Wie lässt sich ein erfolgreicher Album-Release am besten feiern? Richtig: Mit einer bombastischen Tour. Das dachten sich auch THE BUTCHER SISTERS, die im Januar ihr neuestes Werk „Das Schwarze Album“ auf die Menschheit losgelassen haben. Und so machten die Mannheimer am 27. Februar 2026 in Köln Halt und testeten die neuen Songs im ausverkauften Palladium auf ihre Live-Tauglichkeit. Spoiler: Mit Erfolg.
MITTEL ALTA
„Das Palladium macht Palladium-Dinge“, kommentierte ein Konzertbesucher auf Instagram den Auftakt der „Rock, Rap und Zaubershow“ in Köln. Obwohl der Beginn der ausverkauften Show für 19:30 Uhr angekündigt war, stand der erste Support-Act MITTEL ALTA bereits eine halbe Stunde vorher auf der Bühne. Und so bemängelten zahlreiche Fans und Fotografen, dass sie nur die letzten Songs des Mittelalter-Rap-Duos um „Sir Schwanzelot“ und „Sir Gernhardt Reinlunzen“ mitbekamen. Wer die imposante Schlange vor der Location hinter sich gebracht hatte, musste sich in den meisten Fällen mit einem der hinteren Plätze begnügen.
Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch, denn MITTEL ALTA brachten die Halle schon beim ersten Song zum Kochen. In einem eigensinnigen, aber unverwechselbaren Mix aus Kettenhemd, Jogginghose und Sturmhaube tobte die Band über die Bühne und heizte dem Publikum mit Songs wie „Auf dem Dorffest“ ein. Ein bisschen Metal, ein bisschen Rap und eine Prise Techno – das musikalische Repertoire der selbsternannten „Bastard Barden“ ist breit und funktioniert live ausgezeichnet.
Das Publikum, das in vielen Fällen ebenfalls farbenfroh kostümiert war, belohnte den Einsatz der Band mit frenetischem Jubel, Circle-Pits und Zugabe-Rufen. Ein überraschend erfolgreicher Start für eine Kombo, die sich selbst nicht ganz so ernst nimmt.
MITTEL ALTA – Setlist:
- Auf dem Dorffest
- Gelber Schein
- Der Chef ist tot
- Kutsche
- Gerstensaft
- Ficket euch
- Haltet das Maul
- Traubenstampfen
CALLEJON
Ihr seid Millenials, habt eure Jugend im Ruhrgebiet verbracht und lagt schon das eine oder andere Mal im Berentzen-Rausch auf der Festival-Wiese des Olgas-Rock? Dann werden euch CALLEJON definitiv ein Begriff sein. Schon seit über 20 Jahren gehören die Düsseldorfer zu den festen Größen der deutschen Metalcore-Szene. Songs wie „Snake Mountain“ oder „Porn from Spain“ sind den meisten ehemaligen Emo-Kids bis heute im Gedächtnis geblieben. Und so war es nicht verwunderlich, dass viele Besucher im Palladium in ihre alten CALLEJON-Shirts aus der „Willkommen im Beerdigungscafé“-Ära geschlüpft waren.
Nach der bunten, überdrehten Show von MITTEL ALTA schlugen CALLEJON ruhigere Töne an. Zumindest optisch: In dunklen Outfits und vor minimalistischem Bühnenbild legte das Quintett nach einer 15-minütigen Umbaupause mit seiner Show los. In Sachen Spielfreude musste sich die Band aber nicht hinter den anderen Acts des Abends verstecken. Frontman Bastian „Basti“ Sobtzick wirbelte über die Bühne, keifte ins Mikrofon und interagierte gut gelaunt mit dem Publikum. Mal scherzte er, dass er nur mit Applaus trinken könne, dann ließ er das Publikum in die Hocke gehen. Eine Aufforderung, der die Kölner Besucher nur zögernd nachkamen. Kein Wunder, denn die Fans der ersten Stunde dürften die 30 mittlerweile deutlich überschritten haben. Und wie es in diesem Alter mit der Fitness aussieht, wissen wir nicht erst seit der TBS-Single „Ü30“.
Als Basti bei den ersten Takten von „Kind im Nebel“ darum bittet, „Feuerzeuge, Handys und Baustrahler“ zu zücken, sind aber alle wieder dabei. Und tatsächlich flackerte zwischen zahlreichen Displays sogar das eine oder andere Feuerzeug. Ein fast schon magischer Moment, der nur noch von der explodierenden Atmosphäre bei „Porn from Spain 2“ getoppt wurde. Der Song, für den sich CALLEJON vor knapp 13 Jahren KIZ, Mille von KREATOR und Sebastian MADSEN ans Mikro holten, rundete das gelungene Set der Jungs aus Düsseldorf ab und ließ die Crowd noch einmal zur Höchstform auflaufen.
CALLEJON – Setlist:
- Metropolis
- Palmen aus Plastik
- Tor des Todes
- Mary Shelley
- Dunkelherz
- CBRTRK
- Snake Mountain
- Schrei nach Liebe
- Kind im Nebel
- Porn from Spain 2
THE BUTCHER SISTERS
Nach dem Auftritt von CALLEJON hatte das Publikum Stimme und Tanzbein aufgewärmt und auch die Temperatur in der Halle erreichte allmählich tropische Verhältnisse. Perfekte Bedingungen für THE BUTCHER SISTERS, die das „Palladi-dumm“ (O-Ton Stroppo) endgültig zum Kochen bringen sollten. Schon bei den ersten Takten von „Bierosaufus Ex“ war das Publikum kaum noch zu halten. Konfetti, Bierduschen, Crowdsurfer – die feiernde Menge verwandelte sich in einen Hexenkessel aus guter Laune. Zu „Reiner“ wurde eine aufblasbare Babypuppe ins Publikum geworfen, dann landete ein riesiger Ball in der Menge. Am Ende setzte sich Stroppo selbst in ein Schlauchboot und lieferte sich ein Rennen mit einer Besucherin. Er unterlag und kippte aus dem Boot, wurde von der Crowd aber liebevoll aufgefangen. Frei nach dem Motto: „Wer bei TBS stirbt, fliegt raus“.
Bei so viel Action durften aber auch die ruhigen Momente nicht zu kurz kommen. „Klettergerüst“ und ein Cover des 90er-Hits „Genie in a Bottle“ performte Alex an der akustischen Gitarre. „Mein Stern“ spielte die Band in schwarzen adidas-Sackos und Gitarrist David Schneider zeigte eines seiner eindrucksvollen Gitarren-Soli. Das Publikum schunkelte mit, während über der Bühne ein riesiger Mercedes-Stern glühte. Kurz vor Schluss ging es dann aber doch noch mal zur Sache und Alex lieferte sich bei „Drachentöter“ ein episches Battle mit Drachen-Stroppo. Für das CALLEJON-Feature „Detlef D Soost“ kehrte Basti ein letztes Mal auf die Bühne zurück. Und bewies, dass der Song sein volles Potenzial erst live so richtig entfaltet.
Apropos episch: Während der Show zeigte die Band immer wieder kleine Zaubertricks und kündigte ein eigenes Handy-Game an, das im September erscheinen soll. Nach knapp 90 Minuten ließen TBS den Abend in Köln mit „Baggersee“ ausklingen. Die Band gab noch mal alles und auch das Publikum aktivierte die letzten Reserven. Stellenweise fiel es der Security sichtlich schwer, die feierwütige Menge im Zaum zu halten. Aufblasbare Keulen flogen durch die Luft und zwischen Konfetti und Nebel verlor selbst der ambitionierteste Fotograf irgenwann den Überblick. Ein furioser Abend, der dem Titel „Rock, Rap und Zaubershow“ mehr als gerecht wurde.
Fassen wir zusammen: THE BUTCHER SISTERS haben im Palladium einmal mehr bewiesen, dass Qualität und Quatsch sich nicht ausschließen müssen. Ihr eigenwilliger Mix aus Metal, Rap und Blödsinn ist für die Bühne gemacht und sorgt nicht grundlos für ausverkaufte Hallen. Und weil die Fanbase der Jungs aus Mannheim stetig wächst, sollten sie für die nächste Tour jetzt schon mal eine größere Halle buchen.
THE BUTCHER SISTERS – Setlist:
- Bierosaufus Ex
- UGA UGA BAM BAM
- Herr Dokter
- Bierdurst
- Reiner
- Sonnebrille
- White Monster
- Klettergerüst
- Cityroller
- Bauchtasche
- Der Nudelsong
- Detlef D Soost
- Freitag
- Mein Stern
- Drachentöter
- Baggersee