DOMINUM: Hey Living People

Ein gutes Gespür für eingängige Arrangements hilft nur bedingt, wenn ansonsten aktue Blutarmut herrscht. DOMINUM agieren auf ihrem Debüt kalkuliert und risikoscheu.

Es braucht schon eine gesunde Portion Humor, dem eigenen Projekt ein „Doktor Frankenstein und seine Zombies“-Konzept verpassen, wenn dieses Gimmick doch unverändert auf den musikalischen Output übertragbar wäre. Obwohl DOMINUM gerade ihr Debütalbum vorlegen, kommt die Gruppe um Frontmann Felix Heldt alias Dr. Dead aber keineswegs aus dem Nichts. Immerhin hat selbiger im deutschen Metal-Zirkus schon seit geraumer Zeit als Produzent und Songschreiber seine Finger im Spiel. Der Labeldeal mit Napalm Records ist aufgrund vergangener Beziehungen (u.a. DARTAGNAN, FEUERSCHWANZ) folglich mehr logischer Schritt als Überraschung.

Solche sind auf einem durchkalkulierten Album wie „Hey Living People“ ohnehin nicht erwünscht. Das Frontcover: ein Bandfoto; der Titel: zugleich ein holpriger Versuch, eine Art Slogan bzw. Catchphrase zu etablieren. Dementsprechend risikoarm und glattgebügelt gestalten sich die 13 Tracks inklusive dreier bemühter Cover-Versionen. Vor allem „You Spin Me Round (Like A Record)“ (DEAD OR ALIVE) und “Bad Guy” (BILLY EILISH) wirken trotz Rock-Korsett im eigentlich so harmonisch konzipierten Gesamtwerk wie Fremdkörper.

Zugutehalten muss man DOMINUM das Gespür für eingängige Arrangements

Ansonsten fällt das Material innerhalb des gegebenen Rahmens eher als breit angelegter Flickenteppich auf, der wohl gerade noch so als moderner Power Metal durchgehen kann, wenn sich DOMINUM im Refrain von „Danger Danger“ an SABATON orientieren. Im Titeltrack kommen dann in der Bridge ein paar Folk-Anleihen hinzu, bevor sich „Frankenstein“ ganz ungeniert am Erfolgsrezept POWERWOLFs bedient.

Zugutehalten muss man dem Quartett immerhin sein Gespür für poppige und eingängige Arrangements: Schon im ersten Durchlauf könnte man zum rockigen „Cannibal Corpses“ ungeniert mit dem Fuß wippen – hier präsentieren sich DOMINUM als eine gestriegelte Inkarnation der Monster-Rocker LORDI. Zumindest in Teilen ist das im Fall von „Hey Living People“ dem Gesang zuzuschreiben, der zwar hell und klar, doch gleichzeitig erschreckend beliebig durch das Album führt.

Weil DOMINUM mit ihrem Debüt niemandem wehtun wollen, bleibt “Hey Living People” blutarm

Mit einem ähnlichen Zeugnis marschiert die restliche Instrumentierung nach Hause, die in rund 46 Minuten keinerlei eigenes Profil zeigen will. Gerade weil DOMINUM mit ihrem ersten Wurf niemandem wehtun wollen, tasten wir bis zuletzt vergeblich nach dem Puls dieser blutarmen Vorstellung. Es ist schon ein schräger Humor: Vielleicht hätte man das Gimmick um den verrückten Wissenschaftler und seine untote Gefolgschaft besser nicht bis ins letzte Detail umgesetzt, wenn der Witz schlussendlich und aller Ironie zum Trotz auf eigene Kosten geht.

Veröffentlichungstermin: 29.12.2023

Spielzeit: 46:26

Line-Up

Dr. Dead – Vocals
Patient Zero – Bass
Victor – Drums
Tommy – Guitars

Produziert von Felix Heldt und Jacob Hansen (Mix und Mastering)

Label: Napalm Records

Homepage: https://www.dominumofficial.com/
Facebook: https://www.facebook.com/realdominum/

DOMINUM “Hey Living People” Tracklist

  1. Immortalis Dominum (Video bei YouTube)
  2. Danger Danger (Video bei YouTube)
  3. Hey Living People (Video bei YouTube)
  4. Cannibal Corpses (Video bei YouTube)
  5. Patient Zero (Video bei YouTube)
  6. We All Taste The Same
  7. Frankenstein
  8. You Spin Me Round (Like a Record)Better Shoot Yourself
  9. Half Alive
  10. The Chosen Ones
  11. Bad Guy
  12. Beds are Burning
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