ELOA VADAATH: A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands

ELOA VADAATH: A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands

ELOA VADAATH machen es mir nicht gerade einfach. Einerseits ist „A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands“ ein komplexes, kreatives Mammutwerk, das mit Folk Metal weit weniger zu tun hat, als das Bandlogo und Artwork suggerieren. Aber dann sind da noch einige Ungereimtheiten, die mehr sind als bloße Schönheitsfehler und die deshalb auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den zwiespältigen Charakter dieses Debütalbums haben.

In Sachen Instrumentierung und Arrangements geben sich die Italiener nur mit dem Maximum zufrieden. Sakrale Chorgesänge im Intro, ein Orchester im tollen Instrumental-Interlude „The Temptation Chronicles“, und dazwischen blitzen immer wieder Geigen und Pianoklänge auf; man betrachte nur das progressive „64 A.D. – Le Flambeau“. Progressiv ist ohnehin ein gutes Stichwort, schließlich sind die Arrangements zumeist komplex und gespickt mit Details. Laut-leise-Dynamik spielt eine ebenso große Rolle wie Tempowechsel oder exotische Instrumente.

ELOA VADAATH haben beim Klargesang noch Nachholbedarf

Kleinere Folk-Anleihen sind zwar durchaus vertreten, oft erinnern ELOA VADAATH aber an OPETH zu deren Anfangszeiten. Nur eben nicht ganz so ausladend und songschreiberisch virtuos. Und doch kann man dem schaurigen Akustikpart von „The Navidson Record“ und den Gitarren in „Coalesce Part I: A Perverter Among The Kainites“ eine gewisse Nähe zu den Schweden nicht absprechen. Der Klargesang in „What Are You Seeing On Your Fork?“ ruft dann bisweilen gar Reminiszenzen an ORPHANED LAND hervor. An Abwechslung mangelt es „A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands“ also nicht.

Trotzdem hat das Album so seine Makel, die schon beim Gesang ihren Anfang nehmen. Gehen die eintönigen Growls von Marco Paltanin, der beim Kehlgesang übrigens eine ähnliche Stimmfarbe wie Warlord Nydgård (TURISAS) hat, noch in Ordnung, so gibt es gerade beim spärlich verwendeten Klargesang noch immensen Nachholbedarf. Der ist zwar selten so komplett neben der Spur wie in „Towers Of Silence“, lässt jedoch gegenwärtig noch das nötige Charisma vermissen.

„A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands“ ist nicht immer schlüssig

Hinzu kommen ab und an kleinere Probleme bei der sinnvollen Einbindung der Violine, die nicht immer glücklich wirkt, teils sogar aufgesetzt mit dem primären Zweck, das Klangbild vertrackter zu gestalten. Vor allem hier sollten sich ELOA VADAATH um ein schlüssigeres Gesamtwerk bemühen. Gelingt dies mit ihrem nächsten Album, das dann hoffentlich auch produktionstechnisch in Sachen Schlagzeug und Rhythmusgitarren zulegt, dann bin ich mir sicher, dass sich mein Zwiespalt in Wohlgefallen auflösen wird. Antesten darf „A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands“ trotzdem jeder, der progressivem Death Metal abseits der gewöhnlichen Pfade eine Chance geben möchte.

Veröffentlichungstermin: 31.03.2010

Spielzeit: 53:01 Min.

Line-Up:

Marco Paltanin – Vocals, Guitars, Tabla, Sitar
Riccardo Paltanin – Violine, E-Geige, Keyboards, Vocals
Nicolò Cavallaro – Bass, Vocals
Mirko Cirelli – Drums, Percussions

Produziert von Riccardo Paltanin, Mirko Cirelli und Marco Paltanin
Label: West Witch Records

ELOA VADAATH „A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands“ Tracklist

01. Coalesce: A Murmuring Plight Of Nephilims (Intro)
02. Coalesce Part I: A Perverter Among The Kainites
03. 64 A.D. – Le Flambeau
04. The Navidson Record
05. Elysian Fields
06. The Temptation Chronicles
07. What Are You Seeing On Your Fork?
08. Uncontamined
09. Towers Of Silence
10. A Bare Reminiscence Of Infected Wonderlands
11. Coalesce Part II

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.