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BLUENECK: Vinyl tötet Zombies

BLUENECK: Vinyl tötet Zombies

Ich war tief ergriffen, als ich vor einigen Wochen zum ersten Mal die Single Lilitu von BLUENECK gehört habe. Vor kurzem erschien deren Zweitwerk The Fallen Host, auf dem nicht nur dieser Song in seiner ganzen Pracht enthalten ist, sondern auch sieben weitere wundervolle Stücke, die mit den Klischees im Post Rock aufräumen und so kreativ die Tränendrüsen aktivieren, dass sich die Großen im Genre ganz arg an ihrem Thron festklammern müssen. Mit genügend Ernsthaftigkeit, aber auch einer gesunden Portion hervorragenden britischen Humors antworten Gitarrist Ben Green, Bandchef Duncan Attwood und Neuzugang Rich Sadler per E-Mail.

 

Ich habe vor kurzem das Buch Die Arbeit der Nacht des österreichischen Schriftstellers Thomas Glavinic gelesen, das von einem Mann handelt, der in einer Welt ohne Menschen und Tiere aufwacht und vollständig allein ist. Beim Hören von The Fallen Host kam mir in den Sinn, dass ihr darüber auch schon nachgedacht haben könntet. Was würdet ihr tun, wenn ihr alleine auf dieser Welt wärt?

Rich: Ich würde viele CDs, Gitarren und Verstärker stehlen. Und dann würde ich herausfinden, wie ich die verdammte Elektrizität zum Laufen bringe.

Duncan: Ha, yeah! Ich glaube, ich würde zunächst ziemlich verrückt werden und eine Menge Spaß haben. Und dann feststellen, dass es völlig scheiße ist, ganz alleine zu sein und von einem hohen Gebäude springen. Vielleicht würde ich darüber aber erst noch einen Song schreiben, haha.

Ben Green: Ich würde mir alle Orte anschauen, die man so nicht besichtigen darf, zum Beispiel das Parlamentsgebäude, den britischen Inlandsgeheimdienst und so weiter.

Gut, das geklärt zu wissen. Nach drei langen Jahren veröffentlicht ihr nun euer zweites Album, voll großer Schönheit und traurigen Momenten. War es ebenso schwer das Album zu schreiben, wie es anfänglich schwer zu hören ist?

Duncan: Anfangs gab es ein paar Schwierigkeiten beim Schreiben und bei der Produktion des Albums. Ich glaube, vor allem mir war es bewusst, dass wir nach Scars Of The Midwest ein gewisses Publikum hatten und dass es bestimmte Erwartungen und Vorfreude für das zweite Album geben würde. Wir sind außerdem mit unserem Studio in eine andere Umgebung gezogen und da kam nicht die richtige Stimmung auf. Zu dieser Zeit waren wir eine Zeitlang recht desillusioniert, bis hin zu dem Punkt, an dem wir zu einigen Anlässen sehr nah dran waren einfach unsere Sachen zu packen. Wir sind schließlich noch einmal in ein anderes Studio gezogen, dieses Mal in eine eher abgeschiedene Gegend und das war wirklich die Wende. Die Songs, Melodien und der Gesamteindruck von The Fallen Host rasteten von da an einfach ein.

Ben Green: Ja, es war hart dieses Album in Angriff zu nehmen. Lange Zeit fand immer jemand von uns nicht in die Musik, in allen unterschiedlichen Bereichen der Aufnahmen. Dass wir alle nicht geschlossen hinter der Musik stehen konnten, erreichten wir nicht, bis wir in das neue Studio zogen. Das hätte das Ende von etwas sein können, auf das wir alle sehr stolz sind.

The Fallen Host ist ein sehr langsam wachsendes Album, das auch nach vielen Durchläufen noch wächst und zu dem ich immer noch mehr Zugang finde. Die Details kommen immer mehr ans Tageslicht, je mehr man die Scheibe hört. Es klingt so, als wären die kleinen Details am zeitaufwändigsten gewesen.

Duncan: Die kleinen Details, wie Texturen und Schichten übereinander legen sind vielleicht das, was uns als Band am meisten Spaß macht, und daher ist es recht natürlich, dass wir viel an so etwas arbeiten. Hier kommt auch unser Produzent Corin Dingley ins Spiel, er hat großartige Arbeit geleistet, unsere Ideen zu formen, egal wie minimalistisch sie auch gewesen sind.

Ben Green: Die Details helfen, dass wir uns von anderen Bands abheben können. Wir wären nicht damit zufrieden, einen sogenannten Live-Sound zu haben, so etwas wollen wir nicht vermitteln. Wir mögen viele Details und Schichten, dadurch wird die Musik zu einem kreativeren Ganzen.

Was ist eure Inspiration Musik zu schreiben? Wenn ich eure Bilder sehe, auf denen ihr in verlassener Steppe steht, erscheint mir das wie ein Kontrast. Für mich klingt ihr mehr nach Einsamkeit in einer großen Stadt. Hat eure Heimatstadt Bristol da einen Einfluss auf euch als Musiker und Persönlichkeiten?

 BLUENECK
Alle Bands sind musikalische Elstern: Sie stehlen, vermischsen und passen an. Auch Rich Sadler kann das Rad nicht neu erfinden.

 Rich: Du solltest sehen, wo wir proben und aufnehmen. Das ist wirklich abgelegen und weit weg von der Stadt. Das ist auch, an was ich denke, wenn ich BLUENECK höre: Dunkle, regnerische Nächte auf dem Land. Aber ich finde, du hast recht. Städte können deutlich einsamere Orte sein als die Mitte von Nirgendwo.

Duncan: Die meisten von uns kommen aus den Randbezirken von Bristol und daher fühlen wir uns mit der Stadt nicht so sehr verbunden. Wir identifizieren uns eher mit dem Land, der offene, verzweifelte Raum, der eine Band offensichtlich beeinflussen kann. Das, was einen umgibt, hat meistens einen Einfluss darauf wie die Musik klingt, die man produziert.
Und außerdem sind die von dir erwähnten Fotos ein guter Punkt. Ich denke nicht, dass sie uns als Band richtig darstellen. Momentan arbeiten wir mit unserem Fotografen Russel How an neuen Bildern, die – wie wir finden – das Gefühl von BLUENECK deutlich besser einfangen.

Es gibt musikalisch gesehen einige Bands, die ähnlich wie BLUENECK klingen, aber dennoch könnt ihr mit niemandem wirklich verglichen werden. Nehmt ihr die Einflüsse von SIGUR ROS, GREGOR SAMSA, GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR und RADIOHEAD und macht hier etwas völlig neues daraus, oder beeinflussen euch diese Bands überhaupt nicht?

Duncan: Zweifellos hatten Bands wie RADIOHEAD, GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR, SIGUR ROS und so weiter ihren Einfluss auf BLUENECK, das sind höchst einflussreiche Künstler. Aber es gibt auch andere Bands, die du nicht direkt mit der Art von Musik verbinden würdest, die wir machen, die uns formen. Dazu gehören THE ARCADE FIRE, MEW, PAVEMENT, DAVID BOWIE, THE SMITHS, THE DOORS und so weiter. Dies sind aber nur ein paar Beispiele von Musik, die wir lieben, oder mit der wir aufgewachsen sind.

Rich: Alle Bands sind musikalische Elstern: Sie stehlen, manchmal unbewusst, manchmal nicht, vermischsen und passen an. Der Trick liegt darin, genügend eigene Ideen sowie die eigene Persönlichkeit einzubringen, damit es frisch klingt. Wir lieben viele der Bands, die du aufgezählt hast, hauptsächlich wegen ihrer Fähigkeit, Stimmung und Geheimnis zu erschaffen. Wenn überhaupt, werden wir eher von dieser Einstellung beeinflusst, als von, sagen wir, bestimmten Klängen.

Ihr habt die Band im Jahr 2000 gegründet, 2006 kam aber erst euer Debütalbum heraus und nun endlich ist euer Zweitwerk The Fallen Host da. Kümmert ihr euch nicht um die Zeit, sondern nur um das Endergebnis?

Rich: Wir haben schon vor Scars Of The Midwest viel Musik geschrieben und aufgenommen. Wie dem auch sei, es dauerte sechs Jahre, bis wir den richtigen Sound gefunden hatten und wir uns eine große Veröffentlichung verdient haben. Darüber hinaus hat es uns viel Zeit gekostet, herauszufinden, nach was BLUENECK klingen soll. Wir arbeiten daran, etwas produktiver in der Zukunft zu sein.

Duncan: Uns ist stets bewusst, welche Menge an Zeit es gekostet hat, beide Alben zu veröffentlichen. Aber wir haben als Band die bewusste Entscheidung gefällt, dass wir versuchen, mit dem was wir veröffentlichen so zufrieden wie möglich zu werden. Also wenn wir sieben geschlagene Tage an nur einem Stück arbeiten, nur um dann festzustellen, dass es nicht funktioniert, dann fangen wir nochmal ganz von vorne an. Es muss einfach richtig klingen. Ich bin übrigens ziemlich sicher, dass unser nächstes Album nicht so lange auf sich warten lassen wird, wie die beiden anderen. Wir haben schon angefangen dafür zu schreiben und wir freuen uns schon sehr darauf, dieses aufzunehmen.

Ben Green: Niemand von uns mag es, Dinge zu überstürzen. Wir setzen uns Deadlines für unsere Arbeit, aber wenn wir letztendlich nicht glücklich mit dem Material sind, dann gehen wir eben so lange weiter, bis wir dort ankommen, wo wir hin wollen.

Habt ihr in eurem eigenen Studio aufgenommen? Wie lange haben sich auf Aufnahmen hingezogen?

Duncan: Wie du gesagt hast, es hat wirklich lange gedauert. Das Album hat zwei ganze Jahre verschlungen, das ist eine lange Zeit. Aber wir sind nun im aktuellen Studio angesiedelt und haben die Ressourcen deutlich schneller aufzunehmen.

Ben Green: Das ist ein Ort geworden, an dem wir es uns sehr komfortabel zum Spielen gemacht haben. Aber vielleicht werden wir auch bald wieder umziehen, einfach um die Balance ein wenig zu ändern. Wir sind anfällig dafür, so etwas zu tun.

 BLUENECK
Wir wollen Musik für eine ganz besondere Sorte Menschen machen, eine intellektuelle, passionierte und loyale Sorte. Duncan Attwood und BLUENECK streben nicht danach von jedermann gemocht zu werden.


The Fallen Host scheint eine recht simple Basis zu haben, da die Songs nicht wirklich viele unterschiedliche Teile haben, sich aber um ihre Themen herum entwickeln. Ist Standard-Songwriting nicht interessant für euch?

Duncan: Ich bin ganz bestimmt nicht an konventionellem Songwriting desinteressiert. Es ist aber so, dass die Songs, die wir für BLUENECK schreiben ganz natürlich entstehen. Das ist einfach die Art, wie wir schreiben. Wir haben auch niemals hinterfragt, warum wir die Songs auf diese Art schreiben. Wir tun es einfach.

Rich: Ja, zugegebenermaßen verwenden wir nicht immer Strukturen in der Art von Strophe, Refrain, Strophe, aber wir lieben simple Popsongs genauso wie jeder andere auch. Manche von uns waren in anderen Bands aktiv, die solche Musik gespielt haben, aber BLUENECK verfolgen diesen Ansatz bisher nicht.

Das Hauptinstrument in vielen eurer Stücke ist das Klavier. Schreibt ihr die Basis der Lieder erst auf dem Klavier, bevor ihr an die Arrangements geht?

Duncan: Ja, viele unserer Songs beginnen ausschließlich als Klavier-basiertes Stück, selbst diese, die am Schluss gar kein Klavier mehr beinhalten. Für mich ist es der einfachste Weg neue Ideen zu verwirklichen. Ich habe ein wirklich altes, wunderschön dramatisch und melancholisch klingendes Piano zu Hause, und das ist mein wichtigster Startpunkt, wenn ich gerade inspiriert bin, Musik zu schreiben.

Durch die Vorherrschaft des Klaviers ist es logisch, aber auch interessant, dass die Gitarren nicht das Hauptinstrument auf The Fallen Host sind, manchmal klingen sind sie im Hintergrund und oft sind sie einfach da, um Leerräume zu füllen. Die meisten Gitarren höre ich in Revelations.

Rich: Ha, ich höre überall Gitarren! Aber es ist großartig, dass einige unserer Hörer sich fragen mögen, was zur Hölle diesen und jenen Sound erzeugt hat.

Duncan: Wir sind nicht darauf aus, ein Instrument markanter werden zu lassen als die anderen. Wir finden, es funktioniert besser die Instrumente auf einer atmosphärischen Ebene zu mischen, so dass sie sich gegenseitig ergänzen und nicht miteinander um die Aufmerksamkeit des Hörers kämpfen.

Ben Green: Ich nehme sicher nicht die Rolle eines typischen Lead-Gitarristen ein, das würde auch nicht zur Musik passen. Wenn man sich meine Stellen alleine anhört, wären sie ziemlich stumpf, aber als Ganzes betrachtet scheint es zu funktionieren.

Auch die Arrangements der Songs auf The Fallen Host sind ungewöhnlich, denn das erste Lied mit Gesang ist Low, der dritte Track der CD. Das mutet an, als wäre die instrumentale Seite primär und der Gesang sekundär.

Duncan: Nicht wirklich. Im Falle von Low war die einsame Gitarre zusammen mit dem Gesang der Startpunkt für diesen Song, das war nie ein Instrumental. Auch wenn es zugegebenermaßen, in der Schlusssektion ein Instrumentalstück ist. Wir versuchen in den meisten Fällen den Gesang als eine zusätzliche Schicht einzubauen, anstatt ihn alleine und abseits auf die Musik darauf zu setzen.

Der Gesang ist oft beschichtet mit Effekten wie Delay und scheint wie von einem anderen Planeten zu sein. Hast du nicht genügend Selbstvertrauen in deine Stimme, oder sollen die Vocals so besser zur Musik passen?

Duncan: Wir haben Effekte auf den Gesang gelegt, weil wir einfach fühlen, dass es zur Musik passt. Hätten wir einen Song geschrieben, bei dem wir der Meinung sind, dass trockenerer Gesang besser passen würde, wie bei Epiphany auf Scars Of The Midwest, dann hätten wir diesen Weg gewählt. Der Gesang ist für uns ein weiteres Instrument. Wenn wir also denken, es dient dem Lied, dass wir auch hier mit dem Klang spielen, dann bin ich froh, es tun zu können. Es geht ganz einfach darum, was am besten funktioniert.

Rich: Oftmals will meine Lieblingsmusik dem Hörer nicht alle Antworten geben. Sie erschafft eine Atmosphäre, aber gibt nur so viele Informationen preis, dass der Hörer noch seine Gefühle in die Songs projezieren kann. Ich glaube, BLUENECK arbeiten genauso, aber ich finde andererseits, dass Duncan einige recht rohe Emotionen mit dem Hörer teilt. Ich glaube, wer genau zuhört, wird sehr persönliche Dinge von ihm kennen lernen.

 BLUENECK
Sag mir, was du siehst – BLUENECK wollen weder Artwork noch Musik kaputt analysieren.

Ben Green: Mit den Effekten auf dem Gesang ist es wie bei den anderen Details: Wir betrachten jeden Aspekt und finden so heraus, was zur Stimmung des Songs am besten passt.

Generell höre ich keine Band, die aus Individuen besteht, ich höre eine Einheit. Verliert ihr eure Identitäten, wenn ihr Musik schreibt?

Rich: Ja, und und unsere Kleider.

BLUENECK besteht laut meiner Information aus vier Mitgliedern, aber auf eurer Myspace-Seite habe ich zum ersten Mal von Dir, Rich und von Michael Maidment gehört. Seid ihr neu dabei, und unterstützt BLUENECK live und im Hinblick auf die Streichinstrumente?

Duncan: Rich war schon immer in der Nähe und hat uns in der Vergangenheit ausgeholfen. Kürzlich haben wir uns entschieden, dass es der richtige Schritt ist, ihn als festes Bandmitglied aufzunehmen. Mike ist auch schon einige Jahre an Bord, er spielt mit uns live, hat Demos und die Weihnachts-EP Twelve Days, die wir umsonst verteilt haben produziert. Wir freuen uns sehr, von Zeit zu Zeit wieder mit ihm weiter zu arbeiten, aber das ist etwas schwierig geworden, da er aus unserer Gegend weg gezogen ist. Sandy Bartai spielt das Cello auf The Fallen Host und auch auf einigen Konzerten. Er ist aktiv bei PIRATE SHIP QUINTETT und ich bin sicher, dass wir mit ihm auf den folgenden Alben wieder arbeiten werden. Ja, wir neigen dazu, dass Musiker in die Band und aus der Band huschen, aber tatsächlich hat BLUENECK einen festen Kern aus fünf Bandmitgliedern.

Einer meiner Lieblingssongs auf The Fallen Host ist Weaving Spiders Come Not Here, das der perfekte Soundtrack für die Szene in 28 Days Later gewesen wäre, in der Jim durch das menschenleere London läuft. Aber ich nehme an, dass diese Szene und der darin verwendete Song East Hastings von  GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR nicht die ursprünglichen Ideen für diesen Track waren.

Duncan: Nein, aber das ist ein großartiges Stück Musik. Ich glaube nicht, dass ein anderes Stück Musik zu dieser speziellen Szene besser gepasst hätte. Weaving Spiders Come Not Here ist von etwas komplett anderem inspiriert.

Außerdem sind Low und Revelations großartige Stücke, die von fast kompletter Stille zu einer Lautstärke wachsen, dass die Ohren schmerzen. Ist die Laut-Leise-Dynamik hier so wirkungsvoll, da ihr wirklich so leise beginnt? Würden die Finalstellen ansonsten weniger ohrenbetäubend klingen?

Duncan: Ich glaube, die Finale dieser Songs wären nicht so intensiv, würden die Intros dazu mehr hervorstechen. Sie sind zweckmäßig geschrieben, um dem Hörer hoffentlich den totalen Effekt der Dynamik zu geben. Bei diesen beiden Stücken sind die Schlussteile dazu da, die Erlösung zu portraitieren.

Rich: Wenn wir oft mit Songs in dieser enormen Lautstärke angefangen haben, haben die Leute die Musik leiser gedreht oder ganz ausgemacht, oder bei unseren Konzerten den Raum verlassen. Aber wenn die Lautstärke langsam aufgebaut wird, kann das Publikum in interessante Orte vordringen, die sie normalerweise nicht besuchen. Selbst wenn dieser Ort Earbleedinglyloudsville heißt.

Auch in The Guest kommen tolle Dynamiken vor. Dieses Stück hat auch einen zweiten Teil, das sehr minimalistische Children Of Ammon. Warum habt ihr diese Tracks getrennt? Etwa wegen der Länge?

Rich: Wir sind überglücklich damit, grundlos lange Songs zu schreiben. Glaube mir, deshalb haben wir das nicht getan.

Duncan: Nein, das war wirklich nicht wegen der Länge. Children Of Ammon ist ein Loop, der von The Guest stammt. Aber das ist es auch. Daraus wurde ein komplett anderer Song mit einem anderen Thema. Aber es macht sich gut als ein kontinuierliches Stück Musik.

Der Song Lilitu ist eure erste Single, und ich kann total nachvollziehen, warum dieser Song dafür ausgesucht wurde. Diese Nummer erinnert ein wenig an SIGUR ROS und ist relativ eingängig, auch wenn sie wiederum sehr introvertiert ist. Glaubt ihr, dass dies der einfachste Weg in die Welt von BLUENECK ist?

Duncan: Die Leute scheinen das zu glauben. Aber wir haben nicht daran gedacht, als wir Lilitu geschrieben haben. Ich glaube, ich kann nachvollziehen, warum die Hörer entschieden haben, dass dieser Song hervorsticht. Und ja, ich glaube das ist ein Zugang in unsere Welt. Wenn das der Fall ist, ist es großartig. Und dann werden die Leute vielleicht auch entdecken, wie Lilitu zum Rest von The Fallen Host passt.

Rich: Lilitu ist wahrscheinlich der zugänglichste neue Song und der, von dem ich denke, dass er am besten funktioniert, wenn man ihn aus dem Kontext des Albums herausnimmt. Wie dem auch sei, die Single ist eine geschnittene Version, denn unglücklicherweise tendieren zehn Minuten lange Singles dazu, Radio-DJs zu verängstigen. 
 

 BLUENECK
 Mein altes, wunderschön dramatisch und melancholisch klingendes Piano ist mein wichtigster Startpunkt, wenn ich gerade inspiriert bin, Musik zu schreiben. Duncan Attwood (sitzend) beginnt neue Songs auf die altmodische Art und Weise.

Wie wichtig sind eigentlich die Texte für BLUENECK? In eurem Forum habe ich gelesen, dass sie in geschriebener Form nicht existieren, nur in Duncans Kopf. Sind sie zu persönlich, oder sind das spontane Wörter, die mit der Atmosphäre der Musik d´accord gehen?

Rich: Ich habe niemals geschriebene Texte von BLUENECK gesehen. Sollte Dunk von einem Bus umgefahren werden, geht es uns genau wie dir: Wir sitzen vor der Stereoanlage, hören The Fallen Host und kratzen uns an den Köpfen.

Duncan: Ha! Die Texte sind definitiv von Wichtigkeit. Ich tendiere nur nicht dazu, sie zu enthüllen. Für mich sind sie persönlich. Eine immer größere werdende Menge von Menschen fragt aber nach den Lyrics, also glaube ich, werden wir sie irgendwo veröffentlichen. Aber frage mich nicht, wann und wo das sein wird.

In England habt ihr bei EMI unterschrieben, im Rest von Europa habt ihr indes einen Vertrag mit dem deutschen Underground-Label DENOVALI RECORDS. Wieso habt ihr diese ungewöhnliche Entscheidung gefällt?

Duncan: Der Deal mit EMI geht tatsächlich über Labeldienste. Wir veröffentlichen im vereinigten Königreich über PERFECT STORM, unser eigenes Label. Das heißt, dass wir in unserer Heimat selbst veröffentlichen, aber den Vorteil haben, mit dem Team von EMI zusammen zu arbeiten, mit denen wir auch gut klar kommen und die hinter dem stehen, was wir als Band tun. DENOVALI ist eine großartige Plattenfirma, und ich habe großen Respekt vor diesen Jungs. Wir kennen uns nun seit einiger Zeit, und ich freue mich wirklich, dass wir mit ihnen zu diesem Anlass arbeiten. Ich denke, dass wir mit diesen Jungs weiter arbeiten werden, denn sie machen das, um was es bei einer Plattenfirma gehen sollte. Die Musik zu leben.

Ihr mögt es also, auf die gute, alte DIY-Art zu arbeiten?

Duncan: Zweifellos. Es ist so viel praktischer und persönlicher. Mit viel mehr Kontrolle und Mitsprache darüber, wie die Dinge veröffentlicht werden und wie mit den Veröffentlichungen umgegangen wird.

Die Zusammenarbeit mit EMI zeigt, dass es in UK einen nicht zu unterschätzenden Markt für diese Musik gibt. Ist das britische Melancholie? Musik, die ihr eher versteht, als Menschen vom Rest der Welt, vielleicht wegen dem regnerischen Wetter?

Duncan: EMI mochten einfach das Album und wollten einer Band helfen, die in keiner Art und Weise Mainstream ist. Ich glaube nicht, dass es einen großen Markt für die Art von Musik gibt, die wir machen. Aber die Fans dieser Musik sind generell sehr leidenschaftlich und sehen Musik als Kunstform und nicht als etwas, das angehört und dann weggeworfen wird. Die Menschen, für die wir Musik machen wollen, sind von einer bestimmten Sorte: Einer intellektuellen, passionierten und loyalen Sorte.

Hat es euch eigentlich geholfen, dass Johannes Persson von CULT OF LUNA eure Musik für Projekte seiner Filmfirma verwendet hat? Kennt ihr ihn und CULT OF LUNA eigentlich schon länger?

 BLUENECK
Städte können deutlich einsamere Orte sein, als die Mitte von nirgendwo. BLUENECK bevorzugen für ihre Arbeit abgelegene Gegenden.

Duncan: Johannes und ich sind Freunde und halten Kontakt seit wir vor einiger Zeit ein paar mal zusammen gespielt haben. CULT OF LUNA sind eine fantastische Band und ich war sehr geehrt, als Johannes mich fragte, ob er die Musik von BLUENECK in einem seiner Filmprojekte verwenden durfte. Hoffentlich werden wir in der Zukunft weiterhin zusammenarbeiten, da ich seine Art Filme zu machen sehr mag. Außerdem hoffe ich, dass wir mit CULT OF LUNA bald wieder auftreten werden, wenn sie wieder auf Tour sind. Das wäre großartig.

Ich habe sie noch nicht zu Hause, aber ich bin sicher, eure LP ist sehr liebevoll aufgemacht. Bevorzugt ihr CDs oder LPs? Für mich seid ihr übrigens eine typische Vinyl-Band, was heißt, dass ich von euch eher die Schallplatten sammle.

Duncan: Die Vinylversion sieht großartig aus, wir sind damit sehr zufrieden. Es ist eine Schande, dass so viele Leute heutzutage kein Vinyl mehr mögen. Vor allem, da es besser aussieht und wohl auch deutlich besser klingt. Vielleicht, wenn mehr Bands wie wir damit weitermachen auf Vinyl zu veröffentlichen, werden mehr Menschen den Aufwand betreiben und dieses Format kaufen. Es sieht besser aus und fühlt sich einfach besser an.

Rich: Ich kann einfach nicht anders, als zu lächeln, wenn ich eine Vinylplatte kaufe. Sie sind einfach so befriedigend. Und wer Shaun Of The Dead gesehen hat, wird sich hoffentlich daran erinnern, dass LPs viel nützlicher als CDs sind, wenn man Zombies töten will.

Das Artwork zeigt in seinen verschiedenen Versionen fast immer das gleiche Bild, nur mit kleinen Unterschieden. Ist der Vogel The Fallen Host? Das könnte aber auch eine Art Sozialkritik sein, so als würde unser Gastgeber, die Erde, durch unser Benehmen untergehen.

Rich: Ich finde es besser, wenn jeder seine eigene Idee hat, was Artwork und Titel bedeuten könnten. Das ist deutlich interessanter, findest du nicht?

Duncan: The Fallen Host ist deutlich weniger kryptisch als eine Kritik an der Gesellschaft.

Momentan sind noch nicht allzu viele Konzerte bestätigt. Sind BLUENECK überhaupt eine sehr aktive Liveband?

Rich: Unser Plan ist es, mit diesem Album so viel wie möglich und für so viele Menschen wie möglich zu spielen. Auch wenn im Jahr 2009 nicht viele Konzerte bestätigt sind, wird sich das im Jahr 2010 ändern.

Duncan: Wir spielen nicht furchtbar viel live. Wie Rich gesagt hat, das wird sich 2010 ändern, wenn wir viel mehr spielen werden, aber es wird nicht zu viel des Guten werden. Irgendwann langweilen sich die Leute, wenn ein und dieselbe Band immer wieder und wieder tourt. Wir planen momentan nächstes Jahr in Europa, dem Vereinigten Königreich und Japan unterwegs zu sein, vielleicht auch in den USA. Aber es werden kurze Touren werden, damit es uns möglich sein wird, am Nachfolger zu The Fallen Host zu arbeiten.

Letzte Frage: Wie sind Konzerte von BLUENECK? Stimmt es, dass ihr Visuals verwendet?

Duncan: Wir verwenden von Zeit zu Zeit Projektionen. Wir haben in letzter Zeit darauf verzichtet, aber ich bin mir sicher, dass wir zu bestimmten Anlässen in Zukunft wieder darauf zurückgreifen werden. Die Konzerte sind nicht immer gleich, es kommt darauf an, welche Musiker greifbar sind. Den einen Abend haben wir Sandy mit seinem Cello bei uns, am Abend darauf kann es sein, dass er keine Zeit hat. Das gleiche ist mit Corin und Mike, die uns ebenfalls gelegentlich helfen. Also müssen wir jeden Auftritt daran anpassen, wer am Abend bei uns ist. Das hält die Dinge auch für uns als Band etwas interessanter.

Bilder: (c) BLUENECK / DENOVALI RECORDS