KICKHUNTER: Southern-Rock vom hohen Norden

KICKHUNTER: Southern-Rock vom hohen Norden

Dass man nicht unbedingt aus den Südstaaten der U.S.A. kommen muss, um mit reichlich Southern-Rock getränkten Rock`n´ Roll zu spielen, das haben die Hamburger KICKHUNTER spätestens mit ihrem zweiten Album Little monsters bewiesen. Grund genug also, um mal bei Sänger Jörg anzuklopfen.

 

Hi Jörg, beim letzten Redaktionstreffen wurde mir eure zweite CD Little monsters aufgedrückt, und siehe da, sie ist genau im richtigen Hafen gelandet. Zufrieden mit den bisherigen Reaktionen?

 

Die Reaktionen waren überaus überschwänglich…so von wegen geile Bier-, Grill- und Sommergefühle werden geweckt und a bissel was fürs Herz ist auch dabei. Gibt ja auch eigentlich kaum jemand, der solche Bockrock-Mucke macht wie wir…

 

Googlet man ein wenig, so findet man (im Vergleich zu aktuell angesagten Sounds) gar nicht sooo viele Reviews zu Little monsters. Habt ihr nur eher gezielt bemustert oder gibt es echt Schnarchnasen, die eure Mucke zu altbacken oder zu wenig Metal finden und deshalb liegen lassen?

 

Wir bedienen mit KICKHUNTER ja keinen Markt oder laufen irgendwelchen Trends hinterher!! Wir beglücken uns selber, und freuen uns immer wieder über unsere Einfälle und die Power und den Spaß, den man der Scheibe auch deutlich anhört. Noch befinden wir uns mit KICKHUNTER in einer Nische, aber irgendwann wird sich vielleicht alles um uns herum ändern und dann sind wir die Ersten und die Besten und Megastars… he he he…

 

Obwohl es ja eh Blödsinn ist, Musik wie Southern-Rock`n´Roll als altbacken zu bezeichnen, wie es manche Schreiberlinge machen. Ich finde, es gibt kaum männlichere Musik als ein cooler Southern-Rocker von LYNYRD SKYNYRD, MOLLY HATCHET, BLACKFOOT oder auch gern Softeres wie den OUTLAWS oder den ALLMAN BROTHERS.

 

Ganz Deiner Meinung, man muss sich immer wieder neu erfinden…vergleiche doch mal Hearts and bones mit Little monsters, dann weißt du, was ich meine. Auch in einer vermeintlichen altmodischen Musikrichtung gibt es, wenn man gut und kreativ ist, genug Neues zu entdecken…und das ist dann gar nicht altbacken, sondern einfach nur gut und geil.

 

Ihr seid ja alle irgendwo in anderen Bands aktiv, ist KICKHUNTER eher euer Freizeitbaby oder geht ihr das mit dem gleichen Ernst an wie bei euren anderen Bands? Oder ist KICKHUNTER eher so ein Leidenschaftsding, denn ohne die würde man kaum so einen untrendigen und dadurch absolut ehrlichen Sound fahren.

 

Das Wort Freizeitbaby halte ich für völlig unangemessen. KICKHUNTER ist die Bündelung unserer gemeinsamen Kräfte für DIE Musik, die wir am meisten lieben, aber so in den anderen Projekten nicht verwirklichen können. So stellt KICKHUNTER für uns alle eher eine Art von Selbstverwirklichung dar.

 

 

<b>KICKHUNTER</b>
Auf Selbstverwirklichungskurs: KICKHUNTER

 

 

Mitproduziert und gemixt hat Little monsters Dennis Ward (PINK CREAM 69), der nach Erzählungen anderer Musiker eher ein lockerer, besonnener Typ zu sein scheint. Wie wichtig ist das bei so einer erwachsenen Musik wie southern-getränktem Rock? Einen hyperaktiven Produzenten kann ich mir da echt nicht vorstellen.

 

Dennis war der perfekte Mann, zur rechten Zeit am rechten Ort und trotz Unmengen von superheißem Kaffee hyperruhig. Der Fels in der Brandung, in einem unruhigen Meer von völlig aufgelösten, umherirrenden Kickhuntern…

 

Eure erste Scheibe Hearts and bones kenne ich leider noch nicht. Wieweit unterscheidet sie sich vom aktuellen Album? Warum soll ich sie mir kaufen, wenn ich schon Little monsters habe? Erzähl!

 

Wie bereits vorhin erwähnt, hat Hearts and bones eine völlig andere Attitüde. Die Songs sind anders strukturiert, etwas rougher und sehr auf Partys und Grilladen abgestimmt, dagegen hat Little monsters viel mehr Tiefe und auch einen leichten Gospeltouch. Ein Song wie Pimp up your Life hätte auch gut auf Hearts and bones gepasst, Songs wie Let it shine, Alive dagegen stehen klar für Little monsters … erst ein kleines 2-Riff-Tier und dann irgendwann ein riesen Viech und trotzdem nur die 2 Riffs…

 

Schade, ihr solltet ja mit STATUS QUO auf Tour gehen, da hätte ich euch gern gesehen. Woran ist es letztendlich gescheitert?

 

Ähh… ich glaube, wir waren einfach nur a bissel zu spät…

 

Während meiner Zeit im HH haben da fast wöchentlich MOLLY HATCHET gespielt, eine Tour mit den Southern-Helden dürfte für dich wohl so ein Traum sein wie für einen Doomer wie mich eine Tour mit BLACK SABBATH!? Na ja, mit LYNYRD SKYNYRD habt ihr ja schon die Bühne geteilt!

 

Ich denke gerne an diese Tour zurück und bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich an das Feeling auf der Bühne denke… da war der liebe Gott super nett zu uns kleinen Kickhuntern – und die Jungs und Mädels von SKYNYRD auch. Van Zandt hat uns sogar mit so`ner kleinen Kamera gefilmt, das Video zieht der sich bestimmt jeden Abend rein…naja, träumen muss erlaubt sein… Nein aber im Ernst, ich würde so was in der Art gerne wieder erleben… wir arbeiten dran.

 

Ihr wart ja auch 2005 in Portugal unterwegs mit ARYA. Wie seid ihr da rangekommen? Wie ist dort die Szene für diese Musik? Bei Portugal denke ich eher an hagere Typen auf sägenden 250er Zweitakter als an echte Rauschebart-Biker, dem sicher größten Freundeskreis für Southern-Rock.

 

Man darf die iberische Halbinsel in dieser Frage nicht unterschätzen. Landschaftlich hat Spanien und auch Portugal viel Ähnlichkeit mit dem Südwesten der USA. Insofern… Wir hatten viel Spaß dort und die Portugiesen mit uns auch. Ich kann mich, wie an so viel auf dieser Tour, allerdings nicht mehr daran erinnern, wie das damals alles gelaufen ist.

 

Aber so warme und trockene Länder bringen natürlich auch das nötige Southern-Ambiente mit, in Griechenland gibt es ja auch eine fanatische Szene dieses Sounds. Das Hamburger Land hat da nicht so viel Texas-Feeling zu bieten. Wie erhaltet ihr euch den Geist dieser Musik? Lange Ausfahrten über unendliche Landstraßen, vorbei ab friedlich grasenden Holsteiner Kühen und Pferdeweiden? Grillpartys an der Außenalster oder Southern Comfort-Feten am Elbufer?

 

Riesenfressgrilladenorgien auf dem großen KICKHUNTER-Holzbalkon mit Musik von den schon genannten Bands, garniert mit einem Schuss WHITESNAKE oder auch den EAGLES und einem kleinen Bier und einem kleinen Jägi he he he… nach zwei bis drei Stunden sind wir dann alle echte Südstaatler!

 

Gibt es schon weitere Pläne für Shows? Fixiert ihr euch auf Tourneen und Festival-Shows oder rockt ihr auch mal kleinere Schuppen, Rocker-Clubhäuser usw.?

 

Kommt immer drauf an wie weit weg? Lohnt sich das usw. Ich denke, kleinere Schuppen kommen eher mal in HH in Frage. Ansonsten sind wir natürlich auch ziemlich verwöhnt…

 

Wenn ich mir deinen Gesang anhöre, Du singt recht facettenreich, sodass ich dich mal bequem in die Rock-Cover-Richtung zuordnen würde. Richtig? Kommst du aus der Ecke?

 

Ich habe schon alles mögliche gemacht, sogar mal in einer JUDAS PRIEST-Coverband gesungen. Den Verdacht, ich sei eine Art Wechselbalgsänger, der chamäleonhaft hier den Southernman macht, kann ich in keiner Weise unterstützen, nur bei uns bin ich echt und fühle mich sauwohl!

 

Wobei es zumindest während meiner Zeit in HH (89-92) eh reichlich coole, auf bestimmte Bands fixierte Coverbands gab wie QUO, BAR-B.QUE (der so) und natürlich auch BON SCOTT, bei denen ihr ja auch heute noch zockt. Ist die Cover-Band-Szene bei euch immer noch so groß?

 

Nee, mittlerweile gibt es nur noch BON SCOTT und da gehen alle hin…

 

Ich nehme mal an, ihr zockt auf den Konzerten mit KICKHUNTER auch so manchen Klassiker eurer Vorbilder?

 

Nee, eigentlich weniger, live bisher eigentlich gar nicht… kommt vielleicht noch…

 

Die Hamburger Musikerszene ist ja riesengroß und nicht immer so locker drauf was andere Bands angeht. Müsst ihr euch von den ganz Harten (hüstl…) auch mal Sprüche anhören wie Schunkelrocker oder so? Ich hab selbst jahrelang in einer Bikerrock-Band gespielt, da wird man ja nicht immer ganz ernst genommen. Obwohl – es macht definitiv mehr Spaß, ach so männliche Rocker zum Schunkeln zu bringen und deren Sozia auf den Bierbänken tanzen zu sehen als muffige Clubs leerzudröhnen… ­čśë Und eure Mischung aus Boogie, Southern-Rock und good old Rock`n´Roll dürfte ja so manchen müden Hintern zum Wackeln bringen!

 

Das ist natürlich richtig und natürlich viel netter anzusehen, als verschwitzte Moshpitbanger mit beginnender Hinterkopfglatze…

 

Denkst du, ihr limitiert euch selber etwas mit eurem Stil? Oder geben euch eure anderen Bands genug Raum, um euch dort fernab des Southern-Rock`n´Roll auszuleben?

 

Es gibt keine Limits bei KICKHUNTER…Das KICKHUNTER-Universum ist groß und erlaubt ist prinzipiell alles. Hier leben wir uns aus, da kann auch mal ´ne Swingnummer kommen oder ´n schickes Weihnachtsliedl.

 

 

 

<span>CoverWer kam denn auf die Idee mit dem Coverbild? Anfangs fand ich es total albern, aber andererseits mal ehrlich: mit einem Monster- oder Tittenbild fällt man heute ja kaum noch auf in den Regalen der CD-Läden. So ein kleines Monster auf dem Cover, igitt, da schaut man dann doch erstmal genauer hin!

 

Genau deswegen haben wir die Motte auf unserem KICKHUNTER Balkon auserwählt, das sieht auch ohne Titten scharf aus… Hat übrigens unser Songwriter Stefan geknipst, der auch leidenschaftlicher Fotograf ist.

 

Thema Monster: mit Ela habt ihr ja ein heißes Teil an Bord. Sie sieht schnuckelig aus und hat eine Hammerröhre! Gibt es Chancen, dass sie auch mal komplette Songs singt bei KICKHUNTER? Oder bleibt sie nur eure Backing-Queen? Singt sie noch in anderen Bands?

 

Ela singt inner Coverband, im Raum Vechta, den Namen kenne ich nicht. Nicht ausgeschlossen, dass sie mal einen ganzen Song singt, aber sie bleibt natürlich unsere Backing-Queen…

 

 

<span>Es
Leider nicht immer im Vordergrund: Backing-Queen Ela

 

Auf dem Innencover sitzt ihr an einem Tisch, ein hochintelektuelles Bandfoto. Ist das im Hamburger Backstage? Da hatte ich damals immer mit der Bedienung Gemeiert. Gibt es die Kneipe denn noch?

 

Das Foto wurde an unserem Stammtisch im Zwick aufgenommen. Du musst jetzt gaaaannzzz staaaark sein!!! Kein Backstage mehr…

 

Spart ihr schon, um irgendwann mal in Texas spielen zu können? ­čśë

 

Ja natürlich, bei Bush im Garten bei einem netten BBQ…kotz

 

Und wann kann man mit einer neuen Scheibe rechnen? Wird es wieder mehrere Jahre dauern?

 

Ich denke, es wird nie wieder so lange dauern, es sollte eigentlich schon 2008 klappen.

 

Südstaatensound ist auch bei Vampster-Lesern eher nicht das ganz große Thema. Deine letzten Worte und Salbungen, warum Unwissende sich endlich auch mit dieser Mucke beschäftigen sollten?

 

Diese Art Mucke macht einfach mehr Spaß….und durstig,…und das hört man! So long, Honey!

 

Fotos: Kickhunter

 

Frank Hellweg
Frank (ÔÇťWOSFrankÔÇŁ) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er k├╝mmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.