END OF GREEN: Dead End Dreaming

END OF GREEN: Dead End Dreaming

Selten habe ich ein Infoblatt zu einer CD gelesen, bei dem ich derart den Drang verspürte, dieses einfach komplett abzutippen und vollkommen damit zufrieden zu sein. Aber ich will es bei zwei Zitaten belassen: Musik die nicht berührt ist Zeitverschwendung (Leister Simmons) und Schwarz ist das neue schwarz. Gerade zweiter Satz passt perfekt zu Dead End Dreaming. Denn auch wenn das neue Album zu hundert Prozent das ENDE VON GRÜN bedeutet, unterscheidet es sich von den beiden Vorgängern doch deutlich.

Das kann natürlich Positives und Negatives bedeuten. Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass einige Leute ab jetzt nicht mehr behaupten können, END OF GREEN hätten in ihrer Karriere letztendlich auch nur drei Songs geschrieben. Diese These belegt eigentlich nur noch Speed my Drug, das irgendwo an einer Abfahrt zum Highway 69 angesiedelt sein dürfte – noch dieselbe Straße, noch derselbe Belag, aber mit einer leichten Geschwindigkeitsbeschränkung versehen und dem Ende der Reise zustrebend.

Ansonsten scheint die süddeutsche Dark-Rock-Formation in einem echten Kreativitätshoch zu stecken. Ist der Opener No Coming Home dabei noch relativ verhalten und mit schönen TYPE O-Vocals versehen, zeigt Dead End Hero die Entschlossenheit der Truppe. Einen derart auf den Punkt gebrachten und dabei total mitreißenden Hit haben END OF GREEN in ihrer Karriere wirklich noch nicht abgeliefert. Tatsächlich die perfekte Single-Auskopplung, die man ab jetzt eigentlich in jeder Metal-Disse ins feste Programm aufnehmen sollte. Dead End Hero verdeutlich dabei den aktuellen Weg der Band. Denn auf der einen Seite ist man sich vollkommen treu geblieben, auf der anderen Seite wirkt Dead End Hero leichter zugänglich und positiver. Trotz tiefmelancholischer Texte ist das neue Album kein derartiger Kopfschuss wie es Last Night on Earth noch war. Auch wenn bereits auf den früheren Werken echte Party-Rocker am Start waren, so ist Dead End Hero das idealere Album um die Verkommenheit unserer Welt zu feiern. Dazu passt auch, dass Weakness und Drink myself to sleep einen deutlichen SENTENCED-Einschlag besitzen und zusammen mit dem Text des zweitgenannten Smashers, könnte dieser wirklich fast schon original aus der Feder der Finnen stammen. Wenn END OF GREEN eben nicht END OF GREEN wären und es einfach bei jedem Song schaffen ihre Eigenständigkeit zu bewahren.

Schade finde ich persönlich halt, dass die Band durch diese Richtung ihre Doom-Kante, die mir gerade immer imponiert hat, fast komplett abgelegt hat. Auch wenn man mit All about nothing am Ende nochmal ruhigere Töne anschlägt, kann der Track mit Galgenstricken wie I Hate oder Emptiness/Lost Control zu keinem Zeitpunkt mithalten. Mit Queen of my Dreams vielleicht, na gut.

Sehr gut zu Gesicht stehen den Songs dafür aber die produktionstechnisch fantastisch eingebundenen Akustikgitarren, die ich im Gegensatz zu unserem Rachendrachen nicht als steril empfinde, sondern als starke Charakteristiken in den Songs. Da dieser ansonsten die einzelnen Stücke schon hervorragend in seinem Bericht zur Listeningsession beschrieben hat, will ich gar nicht mehr auf jeden einzelnen Song eingehen.

Das, was Dead End Dreaming richtig überzeugend macht ist, dass man es endlich mal wieder mit einem Album zu tun hat, bei dem jeder einzelne Song sein Eigenleben besitzt, das aber dennoch als Gesamtwerk funktioniert. Hier reiht sich Highlight an Highlight, wenngleich ich den Vorgänger noch etwas weiter oben ansiedle. Aber das dachte ich zunächst auch bei Last Night on Earth, von daher muss man vielleicht einfach mal abwarten. Wobei Dead End Dreaming vermutlich nicht das Album sein wird, das einem beim Autofahren fast dazu zwingt rechts ran zu fahren, weil einem die Tränchen die Wangen runterkullern, wie es eben beim letzten Meisterwerk der Fall war. Vielleicht kann man das so beschreiben: war Last Night on Earth ein von langer Hand geplagter Suizid, so ist Dead End Dreaming eher ein Auto-Erotischer Unfall. Ahmm….nicht jedem ist es in die Wiege gelegt, passende Vergleiche aus dem Ärmel zu schütteln, also lasst ein bisschen eure Fantasie walten….

Hit!

Veröffentlichungstermin: 22.08.05

Spielzeit: 52:27 Min.

Line-Up:
Michelle Darkness – Vocals/Guitar

Rainer Hampel – Bass

Oliver Merkle – Guitar

Michael Setzer – Guitar

Matthias Siffermann – Drums

Produziert von Alexander Krull
Label: Silverdust / Soulfood

Hompage: http://www.endofgreen.de

Tracklist:
1. No Coming Home

2. Dead End Hero

3. Speed my Drug

4. Cure my Pain

5. Weakness

6. Sad Song

7. So Many Voices

8. Sick One

9. She´s Wild

10. Drink myself to Sleep

11. All about Nothing

Fierce
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