EMERALD: Forces of Doom

EMERALD: Forces of Doom

Die Schweizer EMERALD sind aus dem „True Metal“-Untergrund in unseren Breitengraden inzwischen ja schon nicht mehr weg zu denken und ihren guten Ruf haben sich die Jungs auch redlich erarbeitet und verdient. Mit den ganz großen des Genres können EMERALD auch auf ihrem dritten Album noch nicht mithalten und dennoch wird auf „Forces of Doom“ wieder einmal extrem ehrlicher, mit Herzblut gemachter und guter Metal dargeboten, der immer noch herrlich angestaubt klingt und vor allem Leute mit einem Hang zur Nostalgie ansprechen dürfte.

Dabei muss man aber ganz klar sagen, dass Forces of Doom weder den Überraschungseffekt des Debüts nutzen kann, noch ist eine ähnliche songwriterische Steigerung zum Vorgänger zu spüren, wie es bei Calling the Knights der Fall war. Und von daher ist eine Bewertung der neuen Scheibe schwierig. Hinter den beiden Vorgängern muss sich das Drittwerk auf jeden Fall nicht verstecken, wobei Calling the Knights insgesamt etwas überzeugter wirkt, was den beschrittenen Weg angeht. Forces of Doom erscheint mehr wie die bandinterne Quo Vadis-Frage – die Band macht deutlich, dass sie genau weiß, was sie will, aber die Konsequenz daraus ist, das eine deutliche Weiterentwicklung nicht erkennbar ist. Es scheint ein gewisses Dilemma, denn dass die Band aus einer absoluten Überzeugung heraus arbeitet, das spürt man noch immer zu jeder Sekunde, das neue Album macht aber deutlich, dass es derzeit nicht zu viele Möglichkeiten gibt, sich songwriterisch weiter zu dehnen – obwohl ich denke dass EMERALD dazu in der Lage wären und auch vom Kopf her nicht zu engstirnig agieren.

Somit beginnt Forces of Doom nach einem majestätischen Intro gleich mit drei typischen, straighten EMERALD-Stücken, wobei vor allem Tears of a Warrior und Blood of our Kings auch auf dem Vorgänger eine sehr gute Figur gemacht hätten.

Mit der Ballade Forever ist man nun endgültig ein Stück zu weit ins Kitschige abgedriftet, was man den Schweizern aber nicht wirklich übel nehmen kann. Versöhnlich wirkt da auch gleich Something in the Dark, ganz klar der interessanteste Song dieses Albums – da hat sich die Band vor allem was die Gitarrenstimmen angeht, einiges einfallen lassen, das textliche Thema wurde in der Musik gut herausgearbeitet und ich denke das hätte eines der bisherigen Höhepunkte des EMERALDschen Schaffens werden können, wenn der Refrain etwas energiereicher und vielleicht auch theatralischer ausgefallen wäre. Dennoch wirklich ein klasse Song!

Ebenfalls sehr gut ausgefallen: die VIRGIN STEELE-Coverversion On the Wings of Tonight – gäbe es den Song nicht hätte man echt zum Ergebnis kommen müssen, dass es EMERALD hervorragend zu Gesicht steht, wenn sie ihre VIRGIN STEELE-Einflüsse stärker zur Geltung kommen lassen. In dieser Version hätte ich es (vom Text mal abgesehen) der Band wirklich absolut zugetraut, dass es sich um eine Eigenkomposition gehandelt hätte. Zu einem ähnlichen Ergebnis kann man aber auch bei Song of Hope kommen, bei dem es sich nun aber wirklich um ein Stück aus eigener Feder handelt und das man wohl als das bandeigene Courage (MANOWAR) bezeichnen darf – da sind schon deutliche Parallelen vorhanden.

Der Titelsong Forces of Doom überzeugt in erster Linie durch seine gefühlvollen Gesangslinien und das energiegeladene Riffing im Mittelteil des Stücks und mit Birth of a Legend beendet man Forces of Doom nochmals mit einer deutlichen Verneigung vor den ewigen Bandfaves WARLORD – remember Deliver us? – wobei man es aber bei einem von der Kultband inspirierten Gitarrenlead belässt um dann in eine sehr positive, aber insgesamt etwas durchschnittliche Metal-Hymne überzugehen, inklusive MANOWAR-Orgel-Chor-Sprecher-Mittelteil.

Somit ist klar: Forces of Doom ist nicht das Album geworden, das das Potenzial besitzt die Band endgültig als beständige Größe im Metal-Underground zu manifestieren. Wie bereits erwähnt ist die Steigerung zum Vorgänger nicht wirklich vorhanden und dennoch kommen die Fans des bisherigen Schaffens der Band voll auf ihre Kosten. Ob es mit Forces of Doom aber gelingt weitere Metalkrieger für sich zu rekrutieren, steht auf einem anderen Blatt.

Veröffentlichungstermin: 23. Februar 2004

Spielzeit: 51:49 Min.

Line-Up:
Michael Vaucher – Lead & Rythm Guitars

Jvo Julmy – Vocals & Guitars

Stefan Neuhaus – Drums

Thomas Vaucher – Keyboards & Piano

Stephan Kaufmann – Bass
Label: Shark Records

Hompage: http://www.emerald.ch

Tracklist:
1. Enter Emerald Castle

2. Until freedom Returns

3. Tears of a Warrior

4. Blood of our Kings

5. Forever

6. Something in the Dark

7. Also Wild

8. On the Wings of Tonight

9. Forces of Doom

10. Song of Hope

11. Birth of a Legend

Fierce
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