CATAMENIA: Chaosborn

Nicht viel Neues im Hause CATAMENIA – pfeilschneller Black Metal mit ständiger Keyboarduntermalung, hohem Melodiefaktor, aber nicht ganz so hohem Wiedererkennungswert…

Meine Fresse, das fünfte Album der Finnen CATAMENIA ist das schon? Das Debüt hatte ich seinerzeit mal ausgeliehen, und vom zweiten Album kannte ich ein paar Lieder. Hm. Bei manchen Bands hätte eine Pause von drei Alben bedeutet, dass man einen heiligen Schock gekriegt hätte, weil die Musik plötzlich völlig anders ist – bei CATAMENIA ist das offensichtlich nicht so. Obwohl im Promoblättchen mutig zur „ersten Liga nordischer Extrem-Bands“ gerechnet, haben die Finnen meiner Meinung nach noch nie zu den Pionieren oder zur Speerspitze irgendeines Genres gezählt, sondern waren immer so ein „kann man haben, muss man aber nicht“-Kandidat. Und soviel kann ich bereits vorwegnehmen: Das hat sich nicht geändert. Verdammt, nicht mal die Coverartworks haben sich geändert! Ein in Weiß und Blau gehaltenes Cover (Eis! Naja, „nordic“ verpflichtet scheinbar) mit einem Wolf drauf – uah, Klischee, ick hör Dir trapsen! Naja, Fans nennen das vielleicht Konstanz.

Und die Musik? Nun, was die „Black Metal Lunatics“ (Promoblatt) da so abliefern, könnte man rein von der Musik her durchaus so charakterisieren, auch wenn die Chose natürlich mit dem ursprünglichen Black Metal à la BURZUM so viel zu tun hat wie der Teufel mit dem Weihwasser, sondern stattdessen voll auf der melodischen und keyboardgestützten Schiene fährt. Das Tempo ist gleichbleibend hoch, und den Drummer hätte man eigentlich gleich einsparen können – ein Maschinengewehr in den Nebenraum, ein schön langer Patronengurt dran, Dauerfeuer ein, Mikro hinhalten, und damit hätte sich der Husten. Die meisten Songs beginnen mit einer wenige Sekunden währenden Einleitung, die auch so ziemlich das einzige Unterscheidungsmerkmal darstellt. Ansonsten kann man zwischendurch den Raum verlassen, und wenn man zurückkommt, weiß man nicht, ob da noch der gleiche Song läuft oder schon ein anderer. Mein CD-Player ist zum Beispiel gerade schon wieder bei Nummer 3, ohne dass ich es mitbekommen habe. Handwerklich ist das ja alles schön und gut, will sagen, der „Sänger“ kreischt sich die Lunge raus, das Schlagzeug rattert nonstop, die Gitarren rasen unentwegt, und nur für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass dazwischen noch Entfaltungsraum für irgendein einprägsames Riff oder gar so etwas wie Kontraste bleiben könnte, versieht vorsichtshalber noch ein Keyboard das Ganze mit permanenter sphärischer Untermalung. Ach ja, einen Bass gibt’s natürlich auch. Die Melodien sind stellenweise auch durchaus nett und vor allem reichlich vorhanden, aber das geht mir alles so in einem Rutsch links rein, rechts raus. An kaum einer Stelle ist mal etwas richtig prägnantes, was sich im Gehörgang festkrallt und einen so richtig mitreißt. Diese Musik mag mit den lautersten Absichten gemacht sein, aber Emotionen irgendwelcher Art erzeugt das Ganze bei mir nicht. Einziger Lichtblick für mich war der neunte Song, „One With Sorrow“, der endlich mal ein richtig geiles Riff auffährt, das diverse Körperteile sofort dazu veranlasst, sich selbständig zu machen und im Takt mitzugehen. Hier versinkt endlich mal nicht alles im Einheitsbrei, und sogar das Maschinengewehr hat mal eine Ladehemmung und liefert einen schönen, treibenden Rhythmus, der den Song mit links mitten zwischen die Hirnlappen pfeffert, wo er dann auch zehnmal länger hängen bleibt als der Rest. Sogar eine langsamere Passage ist drin – wer hätte damit gerechnet?

Beim nächsten Mal hätte ich den Rest des Albums bitte so ähnlich, aber so wie die Dinge hier liegen, kann ich das Album wirklich nur Fans empfehlen, die bekommen werden, was sie gewohnt sind und sich von CATAMENIA wünschen. Mir dagegen ging es bis auf dieses eine Lied komplett an gewissen Körperregionen vorbei, und nur ein mitreißender Song ist mir entschieden zu wenig. Solide und routiniert, aber belanglos.

Spielzeit: 46:10 Min.

Line-Up:
Mika Tönning – vocals

Riku Hopeakoski – lead guitars

Ari Nissilä – rhythm guitars

Timo Lehtinen – bass

Veikko Jumisko – drums

Tero Nevala – keyboards

Produziert von Kari Vähäk und Immu Illmarinen
Label: Massacre Records

Tracklist:
01. Kuolan Tanssi

02. Calm Before the Storm

03. The Fallen Angel Pt. I

04. The Fear´s Shadow

05. Mirrorized Thoughts

06. Lost in Bitterness

07. The Era

08. The Fallen Angel Pt. II

09. One with Sorrow

10. Hollow Out-Chaosborn