ABIGOR: Drogensüchtige Drummer, Gothic-Geschwüre und keine Kompromisse!

ABIGOR standen schon immer für extremen Black Metal, der sich nie irgendwelchen Trends angepasst hat. ‚Satanized’, der mittlerweile achte Output der Wiener Band, dürfte diese Tatsache einmal mehr beweisen. Band-Chef Peter K. beantwortete einige Fragen zum neuen Werk.

ABIGOR standen schon immer für extremen Black Metal, der sich nie irgendwelchen Trends angepasst hat. ‚Satanized’, der mittlerweile achte Output der Wiener Band, dürfte diese Tatsache einmal mehr beweisen. Band-Chef Peter K. beantwortete einige Fragen zum neuen Werk:

Euer neues Album wird im März 2001 erscheinen. Was kannst Du uns darüber erzählen und wie, würdest Du sagen, hat sich ABIGOR seit dem letzten Output Channeling… weiterentwickelt und wie sehr hat der Abgang von Thomas dies beeinflußt. Hast Du Dich auf Satanized wieder mehr auf die Gitarrenarbeit konzentriert, oder stehen auch mal die Keyboards im Vordergrund, wie bei Supreme Immortal Art, auf der Ihr ja teilweise ein wenig experimentell zu Werke gegangen seid…

PETER: ‘Satanized´ ist ein neuer Abschnitt in der Geschichte ABIGOR´s da wir, wie du ja weißt, einen Line-Up Wechsel hinter uns haben und Thurisaz, als auch Moritz neue Einflüsse zu ‘Satanized´ beigesteuert haben. Meiner Meinung nach bewegt sich das Material irgendwo zwischen
‘Verwüstung´ und ‘Nachthymnen´, also eher die traditionelle Richtung ABIGOR´s gepaart mit untypischen Elementen und Riffs, teilweise unterlegt von Samples und Keyboards. Es steht beim neuen Album alles im Vordergrund, die Gitarren sind sicherlich sehr dominant, aber einige Melodien werden von zusätzlichen Keyboards sehr gut unterstützt und die Drumbeats von Moritz tun ihr übriges, also würde ich ‘Satanized´ einfach als Ganzes sehen und nicht abwägen welches Instrument welchen Stellenwert hat, denn da Thurisaz jetzt auch die Basslinien übernommen hat, ist alles noch ausgefeilter als wir ursprünglich erwartet haben. Es ist schwer zu sagen ob Thomas´ ‘ausgestiegen-worden´ die Arbeit an ‘Satanized´ beeinflusst hat, eher vereinfacht, da ich mich auf niemanden verlassen musste und in Ruhe allein arbeiten konnte. Sicherlich, einige Passagen hätten sich möglicher weise anders angehört als jetzt, aber meiner Meinung nach und auch laut den Stimmen etlicher anderer Personen war eine Veränderung ABIGOR´s dringend nötig! Was nicht bedeutet, dass ‘Satanized´ ein Stilbruch ist, keineswegs, eher härter, ‘thrashiger´ und melodiöser als die vorangegangenen Alben.

Würdest Du die Musik aber nach wie vor als Black Metal bezeichnen? Und was meinst du mit melodiöser? Darf man sich (schöne) Keyboard-Melodien vorstellen oder eher geile Gitarrenlinien (ich denke da z.B. an Track 4 von Channeling…)?

Hauptsächlich dominieren natürlich die Gitarren! Was bedeutet, dass ich teilweise auf technische Spielerein verzichtete und stattdessen einfach zweistimmige Runs in die Songs eingebaut habe welche meist von Keyboards untermalt bzw. unterstützt werden. Das Resultat hört sich melodiöser, eben wg. dem Wegfallen des typischen Lead- und Rhythmus tappings, aber dennoch sehr aggressiv und druckvoll an.

Gibt es bei den Texten spezielle Veränderungen oder etwas besonderes? Der Titel beinhaltet diesmal ja wieder das Wort Satan, gibt es irgendein Konzept oder Ähnliches über den Fürsten der Dunkelheit?

Nicht wirklich. Ich behandle nach wie vor meine Interessensgebiete welche sich einfach zu 90% im Bereich des Okkulten bewegen. ‘Satanized´ ist eine Art ein Hymne der Besessenen, aber ohne jegliches Konzept, jedoch meist mit dem Grundtenor des Ende des Christentums und dem
Resultat des erneuten Aufstiegs Satans und ein Königreich von Weisheit und Macht ohne irritierende Verblendung von Lügen gepredigt von einer unnahbaren Obrigkeit.

Das ABIGOR-Line-Up besteht jetzt außer Dir noch aus Thurisaz und Moritz, warum hat Thomas die Band verlassen? Wie weit sind die anderen Mitglieder außer Dir noch ins Songwriting involviert (wird Moritz fester Bestandteil des Line-Ups werden?) und wie entstehen die Songs?

Thomas ist ‘gegangen-worden´, es hat sich einfach so ergeben. Der Hauptgrund waren seine persönlichen Probleme und Drogen. Ich war es wirklich leid mich von vorn bis hinten belügen zu lassen und mir immer wieder seine Ausreden anzuhören, die letztendlich nur ein Versuch waren alles zu vertuschen und an Geld für seine Sucht zu kommen. So etwas kotzt mich wirklich an! Ich hasse Schwäche, spezielle geistige Schwäche, wenn jemand zu schwach ist diese Welt zu ertragen, soll er sich doch eine Kugel in den Kopf jagen anstatt in eine beschissene Illusion einzutauchen die nichts bringt und nach kurzer Zeit wieder endet. Thomas war wirklich einer meiner Besten Freunde, aber ich kann einfach kein Mitlied empfinden. Warum auch, er predigte die Stärke von Körper und Geist und lässt sich dann zu Drogen und seinen Jungle-Rave-DJ-Trips hinreissen, so jemand hat weder bei ABIGOR etwas verloren, noch sehe ich solch eine Person als Freund an. Dieses Kapitel haben wir wirklich hinter uns gelassen, glücklicherweise! Bei ‘Satanized´ habe ich alle Songs und Texte geschrieben. Moritz habe ich meine Vorstellungen grob mitgeteilt und Thurisaz habe ich beim Bass und Gesang freie Hand gelassen, also hat in Summe jeder seinen individuellen Beitrag geleistet. Moritz ist übrigens schon fixes ABIGOR Mitglied seit den Aufnahmen zu ‘Satanized´.

ABIGOR waren nicht nur immer das Aushängeschild österreichischen Black Metals, die Band war auch immer ein Hort der Erholung vom seichten Keyboard-Geplänkel à la Dimmu Borgir & Co. Kannst Du Deinen Fans garantieren, daß Ihr das auch in Zukunft bleiben werdet? Oder haben Napalm
Rec. Euch schon dazu gezwungen, romantischen Gothic Metal mit Kindermelodien zu spielen?

Definitiv! Wir werden nach wie vor keine Kompromisse eingehen, setzten uns aber auch keine Grenzen. In seichtem easy-listening Metal wird ABIGOR nie versanden! NAPALM haben sich bis jetzt noch nicht eingemischt, irgendwann wird ihnen ihr Gothic-Metal-Geschwür wohl auch zu viel und sie hören dann lieber ABIGOR, wer weiß.

Hoffen wir’s! Apropos: wie bist Du derzeit mit der Arbeit Deines Labels für ABIGOR zufrieden? Du hast Dir in der Vergangenheit ja überlegt, Dir evtl. ein neues zu suchen…

Die anderen Angebote waren ok, aber NAPALM waren einfach wieder die Besten betreffend dem Angebot zum neuen Album. Man hat einfach mehr Freiheiten und der Vertrag ist relativ fair, also fiel meine Wahl wieder auf NAPALM. NECROPOLIS, HAMMERHEART oder OSMOSE, auch DWELL RECORDS wären interessant gewesen, aber letztendlich bin ich weder an der eigen Vorfinanzierung des Studios und Promo-Photos, noch an Mega-Touren mit Null Support interessiert und dann noch an 5-7 Alben gebunden zu sein tut seinen Rest. Wie auch immer, jedes Label hat Vor- und Nachteile und man sieht automatisch immer das Negative, aber momentan bin ich mit NAPALM sehr zufrieden.

ABIGOR standen immer für Qualitäts-Black Metal. Leider standet Ihr nie auf der Bühne, habt Ihr Eure Meinung zu dem Thema immer noch nicht geändert, oder gibt es vielleicht ein klein wenig Hoffnung für die Fans? Angebote müssten ja genug vorhanden sein…

Angebote sind genügend vorhanden, aber ich sehe es nach wie vor als verschwendete Zeit eine Tour vorzubereiten, Session-Musiker anlernen usw. usw. Vielleicht werden wir für ‘Warmachine 2002´ eine kurze Promo-Tour absolvieren, aber das ist momentan nur eine Idee die irgendwo im Hinterkopf herumschwebt…

Früher gab es in manchen Eurer Interviews provokante Aussagen über Faschismus, etc. zu lesen. Wie stehst Du heute zu dem Thema? Meinst Du, daß Politik in der Musik was verloren hat?

Politik und Musik sollte man nicht auf einen Nenner bringen, keine Frage, aber ich stehe nach wie vor dazu, dass jedes Land seine Kultur, Bevölkerung und Geschichte hat und Nationalismus hat nichts mit Faschismus zu tun und ich bin mit der Einwanderungs- und Integrationsspolitik der österreichischen Regierung absolut nicht einverstanden, aber das hat nichts mit ABIGOR zu tun und beeinflusst mich nicht im geringsten, da mich Politik und die Probleme der heutigen Welt nicht sonderlich interessieren, also verstehe ich nicht warum sich immer wieder Leute daran stoßen?!

Naja, Bands, die auch nur annähernd rechte Aussagen machen werden ja heutzutage gehetzt wie nichts anderes. Da ist natürlich klar, daß sich die Leute dran stoßen. Und wenn man Interviews dazu verwendet bzw. missbraucht, seine politische Meinung kundzutun, dann verbindest man seine Band ja mit Politik, nicht wahr? Es geht ja im Interview eigentlich um die Band und nicht um die persönlichen Ansichten. Ok, Nationalismus hat nichts mit Faschismus zu tun, also bezeichnest Du Dich selbst am ehesten als Nationalist?

Ich bezeichne mich nicht als Nationalist und mich interessiert nicht was andere Leute über mich denken! Ich vertrete einfach diese Meinung ohne mich irgendwo einzuordnen. Politik ist für mich uninteressant, da mehr Lügen verbreitet werden als sonst was, also ist es mehr oder weniger verschwendete Zeit sich damit zu befassen. Aber ich stimme dir zu, leider legen es sehr viele Magazine immer wieder darauf an und stochern in den persönlichen Nischen betreffend Politik herum, fragen nach und nerven, um dann die Person oder Band in der Luft zu zerreisen, aber was soll´s.

Man kann behaupten, daß es in der österreichischen Extrem-Metal Szene zur Zeit einen Aufschwung gibt, findest Du nicht? Was hältst Du von den heimischen Bands?

Ich bin nicht am laufenden was in Österreichs Metal Szene momentan passiert, aber es gibt etliche sehr gute Bands die ich sehr schätze.

Was hältst Du z.B. von den genialen BELPHEGOR? Oder welchen Bands schenkt Herr K. ansonsten sein Gehör?

BELPHEGOR finde ich sehr gut, speziell das neue Album ist wohl ein Aushängeschild der österreichischen Extrem-Musik-Szene, außerdem sind die Leute der Band angenehme Zeitgenossen und nicht im Gruftie-Spiesbürgertum verendet. Neben diesen lausche ich noch KOROVA, DORNENREICH, SOULSEARCH, SIEGFRIED, AMESTIGON, und GRABESMOND zum Beispiel. Letztlich bekam ich ein Tape von FORCHTENSTEIN, ich denke, dass das kommenden Material dieser Band interessant sein dürfte. SPRAWL´s Demo war auch gut, aber ich denke, dass sie es zu groß aufziehen wollen und sich bewusst an die Tenniepresse unseres Landes wenden, aber wenn man schon Redakteur eines dieser Blätter ist, egal. Sonst fällt mir momentan nix ein was mich sonderlich interessiert, SUMMONING ist mir zu langweilig, ICE AGES ein Abklatsch von WUMPSCUT, DOMINION3 und DARGAARD ist für mich ein und das selbe – nicht meins, KREUZWEG OST ist so oder so nur eine schlechte Noise-Collage, HOLLENTHON´s Debut war teilweise ok, aber zu multi-kulturell und abgefahren um es irgendwo als extrem und ‚gut´ zu bezeichnen zu können, abwarten wie das neue Album wird. Gut, das war´s aber jetzt, es gibt gute und schlechte Bands wie überall und ABIGOR wird sicherlich auch nicht jedem zusagen, aber Scheiß drauf.

Dein Side-Project Heidenreich liegt derzeit auf Eis oder gibt es darüber etwas neues zu berichten?

Nein, momentan widme ich mich nur ABIGOR und HELLBOUND, aber ich habe einige programmierte Drumspuren auf meinem Rechner gefunden, vielleicht werde ich diese diesmal wirklich gut ausarbeiten und verfeinern um mit harter Elektronik und extrem verzerrten Gitarren zu versetzen, mal sehen.

Recht herzlichen Dank für das Interview, Peter. Weiterhin viel Erfolg und Glück mit ABIGOR. Deine letzten Worte an die werte Leserschaft?

Danke für das Interesse und die Unstützung. ‘Satanized´ wird voraussichtlich am 5.März über NAPALM veröffentlicht, check it out! Visualize – Fortress – Hell!