JUPITER JONES: Holiday in Catatonia [CD + DVD]

Erstaunlich tiefer Alternative-Punk mit Herz und Hirn

Ob meine Sympathie für JUPITER JONES nur durch den Namen begründet ist? Immerhin ist JUPITER JONES der Name von Justus Jonas in den englischen Originalbüchern der DREI FRAGEZEICHEN und das bandeigene Label trägt den schönen Namen MATHILDAS UND TITUS TONTRÄGER. Ein Kleinod für Hörspielfreunde? Davon abgesehen haben JUPITER JONES auch für jemanden, der Bands wie KETTCAR, VIRGINIA JETZT! und so weiter und so fort nicht wirklich mag, hörbare Musik parat. Und nicht nur hörbar. Denn Holiday in Catatonia ist ein Album geglückt, das zwischen melodischem und derbem Deutschpunk, zwischen nachdenklichem Alternativerock, zwischen Melancholie und Lebensfreude hin und her pendelt und ganz einfach einen Haufen toller Songs und Texte bereit hält.

Und jede Facette von JUPITER JONES hat wieder ihre Qualitäten. Das zu wissen, Das Jahr in dem ich schlief und Du und Jörg Haider knallen gleich beim ersten Hören voll und haben genügend Energie um glaubhaft zu verdeutlichen, dass JUPITER JONES ihre Wurzeln nie verleugnen können. Gerade Das Jahr in dem ich schlief hat eine gnadenlos gute Hookline und als Sahnehäubchen einen schönen Gastauftritt von Oliver Justus Jonas Rohrbeck. Auch Du und Jörg Haider hat einen Refrain parat, der einerseits nicht mehr aus dem Kopf geht, andererseits auch ein wenig unbequem wirkt. Weniger heftig aber dank schlauer und liebevoller Instrumentierung ebenso mitreißende Stücke wie Eine Landjugend und Da leiden hier leiden haben einen deutlichen Wohlfühleffekt. Perfekt für warme Sommertage.

Großes Kino bieten auch die etwas ruhigeren Stücke wie Was anders war, Wer winkt hier eigentlich wem und das abschließende, Und dann leiden. Hier wird deutlich: Punkrock ist nicht nur Radau. Vielleicht sind JUPITER JONES in den sieben Jahren ihres Bestehens auch einfach nur ein wenig erwachsen geworden? Für diese These sprechen einige Punkte. Denn der Gesang von Nicholas Müller klingt nicht nach einem biersaufendem Iroträger, sondern ist erstaunlich reif und charismatisch, ebenso wie seine schönen Texte, die keine große Philosophie bieten, aber vor allem kein trivialer Müll sind, wie es von genügend anderen deutschen Bands bereits verbrochen wurde.

JUPITER JONES zeigen sich auch musikalisch gereift, der Einsatz von Hammond-Orgeln, Kontrabass, Bläsern und Synthesizern verwässern das Gesamtbild nicht, sondern erweitern das Gesamtbild an diesen Stellen immer sinnvoll. Holiday in Catatonia ist somit gleichermaßen kurzweilig, als auch irgendwie anspruchsvoll, abwechslungsreich und doch mit einem recht geschlossenen Gesamteindruck, zumindest verglichen mit ihren Gitarre spielenden Landsleuten. Als Bonus gibt es zum Album noch eine DVD mit einem netten Videoclip und dem fünfundvierzigminütigem Making Of des Albums. Das ist nicht essentiell, aber unterhaltsam und durchaus witzig.

Kurz und schmerzlos: Freunde von cleverem Punkrock, mit Blicken weit über den Tellerrand hinaus, sollten sich das farbenfrohe und bissige Drittwerk von JUPITER JONES Holiday in Catatonia unbedingt ins Regal stellen.

Veröffentlichungstermin: 22. Mai 2009

Spielzeit: 43:44 + ca. 50:00 Min.

Line-Up:
Nicolas Müller – Gesang, Gitarre
Sascha Eigner – Gitarre
Michael Stadtfeld – Bass
Marco Hontheim – Drums

Produziert von Wolfgang Stach
Label: Mathildas und Titus Tonträger

Homepage: Mathihttp://www.jupiter-jones.de

MySpace: http://www.myspace.com/jupiterjones

Tracklist:
1. Das zu wissen
2. Das Jahr in dem ich schlief
3. Was anders war
4. Eine Landjugend
5. Nordpol / Südpol
6. Er lässt doch immer alles fallen
7. Du und Jörg Haider
8. Da leiden hier leiden
9. Wer winkt hier eigentlich wem
10. Heute ist der erste Tag an dem ich mich offiziell alt fühle
11. Und dann warten