COLOGNE IN THE DARK 3: Köln-Ehrenfeld, Bürgerzentrum, 25.11.2006

COLOGNE IN THE DARK 3: Köln-Ehrenfeld, Bürgerzentrum, 25.11.2006

Das COLOGNE IN THE DARK geht in die dritte Runde. Das Festival-Konzept mit mehreren Underground Acts, verstärkt durch einen bekannteren Headliner hat sich bewährt. Leider ging die Rechnung dieses Jahr wohl nicht auf. Trotz der Tatsache, dass mit ONE MAN ARMY AND THE UNDEAD QUARTET der bisher wahrscheinlich teuerste Headliner der kurzen Festival-Geschichte am Start war, hielt sich der Zuschauerzuspruch, vielleicht auch bedingt durch einige parallel laufende Veranstaltungen, arg in Grenzen. Nur etwa knapp 100 Nasen ließen sich an diesem Abend von vier rheinländischen Thrash-Metal-Acts und der schwedischen Ein-Mann-Armee die Lauscher durchpusten. Schade, denn auch dieses Mal machte das COLOGNE IN THE DARK sehr viel Spaß und auch wenn der Eintritt von 12 Euro der bisher teuerste der Festival-Reihe war, konnte man sich über das Preis-Leistungsverhältnis nicht beschweren.
(agony&ecstasy)

CANDESCENCE

Candescence
Hochklassiger Festivalauftakt – CANCESCENCE

Den Anfang vor ca. 40 Nasen machten CANDESCENCE aus Köln mit ihrem Gott sei Dank nicht zu melodischem Melodic Death, der allerdings bereits zu überzeugen wusste. Nach Indiana Jones-Intro konnte vor allem das fast grindcorige Geschrei und Geröchel von Sänger Tommes gefallen, aber auch die musikalische Leistung seiner Mitstreiter ist richtig gut. Die Songs sind ansprechend, gut gestrickt und überzeugend. Lediglich am Stage-Acting der Mitmusiker könnte etwas gearbeitet, bzw. ein solches könnte mal eingeführt werden. Es muss ja nicht direkt ein Ballett von Dirkschneiderschen Ausmaßen sein, aber so ein Schritt vor und zurück sollte ab und zu mal drin sein. Der guten Musik tat dies aber keinen Abbruch. Leider verließ Tommes die Band nach diesem Abend, hatte aber seinen erstaunlicherweise gleichwertigen Nachfolger Markus direkt im Gepäck (wie damals bei Hans Meyer und Ewald Lienen), so dass beide noch 2 Songs zusammen trällerten, was den Höhepunkt der Show darstellte. Das glückliche Händchen der Veranstalter, was Bands angeht, fand auch in diesem Jahr definitiv die richtige Auswahl und der Abend begann so hochklassig, wie man es erwartet hatte.
(Frank Kuhnle)

BLOOD RED ANGEL

Blood
Spielfreudiger Auftritt mit gesanglichen Schwächen – BLODD RED ANGEL

Als zweites standen die Rhine Area Thrasher BLOOD RED ANGEL auf dem Programm. Los ging´s mit Disturb The Celebration vom The State Of Insanity-Album. Die Krefelder präsentierten sich sehr spielfreudig, was dazu führte, dass man sich auf der Bühne ab und an beinahe über den Haufen rannte. Allerdings wirkte die Band ein wenig, nun ja… untight trifft es vielleicht am Besten. Das kann natürlich am schlechten bis fehlenden Bühnensound liegen, mit dem die Band, wie ich später erfuhr, zu kämpfen hatte. Das war letztendlich aber halb so wild, denn insgesamt lieferten BLOOD RED ANGEL eine gute Performance ab, bei der die Band mit Ceremony Of The Condemned, The Newborn Virus und dem Rausschmeisser Revelation auch drei Songs vom neuen, 2007 erscheinenden Album präsentierte. Abgerundet wurde die Setlist durch das SACRED REICH-Cover Independence. Einziger weiterer Kritikpunkt an diesem Auftritt ist der Gesang von Mastermind Klaus Spangenberg. Schon auf den Alben stellt der relativ schlappe Gesang die Schwachstelle der Band da und auch live wird dieses Problem nur all zu deutlich. Besonders bei längeren Screams kackt die Stimme doch des Öfteren mal ab.
(agony&ecstasy)

POWER

Power
Setlist POWER:
Death By Fire, Zombie Attack, People Of The Lie, Impaled, We Are, Truth About A Lie, Made In Hellfire, Thrashblitz, Die Die My Darling, Out To Kill

Mit POWER stand nun die Band von COLOGNE IN THE DARK-Mitveranstalter Alex Linke auf dem Programm. Die Kölner Zombie-Thrasher, die bereits auf dem ersten COLOGNE IN THE DARK einen sehr guten Auftritt hinlegten, begannen nach dem traditionellen Intro mit Death By Fire. Da das neue Album so gut wie fertig gestellt ist, gab es an diesem Abend mit den bereits seit langer Zeit im Set integrierten Zombie Attack und Made In Hellfire, sowie den zumindest mir bisher unbekannten We Are, Truth About A Lie und Out To Kill ganze fünf Songs von Roll The Dice zu hören. Nach dem ersten Eindruck darf man auf jeden Fall gespannt auf das neue Album der Jungs sein. Frontmann Steff zeigte sich auf der Bühne wie immer äußerst agil, während der Rest der Band es eher gemächlich angehen ließ. Dafür saßen die Backing-Chöre von Alex und Tommes bei Made In Hellfire perfekt. Bei eben diesem Song spielte der Sänger dann Luftgitarre auf einem blutigen Armstumpf, der später noch seinen Weg ins Publikum fand. Beim nächsten Mal bitte noch mehr Leichenteile. Für POWER war das Ganze natürlich ein Heimspiel und somit waren die Publikumsreaktionen auch hervorragend. Den Spruch Ich will ein Kind von euch kommentierte Steff locker mit Von uns allen? Das wird aber hässlich. Zum Abschluss kippte der Frontman sich bei Out To Kill dann noch, wie gewohnt, ne Flasche Kunstblut über den Kopf um dieses dann bangenderweise auf die ersten Zuschauerreihen zu verteilen. Wenn schon Zombie-Thrash dann richtig. Gibt´s auch was zu meckern? Natürlich. Dass die Band mit 28 und Rise Of The Serpent gleich 2 der besten Songs der Thrashblitz-Scheibe nicht im Programm hatte, fand ich doch eher unverständlich. Trotzdem boten POWER wie immer beste Unterhaltung und hartes Training für die Nackenmuskeln.
(agony&ecstasy)

SCORNAGE

SCORNAGE beendeten den regionalen Thrash-Reigen an diesem Abend. Die Band aus Aachen hatte, nach den Schweden der ONE MAN ARMY, mit neun Stunden wohl die längste Anreise, da man am Vortag noch einen Gig in Magdeburg hatte. Fraglich, ob der Weg sich für die Aachener gelohnt hat, denn sie begannen ihren Gig vor einer absoluten Minus-Kulisse von 30 bis 40 Mann. Zwar kamen im Verlauf des Auftritts noch einige Nasen hinzu, aber trotz allem waren SCORNAGE wohl die Band mit dem geringsten Zuschauer-Zuspruch. Unverständlich, denn die Truppe lieferte einen hervorragenden Auftritt ab, was mit Songs wie The Dead Will Walk The Earth oder I Am Your Fear vom starken neuen Langeisen Pure Motorized Instinct ja auch kein großes Problem darstellt. Bassist Markus Breuer verließ während des Auftritts auch mal kurzfristig die Bühne und malträtierte sein Instrument im Publikum weiter, was den einen oder anderen,schon leicht angeheiterten Zuschauer sichtlich erfreute. Ansonsten poste er mit den beiden Gitarristen um die Wette, während Frontmann Guido Grawe die Bühne entlang stapfte. Wie gesagt, es ist schade dass die Band mit ihrer engagierten und hochklassigen Performance nicht mehr Interessierte vor die Bühne locken konnte.
(agony&ecstasy)

ONE MAN ARMY AND THE UNDEAD QUARTETT

One
Thrash/Death Metal-Show der Extraklasse – ONE MAN ARMY & THE UNDEAD QUARTET

Nach dem wirklich peinlichen und der Band gegenüber unverschämten Zuschauerschwund bei SCORNAGE füllte sich die Halle wieder merklich, so dass alle ca. 100 Anwesenden es miterlebten wie Johan Lindstrand, gewandet in ein kultiges weißes (!) OZZY OZBOURNE-Muskel-Shirt und mit respektabler Bierplautze, und seine Untoten die Bühne betraten, um eine Thrash/Death-Metal-Show der Extra-Klasse zu bieten. Trotz der für ihre Verhältnisse wohl eher mageren Kulisse hängte sich die Band voll rein und gab alles. Blut, Schweiß und geile Riffs. Public Enemy No 1, No Apparent Motive, das wunderbar getragene Hell Is For Heroes, Bulldozer Frenzy und natürlich So Grim So True So Real – alles Volltreffer. Bei Letztgenanntem überlässt Johan den Refrain drei Herren aus der ersten Reihe, die ihren Job aber erstaunlich gut machen. Die gesamte Band kommt trotz ihres Namens sehr lebendig rüber (Schenkelklopfer, inspiriert von: Wortwitze, die keiner braucht – Vol. 666 – der Verf.), ist ständig in Bewegung und sucht den Kontakt zum Publikum. Die Meute dankt mit angemessenem Banging und zum Teil recht gewagten Stage-Diving-Versuchen. Der Sound ist laut und gut, die Energie ist da und die Band hätte eigentlich ein mittelgroßes Outdoor-Festival-Publikum verdient gehabt. Letztendlich scheint es den Schweden aber egal zu sein, denn der Einsatz und die Musik stimmen und die sympathische Band wird dementsprechend abgefeiert. Kurz vor der Jetzt-ruft-Zugabe-Pause wurden aufgrund der besonderen baulichen Verhältnisse im BÜZE alle Anwesenden Zeuge, wie Johan etwas unbeholfen und vor allem erfolglos versucht, die Tür zum Backstage-Bereich zu öffnen, bis ihm irgendein guter Geist dort hinein lässt. Inside-look in Rock´n´Roll-Lifestyle? Ein Sinnbild für den Künstler an der Schwelle zum Erfolg? Wer weiß… Auf jeden Fall sehr amüsant. Die Pause selbst wird von einem kleinen und deswegen sehr feinen Solo von Gitarrist Mikael Lagerblad veredelt, bevor die Band sich nach zwei weiteren Songs endgültig verabschiedet und zufriedene Gesichter hinterlässt. Keiner der Anwesenden wird diesen Abend auch nur ansatzweise bereut haben, sondern höchstens die Tatsache, nicht noch 10 Freunde mitgebracht zu haben.
(Frank Kuhnle)

Photos: agony&ecstasy

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.