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SAMAEL, Cathedral, Without Face – 05.02.2003, Essen, Zeche Carl

SAMAEL Logo

SAMAEL, CATHEDRAL und WITHOUT FACE – wahrlich eine überraschendes Tourpackage, dass zurzeit durch Europa tourt. Nicht nur die Zusammenstellung mag seltsam anmuten, sondern auch die Tatsache, dass eine Band, die vor vier Jahren ihr letztes Album veröffentlicht hat, eine Headliner-Tournee anberaumt. Zwar erschien pünktlich zum Tourstart SAMAELs DVD Black Trip, aber dieses Release wurde vom Label der Band ohne Einflussnahme der Schweizer auf den Markt gebracht, so dass die Band auf dem Stand von 1999 nun in gewissem Sinne die Tour nachholte, die nach Eternal nie stattgefunden hat.

Pünktlich zum Gig von WITHOUT FACE musste ich die Halle verlassen, um ein Interview zu machen, und dass es mir Leid getan hätte, wäre eine infame Lüge. Der jaulende Gesang, der gleich aus den Boxen dröhnte, war einfach unglaublich. Sorry, aber man bekam unweigerlich das Verlangen, eine Spende zu geben, denn das klang mehr nach der Soundkulisse eines Tierheimes als nach Musik.

CATHEDRAL lieferten einen ordentlichen Gig ab, der aber nicht sonderlich spannend war. Beim Essener Publikum kamen sie aber relativ gut an, zumindest in den ersten sieben oder acht Reihen. Aber es doomt nicht mehr. CATHEDRAL klingen live mittlerweile wie neuere ENTOMBED, etwas gebremster vielleicht, eine Art leicht depressiver Death´n´Roll – wuchtig, aber eben nicht mächtig. Zwar gaben sie auch ältere Stücke zum Besten, aber so was entschädigt ja bekanntlich nicht für das Fehlen anderer Dinge. Lee Dorians Grimassen und Backenschwabbeln sind zwar amüsant, können aber nicht ausschließlich für einen interessanten Gig sorgen. Es ist sicher alles mal wieder eine Frage des Geschmacks, aber eine andere Tournee als diese wäre für CATHEDRAL weitaus hilfreicher gewesen.

Setlist CATHEDRAL:

Intro
Ride
Ghost
Whores
(Hypnos?)
Skull
Congregation
Ebony
Melancholy
Black Robe
Mild Night
Mountain
Hopkins

In der Umbaupause zwischen CATHEDRAL und SAMAEL verblieben viele der Anwesenden in der Halle, um dem zu lauschen, was denn da aus den Boxen schallte. Da die Schweizer nun seit vier Jahren kein neues Album am Start haben, wurde vor der Tournee verkündet, dass man während des Change-Overs zumindest das Era One-Material präsentieren würde. Diese rein elektronischen Songs sollen wohl nun doch unter dem Namen ERA ONE erscheinen und nicht als neues SAMAEL-Album auf den Markt kommen. Doch so furchterregend, wie in einigen Medien beschrieben, wäre ein elektronisches SAMAEL-Album nun wirklich nicht. SAMAEL spielen seit Jahren keinen BM mehr, die BM-Fans, die wirklich true sind, haben sich eh vor Jahren von der Band verabschiedet, und Xys klassische Version des Passage-Albums war nun wirklich überdurchschnittlich – kein Metal, im Zentrum des Albums standen Piano, Streicher und Chöre, aber mehr als bemerkenswert. Das Era One-Material scheint – dem ersten Höreindruck nach – natürlich sehr elektronisch, enthält aber die SAMAEL-typischen Bombast-Elemente, insofern darf man gespannt sein.

Und mit Era One begann dann auch der Set der Schweizer. Bei SAMAEL hat sich eigentlich im Vergleich zur letzten Tournee im Jahre 1999 nicht viel getan, bis eben auf den Opener. Die Setlist wurde leider leicht verändert, denn SAMAELs Klassiker Baphomet´s Throne fehlte diesmal, ebenso wie Moonskin, oder Flagellation, was sie zumindest 1997 noch live darboten. Das Songmaterial des Konzerts bestand hauptsächlich aus Stücken der letzten beiden Alben Passage und Eternal, so dass das Publikum schon den einen oder anderen früheren Geniestreich vermisste. Die Feuerspucker waren auch nicht mit von der Partie, dafür aber war die Lichtshow mal wieder 1A. Bassist Mass ist ja bekanntermaßen in den freien Zeiten, in denen sich die Schweizer in die Berge zurückziehen – d.h. in den letzten vier Jahren also fast permanent – mit Bands unterwegs und ist für deren Lightshow verantwortlich, und so verwundert es nicht, dass es bei SAMAEL bezüglich des Lichts rein gar nichts zu bemängeln gibt. Auch die Videoleinwand, auf der animierte Sequenzen gezeigt wurden, war okay und ist ein nettes Beiwerk für Liveauftritte.

Dass das Auftauen des Publikums eine Weile dauerte, kann man vom Essener Gig eigentlich nicht sagen. Spätestens bei den Passage-Stücken Shining Kingdom und Rain waren Haareschütteln angesagt – oder Hüftschwenken für die anwesenden Damen. Aber Songs wie The Cross und vor allem Jupiterian Vibe, die danach folgten, sind natürlich nicht zu toppen. Bei letzterem Stück hat man eh das Gefühl, als würde man von einer imaginären Riesenflutwelle erwischt. Es gibt kaum vergleichbare Stücke, die ähnliche Kraft und Intensität besitzen.

Die Tatsache, dass der charismatische Frontmann Vorph die laufende Konzerttournee mit elf Schrauben im Bein auf einem weißen Barhocker sitzend bestreiten muss, macht die Sache auch nicht einfacher – ganz abgesehen davon, dass dem Vierer auf Konzerten heute nicht mehr nur Maßkrüge und Nietenfäuste, sondern schwarze Fächer(!) von aufgebrezten Gothic-Tanten im schwarzen Kleidchen entgegengereckt werden.?

Tja, und mit dem Zitat von Gnadiator wären wir dann auch beim Publikum – der prozentuale Anteil der weiblichen Zuschauer war wirklich extrem hoch, verglichen mit anderen Konzerten. Gut, weiße Klamotten sind ungünstig, weil man dann immer für ein Sani gehalten wird, und Fächer habe ich leider nicht entdecken können, auch nicht die sonst in der Essener Zeche anwesenden Edelgroupies, die mit Lackminiröckchen und durch Ketten miteinander verbunden durch den Laden staksen und stolpern, aber die ersten Reihen wurden schon zum größten Teil von Mädels bevölkert… schon seltsam…

Vorph, der auf Krücken auf die Bühne humpelte, verblieb den gesamten Auftritt über auf einem Barhocker sitzend, denn mit elf Schrauben im Bein ist Zirkelmoshen wahrscheinlich eine etwas unangenehme körperliche Ertüchtigung. Dass es aber der Show einen Abbruch getan hätte, würde ich nicht sagen. Entweder hat ein Frontman Charisma oder nicht, und Vorph hat es nun mal einfach. Basser Mass übernimmt eh seit jeher den motorischen Teil eines SAMAEL-Gigs, und hoch oben tobt Xy zwischen Keyboards und Schlagzeug-/Percussion-Elementen hin und her, während Neueinstieg Makro sich ebenso brav in die rechte Bühnenecke verzieht, wie es bereits sein Vorgänger Kaos zu tun pflegte.

Das Konzert war denn auch jeden Euro des Eintrittspreises wert. Es gab keine Längen, keine unnötigen Gimmicks. Die Schweizer sind in der Lage, jede Bühne zu ihrem Spielfeld zu machen, und nach ihren Regeln spielt auch das Publikum. SAMAEL besitzen immer noch alle Qualitäten, die eine Band benötigt, um sich vom Gros der Szene abzuheben. Es bleibt zu hoffen, dass sie sich ihrer musikalischen Stärken besinnen und demnächst neues Material auf einer Tournee präsentieren, um letztlich den Status zu erlangen, der ihnen gebührt.

Setlist SAMAEL:
Intro: Era One
Year Zero
Shining Kingdom
Rain
Together
The Cross
Jupiterian Vibe
Radiant Star
Ways
Supra Karma
Liquid Soul Dimension
Infra Galaxia
The Ones Who Came Before
————
Nautilus & Zeppelin
Intro
Black Trip
My Saviour
Outro