Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit nehmt, mit mir über euer neues Album zu quatschen. „Das Schwarze Album“ erscheint am 23. Januar und ich habe natürlich schon mal reingehört. Auf dem letzten THE BUTCHER SISTERS-Album ging es um Themen wie Bauchtaschen, Nudeln und Sonnenbrillen. Dieses Mal um White Monster und Gassi gehen. Wie kommt ihr eigentlich auf diese Texte? Und wie viel aus eurem Alltag verpackt ihr in eure Musik?
STROPPO: Die Inspiration liegt auf der Straße. Alles, was es gibt, braucht auch ein Lied.
ALEX: Ja, man muss nur die Augen aufmachen. Und manchmal sind es die kleinen Dinge. Also ich rege mich beim Gassi gehen ganz oft auf. Und dann denkt man irgendwann: „Eigentlich müssten wir jetzt mal ein Lied drüber schreiben.“ Und wir trinken alle gerne White Monster.
STROPPO: Was niemand weiß: Alex geht eigentlich mit mir Gassi. Wir haben das nur mit so ’ner Hundegeschichte verpackt. Ich hab’s manchmal ein bisschen schwer und dann muss er mir da halt helfen. Es tut mir leid. Bei mir ist es nicht so einfach. Aber Alex ist da sehr verständnisvoll.
Geht ihr eigentlich mit vorbereiteten Ideen ins Studio oder improvisiert ihr viel? Und wie viel spontaner Unsinn, der euch da so eingefallen ist, hat es aufs Album geschafft?
ALEX: Ich glaube, es ist nix spontan. Ich glaube wirklich, es gibt immer irgendeinen Aufhänger: irgendeinen Running Gag, irgendeinen Spruch. Und darum wird dann gebaut. Jeder bringt seine Inputs rein und dann trifft man sich.
STROPPO: Ich muss dazu sagen: Wir chillen nicht. Wir sind keine Freunde, wie sich das alle so vorstellen. Wir wohnen weit voneinander weg. Es gibt keine Zeit zum Chillen. Wenn wir sagen: „Hey, lass mal ein Lied über dies und das schreiben“, dann treffen wir uns genau dafür. Vorher machen sich alle Gedanken, kommen mit Sachen ins Studio und dann tauscht man sich aus. Manche Sachen sind dann auch schon fertig. Alex hat für dieses Hundelied zum Beispiel die Hook schon fertig gehabt. Man kommt mit verschiedenen Teilen ins Studio und trägt die dann zusammen.
Also wie bei einer D&D-Runde wo nichts feststeht und alle dann spontan losschießen?
STROPPO: Nee. Manu ist ja unser Produzent, der macht immer die Vorarbeit. Der macht die Tracks fertig und hat dann auch schon eine Idee. Da kommen natürlich beim Produzieren auch Worte und Melodien dazu. Meistens gibt es schon so eine halbfertige Demo, und da hüpfen wir dann alle drauf.
ALEX: Ich weiß noch: Bei dem Detlef-D.-Soost-Ding hat Manu dann gemeint: „Hey, ich hab die Hook geträumt.“ Nee – Bierdurst! Bierdurst hat er geträumt. Mit diesem „Ich habe Bierdurst seit meiner Geburt“.
STROPPO: Und manchmal träumen wir sogar ähnliche Sachen. Wir sind connected.
Ihr habt ja mehrere Features auf dem Album, zum Beispiel mit Hämatom, DORO oder auch CALLEJON. Warum habt ihr euch ausgerechnet für diese Features entschieden? Und wann gibt es endlich ein Feature mit Alexander Marcus oder H.P. Baxxter?
STROPPO: Boah, wenn die Bock haben. Wenn die uns mal entblockieren. Die haben uns alle blockiert. Ja, ich weiß nicht, das war eher spontan. Und es gibt einfach nicht viele auf dem Markt, mit denen man gerade featuren kann. Ist irgendwie doch ein spezielles Genre. Wir gucken halt immer: Wer hat so ’nen Querschnitt von den Hörern?
ALEX: Der Zauber von dem DORO-Feature ist ja, dass wir so weit voneinander entfernt sind musikalisch, dass es dann irgendwie wieder cool ist. Hämatom haben ja auch ihre Partysongs, da passt es natürlich auch. Und klar, man hat natürlich so seine ein, zwei Künstler, mit denen man gern noch was machen würde. Aber es muss ja auch erst mal einen Moment geben, wo man sich über den Weg läuft.
Gibt es jemanden, den ihr euch absolut wünscht für ein Feature?
STROPPO: DJ Ötzi.
ALEX: Jeanette Biedermann.
STROPPO: Jetzt mal im Ernst: Ich fänd Ikkimel voll geil oder auch Finch. Das wäre einfach so ’ne geile Mischung, die viel Spaß machen könnte.
Hat H.P. Baxxter eigentlich auf „Cityroller“ reagiert?
STROPPO: Wir haben so ein kleines Video gemacht, wo wir die Frage wieder aufgreifen, wie viel jetzt der Fisch kostet und so, damit wir eben auf dieses Lied verweisen können. Und er wurde scheinbar übers Management gefragt, ob er dazu ein ganz kleines Video macht und die Antwort sagt. Er hat aber keine Lust, weil du nach vierzig Jahren halt wirklich auch einfach keinen Bock mehr auf diese Scheißfrage hast. Aber es sei ihm gegönnt. Wer so lange Gas gibt, ist ja auch gut irgendwann. Ich kann jetzt schon mein eigenes Gesicht nicht mehr sehen. Es ist also nicht schlimm, wenn der keinen Bock hat.
Die 90er und 2000er-Jahre sind auf „Das Schwarze Album“ allgegenwärtig. Was ist denn für euch ein Trend aus dieser Zeit, der unbedingt mal zurückkommen muss – und über den ihr dann vielleicht auch mal ein Lied schreibt?
ALEX: Das ist jetzt mein persönliches Ding, aber ich hasse Streaming. Ich will, dass die Leute wieder MP3-Player benutzen. Das fänd ich toll. Und Lavalampen.
STROPPO: Ich wünsch mir meine Gefühle zurück. Ich würd gern mal wieder so viel fühlen wie früher.
Wenn ich daran denke: Meine Myspace-Gefühle möchte ich ja nicht zurück…
STROPPO: Oh, ich will Myspace zurück. Myspace war so geil. Du hattest so einen Musikplayer auf deiner Seite und jeder hat irgendwie eine cool gestaltete Seite gehabt – und nicht alles immer dasselbe. War schon cool.
ALEX: Das Schlimmste war das Dach. (^^) Dach am Ende. Hinter jeder Nachricht.
STROPPO: Oh, ich will, dass das zurückkommt. Das Dach. Ohne Scheiß, lasst es wieder machen.

Vom Dach zur New York Times. Stellt euch vor, die New York Times, der Guardian oder auch die FAZ würden eine Schlagzeile über „Das Schwarze Album“ veröffentlichen. Wie sollte die aussehen?
ALEX: Wir mussten in der elften Klasse einen Artikel für die FAZ schreiben. Ich habe nichts abgegeben, deshalb ist das schwierig.
STROPPO: „Dieses Album spaltet die Menschen“.
Spaltet die die Menschen oder spaltet die Menschheit?
STROPPO: Spaltet die Menschen – mit einer Axt. Wir spalten wirklich Menschen, so viel kann man verraten, auf unserer Tour. Kleine Schleichwerbung: Ich habe eine Maschine gebaut und da wird auch gespalten. Also da werden die Menschen und die Ärsche gespalten. Wirklich, wir werden alles auseinandernehmen. Das wird so krass. Das ist keine falsche Versprechung. Es wird Wahnsinn.
Worauf darf man sich denn sonst noch freuen?
STROPPO: Ey, das dürft ihr nicht verpassen. Mir wurde bewusst, dass es wirklich das krasseste Event meines Lebens ist. Der Moment, auf den ich ja lange hingearbeitet habe – und wo ich jetzt alles drüber ergieße. Ich habe schon coole Sachen erlebt und so, aber das ist wirklich das, worauf ich mich jemals am meisten gefreut habe, weil es auch so durchdacht und megageil und groß wird. Das ist keine Spielerei mehr. Das ist Wahnsinn.
ALEX: Mein bester Freund Stroppo hat eine geniale Sache für uns gemacht. Und zwar hat er einfach die komplette Show – mit Ansagen, mit den Songs, mit allem, was passiert – als Audio-Wurst quasi für uns aufgenommen. Ich hör das momentan auf Dauerschleife. Und dann wird mir jedes Mal bewusster, wie krass diese Tour wird. Ohne Witz: Das ist keine Übertreibung. Allein das Intro – ich kriege sogar auf der Bühne Gänsehaut bei diesem Intro.
STROPPO: Wir machen es mystisch. Es wird eine Traumreise für alle Sinne.
ALEX: Es wird einfach nur zauberhaft. Und es ist nicht ohne Grund die Rock-, Rap- und Zaubershow.
Auf welchen der neuen Songs freut ihr euch auf der kommenden Tour am meisten? Und welcher Song hat für euch die größte Abrissgarantie?
STROPPO: Boah, „Bierosaufus EX“ ist schon arschgeil. Den kennen die Leute auch schon ein bisschen länger. Der macht mir auch noch am meisten Spaß, weil er neu ist. Der ist noch heiß und da knallt’s immer richtig.
ALEX: Für mich auf jeden Fall „Cityroller“.
Eine spezielle Frage zum Thema White Monster. Auf Instagram und TikTok gab es ja gerade den Hype, mit Monster Energy zu kochen, zu backen und alles Mögliche zu machen – Kuchen, Brötchen, irgendwelche Cocktails. Was haltet ihr davon? Und habt ihr Geheimrezepte?
STROPPO: Wir haben mit Monster ein Rührei gemacht. Wir haben uns das in den Arsch geleert. Wir haben alle möglichen Sachen mit Monster gemacht.
ALEX: Ohne Witz: Wir haben einen Einlauf gemacht. Nee, nee, haben wir nicht gemacht. Aber durch die Nase gezogen.
STROPPO: Also ohne Scheiß, das Rührei hat mir sehr gut geschmeckt. Alex ist da empfindlich, aber ich liebe so ein bisschen kulinarische Experimente. Du machst ja auch Zucker oder so in Speisen oder Banane machst du ja auch in salzigen Reis. Süße ist ja wichtig für Mahlzeiten, für Umami und Geschmack und Monster ist halt süß. Die Kohlensäure verpufft beim Anbraten und das Rührei schmeckte tropisch. Hat sehr gut funktioniert. Ich war zwei Tage wach.

Erzählt doch mal mehr über eure limitierte Pipi-Kaka-Edition. Wie seid ihr darauf gekommen? Könnt ihr ein paar Geheimnisse verraten?
STROPPO: Da sind so Snippets drauf. Wir gehen halt immer, wenn wir im Studio sind, zusammen scheißen. Wir haben im Studio ein ganz großes Klo. Also nicht mehrere – ein großes. Da sitzen wir alle auf der Brille am Rand nebeneinander und wir scheißen dann zusammen. Und dann sagen wir: „Lass uns das mal aufnehmen.“ Und was da halt sonst noch so gesprochen wird, ist auch auf diesem Album drauf. Diese Acht-Meter-Klobrille, die schweißt auch zusammen. Also dafür, dass wir uns so selten sehen, sind wir trotzdem ganz, ganz innig.
ALEX: Wenn ich jetzt TBS voll geil finden würde und ich wär Fan, dann hätte ich diese Pipi-Kaka-Edition in meinen Händen. Allein weil dieses Mysterium darum gestrickt wurde. Ich glaube, man ist sehr glücklich, wenn man es sich anhört.
STROPPO: Mir wär auch der Arsch geplatzt, weil das ist halt so geheim und besonders – und nur du bist einer von hundert Leuten, der das besitzt. Boah, das ist wie so ’ne goldene Pokémon-Karte.
Ihr sammelt Pokémon-Karten?
STROPPO: Alex. Der Mann ist verrückt. Er ist der größte Nerd, den ich kenne. Er ist Profi. (Alex präsentiert die Sammelkarten-Ordner aus seiner Kindheit.) Ich habe auch mal eine geile Karte gezogen und ich wurde direkt vorm Laden bestohlen – von so ’nem Dorfgauner, den alle kannten. Es war dieser Zauberaffe… Simsa Bimsa oder so. Keine Ahnung.
ALEX: Ich muss dazu sagen, wir spielen damit halt auch. Also Magic, nicht Pokémon. Aber dazu komme ich jetzt mittlerweile auch nicht mehr wirklich.
Über welche Themen außer Pokémon-Karten würdet ihr persönlich gerne mal einen Song machen? Und welche Getränke werden nach Bier, Aperol und Monster White als Nächstes besungen?
ALEX: Ich habe schon lange das Thema Kanten. Das habe ich bestimmt schon zehn Jahre im Kopf, aber ich kriege es irgendwie nicht auf Papier gebracht. Nicht Kanten am Körper definiert, sondern gegen die man rennt. Weil ich renne an alles. Ich hatte letztes Jahr einen ganz, ganz schlimmen Fuß deswegen.
STROPPO: Ein Lied über Spargel will ich noch machen. Spargelpipi finde ich interessant. Also das Lied geht darum, dass man Spargelpipi gut findet.
ALEX: Wir gucken halt immer auch, was irgendwie im Trend ist oder gerade aktuell angesagt ist. Bei Detlef D. Soost war auch ganz klar, dass da ein Song kommen wird, weil der gerade wieder ein bisschen aufpoppt. Und die Idee zu „Klettergerüst“ kam von David. Er wollte immer einen Country-Song und dann war klar, dass wir jetzt darüber ein Lied schreiben werden.
STROPPO: Vor allen Dingen diesen Spruch mit „Sag mal Klettergerüst“ mussten wir uns drei Jahre lang im Bus anhören.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, was mich bei eurem Konzert in Köln für Überraschungen erwarten.
STROPPO: Sei gespannt. Wir werden dich auf jeden Fall enttäuschen. Und wir spritzen eimerweise Spargelpipi ins Publikum. Das wird richtig eskalieren.
THE BUTCHER SISTERS sind ab dem 22. Januar 2026 mit CALLEJON und MITTEL ALTA auf Tour.