V.A.: Giants of Grind II [DVD]

V.A.: Giants of Grind II [DVD]

So sehr man sich auch über DVDs freuen mag, da man die Erzeuger der Musik auch sehen kann, so sehr haftet den Silberscheiben oft auch der Dünkel der schnellen Geldmacherei an. Bei Giants of Grind II ist dies allerdings anders: Der Konzertmitschnitt des gleichnamigen Festivals in Salzgitter im September 2005 kostet gerade mal zehn Euro und der niedrige Preis schlägt sich nicht 1:1 in der Produktequalität nieder. Klar, Cover und Inlay sind spartanisch gehalten, man erhält die Kontaktdaten der auftretenden Bands und ein Inhaltsverzeichnis der DVD, das war es auch schon. Doch bereits beim Menü des Silberlings sieht man, dass hier doch Mühe reingesteckt wurde: Die Menüführung ist zweckmässig und einfach, man kann innerhalb des Konzertmitschnitts von Band zu Band und von Song zu Song springen und auch die Interviews sind praktisch unterteilt. Von dieser Warte aus gilt also schlicht und funktional – im besten Sinne.

Das Herzstück der DVD bildet der 67minütige Konzertmitschnitt. Jede Lärmformation ist mit mindestens zwei Songs vertreten und um die Musiker angemessen einzufangen, wurde mit vier Kameraperspektiven aufgenommen und recht rasch zusammengeschnitten. So kommen auch die Schlagzeuger zu ihrem verdienten visuellen Auftritt – vom Publikum sieht und hört man indessen praktisch nichts, anstelle der Fans oft nur eine unheimliche Schwärze, von der sich die Bühne abhebt. Überhaupt fällt auf, dass das Bild oft zu dunkel ist und die Beleuchtung für die Aufnahme nicht ganz auszureichen scheint. Doch andererseits hat das auch etwas Heimeliges an sich. Soundmässig setzt man auf einen relativ rohen Livesound, doch die einzelnen Instrumente sind stets gut zu hören und er versprüht eine angenehme Authentizität.

Der rohe Sound unterstreicht dann auch das dargebotene Krachspektakel, bei dem sich Grindcore und todesmetallische Tendenzen die Klinke in die Hand geben. Einen mehr als soliden Auftakt legen die polnischen Grinder ANTIGAMA hin, deren Gitarrist auch das Cover der DVD schmückt. Danach starten TOTAL MASS CONFUSION aus Hameln zwar langsam, aber danach genau so derb und übergeben den polnischen Grindern THIRD DEGREE die Bühne. Ziemlich flott und groovig machen dann die österreichischen Death/Grindcore-Fanatiker MASTIC SCUM positiv auf sich aufmerksam und präsentieren auch das eine oder andere abgefahrene Gitarrensolo. Bei DYSMORFIC wird dann im Doppelpack gegrunzt und die lärmigen Italiener lassen auch ihrer Vorliebe für reichlich Rückkopplungen freien Lauf. DEPRESSION erweisen sich – wenig überraschend – trotz stilvollem schleppenden Anfang als wenig depressiv und holzen ebenfalls, was die Klampfen und die Felle hergeben. Die Kanadier MESRINE fallen danach primär durch ihre sympathische Ansage auf, danach brettert einfach gestricktes Gebolze aus den Boxen, welches mit langgezogenem Frognoisegesang geschmückt wird und doch keine Spannung aufzubauen versteht. Danach ist mit SUPPOSITORY und F.U.B.A.R. ein niederländisches Doppelpack angesagt. Bei F.U.B.A.R. geht es lärmiger zu und her und die Frage, wann der Sänger mit seinen spastischen Kickbox-Bewegungen einer seiner Mitstreiter K.O. schlägt, lenkt bisweilen von der Mucke der Holländer ab. Den Abschluss machen die coolen Schweden von JIGSORE TERROR, die ohne Frontmann aber dafür mit Drummer und Sänger in Personalunion einen überzeugenden Auftritt hinlegen.

Neben dem Konzertmitschnitt befindet sich auch noch eine Interviewsektion auf der Giants of Grind II-DVD, in der Interviews mit DYSMORFIC, MASTIC SCUM, DEPRESSION, JIGSORE TERROR und MESRINE zu begutachten sind. Die Gespräche sind durchwegs auf Englisch ohne Untertitel gehalten und finden in relaxter Art und Weise auf einigen Sofas im Backstagebereich statt. Leider fühlt sich der Interviewer Goreminister eher den Standardfragen verpflichtet, die meist mit Erzählt mir mal eure Bandgeschichte anfangen. Hier wären spezifischere Fragen doch etwas interessanter gewesen. Abgerundet wird Giants of Grind II mit einer klingenden Fotogalerie mit reichlich Amateurbildern der einzelnen Auftritte – leider fehlen hier Untertitel, welche die Band auf dem jeweiligen Foto identifizieren.

Alles in allem jedoch eine lohnenswerte Anschaffung für Grindcorefanatiker und Anhänger der einzelnen Bands. Zwar ist Giants of Grind II nicht so ausführlich und opulent wie die DVD zum OBSCENE EXTREME 2004, aber auch ein kleinerer, klarer strukturierter Rahmen wie er hier geboten wird, hat einen gewissen Reiz.

Veröffentlichungstermin: 19.05.2006

Spielzeit: 67:00 Min.

Line-Up:
ANTIGAMA
TOTAL MASS CONFUSION
THIRD DEGREE
MASTIC SCUM
DYSMORFIC
DEPRESSION
MESRINE
SUPPOSITORY
F.U.B.A.R.
JIGSORE TERROR
Label: Evilseed Production / Power it Up

Homepage: http://www.evilseed-production.de

Email: phil@evilseed-production.de

Tracklist:
ANTIGAMA
1. Imperfection
2. Search
3. The View

TOTAL MASS CONFUSION
4. Mass Individual
5. Nice Day To Kill You
6. Mind Control

THIRD DEGREE
7. Piggsy
8. Ojcze Moj

MASTIC SCUM
9. Human Scum
10. My Minds Mine

DYSMORFIC
11. Walls To Self-Expression
12. Assmouth/Psychopathia Sexualis
13. Let Down Again

DEPRESSION
14. Amputations For My Rations
15. Infection

MESRINE
16. André Gagnon
17. Ernst Jean-Pierre
18. Moose
19. Behram
20. Restricted

SUPPOSITORY
21. Shape
22. March Of Corruption
23. Retrieve
24. Seperate The Wrong
25. Numb

F.U.B.A.R.
26. Normen En Waardeloos
27. Uniformed Loser
28. Your Excuse
29. Dogmatized
30. Way Of The Fool

JIGSORE TERROR
31. Insane Torture
32. Scattered Cranial Remains
33. Skeletal Decomposition

Interviews mit DYSMORFIC, MASTIC SCUM, DEPRESSION, JIGSORE TERROR und MESRINE.

Fotogalerie, Teaser, Kontaktdaten und Credits.

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.