HERRATIK: Compromise Gone

HERRATIK: Compromise Gone

Australischer Metal ist ja nicht gerade bekannt für seine Exportfreudigkeit. Kaum eine Band, die etwas heftiger als die Urgroßväter AC/DC  oder deren Quasi-Sprösslinge AIRBOURNE in die Saiten haut, schafft den Sprung aus der regionalen Szene heraus nach Europa, einmal abgesehen von Blackies wie DESTRÖYER 666. Warum? stellt sich die Frage. Fehlt es der lokalen Musikszene etwa einfach an jungen, aufbrausenden Metallern oder ist Australien doch zu weitläufig und damit die Wahrscheinlichkeit zu gering, dass sich gleichgesinnten Leuten über den Weg laufen? Letzteres lässt sich zumindest vermuten, wenn man bedenkt, dass das Line Up von HERRATIK seit 1998 keine großen Veränderungen an den drei Saiteninstrumenten hinnehmen musste. In dieser beachtlichen Zeitspanne entstand bereits unter dem Banner von ABORTUS Material, und somit hat man es streng genommen bei Compromise Gone nicht mit dem zweiten Output, sondern mit Album Nummero Vier zu tun. Und diese gewisse Erfahrung hört man ihnen auch direkt an.

Die Band präsentiert sich eingespielt und zeigt direkt mit dem Opener Enough wo die Reise hingeht. Treibende Thrash Riffs mit melodischer (Schweden-)Schlagseite treffen auf eine kraftvolle Stimme, die sich irgendwo zwischen Hardcore und Death Metal breitgemacht hat. Die Riffs gehen durchaus in Ordnung, meißeln sich zwar nicht gerade zwingend in die Gehörgänge ein, verursachen jedoch leichte Schwingungen im Nackenbereich, die durch gelegentliche Tempovariationen erzeugt werden. Besonders die prägnante Schlagzeugdarbietung trägt einen Großteil zur Dynamik der Songs bei. Das Spektrum vom Ex-MYSTIC CIRCLE Drummer reicht dabei von stumpf, alles nieder walzenden Double Bass Parts bis zu vertrackten Taktspielerein (Closed Book Open Wrist), weiß aber durchgängig zu gefallen. Und auch die Gitarrenabteilung zeigt, dass sie bei weitem nicht auf eine Schiene limitiert ist, wie man vielleicht voreilig schlussfolgern könnte. Immer wieder stechen die Leads aus dem Einheitsbrei (Talk so Much Say Nothing) heraus, deren Wurzeln irgendwo im Heavy Metal der 80ziger zu finden sind und dennoch nicht fehl platziert wirken.

Warum das Album trotzdem bis auf wenige Ausnahmen (Good Things Come To Those Who Hate – welches die Auszeichnung für den dümmsten Liedtitel gewinnt) keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, kann man an altbekannten Eckpfeilern festmachen. Das Songwriting ist zwar kurzweilig gehalten und an jeder Ecke passiert etwas, doch wirkliche Tiefe besitzen die Werke bei weitem nicht. Recht häufig greift man auf die gleichen, innovationsleeren Elemente zurück, wie zum Beispiel im Gesang, der es zu keiner Zeit schafft, über seinen eigenen Schatten zu springen und die Abwechslung scheut.
Insgesamt regiert bei HERRATIK auf allen Ebenen der gehobene Durchschnitt mit kleineren Ausreißern nach oben, die jedoch umgehend von unnötigen Füllmaterial (Filth in Numbers) wieder ausgeglichen werden. Der ein oder andere Death/Thrash-Fanatiker kann hier also durchaus mal ein Ohr riskieren, sollte aber keine Sensationen erwarten.

Veröffentlichungstermin: 21.10.2011

Spielzeit: 31:03 Min.

Line-Up:

George Kozaroski – Bass
Wader – Guitars
George Trajkovski – Guitars
Mark White – Vocals
Necrodemon – Drums

Label: Battlegod Productions

Homepage: http://www.herratik.com

Tracklist:

01. Intro
02. Enough
03. Bottom Feeder
04. End of Compromise
05. Closed Book … Opened Wrist
06. Talk So Much … Say Nothing
07. Filth in Numbers
08. Good Things Come to Those Who Hate
09. The Fall
10. The Zone