KREATOR: London Apocalypticon – Live At The Roundhouse [BluRay+CD]

KREATOR: London Apocalypticon – Live At The Roundhouse [BluRay+CD]

Zur Kritik der Live-CD „London Apocalypticon – Live At The Roundhouse“

Es soll der krönende Abschluss sein. Nach hunderten Shows in aller Welt geht am 16. Dezember 2018 der „Gods Of Violence“-Tourzyklus in der englischen Hauptstadt zu Ende. Um dies zu würdigen – und natürlich für die Nachwelt festzuhalten – lassen KREATOR das rund 75-minütige Set professionell aufzeichnen. Mit „London Apocalypticon – Live At The Roundhouse“ verspricht die deutsche Thrash-Legende gute zwei Jahre später viel und hält einiges.

Mit einem bunt gemischten Set voller Klassiker – neben vier aktuellen Stücken spielen sich KREATOR munter durch ihre Diskografie – begibt sich die Veröffentlichung von Beginn an auf die Siegesstraße. „People Of The Lie“, „Phobia“, das obligatorische „Flag Of Hate” und “Enemy of God” als Opener – was wollen Mille und seine Truppe da schon falsch machen?

Zumal „London Apocalypticon“ fast schon zu gut klingt. Der Mix ist differenziert und druckvoll, ohne das Publikum zu ersticken. Sogar Milles Vocals haben die Durchschlagskraft, nicht inmitten des Thrash-Infernos unterzugehen. Weil die Gitarren zudem roh bleiben, bleibt der Live-Charakter erhalten. Ganz gleich, ob da nun viel nachgeholfen wurde oder nicht, das Ergebnis spricht für sich.

„London Apocalypticon“ hat nur Stereo-Sound

Unverständlich ist daher umso mehr, dass „London Apocalypticon“ lediglich im PCM Stereo-Format vorliegt. Surround-Atmosphäre gibt es weder bei der London-Show noch den beiden Bonus-Konzerten aus Chile sowie vom tschechischen MASTERS OF ROCK-Festival.

Dass KREATOR gleich zwei weitere Shows auf die BluRay gepackt haben, ist Segen und Fluch zugleich. Die Bildqualität ist bei beiden Bonuskonzerten nicht berauschend – Schärfe, ISO-Werte und Kontrast sind nicht immer perfekt abgestimmt –, aber immerhin hochauflösend und daher gut genießbar. Die Songauswahl gleicht weitestgehend der London-Show, wobei es hier und da mit „Civilization Collapse“, „Extreme Aggression“ oder „World War Now“ doch etwas Abwechslung gibt.

Die Bonus-Konzerte legen die Schwächen der London-Show offen

Ansonsten fangen beide Bonus-Konzerte Seiten von KREATOR-Shows ein, die der Hauptmitschnitt nicht festzuhalten vermag: Während die riesige MASTERS OF ROCK-Bühne das komplette Setdesign mit seinen Videotafeln, den gotischen LED-Screens und dem imposanten Dämonenkopf im Hintergrund erst richtig in Szene zu setzen weiß, bekommen wir in Chile mit dem Publikum einen fünften Protagonisten zu sehen. Vom ersten Ton an rastet die riesige Arena aus, der Circle Pit nimmt für eine Stunde lang aberwitzige Ausmaße an, während die zahlreichen Kameras dieses Spektakel allzu bereitwillig festhalten und so die größte Schwäche des London-Konzerts offenbaren.

KREATOR übertreiben es mit der Postproduktion

Die Hauptshow mag mit zahlreichen Perspektiven aufwarten, ersäuft aber elendig in der Postproduktion. Nicht nur ist die komplette 75-minütige Show so hektisch geschnitten wie ein Musikvideo, auch liegen Farb- und Vintage-Filter über dem etwas zu weich gezeichneten Bild. Schlimmer wiegen jedoch die zahlreichen Dämonen- und Monster-Artworks, die ständig über das Geschehen gelegt werden und die Übersicht rauben. Warum die LED-Projektionen in der Totalen zudem in Großaufnahme zusätzlich ein zweites Mal eingeblendet werden, verstehen wir bis zum Schluss nicht. Kurz gesagt, der Schnitt samt Postproduktion ist eine selbstverliebte Katastrophe, der es zudem in 75 Minuten schafft, für gerade Mal zwei Sekunden den Moshpit zu zeigen.

„London Apocalypticon“ ist für KREATOR der krönende Abschluss eines weltumspannenden Tourzyklus

Immerhin ist die Band selbst gut aufgelegt und feiert das Ende des Tourzyklus mit einer durch und durch engagierten Performance. Der Energiepegel bleibt während der gesamten Show am Anschlag und setzt nur dann zeitweise aus, wenn Mille das Publikum zum wiederholten Mal bittet, den nachfolgenden Songtitel zu schreien – natürlich mehrmals hintereinander. Da die Track-Markierungen jedoch gut gesetzt sind, bewahrt uns in diesem Fall die Skip-Taste vor einem Ausraster.

Selbigen heben wir uns für „Pleasure To Kill“ und natürlich „Hordes Of Chaos“ auf, wo es wieder „everyone against everyone“ heißt. Und wenn „jeder gegen jeden“ in Ermangelung an Alternativen eben das Billy-Regal miteinschließt, dann müssen wir halt demnächst den Sperrmüll wegfahren. Immerhin ist „London Apocalypticon“ für KREATOR der krönende Abschluss eines Tourzyklus, der die ganze Welt umspannte. Da wollen wir doch nicht diejenigen sein, die am Ende kneifen – auch wenn der Mitschnitt aus London am Ende nur auditiv vollends überzeugen kann.

Veröffentlichungstermin: 14.02.2020

Spielzeit: ca. 254 Min. (BluRay) / 72:37 (CD)

Line-Up:

Mille Petrozza – Vocals, Guitars
Sami Yli-Sirniö – Gitarre
Christian Giesler – Bass
Jürgen Reil – Schlagzeug

Produziert von Grupa 13 Productions (Video London), Marc Görtz (Mix) und Olman V. Wiebe (Mastering)

Label: Nuclear Blast

Homepage: https://kreator-terrorzone.de/
Facebook: https://www.facebook.com/KreatorOfficial

KREATOR “London Apocalypticon” Tracklist

BluRay

Bild: 1080p Full HD
Ton: PCM 2.0 Stereo

London Apocalypticon

01. The Four Horsemen/Choir Of The Damned
02. Enemy Of God
03. Hail To The Hordes
04. Awakening Of The Gods
05. People Of The Lie
06. Gods Of Violence
07. Satan Is Real (Mitschnitt bei YouTube)
08. Mars Mantra
09. Phantom Antichrist
10. Fallen Brother
11. Flag Of Hate
12. Phobia
13. Hordes Of Chaos
14. The Patriarch
15. Violent Revolution
16. Pleasure To Kill
17. Apocalypticon

Live In Chile

01. Mars Mantra
02. Phantom Antichrist
03. Hail To The Hordes
04. Army Of Storms
05. Enemy Of God
06. Satan Is Real
07. Civilization Collapse
08. Flag Of Hate
09. Phobia
10. Gods Of Violence
11. Fallen Brother
12. Hordes Of Chaos
13. The Patriarch
14. Violent Revolution (Mitschnitt bei YouTube)
15. Pleasure To Kill
16. Apocalypticon

Masters Of Rock

01. Choir Of The Damned
02. Hordes Of Chaos
03. Phobia
04. Satan Is Real
05. Gods Of Violence
06. People Of The Lie
07. Total Death
08. Mars Mantra
09. Phantom Antichrist
10. Fallen Brother
11. Army Of Storms
12. Enemy Of God (Video bei YouTube)
13. From Flood Into Fire
14. Apocalypticon
15. World War Now
16. Hail To The Hordes
17. Extreme Agression
18. Civilization Collapse
19. The Patriarch
20. Violent Revolution
21. Pleasure To Kill
22. Death Becomes My Light

Violent Visions (Musikvideos)

01. Fallen Brother
02. Hail To The Hordes
03. Gods Of Violence
04. Satan Is Real
05. Totalitarian Terror

Live-CD

01. The Four Horsemen/Choir Of The Damned
02. Enemy Of God
03. Hail To The Hordes
04. Awakening Of The Gods
05. People Of The Lie
06. Gods Of Violence
07. Satan Is Real (Mitschnitt bei YouTube)
08. Mars Mantra
09. Phantom Antichrist
10. Fallen Brother
11. Flag Of Hate
12. Phobia
13. Hordes Of Chaos
14. The Patriarch
15. Violent Revolution
16. Pleasure To Kill
17. Apocalypticon

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.