Apocalyptica – Schorndorf, Manufaktur

Apocalyptica – Schorndorf, Manufaktur

25.06.98 in der Schorndorfer Manufaktur

Wer bisher glaubte, Cello Konzerte seien nur etwas für ältere, in Abendgarderobe gekleidete Herrschaften, konnte sich am 25.06. in Schorndorf vom Gegenteil überzeugen. APOCALYPTICA spielten auf, um Metallica Songs zu covern, was ja an und für sich nichts besonderes ist…

Die vier Studenten der Sibelius-Akademie in Helsinki spielen ‚Creeping Death‘ allerdings nicht mit den dafür üblichen Instrumenten sondern benutzen dazu vier Celli – und dies in einer beeindruckenden Perfektion.

Hatten Apocalyptica auf ihrem ersten Album ‚Apocalyptica plays Metallica by four Cellos‘ ausschließlich Songs von Metallica neu interpretiert, so gibt es auf dem aktuellen Album neben weiteren Metallica Songs wie ‚For Whom the Bell tolls‘, ‚Nothing Else Matters‘ oder ‚Fade to Black‘ auch Celloversionen von ‚From Out Of Nowhere‘ (Faith No More), ‚Domination‘ (Pantera) und ‚Refuse/Resist‘ (Sepultutra), sowie drei Eigenkompositionen.

Die Musik der Finnen erzeugt schon beim bloßen Abspielen der CDs eine eigentümliche, faszinierende Atmosphäre, doch live sind Apocalyptica ein Erlebnis der besonderen Art. Die Songs verlieren nichts an Härte oder Feeling durch die Celloarangements, im Gegenteil. Die eher härteren Sachen klingen düsterer als die Originale und sogar die Gitarrensoli sind auf den Punkt genau wiedergegeben, und die Balladen, besonders ‚Fade to Black‘, sorgen für Gänsehaut, da sie intensiver und melancholischer klingen.

Zusätzlich sorgt die Ausstrahlung der vier Menschen, die auf der Bühne sitzen und ihren Instrumenten auch Töne entlocken, die sonst von Schlagzeugen, Sängern, Bässen oder Gitarren stammen, für Staunen im Publikum. Eicca Toppinen, Antero Manninen, Paavo Lötjönen und Max Lilja spielen nicht nur Cello, sie gehen in ihrer Musik auf; sie headbangen, sie feuern das Publikum an und wirken doch versunken und hochkonzentriert, was sich schon an Atemübungen während des Intros zeigte.

Apocalyptica beließen es nicht nur bei den auf CD veröffentlichten Liedern, als Bonbon gaben sie zusätzlich ‚South of Heaven‘ von Slayer zum Besten, eingehüllt in eine Wand aus Nebel.

Die Reaktionen im Publikum waren verschieden, viele sangen und klatschten mit, viele waren einfach gefangen und genossen die Musik. Zum Schluß des regulären Sets ließen sich die Fans zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißen und bekamen noch drei Zugaben von den bereits sichtlich erschöpften Musikern.

Fazit: Ein Erlebnis auf höchstem musikalischem Niveau inklusive Partyfeeling!

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...