SYMPHONY X: So viele gute Riffs!

SYMPHONY X haben letztes Jahr mit "Paradise Lost" mal wieder ein wirklich starkes Album veröffentlicht. Da ein E-Mail-Interview mit der Band leider nicht funktioneirt hat, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen als SYMPHONY X auf Headliner-Tour gekommen sind und mich vor dem Konzert in Köln mit Schlagzeuger Jason Rullo unterhalten.

SYMPHONY X haben letztes Jahr mit Paradise Lost mal wieder ein wirklich starkes Album veröffentlicht. Da ein E-Mail-Interview mit der Band leider nicht funktioneirt hat, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen als SYMPHONY X auf Headliner-Tour gekommen sind und mich vor dem Konzert in Köln mit Schlagzeuger Jason Rullo unterhalten.

Hallo Jason. Zu allererst mal herzlichen Glückwunsch zum, inzwischen nicht mehr ganz so neuen Album. Es hat ein paar Durchläufe bei mir gebraucht, aber inzwischen finde ich die neue Scheibe verdammt stark! Es sind 5 Jahre vergangen seit dem Release von The Odyssey. Wieso hat es so lange gedauert Paradise Lost fertig zu stellen?

Da sind verschiedene Sachen zusammen gekommen. Jedes mal, wenn wir gerade mit dem Songwriting anfangen wollten, kam ein Tourangebot. Erst kam die Tour mit QUEENSRYCHE, also haben wir uns gedacht, dass wir die machen sollten. Dann kam das Angebot für die Gigantour mit MEGADETH und DREAM THEATER, dass war ebenfall eine gute Tour. Es ist schwierig da weiter am Songwriting dran zu bleiben und dann zu proben und auf Tour zu gehen. Das war ein Faktor. Außerdem wollten wir sicher sein, dass wir ein Album aufnehmen, das den Leuten gefällt. Das ist ein wichtiges Album für uns und deshalb wollten wir uns einfach Zeit dafür nehmen. Und dabei ist ein Produkt herausgekommen, auf das wir wirklich stolz sind.

Zum wievielten Mal musst du diese Frage jetzt eigentlich beantworten?

Ich glaube in jedem Interview bisher.

Immerhin hat euer Sänger Russel Allen in dieser Zeit ein Solo-Album und die beiden ALLEN/LANDE-CDs gemacht, Michael Pinnella hat ein Soloalbum veröffentlicht und euer Bassist Mike LePond hat am DISTSANT THUNDERAlbum mitgewirkt.

Ja aber diese Sachen haben nicht all zu viel Zeit verschlungen. Das konnte alles in kurzer Zeit erledigt werden.

War diese Pause vielleicht notwendig, um Probleme innerhalb der Band zu verhindern oder beizulegen?

Nein, es ist einfach so gelaufen. Man will niemals so lange weg vom Fenster sein, um nicht einzurosten. Als das Album endlich draußen war und wir wieder auf Tour gegangen sind, hatten wir seit zwei Jahren kein Konzert mehr gespielt.

Fünf Jahre ist in der schnelllebigen Musik-Szene eine Menge Zeit. Befürchtest du, dass euch diese Pause weit zurück geworfen hat?

Nicht wirklich. Wir sind in der Zeit ja viel getourt und hatten auch wirklich erfolgreiche Tourneen. Es war sicher nicht der beste Marketing-Trick fünf Jahre zu warten, aber es hat uns scheinbar nicht wirklich geschadet. Die Leute haben wirklich gut auf das neue Album reagiert und die Tour mit DREAM THEATER im März war eine tolle Sache. Es war sicher nicht das Cleverste, was wir je getan haben, aber es hat uns nicht geschadet.

Ich nehme an für die nächste Scheibe werdet ihr nicht mehr so lange brauchen?

Ich hoffe nicht. Wir werden sicherlich versuchen dieses Mal schneller zu sein. Ich denke wir werden für dieses Album touren so lange wir können und dann an das Songwriting für die nächste Scheibe ran gehen und nicht mehr unterbrechen um zwischendurch auf Tour zu gehen.

Ihr seid also keine Band die auf Tour neues Material schreiben kann?

Nicht wirklich. Wir versuchen das ab und zu, Mike schreibt von Zeit zu Zeit ein paar Sachen im Bus an seinem Laptop, aber es ist wirklich schwierig. Es gibt auf Tour zu viel Ablenkung – dadurch ist es für uns schwierig, wirklich produktiv zu sein. Vielleicht werden wir irgendwann mal ein kleines Studio in den Bus einbauen.

Nehmt ihr euch zum Songwriting eigentlich von euren Jobs frei? Geht ihr überhaupt noch einem Job neben der Musik nach?

Nicht wirklich. Einige von uns geben etwas Unterricht, wenn wir gerade Zeit neben der Band haben, aber ansonsten leben wir von der Band.

Ich schätze mal das hilft.

Es ist erst seit kurzem so, dass wir uns das erlauben können. Es hilft natürlich sehr, wenn man sich aufs Songwriting konzentrieren kann und nicht noch von der Arbeit gestresst wird.

Ihr habt auf Paradise Lost den Härtegrad noch mal ein ganzes Stück weiter nach oben geschraubt und euren Sound ein wenig modernisiert. Was führte zu dieser Modifizierung?

Wir wollten, dass das man dem Album mehr anhört, wie wir live klingen. Daher kommt der erhöhte Härtegrad – wir sind live doch etwas härter als auf Platte. Wir wollten etwas von dieser Atmosphäre und der rohen Energie einfangen. Das Album ist sehr Riff-orientiert ausgefallen. Michael hatte so viele Riffs für diese Platte, einige von denen haben wir nicht mal verwendet weil er einfach so viele gute Riffs hatte.

SYMPHONY

Wir wollten auf der neuen CD näher an unserne Live Sound kommen – SYMPHONY X haben den Härtegrad angezogen.

Nun gab es ja schon einige Leutedie mit der bereits auf The Oddyssey etwas härteren Ausrichtung nicht einverstanden waren. Denkst du, dass euch einige alte Fans nun den Rücken zukehren werden?

Ich weiß nicht, die meisten unserer Fans scheinen die ganze Bandbreite von dem was wir tun zu mögen. Sie mögen uns eben weil wir nicht so eindimensional sind. Mag sein, dass Russels Gesang einigen Leuten zu heavy ist – es ist schwer zu sagen. Wir sind wer wir sind und sollte das tatsächlich passieren, dann soll es so sein. Wir sind einfach nur ehrlich zu uns selbst und spielen die Musik die wir spielen wollen. Du kannst nicht immer jeden glücklich machen.

Russel klingt bei den harten Shouts manchmal ein wenig gezwungen, so als würde ihm diese Art zu singen nicht wirklich liegen. Musstet ihr viel Überzeugungsarbeit leisten, um ihn dazu zu bringen, seine Stimme so einzusetzen?

Wir haben ihn einfach dazu gebracht über Dinge nachzudenken, die ihn wütend machen, ha ha ha.

Es gibt eigentlich nur zwei Songs auf denen Russel ausschließlich melodisch singt. Bei einigen der restlichen Songs vermisse ich ein wenig die großartigen Gesanglinien der früheren Alben.

Ich denke es gibt einige wirklich starke Melodien auf diesem Album. Klar, es klingt vielleicht etwas anders, aber wir haben wieder einige wirklich melodische Refrains, da gibt es jede Menge Sachen zum mitsingen. Du siehst live genau, bei welchen Sachen er sich wohl fühlt und was er gerne macht. Ich habe keine Ahnung wie er es schafft so zu singen ohne seine Stimme zu verlieren, aber er schafft es! Ich denke, das hat auch viel mit Einstellung zu tun.

Ihr habt dieses Mal auf ein überlanges Epos verzichtet. Gab es einen bestimmten Grund hierfür oder hat es sich einfach nicht ergeben?

Wir hatten es ursprünglich geplant, aber es hat einfach nicht gepasst. Der Song hat nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Es gab da einige Passagen, die für sich alleine einfach bessere Songs abgegeben haben. Als wir uns zusammengesetzt haben, realisierten wir, dass dieses Album wohl eher eine Sammlung von – für unsere Verhältnisse – kurzen Songs werden würde.

Gibt es denn auf dem Album Songs, die eigentlich Teil dieses langen Songs werden sollten?

Ja, Teile von Revelations waren ursprünglich dafür geplant, aber es hat sich halt einfach nicht so ergeben. Wir haben auch noch einige andere Passagen, die es nicht auf das Album geschafft haben, auch ein paar symphonische, wirklich orchestrale Sachen. Einiges davon wurde als Bonustrack verwandt.

Das Cover ist meiner Meinung nach das Beste, was ihr je hattet. Wer ist denn dafür verantwortlich?

Der Name des Künstlers ist Warren Flanagan. Er kommt aus Kanada und arbeitet viel im Filmbereich. Er ist auf uns zugekommen. Er mochte The Odyssey und hat uns angesprochen, dass er gerne das Cover für unsere neue Platte machen würde. Wir teilten ihm also unsere Ideen mit und er kam mit diesem Cover an. Wir fanden das Ergebnis natürlich fantastisch. Er ist echt ein netter Kerl und ein sehr talentierter Künstler. Wir denken, dass es das beste Cover ist, das wir je hatten.

Auf dem Cover gibt es einige Details, wie die Rose oder die beiden Masken im Fels. Sind das Anspielungen auf eure bisherigen Alben?

Die Masken haben wir ja auf jedem Cover, wir mussten sie also natürlich auch auf diesem haben. Aber es gibt tatsächlich einige Verweise, zum Beispiel auf Divine Wings Of Tragedy. Es ist sein Konzept. Das einzige, was wir ihm vorgegeben haben war, dass er die Masken irgendwo unterbringen musste. Natürlich steht das Cover für das Album und die Musik, die wir geschrieben haben, aber wir haben ihm in der Darstellung freie Hand gelassen,

Nach The Odyssey habt ihr euch nun einer weiteren literarischen Vorlage angenommen. Wieso habt ihr euch für Miltons Paradise Lost entschieden?

Es ist einfach ein großes und kraftvolles Werk. Es behandelt Dinge, mit denen wir alle als Menschen zu schaffen haben. Dinge aus der Natur des Menschen wie Gier, Lust und Neid. Es war also recht einfach darüber zu schreiben. Das Album ist kein wirkliches Konzeptalbum, auch wenn es sich schon auf Miltons Werk bezieht. Es gibt halt diesen roten Faden. Es passt auch einfach zu dem, was wir musikalisch tun.

Gibt es weitere Bücher oder Geschichten, die ihr gerne in Form eines Konzeptalbums verarbeiten würdet?

Vielleicht, ich weiß es nicht. Wir haben über alles mögliche gesprochen, was wir mit dem nächsten Album machen, ob es ein Konzeptalbum wird oder nicht. Ich denke da müssen wir abwarten und sehen was die Zukunft bringt.

Liest du in deiner Freizeit viel? Welche Genres findet man am ehesten in deinem Bücherregal?

Ja. Ich lese eigentlich fast alles, was ich in die Finger kriege. Ich lese gerne über Wissenschaft, spirituelle Bücher aber natürlich auch die Klassiker der Literatur. Eigentlich lese ich wirklich fast alles.

Nachdem ihr V – The New Mythology Suite auf einem Major veröffentlicht habt, seid ihr nun seit zwei Alben wieder bei InsideOut. Ist das Experiment Major Label also gescheitert?

Meinst du Metalblade? Die haben uns an EMI weiter gegeben, die aber eigentlich überhaupt nichts für das Album getan haben. Wir hatten dann Probleme mit Metalblade und da wir lange Zeit bei InsideOut waren, war es nur natürlich, wieder zu ihnen zurück zu gehen. Mit EMI hatten wir direkt nicht all zu viel zu tun. Das war sowieso merkwürdig. Erst wollten Sie uns unbedingt haben und hatten in diesem Territorium auch ein Vorrecht und haben dann überhaupt nichts für die Platte getan. Das hat für uns nicht wirklich funktioniert.

Du erwähntest vorhin die Gigantour mit MEGADETH. Wie war die Tour?

Es war gut. Es war gut für uns in den Staaten vor so vielen Fans zu spielen. Wir hatten die MEGADETH-Fans, mit DREAM THEATER auch viele Progressive Metal-Fans, was eine gute Mischung war. Die Tour war auf jeden Fall sehr gut für uns.

Wie groß waren die Hallen, in denen ihr auf dieser Tour gespielt habt?

Das variierte, aber im Schnitt waren es wohl vier bis fünftausend Leute.

Ist es bei der Anzahl hochklassiger Alben, die ihr veröffentlicht habt, nicht unglaublich schwierig und auch frustrierend, eine Setlist für höchstens eine Stunde Support-Show wie auf der DREAM THEATER-Tour zusammen zu stellen?

Das waren sogar nur 45 Minuten. In dieser Hinsicht ist es eigentlich fast einfacher als die Setlist für eine Headliner-Show zusammen zu stellen, denn bei einer Dreiviertelstunde hast du einfach nicht die Möglichkeit, die Fans auf eine echte Achterbahnfahrt zu nehmen, weil die Zeit dafür einfach nicht ausreicht. Also knallst du ihnen am Anfang einen vor den Latz, gehst dann ein wenig runter und knallst ihnen zum Ende noch mal einen rein. Es ist also quasi nur eine kurze Achterbahnfahrt. Das ist eigentlich echt ein No-Brainer weil du eh nur die Sachen spielen kannst, die du spielen musst. Bei einer Headliner-Show haben wir doppelt so viel Zeit zur Verfügung und da muss die Setlist wirklich fließen. Da fällt es uns dann echt schwer die Songs auszusuchen, die gut in die Setlist passen.

Wieso wurden eure ganzen Alben eigentlich vor einigen Jahren wiederveröffentlicht? The Divine Wings Of Tragedy oder Twilight In Olympus waren ja noch problemlos regulär im Handel zu bekommen.

Das war wegen dem Wechsel der Plattenfirma. Als wir zu InsideOut zurück sind, haben Sie auch den Backkatalog übernommen und wollten ihn wiederveröffentlichen. De Sachen waren zwar alle draußen aber teilweise nicht einfach zu bekommen und daher hat die Plattenfirma sich um einen besseren Vertrieb für unsere Alben gekümmert.

Vielen Dank für das Interview, die letzten Worte gehören dir!

Ich möchte mich bei allen Leuten bedanken die die Band unterstützen und hoffe, euch alle bei den Shows zu sehen. Danke an alle Leute, die zu unseren Konzerten kommen, wir sind nur hier, weil ihr uns sehen wollt.

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