WINTERSUN: Time I

WINTERSUN: Time I

Na das ging ja schnell. Gerade mal acht Jahre nach ihrem selbstbetitelten Debütalbum haben WINTERSUN schon ihr zweites Werk am Start. Wie schaffen die das nur? Spaß beiseite. Erstmal. Time war ja schon so etwas wie das Chinese Democracy des finnischen Bombast-Gedudels, so lange wie die Scheibe schon angekündigt und verschoben, zwischendurch mal vorgezogen, dann doch wieder nach hinten verlegt, dann doch wieder nach vorne gezogen wurde. Man hat ja irgendwie gar nicht mehr damit gerechnet, dass da wirklich irgendwann noch Musik veröffentlicht wird. Dafür hat Herr Mäenpää inzwischen aber immerhin über achtzig Minuten an Material komponiert, so dass das Album nun sogar zum Zweiteiler wird. Achtzig Minuten wären auf einmal einfach zu schwer zu verdauen. Aha. Sagt doch einfach ehrlich Hey, da können wir auch zwei Alben draus machen, ich muss schließlich acht Jahre Mietrückstand aufholen oder glaubt ihr ich hab zwischendurch noch gearbeitet? Bemerkenswert ist, dass es in den acht Jahren nur einen Line Up-Wechsel gab. Bassist Oliver Fokin verließ die Band 2004 und wurde durch Jukka Koskinen ersetzt. Der Opener heißt – Aaaaaachtung – When Time Fades Away. Ach Leute, ich könnte noch stundenlang so weiter machen, die schlechten Witze und Anspielungen würden mir sicher nicht ausgehen. Aber ich hör jetzt mal auf damit.

Von der Grundausrichtung bleiben WINTERSUN beim Sound ihres Debütalbums, fahren allerdings hier deutlich mehr Folk- und Orchester-Elemente auf. Der Opener – bereits genanntes When Time Fades Away – ist ein vierminütiges Instrumentalstück. Pauken, Streicher, Harfen – das volle Programm und eine gelungene Einstimmung auf den ersten richtigen Song, das dreizehn Minuten lange Sons Of Winter And Stars. Dieser führt das Thema des Intros erst weiter, bevor der Hörer dann vom rasanten, typischen WINTERSUN-Sound überrannt wird, flankiert natürlich von massiven Schichten aus Orchester- und Folk-Instrumenten. Vom Bombast-Faktor ist man nicht mehr weit von den Italienern RHAPSODY (OF FIRE) in all ihren Reinkarnationen entfernt, nur dass der Metal-Anteil bei WINTERSUN natürlich eine ganze Ecke härter ist. Jari Mäenpää zeigt sich hier als fähiger Komponist und Musiker und schafft es auch, die drei überlangen Songs spannend zu arrangieren. Rasante Passagen mit Keifgesang, mächtiger Bombast und Heldentenor, ruhige, folkige Stellen zum entspannen und durchatmen – all das packen die Finnen in nur einen Song.

Land Of Snow And Sorrow ist majestätisch, episch mit Chören und viel klarem Leadgesang. Allgemein hat sich der Anteil an klarem Gesang auf dem zweiten Album der Finnen deutlich erhöht. Für Fans von bombastischem Metal dürfte Time I sicher zu den Highlights des Jahres zählen. Das was WINTERSUN hier abliefern, ist wirklich sehr gut. Das Wort Meisterwerk und weitere, völlig überzogene Promo-Floskeln aus dem Label-Info halte ich hier allerdings nicht für angebracht. Das erste Album der Finnen war meiner Meinung nach schon arg überbewertet. Ein gutes Album – keine Frage – aber noch lange nicht das Meisterwerk, zu dem es hochstilisiert wurde. Und eben so eines ist meiner Meinung auch Time I nicht. Muss es auch gar nicht. Wie gesagt, das zweite Album der Band ist eine gelungene Mischung aus melodischem Death Metal, epischem Metal und jeder Menge Soundtrack-Bombast. Wie gesagt, für Genre-Fans ist Time I sicher ein Pflichtkauf. Und die Wartezeit auf das dritte Album ist kurz, denn der zweite Teil ist schließlich schon für nächstes Jahr angekündigt. Und da das Material ja schon komplett ist, kann man wohl davon ausgehen, dass es nicht wieder zu Verschiebungen kommt. Mit WINTERSUN ist also definitiv wieder zu rechnen!

Veröffentlichungstermin: 12.10.2012

Spielzeit: 40:09 Min.

Line-Up:
Jari Mäenpää – vocals, guitars, keyboards
Teemu Mäntysaari – guitars
Jukka Koskinen – bass
Kai Hahto – drums
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.wintersun.fi

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/wintersun

Tracklist:
01. When Time Fades Away
02. Sons of Winter and Stars
03. Land of Snow and Sorrow
04. Darkness and Frost
05. Time

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.