENE

Da meine vorherige Suche nach exklusivem IMPALED NAZARENE-Festivalmerch erfolglos blieb, schnappe ich mir bei Gelegenheit den Gitarristen, um ihn nach Merchandise zu fragen. Dieser erklärt mir, dass die Band lediglich als Touristen eingereist sei – logisch, bietet die USA doch Sehenswürdigkeiten wie Fastfood, Kriminalität mit hohem Gewaltpotential und eine versagende Wirtschaft (d.h. billiges Shopping). Das Touristen-Dasein bedeutet somit auch keinen Merchandise, kein eigenes Equipment – und kein nerviger Arbeitsvisum-Beantragen-Bürokratiezirkus (der schon mancher Band in den USA zum Verhängnis geworden ist, dank Patriot Act). Dumm für alle, die IMPALED NAZARENE-Merchandise wollten, doch so oder so ist es Zeit für eine veritable Suomi-Attacke.

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Diese Attacke ist zum Anfang eher langsam – entwickelt dann aber bald ihre gesamte Wucht. Das letzte Mal habe ich IMPALED NAZARENE anno 1998 am MILWAUKEE METALFEST gesehen und damals legten sie alles in Schutt und Asche (und verwiesen gar MAYHEM auf die Plätze). Kein Wunder habe ich diese 13 Jahre und sechs Full Length-Scheiben geduldig gewartet wie ein Geier in der Wüste, der bis zum Tod seines Mittagessens ausharrt. IMPALED NAZARENE fangen mit dem richtigen Song an: Karmageddon Warriors und das Publikum geht gleich ab. Irgendwie scheint die Band etwas zögerlich zu spielen, was vermutlich daran liegt, dass sie nicht auf ihrem eigenen Equipment spielen können. Aber ein lethargischer Start für Condemned to Hell ist besser als gar keiner, und so spielen IMPALED NAZARENE tapfer weiter.

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Die nächsten Tracks sind neueren Datums und gehen in Ordnung, aber das Publikum flippt aus, sobald Mikka über das Herumtragen eines Ghettoblaster spricht – der Song folgt sogleich. Ein fliesßender Übergang zu Quasb-The Burning folgt auf dem Fuße. Ein großartiger Song, aber eine etwas merkwürdige Wahl für die Setliste, da er so langsam ist – aber auch diese Finnen brauchen mal eine Verschnaufspause. 

Danach verschmelzen die Songs ineinander, bis Mr. Sluti666 Luttinen verlangt, den aufblasbaren Plastikball, den die Menge bis anhin spielerisch herumgekickt hat, zu haben. Sobald sich der Ball bei ihm eingefunden hat, fragt er humorvoll nach, ob dies some kind of fucking hippie show sei. Die Meute bricht in Gelächter aus und IMPALED NAZARENE spielen weiter. Das tolle Enlightenment Process vom aktuellen Album Road to the Octagon darf nicht fehlen, genauso wenig wie der Klassiker Horny and the Horned vom Ugra Karma-Werk. 

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Nach einer Handvoll mehr Songs beginnt Mikka den letzten Song mit der Phrase Do you want, total war?. Ich hatte erwartet, diese Ansage mehr als nur zwei Mal zu hören und dass das Publikum frenetischer reagieren würde. Beides geschieht – zu meiner Enttäuschung – nicht. Ich weiß also nicht, ob IMPALED NAZARENE Opfer ihrer Spielzeit werden, oder ob es sich hier um eine Folge übertriebener Political Correctness handelt – ironischerweise in einem Land, das sich empfindlich gibt gegenüber dem Kriegeführen und gleichzeitig aktuell in mehreren Ländern selber munter Kriege führt. Vielleicht sind aber auch einfach Publikum und Band gleichermaßen müde – der Höhepunkt des Gigs liegt auf jeden Fall nicht am Ende der Performance. Aber das ist okay, denn zum einen habe ich endlich IMPALED NAZARENE wieder mal live gesehen und zum anderen sind EXHORDER als nächstes dran.

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Und EXHORDER liefern ohne Wenn und Aber eine der besten Auftritte an diesem MARYLAND DEATH FEST ab. Ich selber bin kein echter EXHORDER-Kenner und besitze keines ihrer Alben – somit habe ich keine hohen Erwartungen an ihren Gig. Allerdings bin ich keine Ausnahme – EXHORDERs letzter Output erschien anno 1992, und außer ein paar Shows in ihrer Heimatstadt New Orleans sowie Los Angeles waren sie live nicht aktiv. Wie sollte man also wissen, was man von ihrem Gig zu erwarten hat?

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Doch genau dieses Unwissen scheint sich an diesem Abend positiv auf EXHORDER auszuwirken, denn die Band ist an diesem Samstag wohl die beste. EXHORDER zelebrieren einen schwer groovenden Thrash Metal-Sound, der nach ihnen von vielen Bands kopiert und populär gemacht wurde. Und EXHORDER zeigen an diesem Abend, dass sie Anfang der 90er Pionierarbeit in diesem Stil geleistet haben. Ihre Songauswahl beschränkt sich auf ihre einzigen zwei Full Length-Alben, Slaughter in the Vatican und The LawEXHORDER teilen die Songs ungefähr nach Album auf und das Publikum reagiert positiv auf diese Entscheidung.

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Sänger Kyle Thomas, der die hohen Töne noch immer einwandfrei trifft und halten kann, bemerkt während des Sets zudem, dass EXHORDER momentan im Studio an einem neuen Album arbeiten. Wer EXHORDER also noch nicht gesehen hat, wird wohl definitiv noch Gelegenheit dazu bekommen. Die einzige Frage, die sich nach dem EXHORDER-Auftritt stellt, ist, ob VOIVOD EXHORDER übertreffen können. Um das herauszufinden, mache ich mich auf zur anderen Außenbühne…

VOIVOD

Auf VOIVOD wird draußen bereits fieberhaft gewartet. Und VOIVOD, bestehend aus drei Originalmitgliedern sowie Daniel Mongrain (MARTYR), nehmen die Bühne sogleich souverän ein. Elegant thrashend werden Songs gespielt, die die Bandgeschichte bis zurück zu War and Pain abdecken. VOIVOD berücksichtigen vor allem die Publikumsfavoritalben Nothingface und Killing Technology und spielen auch noch einen brandneuen, noch unveröffentlichten Song: Kaleidos. VOIVOD geben definitiv alles in ihrer Performance.

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Während des VOIVOD-Sets mache ich mich auf zum Sonardach, um einige Fotos aus einer anderen Perspektive zu schießen. So kriege ich einige Takte von DEFEATED SANITY mit, die mit ihrem technischen Grindcore überzeugen – eine gute Band, die ihren Sound gut performt. Wieder zurück zu VOIVOD – diese überzeugen mit einer großartigen Show, doch obwohl ich es zu diesem Zeitpunkt nicht offen sagen kann, da ich mein Hotelzimmer mit fünf kanadischen Freunden teile, haben EXHORDER für mich an diesem Abend eindeutig gewonnen.

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INQUISITION

Sobald VOIVOD fertig sind, mache ich noch eine letzte Tour durch die Merchandise-Allee und unterhalte mich mit Kumpels. Dummerweise verpasse ich so ACID WITCH und HOODED MENACE, was mich enttäuscht, da ich die beiden Bands mal live sehen wollte. Aber dafür wird sich sicherlich später noch eine Gelegenheit ergeben. Gigzeugen meinten, beide Performances seien gut gewesen, aber eben, selber kann ich das nicht bestätigen. Immerhin bin ich rechtzeitig für INQUISITION zur Stelle.

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INQUISITION
 erwecken ihren Black Metal mit lediglich zwei Bandmitgliedern zum dunklen Leben. Und obwohl lediglich ein Drummer und ein Gitarrist/Sänger hier am Werk sind, schaffen es INQUISITION, live eine Atmosphäre zu schaffen, die SATYRICON am liebsten noch immer hätten, und so mitreißend zu sein, wie es etwa IMMORTAL sind – minus einem Bassisten.

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INQUISITION
 räumen also ab, und obwohl die europäische Tendenz, den Black Metal aus der Neuen Welt zu belächeln, oftmals berechtigt ist aufgrund dessen jugendlicher Unerfahrenheit und Primitivität, so sind es doch Bands wie INQUISITION, die beweisen, dass die Skandinavier ihren festen Griff um den Black Metal-Thron verloren haben… und mit dieser Einsicht endet mein zweiter Tag am MARYLAND DEATH FEST

 

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Sonntag, 29. Mai 2011

NOKTURNEL

Auch an diesem letzten Tag komme ich gegen 17 Uhr auf dem Festivalgelände an. So verpasse ich zwar ein paar Bands, aber für NOKTURNEL aus Texas reicht es alleweil. Nur um das Verwirrungspotential zu steigern, haben am Vortag NOCTURNAL aus Deutschland auf der selben Bühne gespielt.

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NOKTURNEL prügeln sich unterdessen durch ihren brutalen Death / Thrash Metal, der sich jedoch nicht großartig von zahlreichen anderen Performances auf diesem Fest unterscheidet. Immerhin, ihre Stagepräsenz ist voller Energie und ich schätze diese Art von Leidenschaft.

REPUGNANT

Wieder im Innern des Clubs schaffe ich es, mir die schwedischen Death Metaller REPUGNANT reinzuziehen. Auch wenn Corpsepaint in den letzten Jahren an Novität verloren hat, ist er fester Bestandteil bei REPUGNANT. Diese spielen dazu eine etwas rauere Version von DISMEMBER-Death Metal und es entsteht ein etwas merkwürdiger audio-visueller Mix, meiner Ansicht nach. Doch REPUGNANT ziehen ihr Ding unbeirrt durch und liefern eine großartige Performance ab. Ein lohnenswerter erster Kontakt mit den Schweden.

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MALIGNANT TUMOUR

Und weiter geht das Rein-Raus-Rein-Raus-Hin-und-Her des Festivals. Draußen betreten MALIGNANT TUMOUR aus  Tschechien die Bühne und sehen aus wie eine Metalversion von LYNYRD SKYNYRDMALIGNANT TUMOUR überzeugen mit ihrer unbekümmerten Attitüde und ihrem geradeaus eingängigen Death Metal. Irgendwie sind MALGINANT TUMOUR auch frivol und das Publikum hat Freude daran und lässt mehrere aufblasbare Objekte herumfliegen.

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ORANGE GOBLIN

Auf der gegenüberliegenden Außenbühne ist es nun Zeit für ORANGE GOBLIN. Toller Sound und eine leidenschaftliche Performance machen ORANGE GOBLIN zu einer sehenswerten Band. Ich bin selber zwar kein ausgesprochener Doom-Fan, aber wer so gut spielt und gleichermaßen mit dem Publikum interagiert, hat auf jeden Fall meine Stimme.

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SKINLESS

Leider ist es nun Zeit für den einzigen Zeitplan-Faux-Pas des Festivals – SKINLESS beginnen ihre Performance im Clubinneren unmittelbar nach ORANGE GOBLIN. Natürlich spielten SKINLESS, als hätten sie nix zu verlieren – denn schließlich war dies ihr Abschiedsgig. Die Meute war sichtlich angetan und lautstark dabei und die Band lieferte ein würdiges Live-Finale. Wer weiß – vielleicht kommt die Reunion in fünf Jahren und dann headlinen sie Festivals, die sich bis anhin nie für die Band interessiert haben.

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CITIZENS ARREST

Da LOCK UP cancelten, ist es nun auf der einen Außenbühne Zeit für CITIENZS ARREST. Ihr 80er Jahre Hardcore-Stil beeindruckt mich nicht wirklich und ich frage mich, ob es für CITIZENS ARREST besser gewesen wäre, auf der Innenbühne zu spielen (so wie das etwa MELECHESH oder NAZXUL in vergangenen Jahren der Fall war).

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Da mich CITIZENS ARREST nicht begeistern, mache ich mich lieber auf zur anderen Bühne, um den Beginn von NUCLEAR ASSAULT nicht zu verpassen.

NUCLEAR ASSAULT

Lilker & Co. springen also auf die Bühne und beginnen ihre ziemlich gute Performance. NUCLEAR ASSAULT spielen an diesem Abend zwar ein bisschen gar locker, aber das Entertainment für die Fans stimmt und es gibt auch einiges an Chaos für die Band und die Stagesecurities. Zwischen den Songs liefert die Band immer wieder politisch motivierte Reden und andere deftige Ansagen, was zu erwarten war und bei der Meute immer wieder zu Begeisterungsbekundungen führt.

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Obwohl ich lieber einen Song mehr gehabt hätte, kann ich verstehen, dass am letzten Tag eines 4-Tage-Festivals, wenn der Großteil des Publikums eh schon zu betrunken ist, solche Reden eine gewisse Versuchung für Bands sind. Selber finde ich sie aber eher überflüssig und selbstverherrlichend. Vielleicht liegt meine verminderte Begeisterung darüber darin begründet, dass ich jüngst die amerikanische Pseuddemokratie verlassen und in ein Land mit einer demokratischeren und reineren Regierungsform gezogen bin. Wer weiß. 

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Im späteren Teil der NUCLEAR ASSAULT-Performance hilft Gitarrist und Sänger John Connelly fleißig mit, einen Fan im Rollstuhl auf die Bühne zu hieven, so dass dieser die Show besser mitverfolgen kann. Kurz darauf machen Connelly, die Meute und die Stagesecurities einen Deal, dass einige Fans auf die Bühne kommen dürfen, solange sie sie auch wieder zügig verlassen, wenn sie von der Security dazu aufgefordert werden. 

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So werden zwei Songs gespielt, während sich auf der Bühne eine Vielzahl von Metalheads tummeln, die entweder die Vocals mitübernehmen oder aber ein Foto mit einem Bandmitglied wollen – das Motiv ich auf der Bühne mit NUCLEAR ASSAULT hat schließlich seinen Reiz. Nach den zwei Songs macht die wir-lieben-einander-Hippie-Mentalität Connellys dem Pragmatismus Lilkers Platz. Letzter bittet die Fans, die Bühne nun wieder zu verlassen. Auch wenn man solche Stunts gerne als Nonsens abtut, so macht dieses Intermezzo NUCLEAR ASSAULT charmant(er) und schadet dem Unterhaltungswert ihrer Performance keineswegs.

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CORONER

Es wäre ein ganz klarer Faux-Pas für mich gewesen, wenn ich für den Headliner des vierten Tages zu spät gekommen wäre – schließlich haben sowohl CORONER als auch ich die gleiche lange Reise von Zürich nach Baltimore zurückgelegt. 20 Jahre ist es her, seit CORONER das letzte Mal in den USA gespielt haben, und es ist klar, dass sie fiebrig erwartet werden. Ich hatte das Glück, sie im April an ihrem allerersten Gig nach der langjährigen Pause in Lausanne zu sehen, und so wusste ich, was man von den Schweizer Altmeistern zu erwarten hatte – und freute mich entsprechend.

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Nach einer kurzen Ankündigung kommen die drei Originalmitglieder CORONERs inklusive ihrem Keyboarderfreund auf die Bühne – und werden vom Publikum sogleich lautstark begrüßt. Offenbar haben einige diesen Moment sehnsüchtig erwartet. CORONER beginnen ihren Gig mit einigen Tracks von ihren jüngeren Alben, also Werken, die kurz vor ihrem Split erschienen sind. Irgendwie fühlt sich das Ganze nach Warm-Up an, denn es ist klar, dass alle auf die Songs der Alben Punishments for Decadence und No More Color warten. Und die Resonanz auf Songs dieser Alben ist denn auch entsprechend frenetisch.

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In der Mitte ihres Sets kehren CORONER wieder zu ihren Spätwerken zurück. Das mag zwar nicht das sein, worauf das Publikum wartet, aber die Songs kommen dennoch eingängig und überzeugend daher – sehr heavy und definitiv live-tauglich. Nach No Need to Be Human (vom No More Color-Output) bringen CORONER einen alten Freund (nein, nicht Tom G. Warrior) auf die Bühne, um ein Cover von D.A.F.s Der Mussolini zum Besten zu geben. Nach 20 Jahren Bühnenabstinenz ist ein Cover wohl das letzte, was ein Publikum hören will, finde ich, vor allem wenn sie die Songs der Band nicht in- und auswendig kennen. Nun denn – nach diesem Cover und dem abschließenden Song Grin verlassen CORONER die Bühne.

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Der Applaus führt natürlich zu einer Zugabe. Dieses Mal ist es ein JIMI HENDRIX-Cover – Purple Haze. Dieses Cover wird besser aufgenommen als das weniger bekannte Der Mussolini zuvor. Klar, JIMI HENDRIX ist kulturell stark in den amerikanischen Köpfen und Gehörgängen verankert und so passt dieses Cover zu einem amerikanischen Festival. Trotzdem… nochmals ein Cover von einer Band, die viele zum ersten Mal sehen? Wieder verlassen CORONER die Bühne…

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…denn schließlich muss noch eine zweite Zugabe her. Und diese ist einer Band wie CORONER wirklich würdig: Reborn Through Hate, der einzige Track, den die Schweizer von ihrem Debüt RIP an diesem Abend performen. CORONER sind sichtlich zufrieden mit ihrer Performance, als sie die Bühne verlassen, und über das Publikum kann man das gleiche sagen.

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Wenn ich die Show an diesem Abend mit derjenigen in Lausanne vergleiche, so haben CORONER dieses Mal zwar weniger Bewegung auf der Bühne gezeigt, aber dafür war das Licht dieses Mal phänomenal und sie klangen fantastisch. Ich für meinen Teil bin völlig zufrieden, wenn eine Band eine solide Bank ist bezüglich musikalischem Handwerk und Performance und dabei ein bisschen steif wirkt. Lieber so, als eine schlampig spielende Truppe, die einfach unterhaltsam anzuschauen ist. Natürlich ist das eine Frage des persönlichen Geschmacks, so wie alles.

GHOST

Da bald das Ende des Festivals erreicht ist, nutze ich die Zeit, um mich noch mit amerikanischen Kumpels zu unterhalten und letzte Geldreste für Merchandise auszugeben. Dank dem vollständigen Genuss von NUCLEAR ASSAULT und CORONER sowie dieser privaten Unterhaltungen, verpasse ich BASTARD NOISE, DOUBLED OVER, WORMED und LAST DAYS OF HUMANITY. Aber keine Angst, ich hatte null Intentionen, GHOST zu verpassen.

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Klar, dass der Innenraum wegen GHOST zum Bersten voll sein würde – klar auch, dass ich rechtzeitig drin sein musste, um diese Performance nicht zu verpassen. Sobald die Lichter langsam ausgegangen sind, fängt die Menge an, Satan, Satan, Satan zu skandieren. GHOST betreten die schummrige Bühne, natürlich voll kostümiert und anonymisiert – und performen ihr gesamtes Debütalbum Opus Eponymous.

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GHOST
 sind wohl eine der wenigen Bands, die gerade erst ein Album draußen haben, und dennoch einen Headlinerspot für sich beanspruchen können am Festival. Denn GHOST sind nicht nur ein Hype, sie sind Kult. 

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Das Publikum singt mit, wenn Tracks wie Elizabeth, Stand By Him und Satan Prayer performt werden und GHOST reüssieren auch bei ihrem Instrumental Genesis. Die GHOST-Mischung aus 70er Jahre-inspiriertem Prog Rock und MERCYFUL FATE funktioniert einfach – und bleibt hängen. Nachdem GHOST verschwunden sind, verschwindet auch das Publikum in die Nachtluft. Die Metalheads zieht es zurück in ihre Autos, in ihre Wohnungen, in ihre Hotelzimmer – entweder zum Weiterfeiern oder um endlich Ruhe und Entspannung nach vier Festivaltagen zu finden.

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Selber bleibe ich noch einige Tage in der Washington D.C.-Region, um dann in die Alte Welt zurückzufliegen. Von Washington aus geht es zuerst nach Newark, New Jersey, wo ich nur einer von fünf MARYLAND DEATH FEST-Gängern bin, der nach Zürich zurückfliegt. Über dem Atlantik ist es Zeit, das MARYLAND DEATH FEST Revue passieren zu lassen und darüber zu schreiben… Wie wohl das Billing nächstes Jahr aussieht? Egal, das Hotel ist so gut wie gebucht und die Daten Ende Mai sind reserviert für den Malstrom namens MARYLAND DEATH FEST!

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Übersetzung und Layout: Arlette Huguenin Dumittan
Originalbericht (auf Englisch): Markus H.D.
Fotos, Bildbearbeitung: Markus H.D.
Titelbild und Flyer: Festivalorganisation