Der Herr der Ohrringe [Hörbuch]

Ob "Der Herr der Ohrringe" durch seinen schönen Sprachwitz auch für Leute interessant ist, die das Original nicht kennen ist schwer einzuschätzen. Hilfreich ist es bei einer Parodie allemal wenn man weiß auf was sich diese bezieht. Eine sehr unterhaltsame Angelegenheit ist dieses Hörbuch auf jeden Fall geworden, dem "Der Herr der Augenringe" ist "Der Herr der Ohrenringe" auf jeden Fall weit voraus.

Eine gute Parodie auf Der Herr der Ringe zu schreiben ist alles andere als ein einfaches Unterfangen. Ein paar Ideen zusammenzutragen ist dabei nicht das Problem. Tolkien hat in seinem Werk bereits viel mit Schwarz-Weiß-Malereien gearbeitet und diese noch weiter ins Extrem zu treiben und mit entsprechenden Umkehrungen und Verzerrungen für den ein oder anderen Schenkelklopfer zu sorgen ist da ein simple Angelegenheit – das schaffen auch die treuen Anhänger der Ringkriege in einer geselligen Bierrunde. Aus einem Frodo macht man kurzerhand einen Frohdoof, die Elben werden zu den Albernen, Aragorn zu Marathorn und der Ballrog zum PankRog und los kann es gehen mit den billigsten Albernheiten, die die Welt je gesehen hat.

Dass es Myk Jung, seines Zeichens Sänger der Goth-Truppen THE FAIR SEX, TESTIFY und NICE GODS BLEED dennoch geschafft hat diese Flachheiten so zusammenzuhalten, dass das Ergebnis weit mehr ist als eine Ansammlung von dämlichen Stammtischideenblitzen, spricht da doch eindeutig für ihn.

Im Gegensatz z.B. zu Der Herr der Augenringe weiß der Nebenbuhler mit dem anderen Sinnesorgan im Titel Charme zu versprühen. Nicht die fetten Schenkelklopfer sind es, die man bei Der Herr der Ohrringe zu erwarten hat, vielmehr hat man beim Hören dieses Werkes – damit wir mal zum Kern der Sache kommen, das eigentliche Buch gibt es nun also auch in audieller Form – stets ein tiefgründiges Grinsen im Gesicht, vor allem ausgelöst durch den unaufdringlichen und sehr natürlichen Wortwitz. Jung versteht es wirklich hervorragend mit Sprache und deren Tücken umzugehen. Oft fallen einem die kleinen Satzverdreher gar nicht auf, erst beim zweiten oder dritten Hören wird einem klar was für abstruse Wortkreationen da teilweise dabei sind. Es tritt von Zeit zu Zeit fast schon ein Gefühl ein, als hätte man viel zu spät bemerkt dass man gerade verarscht worden ist und dementsprechend sind es eben eher Klatscher auf die Stirn statt die auf die Schenkel, die einen beim Hören von Der Herr der Ohrringe begleiten.

Die Story an sich kann dagegen nicht zu sehr mit Einfallsreichtum glänzen. Den vorgegebenen Pfad des Ursprungswerks hat man nicht zu weit verlassen, was natürlich im Sinne der Parodie liegt. Man hat eben wie sich das gehört die ein oder andere Abstrusität eingebaut die einen einmal mehr anspricht, das andere Mal weniger – unterhaltsam ist das ganze aber allemal.

Interessant an einem Hörbuch ist natürlich auch die Umsetzung und die ist wirklich hervorragend ausgefallen. Die Mischung aus Fantasy-Elementen und flapsigen Umgangston wurde schön herausgearbeitet und von allen Beteiligten liebevoll umgesetzt. Mit Leuten wie Stefan Ackermann, Bruno Kramm (beide DAS ICH) oder PeeWee Vignold (vom SONIC SEDUCER) hat man sich Verstärkung in erster Linie aus dem Düsterkollegium geholt was für Freunde des schwarzen Sounds ein zusätzlicher Kaufanreiz sein könnte.

Ob Der Herr der Ohrringe durch diesen schönen Sprachwitz auch für Leute interessant ist, die das Original nicht kennen ist schwer einzuschätzen. Hilfreich ist es bei einer Parodie allemal wenn man weiß auf was sich diese bezieht. Eine sehr unterhaltsame Angelegenheit ist dieses Hörbuch auf jeden Fall geworden, dem Der Herr der Augenringe ist Der Herr der Ohrenringe auf jeden Fall weit voraus. Eigentlich muss man sogar weiter gehen: für viele wird Der Herr der Ohrringe vermutlich fast genau so ein Kult werden wie das beim Original der Fall ist – auf andere Weise eben. Wer nicht so weit gehen möchte kann aber trotzdem eine Menge Spaß mit diesen Erzählungen aus dem blauen Buch haben.

Veröffentlichungstermin: 031128

Line-Up:
Stefan Ackermann (Das Ich) als Knork

Allegra als die Blumen im Wiesengrund

Darrin C. Huss (Psyche) als der Gespensterboss Bruno Kramm (Das Ich) als Legospass und Tand-Im-Nil

Lacasa del Cid als die Stimme aus dem Ohrring

5IR RAZ3 (Zelle 40) als der Pank Rog und der Hässlichste

PeeWee Vignold (Sonic Seducer) als Bilbord

Michael Zöller (Legende) als Pipifax

Myk Jung in allen weiteren Rollen

Produziert von Myk Jung
Label: Endless Records / EFA Medien GmbH

Hompage: http://www.mykjung.de