HORNS OF DOMINATION: Where Voices Leave No Echo

Eine große Platte, die aber einiger Annäherung meinerseits bedurfte

Was war die Vorfreude groß, als nach dem fantastischen Demo-Tape aus dem Jahr 2015 endlich das neue Album von HORNS OF DOMINATION angekündigt wurde! Dann erscheint es, und dann – was ist denn jetzt los? Wo ist die wunderbare Knarzigkeit, die heftige Ruppigkeit der Demo-Tracks? Das Album “Where Voices leave no Echo” klingt wie von einer völlig anderen Band. Ich fange furchtbar an zu fremdeln. Aber es folgt die Geschichte einer erfolgreichen Annäherung.

Die Band hat offenbar unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Entwicklung genommen, für die andere Bands drei Alben und mehrere Besetzungswechsel brauchen. Während wir noch auf dem Demo-Tape der Band quasi live beim lustvollen Zertrümmern der Jugendzimmer-Einrichtung zuschauen durften, läuten die Franken nun mit Erscheinen des Debüt-Albums übergangslos ihr erwachsenes Spätwerk ein.

Ok, man hat es natürlich auch nicht mit Jungspunden zu tun, die Musiker haben Erfahrungen in Bands wie EXCORIATE, VENENUM oder KRATER und eigentlich ist das Ganze dann aus diesem Blickwinkel vielleicht doch nicht so überraschend. Und eigentlich bin ich ja bei Rumpel-Produktionen auch immer überkritisch, aber vielleicht hat mich das Tape gerade deswegen so beeindruckt, weil es mir trotz des Kohlenkeller-Sounds so gut gefallen hatte. Und jetzt liefern sie eine der klaren, aber dennoch warmen Produktionen, die ich eigentlich immer abfeiere, und das obwohl ich schon die Schippe für den Kohlenkeller bereit gestellt hatte – was für ein Dilemma!

Klarheit und Präzision

Nachdem das nun eine Weile in mein Bewusstsein eingesackt ist, ich das Album ein paar Wochen lang hören konnte, wurde aber immer klarer, dass „Where Voices leave no Echo“ nur mit dieser Klarheit und Präzision zu dem Album werden konnte, was es nun ist: Ambitionierter, düsterer Metal mit Death-Fundament, ohne Scheuklappen und mit viel Musikalität und Tiefe.

Somit ist die Band hier auf einer Linie mit anderen aktuellen Death Metal Alben, die mit der Abkehr vom HM2-Sound und fast klassischem Rocksound arbeiten und damit ihrer Musik deutlich mehr Tiefe verleihen, als es pure die pure Old-School-Brutalität mit ihrer ganzen Abgenutztheit heutzutage noch zu liefern in der Lage wäre. Also ein richtiger und nachvollziehbarer Schritt.

Aber man muss im Licht der Klarheit dann auch entsprechende Kreativität bieten, sonst steht man schnell recht nackt da. Diese Gefahr besteht bei den Franken allerdings zu keiner Zeit, denn die gut 36 Minuten bieten eine ganze Menge an hervorragender und intensiver Musik.

„Where Voices leave no Echo“ gleicht einer Entdeckungsreise zwischen Schönheit und Schwärze

Den Rahmen bilden ausufernde Arrangements wie in „Oscillating“ auf der eine Seite (man höre nur den wunderbaren Melodie-Part ab Minute 1:53), ganz im Stile von den bereits genannten VENENUM oder auch zuletzt CHAPEL OF DISEASE und harte, schnelle Tracks wie „No beyond (For Noone)“ (bereits vom Demo-Tape bekannt, aber hier mit gänzlich anderer Wirkung) auf der anderen Seite, dazwischen gibt es viel Atmosphäre, die immer wieder mit Blastbeats aufgebrochen wird, viel wirklich hervorragende Gitarren-Arbeit mit vielschichtigen Riffs und Melodien, die das Album zu einer Entdeckungsreise zwischen Schönheit und Schwärze werden lassen, die so nicht zu erwarten war.

Das Highlight bietet dann das auch bereits vom Demo bekannte „Throne of Ecstasy“ als letzter Track, der nochmal alle Qualitäten der Band vereint und mit seiner Wuchtigkeit dann auch die Energie des Demo-Tapes zurückbringt und es vollends schafft, mich mit der Platte zu versöhnen, ja, mehr als das, am Ende bin ich froh, dass das Album so ist, wie es ist. Denn nur so werden die herausragenden Qualitäten der Band im Songwriting wirklich sichtbar und gehen nicht im Furor des juvenilen Lärms unter.

Dann hoffen wir mal, dass die Band nicht wieder sechs Jahr für die nächste Platte braucht und dann quasi der bisherigen Logik folgend ein Werk mit Punk-Cover-Versionen oder sowas präsentiert, wie es andere Bands zum Ende der Karriere nach drei Trennungen und Reunions im ganz hohen Alter veröffentlichen, um die verlorene Jugend wieder zu beleben…

Bis dahin haben wir aber immerhin mit dem hier vorliegenden Werk eine ganz große Platte!

Release Date: 22.10.2021
Label: Sepulchral Voice Resords

Line Up:
C.G – Vocals, guitar
D.P. – Guitar, Bass
DS.E – Drums, Vocals

HORNS OF DOMINATION “Where Voices Leave No Echo” Tracklist

1. No Beyond (For No One) (Audio bei YouTube)
2. Vanish
3. Untamed
4. Oscillating
5. Cold Breath
6. Where Voices Leave No Echo
7. Die Here, In Solitude (Audio bei YouTube)
8. Throne of Ecstasy

https://hornsofdomination.bandcamp.com/