ZA!: Megaflow

ZA!: Megaflow

Megaflow, das ist subnormale Energie auf zwei Schallplatten. Also ich bin ja wirklich kein Fan von Promosheet-Zitaten, aber irgendwie trifft das tatsächlich wie die Faust aufs Auge auf die aktuelle Scheibe von ZA! zu. So verrückt, bunt, energetisch aber auch gekonnt ist die Mischung die einem ZA! aus Katalanien um die Ohren hauen, aber wirklich um die Ohren h-a-u-e-n.

Eigentlich fängts ja noch ganz harmlos an. Bei Calonge Terrassa, Kalon-jah! Tewra-ssah!, da trommeln die beiden Musiker Papa Dupau und Spazzfrica Ehd (nein, wundert euch nicht über die Namen…) noch bisschen auf Congas, Bongos herum, hier und da ein Handclap und singen dabei ein bisschen im Kanon. Ethno-Stuhlkreis? Namensvorstellung? Ausdruckstanz-Selbsthilfegruppe? Nein. Denn ab Minute 1:45 beginnt… naja, die Achterbahn, die du wirklich so schnell nicht vergessen wirst. Gitarren sägen zur Polyrhythmik dazu, der Gesang verliert sich im Hall, die Musik wird so bunt und schrill wie das extravagante Artwork und die Visualisierungen der einzelnen Songs im Booklet. Und was dann auf den insgesamt 45 Minuten und 5 Sekunden ausgewälzt wird, ist irgendwo zwischen genialem Jazz-Weltmusik-Nintendocore-Metal-TripHop-Drone-Wahnsinn und verdammt anstrengend einzuordnen. Fans von ZOMBI oder HORSE THE BAND dürften sich bei dem Nintendo-Geschepper von Nanaviviededñaña an ihre Helden erinnert fühlen, wenn auch ein bisschen auf LSD und auch das ist längst nicht alles von dem, was man kaum in Worte fassen kann. Das erschreckende ist, egal wie verrückt sich die Band durch die Mehrteiler PachaMadreTierraWah!, Megaflow, Bomboklat, Casamance oder dem Interlude-Song Mesoflow rockt, sei es mit Einflüssen aus Jazz, TripHop, Akustikmusik, afrikanischer Musik, Weltmusik, Metal, Quietscheenten oder schlichtweg durchgedrehtem Chaos: der Wahnsinn hat System. Selbst die eher improvisierten Teile sind so gekonnt gespielt, zum Teil auch sowas von groovig und auf den Punkt, dass man der Band definitiv nicht den Vorwurf machen darf, sie würden einfach nur ungeplant so drauflos holzen. Selbst beim erst so entspannenden, aber dann doch so grindigen Abschluss Exaflow, der einem am Schluss nochmal ordentlich den Wahnsinn um die Ohren ballert.

Das Fazit für diese Platte fällt mir wirklich schwer, noch schwerer als diesen bunten Haufen zu beschreiben. Zum einen ist es phasenweise wirklich anstrengend, dieser Band auf ihrer Achterbahnfahrt zwischen EPHEL DUATH, MIKE PATTON, PANZERBALLETT, Nintendo-Soundtracks aus deiner Jugend und THE MARS VOLTA zu folgen. Auf der anderen Seite muss ich den beiden Musikern einen riesen Respekt zollen – das was die beiden auf diesem Album fabrizieren, kann denen so schnell keiner nachmachen. In Zukunft verwende ich das Wort Eigenständigkeit wirklich wesentlich seltener, versprochen. Für alle die bis jetzt auf die Kaufempfehlung warten – die gibts heute nur mit großem aber. Denn wenn du gerne mal hören willst, wie sich ein schmerzfreier, musikalischer LSD-Trip durch Afrika, Europa, Südamerika und den Hirnwindungen von einem Geisteskranken anhört, greif zu. Aber alle anderen sollten dann doch besser einen weiten Bogen um diese Scheibe machen, denn die Platte macht euch vermutlich fertig, wenn ihr sie nicht schon nach zwei Songs in die Ecke pfeffert. Ich war jedenfalls manchmal sehr nah dran.

Veröffentlichungstermin: 25. März 2011

Spielzeit: 45:05 Min.

Line-Up:
Papa Dupau: Gitarre, Trompete, Kalimba, Percussions, Vocals
Spazzfrica Ehd: Drums, Percussions, Keys, FX, Klarinette, Vocals

Label: Discorporate Records

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/putosza

Tracklist:
1. Calonge Terrasa, Kalon-jah! Tewra-ssah!
2. Nanavividedeñaña
3. PachaMadreTierraWah! #1
4. PachaMadreTierraWah! #2: Da Remix
5. Mesoflow
6. Megaflow #1
7. Megaflow #2: MegaSLOW
8. Bomboklat #1: Da gyelda
9. Bomboklat #2: Egli na bomboklat
10. Casamance Un. Voyage (…)
11. Casamance Deux: (…) Gekko
12. Casamance Trois: (…) télépathiquement (…)
13. Exaflow