SAXON: The EMI Years (1985-1988) [4CD]

SAXON: The EMI Years (1985-1988) [4CD]

Vom Metal-like Cover sollte man sich nicht täuschen lassen, mit den bei EMI erschienenen SAXON-Alben ging es in den 80ern deutlich Richtung Mainstream-Rock. Das war nicht gerade die beliebteste Zeit bei den Fans, für Metalheads war das Poser-Musik und den Poser-Rockern war noch zu viel Metal drin, die NWobHM-Helden hatten es echt nicht leicht damals. SAXON sind immer noch eine der aktivsten Bands der alten Riege, und nach dem die drei EMI-Alben Innocence Is No Excuse, Rock The Nations und Destiny Anfang 2010 bereits neu aufgelegt wurden, gibt es sie nun noch mal gemeinsam in einem Paket. Wer also immer noch nicht nachgerüstet hat, der sollte es spätestens jetzt nachholen.  

Nachdem The Carrere Years 1979-1984 bereits die frühen, wichtigsten Alben der Engländer beinhaltete, sind nun wie gesagt die Poser-Alben dran. Klar, hier sind nun passend zur damaligen Zielgruppe kraftlose Gitarren im Seifenblasensound angesagt, verhallte Drums, Melodien zum Mitsummen im Frühstücksradio. Beim 85er Innocence Is No Excuse hängt die Band noch etwas zwischen den Stühlen, als wüssten die Herren selbst nicht, ob sie das so wollen, wie es von ihnen erwartet wird. Dabei findet man so manchen Rocker, der auch heute noch immer mal wieder live gespielt wird und auch die Skeptiker damals noch bei Laune halten konnte. Back On The Streets, Rock`n´Roll Gypsy oder auch die gelungene Ballade Broken Heroes sind auch heute noch Meilensteine der Bandgeschichte. Das ein Jahr später nachgeschobene Album Rock The Nations kommt ohne herausragende Songs aus, wirkt aber weitaus kompakter, stimmiger und nicht so unschlüssig wie der Vorgänger. Dabei klingt man noch mehr auf den amerikanischen Massenmarkt zugeschnitten. Das erklärt dann auch einen so albernen Rock`n´Roll wie Party Til You Puke,  den von den alten Fans keiner brauchte, sofern er nicht heimlicher Grease-Fan war. Punkten kann dagegen die Ballade Northern Lady, die entgegen dem Titel einen für SAXON untypische Southern Rock-Touch mitbringt. Ebenso US-orientiert war dann auch der 88er Nachfolger. Das zeigt schon der CHRISTOPHER CROSS-Song Ride Like The Wind als Opener, welcher der Band tatsächlich gut steht. Das von Radiokompatiblen Melodien durchtränkte I Can´t Wait Anymore hat mich gar heute so weit gebracht, das poppigste selbstbetitelte 87er Album der einzig wahren Metal-Queen LEE AARON zu hören, wurde mal wieder Zeit. Auch hier sticht die tolle, melancholische Ballade Song For Emma heraus, oder auch das druckvolle For Whow The Bells Tolls mit deutlichem Gruß Richtung THIN LIZZY. Manche Songs werden hier etwas unter Wert verkauft, da sie schlichtweg zu lang geraten sind.

Aber wie man es auch dreht, heute sieht man die Alben eh anders als damals als junger Wilder, die drei Scheiben bieten reichlich gute Songs, die etwas schwächeren Stücke kann man heute durchaus überhören. Zudem kommen die Alben mit seltenen Live-, B-Seiten und Singleversionen als Bonus, sofern man sie nicht bereits auf den fast identischen 2010er Re-Releases mitgenommen hat. Der Abschuss und daher echt hörenswert bleibt hier The Medley vom ersten Album, wo die Band die Songs so langsam und ungefährlich spielt, dass man nicht weiß, ob man darüber lachen oder heulen soll. Bloß keinem weh tun, damit auch die breite Masse nicht erschreckt wird. Wo sonst bei jedem Metalhead bei Heavy Metal Thunder ohne Umwege die Faust gen Himmel geht und der Kopf geschüttelt wird, kann man hier entspannt den Kochlöffel schwingen, wenn der Klassiker angestimmt wird mit der Energie eines Hasenpups. Den wirklich bedeutenden Bonus bekommt man aber mit der zweiten CD, hier gibt es einen Livemitschnitt vom BBC Concert 1985 im Londoner Hammersmith. Auf der Tour zu Innocence Is No Excuse zeigen sich Band und Publikum in bester Laune, die aktuellen Songs bekommen live mehr Pepp und fügen sich gut bei den natürlich gespielten HWOBHM-Klassikern ein. Der Sound ist gut, die Band ist voll da, Frontmann Biff Byford ist ebenfalls gut drauf. SAXON-Fans kriegen hier genau das, was sie an der Band  lieben. Das Vierer-Package ist zudem wieder nett aufgemacht mit vielen Fotos, Interview mit der Band usw.

Wer als Fan bisher einen Bogen gemacht hat um diese Phase der Engländer, der kann nun, auch dank des fairen Preises, endgültig nachrüsten. Wer die Re-Releases von 2010 gekauft hat, der muss abwägen, aber das tolle Konzert macht es schwer, das Package liegen zu lassen, der Download nur der Live-CD kostet auch nicht viel weniger. Jungmetaller, die erst jetzt die alten Helden für sich entdecken, sollten aber definitiv zuerst zu den frühen SAXON-Alben greifen, da am besten gleich zum The Carrere Years 1979-1984-Package. 

Veröffentlichungstermin: 08.06.2012

Spielzeit: 63:55 / 73:25 / 61:37 / 64:12 Min.

Line-Up:
Innocence Is No Excuse (1985):
Biff Byford – Vocals
Graham Oliver – Guitar
Paul Quinn – Guitar
Steve Dawson – Bass
Nigel Glockler – Drums

Rock The Nations (1986):
Biff Byford – Vocals, Bass
Paul Quinn – Gitarre
Graham Oliver – Gitarre
Nigel Glocker – Drums

Destiny (1988):
Biff Byford – Vocals
Paul Quinn – Gitarre, Synth Gitarre
Graham Oliver – Gitarre
Paul Johnson – Bass
Nigel Durham – Drums
Stephen Lans-Clifford – Keyboards

Label: EMI

Homepage: http://www.saxon747.com

Tracklist:
CD 1: Innocence Is No Excuse
1. Rockin´ Again
2. Call Of The Wild
3. Back On The Streets
4. Devil Rides Out
5. Rock`n´Roll Gypsy
6. Broken Heroes
7. Gonna Shout
8. Everybody Up
9. Raise Some Hell
10. Give It Everything You´ve Got
11. Back On The Streets (12´ Club Mix)
12. Live Fast Die Young
13. Krakatoa
14. The Medley

CD 2: BBC Concert, Hammersmith, London, 1985
1. Back On The Streets
2. Dallas 1 P.M.
3. The Devil Rides Out
4. Power And The Glory
5. Broken Heroes
6. And The Bands Played On
7. Crusader
8. Princess Of The Night
9. Wheels Of Steel
10. Rockin´ Again
11. Strong Arm Of The Law
12. 747 (Strangers In The Night)

CD 3: Rock The Nations
1. Rock The Nations
2. Battle Cry
3. Waiting For The Night
4. We Came Here To Rock
5. You Ain´t No Angel
6. Running Hot
7. Party Til You Puke
8. Empty Promises
9. Northern Lady
10. Chase The Fade
11. Waiting For The Night (7´ Version)
12. Northern Lady (7` Version)
13. Everybody Up (Live)
14. Dallas 1 p.m. (Live In Madrid)

CD 4: Destiny
1. Ride Like The Wind
2. Where The Lightning Strikes
3. I Can´t Wait Anymore
4. Calm Before The Storm
5. S.O.S.
6. Song For Emma
7. For Whom The Bell Tolls
8. We Are Strong
9. Jericho Siren
10. Red Alert
11. I Can´t Wait Anymore (12´ Mix)
12. Rock The Nations (Live At Hammersmith, London)
13. Broken Heroes (Live In Madrid)
14. Gonna Shout (Live In Madrid)

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.