BLACK MIRROR II [PC-Spiel]

BLACK MIRROR II [PC-Spiel]

Black Mirror“ konnte seinerzeit Presse wie Adventure-Fans gleichermaßen überzeugen und gilt immer noch als eines der gelungensten Point-and-Click-Adventures, die in den letzten Jahren in deutschen Landen das Licht erblickt haben. Ein Nachfolger gehört da natürlich zum guten Ton und nach fünf Jahren des Wartens hat dieser nun endlich den Weg in die Händlerregale gefunden – mitsamt neuem Hauptdarsteller.

Zwölf Jahre sind seit dem ersten Teil vergangen. Zwölf Jahre ist es her, dass eine mysteriöse Mordserie das englische Willow Creek in Atem hielt. Auf der anderen Seite des Globus hat der junge, ehrgeizige Physik-Student und Hobbyfotograf Darren im beschaulichen Provinznest Biddeford einen Ferienjob in einem Fotoladen angenommen.

Kaum angekommen, würde er jedoch am liebsten schon wieder seine Sachen packen. In Biddeford herrscht tote Hose und sein Chef entpuppt sich als schmieriger, ungewaschener Diktator, der Darren bestenfalls für Laufburschentätigkeiten einsetzt. Einzig die bezaubernde Angelina ist ein Lichtblick im Ferienalptraum des Studenten. Als diese jedoch wegen Mordverdachts festgenommen wird und ein unbekannter Dritter auftaucht, der zudem etwas mit der Sache zu tun zu haben scheint, wird Darren in eine Angelegenheit verwickelt, die größer ist, als er zunächst annimmt. Nur so viel: Die Spuren führen ihn zurück bis nach Willow Creek und letztlich natürlich auch ins namengebende Schloss Black Mirror.

„Black Mirror II“ hält auch komplexere Kopfnüsse bereit

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Düster und unheilvoll – Black Mirror Castle

Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, braucht sich im Übrigen keine Sorgen zu machen. Bereits das gerenderte Intro-Video klärt über die wichtigsten Geschehnisse auf und alle weiteren Fragen werden im Laufe der spannend erzählten Handlung beantwortet.

Im Herzen ist „Black Mirror II“ wie sein Vorgänger ein klassisches Point-and-Click-Adventure. Das heißt konkret, dass sich Darren durch zahlreiche liebevoll gezeichnete Bildschirme rätselt, die zum Teil im Hintergrund sogar animiert sind, und neben einfachen Knobelaufgaben auch komplexere Kopfnüsse zu lösen hat, die zuweilen einiges an Gehirnschmalz abverlangen.

So muss Darren an einer Stelle einen diebischen wie aggressiven Raben aus seinem Nest locken, um an dessen begehrten Inhalt heranzukommen. Ein anderes Mal sind seine Improvisationskünste gefragt, wenn er „MacGyver-like“ aus alltäglichen Gegenständen ein Peilgerät zusammenschrauben muss. Akribisches Absuchen der Umwelt ist dabei Pflicht, denn oft wartet des Rätsels Lösung nur einen Grashalm weiter, gut versteckt in den detailreichen Landschaften.

Die Minispiele wirken aufgesetzt und nerven schnell

Erfreulicherweise ist das Rätseldesign hervorragend gelungen, logisch nachvollziehbar und dabei nie zu leicht. So werden Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen gefordert. Nur an einer Stelle fiel der Transfer hin zum richtigen Lösungsweg schwer, mit der späten Erkenntnis, dass man doch um eine Ecke weiter hätte denken sollen.

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Hammer Smashed Plate – Na gut, ganz so einfach macht es einem „Black Mirror II“ dann doch nicht.

Für Neueinsteiger gibt es neben der zuschaltbaren Hotspot-Anzeige, die auf Wunsch alle interaktiven Objekte hervorhebt, außerdem einen angepassten Schwierigkeitsgrad. Dieser ermöglicht optional die schrittweise Einblendung von Lösungshilfen in Darrens Tagebuch sowie die Option, die immer wieder auftauchenden Minispieleinlagen nach mehreren Fehlversuchen zu überspringen. Diese sollten wohl der spielerischen Abwechslung dienen, wirken jedoch größtenteils aufgesetzt und dementsprechend nervig.

So erschließt es sich mir immer noch nicht ganz, warum ich ein Schieberätsel lösen muss, um an den Inhalt eines Holzkastens zu kommen, wenn ich ihn doch auch mit Leichtigkeit aufbrechen könnte. Tatsache ist, dass diese Zwischeneinschübe das Spielgeschehen immer wieder ausbremsen und so zur Geduldsprobe mutieren. Kurz, der einzige Schönheitsfehler im sonst tollen Spieldesign.

Der wunderbare Soundtrack versteht es perfekt, Spannung zu schüren

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Atmosphäre pur – dank der liebevoll gezeichneten Hintergründe zieht einen die Welt von Black Mirror II mit Leichtigkeit in den Bann.

Technisch macht „Black Mirror II“ einen überzeugenden Eindruck. Wie bereits erwähnt, sind die Hintergründe wundervoll gezeichnet – und das mit viel Liebe zum Detail. Auch nach mehreren Stunden hat man sich an malerischen Kulissen wie das mystische Willow Creek oder dem titelgebenden Schloss noch nicht satt gesehen. Leider fallen die Charaktere selbst dagegen ein wenig ab. Neben leichter Polygonarmut sind es vor allem die teils hölzernen Animationen, die sofort ins Auge stechen.

Dafür entschädigt jedoch der wunderbare Piano-Streicher-Soundtrack, der es perfekt versteht, die eindrucksvollen Bilder zu untermalen und Spannung zu schüren. Auch die deutschen Sprecher sind sehr gut gewählt und können sogar einen Skeptiker und Englisch-Fanatiker wie mich überzeugen, obgleich Hauptfigur Darren anfangs sehr unsympathisch wirkt und die Identifikation mit ihm daher ein paar Spielstunden in Anspruch nimmt.

„Black Mirror II“ ist kein Spiele-Fastfood

A propos Spielzeit, 20-25 Stunden dürfen geduldige und entdeckungsfreudige Spieler ruhig veranschlagen, um den Abspann zu sehen. Spielefastfood ist „Black Mirror II“ nämlich nicht. Bis zum Finale ist es ein weiter Weg und auch wenn dieses auf ganzer Linie enttäuscht und ein richtiges Ende zu Gunsten eines erzwungenen Cliffhangers opfert, denkt man noch während den laufenden Credits hochzufrieden an das wendungsreiche und packende Abenteuer zurück, welches man gerade durchlebt hat.

Hoffentlich lässt der angekündigte Nachfolger nicht wieder fünf Jahre auf sich warten, denn das wäre dann wirklich ärgerlich. Qualitativ ist „Black Mirror II“ jedenfalls ein ganz großer Kandidat für das beste Adventure 2009. Und wie der Vorgänger zeigt, ist ein würdiger Nachfolger da quasi Ehrensache.

Veröffentlichungstermin: 25.09.2009

Line-Up:
FSK: 16

Systemanforderungen:
– Windows XP
– Intel Pentium IV 1,4 GHz
– 512 MB RAM
– ATI Radeon 9800 (128 MB) / NVIDIA GeForce 6800 (Shader 2.0)
– 6 GB Festplatte
– DVD-Rom
– DirectX 8

Empfohlen:
– Windows Vista x32/x64
– Intel Dual-Core 2,0GHz
– 1 bzw. 2 GB RAM
– nVidia GeForce 7000 256 MB / Shader 3.0
– 6 GB Festplatte
– DVD-Rom
– DirectX 9.0c

Produziert von Cranberry Production
Label: dtp entertainment AG

Homepage: http://www.butler-bates.de

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.