SWEETKISS MOMMA: Revival Rock [Eigenproduktion]

SWEETKISS MOMMA: Revival Rock [Eigenproduktion]

Outet man sich irgendwo als Southern Rock-Fan, dann wirft schnell irgendein Schlaumeier natürlich LYNYRD SKYNYRD, vielleicht noch MOLLY HATCHET und die BLACK CROWES ein, um dann natürlich zu betonen, dass der Southern Rock doch eh tot sei. Dabei ist dieses Standardprocedere absolut albern, denn diese Szene lebt wie eh und je und bringt immer wieder tolle Bands hervor, die den alternden Helden des Südstaatenrock oft in nichts nachstehen, außer eben, dass sie deren Standard in die heutige Zeit transportieren. Aktuell machen sich SWEETKISS MOMMA aus Puyallup in der Nähe von Seattle auf, ihre Vorstellung von Rockmusik unters Volk zu bringen.

Zwar ist der Albumtitel etwas irreführend, lässt eher an 70er Classic-Rock denken, aber SWEETKISS MOMMA  gehen auf Revival Rock sehr offen zu Werke, sodass es dann irgendwie doch passt. Die Band selbst beschreibt ihren Stil sehr treffend: … a blend of Frampton Comes Alive meets Lynyrd Skynyrd with a helping of CCR´s Green River and a splash of Northwest Seasoning. Den Großteil des Sounds macht klassischer Southern Rock aus, der sehr deutlich von  frühen LYNYRD SKYNYRD geprägt ist, der Einfluss auf die Gitarrenarbeit, Melodieführung, Gesang und Atmosphäre ist unüberhörbar. Statt wie manche aktuellen Kollegen auf hart und cool zu machen und eher schmuddeliges Saloonfeeling zu verbreiten, gibt es hier echte Cowboyromantik und das Feeling von weiten Landschaften und unendlichen Landstraßen. Die Ballade Strange Fire klingt derart nach LYNYRD SKYNYRD, verbreitet sentimentale Sonnenuntergangsstimmung auf der Holzveranda, da schmilzt jeder Cowboy und jedes Cowgirl dahin. Hier und da gibt es Melodien, die mit der Leichtigkeit eines gut gekühlten Southern Comfort tatsächlich etwas an die Kalifornier CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL denken lassen, was etwas früh-70er Stimmung aufkommen lässt. Da haben die Jungs von SWEETKISS MOMMA  ordentlich in Papas Plattenkiste gewühlt und nebenbei auch die PETER FRAMPTON-Scheiben rausgezogen. Das Doppel-Livealbum Frampton Comes Alive des Engländers (u.a. HUMPLE PIE) sollte übrigens in keiner Classic Rock-Sammlung fehlen! Aber richtig cool wird es, wenn SWEETKISS MOMMA wie beim hart groovenden Shuffle-Rocker Mercy Love nach den kanadischen Boogie-Rockern BACHMAN TURNER OVERDRIVE klingen, aufgehübscht mit fluffigen ALLMAN BROTHERS-Melodien. Den Song kennt mittlerweile die ganze Sackgasse dank Dauerrotation bei ungezügelter Lautstärke. Aber auch locker swingende Gute Laune-Rocker wie Slow Fade, harte Southern-Rocker wie  Son Of The Mountain und balladeske Feierabendbegleiter wie Come Clear singt mittlerweile die ganze Nachbarschaft fehlerfrei mit. Zum Ende hin kann vielleicht nicht jeder Song grenzenlos begeistern, aber auf jeden Fall macht Revival Rock mächtig Spaß. Allerlei Gäste peppen die Songs mit Bläsern, Honkytonk-Piano, Orgel und mehr auf, neu ist hier rein gar nichts, aber Altbewährtes richtig gut umgesetzt. Das Ganze kommt passend im warmen Sound analogen Aufnahmen, ohne dabei zu altbacken zu klingen.

Ist ELVIS wirklich tot? Oder Bruce Lee, oder die grauen Männchen aus der Aera 51? Ist mir eigentlich egal, der Southern Rock ist es jedenfalls nicht. Und das verdanken wir starken Bands wie SWEETKISS MOMMA. Classic-Rocker und vor allem Southern-Freaks können bedenkenlos zugreifen, am Einfachsten bei Just For Kicks.

Veröffentlichungstermin: 02.07.2010

Spielzeit: 46:41 Min.

Line-Up:

Jeff Hamel – Vocals, Guitar, Harmonica
Aaron Arnold – Leadguitar
Waid Hoyt – Guitar, Vocals
Randy Jackson – Bass
Tyson Lickert – Drums

Gäste:
Mark Fredson – Piano, Organ, Clavinet (2,4,6,10,12)
Joe Reineke – Guitar (7,10)
David George – Trumpet (3)
Paul Fessenden – Saxophone (3)

Produziert von Joe Reineke
Label: Eigenproduktion/Just For Kicks

Homepage: http://www.skmband.com

MySpace: http://www.myspace.com/sweetkissmomma

Tracklist:

1. Ready To Go
2. Son Of The Mountain
3. Slow Fade
4. Mercy Love
5. Rocket Ride
6. Strange Fire
7. Sweet Little Thing
8. Ounce Left Of Pride
9. Sugar In The Raw
10. Come Clean
11. Good God Woman
12. To Help A Man

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.